Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Volume
- 14 (1937-1938)
- Issue
- 20 (16.1.1938)
- Date
- 1938-01-16
- Page
- Seite 182 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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182 Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 16. 1. 38 XIV. Nr. 20 Fußball im Dienste der Jüdischen Winterhilfe Städtespiel Karlsruhe gegen Stuttgart I: 1 (2: I). [.Wie in jedem) Jahr, so stellten sich auch heuer die beiden Stuttgarter jüdischen Sportvereine in den Dienst der lud. Winterhilfe. Aus diesem Anlaß fand am 2. Januar ein Stadtespie! neuen die Stadtmannschaft von Karlsruhe statt. Jiei herrlichem Frostwetter und schneebedecktem linden wurde, tili äuifersi fairer und auf hoher StuTe stehender Kampf durchgeführt. Die Stuttgarter fanden «eh gleich \on Beginn an sehr gut zusammen und der Halblinke. Vollweüer. konnte bis Halbzeit bereits zweimal einsenden. Den Karlsruhern gelang bis zur Halbzeit durch ■ten fabelluiften Linksaußen ein Gegentretfer. Die Karlsruher fanden sieh nunmehr besser zusammen, und obwohl Stuttgart immer i. Führung gehen) konnte, gelang ihnen durch eri Mißverständnis der Stuttgarter Hintermannschaft doch noch ein Unentschieden von 4.4. Schiedsrichter Leo Burckhardt. Heilbronn, sorgte wie immer für eine reibungslose Durchführung des fairen Kampfes, Vor dem Hauptspie! standen sich die beiden Alte Herren-Mannschaften di'r heilen Städte gegenüber, und hier konnte St'gart mit 4:2 den Sieger stellen. Mit Bedauern fntili aber doch festgestellt werden, daß die Bestrebungen der beiden Vereine, das Spiel zu einem wirklichen Jüdischen Winterhilfe- Spiei zu gestalten, sjch nicht erfüllten. Obwohl es begreiflich ist. daß sich bei Schneewetter nicht jedermann gerne auf den Sportplatz stellt und voll anerkannt werden soll, daß die < ieniemdemitglieder ihre sozialen Pflichten nach Kräften erfüllen, so'hätte man doch erwarten dürfen, dali mehr Gemeindemitglieder wenigstens durch den Erwerb einer Fintrittskarte im Vorverkauf, schon des guten Zweckes halber, ihr Interesse bekundet hätten. Dies ist leider in keiner Weise geschehen. Der jüdische Sport ist in Gefahr! Die Vereine sind heute durch den anhaltenden Abgang ihrer .Mitglieder auf Wettspieleinnahmen leider dringendst angewiesen: Wie bedeutungsvoll der Spo t aber nicht zuletzt fün'unsere Jugend ist. das braucht nicht besonders betont zu werden. Fs;st deshalb die Unterstützung aller Gemeindemitglieder notwendig. i ' Jba. Die jüdischen Frontkämpfer Stuttgarts tagten Zur Mitgliederversammlung des ..Reichsbunds jüdischer Frontsoldaten". Stuttgart. Der ..Reichsbund jüdischer Frontsoldaten e. V.". Ortsgruppe Stuttgart, hielt am V Januar seine ordentliche Mitglieder- Versammlung ab. Der Ortsgruppen vor sitzende. Adolf F. m r i c h . eröffnete die Versammlung und begrülite insbesondere den Redner des Abends, Oberlandesgerichtsdirektor i. \K Dr. R.osenthal sowie den Vorsitzenden des [jandesverhands Baden. Während si.li die Kameraden von den Sitzen erhoben, gedachte er mit zu Herzen gehenden Worten der I2 00<p jüdischen Frontkämpfer, die im grollen Krieg ihr Leben für Deutschland gelassen haben, sowie der vier Kameraden, die im Jahre lu*7 verstorben sind: Albert Scheuer. Karl Schloß. Albert Mayer und Dr. Fmil Sander. ■— Die Ortsgruppe zählf z. Zt. 250 Mitglieder; -I Kameraden sind gestorben. 4 ausgetreten, 45 ausgewandert. 10 eingetreten. Die Kameraden der Ortsgruppen Ludwigsburg und < )berdori-Bopfingen sind nach deren Auflösung der Ortsgruppe Stuttgart angeschlossen. Im Vorstände sind folgende Verändet imgen eingetreten: Victor Strauß ist Landessportleiter an Stelle von Hugo Nathan; Will\ (iideon hat das Kriegsopferreferat für Dr. Walther Liebmann übernommen. - Aus dem Tätigkeitsbericht ist ferner hervorzuheben, daß der Sportplatz von der (iemeitide übernommen wurde, nachdem er schon vorher dem Sportklub ..Hakoah'" mit zur Verfügung gestellt worden war. Die Kassenlage der Ortsgruppe ist befriedigend: dem Kassier, M o r i t z L i n d;f u e r. wurde der Dank der Versammlung ausgesprochen, ebenso dem Schriftführer. Theodor Marx. Die neu eingerichtete Kriegsopferkasse verfügt über einige Mittel, um in Not geratenen Kameraden beizustehen und sonstige soziale Aufgaben zu erfüllen: ihr weiterer Ausbau gehört zu den nächsten Aufgaben. Die Bezieht, ugen zur Gemeinde und den übrigen Vereinen sind sehr gut: -als Repräsentanten des Bundes wurden Hans Mayer und Josef Brandt in die Isr. Landesversammlung delegiert. Die Ankündigungen des Bundes sollen künftig im ..Jüdischen Gemeindeblatf* ver- < fientlieht werden: die Kameraden wurden aufgefordert, das ..(iemeindeblatt" auch sonst zu fördern. Mit einem Appell an die Kamera- Jen zur eifrigen Mitarbeit an den Aufgaben des Bundes schloß der Vorsitzende seine mit Beifall aufgenommenen Ausführungen und gab dem Mitglied der Bundesleitung. Oberlandesgerichtsdirektor a. D. Dr. Rosenthal, das Wort. Dieser gab in großen Zügen einen historischen L'eberblick über die Fntw ickelung der Kriegsopierversorgung und stellte fest, daß seitens der Behörden absolute Gerechtigkeit walte. Die Bedeutung des im November 19.12 der Oeffentlichkeit übergebencr. Gefallenengedenkbuches wurde hervorgehoben und auf dte Wichtigkeit der zurzeit laufenden statistischen Frhebungen über Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene hingewiesen. Unter den Aufgaben, die dem Reichsbund gestellt Mtid. nannte der Vortragende: Linderung der größten Not, Verschickung von jährlich 500 bis 600 Ferienkindern, in einigen Gemeinden Errichtung von Mittagstischen. Verteilung von Lebensmittelpaketen zu den Feiertagen u. a. m. — Zur Frage der Auswanderungsarbeit des Bundes bemerkte der Redner, daß neben der vorbereitenden Beratung durch den Bund, auch in bezug auf Verwertung von Kriegsrenten u. a.. vor allem die Betreuung der r Ausgewanderten durch Fühlungnahme mit ausländischen Frontkämpferbünden, besonders in Fngland und Amerika, mit Billigung der zuständigen Stellen, im Vordergrund stehe. Das Problem der Finzel- und Uruppenwanderung werde ständig im Auge behalten. Aufgabe der Frontsoldaten sei es, die Ruhe zi» bew ahren und jede Nervosität zu vermeiden, j Mit der Aufforderung, das Vertrauen zur Bundesleitung zu behalten, schloß der Redner seine bedeutsamen Darlegungen, Hmtsjubiläum des Rabbiner Dr. Leo Baeck In den letzten Dezembertagen des Jahres 1912 ist der damalige Düsseldorfer Rabbiner Dr. Leo Baeck dem Rufe des Berliner (iemeindevorstandes gefolgt und hat sein Amt als Rabbiner der größten jüdischen Gemeinde angetreten. Fünfundzwanzig lange und ereignisschwere Jahre sind seither vergangen. Sie haben erwiesen, wie glücklich die damalige Wahl gewesen ist. Sie hat einen Mann von seltener Prägung an die maßgebende geistliche Stelle des Judenrums m Deutschland gebracht. Line umfassende, in der Weite ihres Bereichs wie in der Tiefe der Durchdringung immer wieder staunenerregende Bildung vereinigt sich in ihm mit Scharfe des Verstands und Güte des Herzens und mit einem praktischen Blick, den geschulte Verwaltungsbcamte an ihm bewundern. So vertraut er mit allen theologischen Problemen ist, so hat er doch nie Theologie um ihrer selbst willen getrieben. Die philosophische und die historische Betrachtungsweise sind bei ihm eins geworden. Sie hat ihn aber nie dem tätigen Leben entfremdet. Der Mann, der das klassische Buch über „Das Wesen des Judentums" geschrieben hat, verkörpert in sich selbst das Beste dieses Wesens: die Verbindung von Lehre und Leben. Der Inhaber eines zentralen Lehramts an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums ist fast während des ganzen Krieges Feldrabbiner an vorderster Stelle gewesen. Der Vorsitzende des Allgemeinen Rabbinerverbandes wurde alsbald nach der Gründung der Jewish Agency Mitglied der leitenden Gremien dieser Körperschaft und Präsident des Palästina-Aufbauwerkes in Deutschland. Unter seiner Leitung erstarkte die Zentralwohlfahrtssteile, und als es nach dem Umbruch im Jahre 193.1 galt Kräfte für Hilfe und Aufbau im jüdischen Leben in Deutschland zusammenzufassen, war die Gründung des Zentralausschusses, der diesen Namen trägt mit sein Werk. So war kein anderer zur Führung der großen zentralen Organisation der Judenheit in Deutschland, der Reichsvertretung, berufen als Leo Baeck. Ob die Oeffentlichkeit zu ermessen vermag, was er an ihrer Spitze geleistet hat und in täglicher unermüdlicher Arbeit leistet, die keine Schonung der eigenen Person kennt? Aber wer mit ihm zusammenwirken durfte, der weiß von seiner Demut gegenüber dem göttlichen Walten, von seinem Willen, ein schweres Schicksal zu meistern, und hat gewiß etwas von dem Zauber seiner Persönlichkeit verspürt. Der Rabbiner von Oppeln, von Düsseldorf, von Berlin ist zum Seelsorger, zum Lehrer, zum Führer der ganzen deutschen Judenheit geworden. Möge er es noch lange, lange bleiben! für die ihm rekher Beifall der Kameraden und abschließende Worte Adolf Fmrichs dankten. M. Akcnnierl Jas <j«m«;n«i«!,i«at" für eure Lieben im Ausland!