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Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1938-01-01 · 19 (1.1.1938) · p. Seite 174

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
14 (1937-1938)
Issue
19 (1.1.1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 174 (sequence 8)
Language
German
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Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg l. 1. 38 XIV. Nr. \9 174 Stuttgart Ein Chanukkahfest. das wohl Gästen wie auch Gastgebern die gleiche Freude bereitete, veranstaltete der Frauenverband für Palästinaarbeit. Frohe Flötenlieder, gespielt von dem schon bewährten kleinen Blockflöten-Kreis Grete Bohles. zu dem aus Ruth Hamburgs Schülerschar die sichere Violinbegleitung gestellt war, leiteten den MittaK ein; Erna Feuerlichts mit ebensoviel Charme als auch schon großem Können gebotene Tänze beschlossen ihn. Dazwischen kam die Schwere und der Frnst unserer Tage, gehoben und geadelt durch eine Weltanschauung von höherer Warte, zur Geltung. Frau Ida Marx erinnerte in ihren Begrüßungsworten an das Wunder unseres Noch-Daseins über alles Leid Jen Jahrtausende hinweg. Frühere Wanderungen waren nur Ortsverset/ungen. L'eberall blieb die jüdische Gemeinschaft als geschlossenes (ianzes bestehen, lue Kehilla nahm ihr Wesen und ihren Cjeist jeweils mit in die neue Heimat. Seit dem Einbruch des europäischen Geistes in c'ie jüdische Kultur ist die Gefahr unseres Zerfalls heraufbeschworen, Und nun zeigt uns das Schicksal einen neuen Weg der Sammlung in Erez Jisrael. die Gründung einer neuen Heimat, der Versuch des Aufbaus einer sittlichen Menschengemeinschaft. Ist da nicht mit Recht aHch heute noch das ..AI hanissim" zu sagen .J l'nd so war das Entzünden der Lichter ein Tun ans unserer Gegenwart. L'nd als Ruth Robert ihre Lieder von der Wanderung sang, da sprach die vojle warme Stimme doppelt zu den Herzen, und später folgten die Augen .der Anwesenden voll Spannung dem Ablauf des Palästinafilms, der vor allem die werdenden Siedlungen des Gaüls zeigte. Und e i n Wunsch beseelte die Beschauer, daß an diesem schweren Werk de Jugend sich wiederum eine der Wundertaten in unserer Geschichte erweisen möge. ,- . M. H. Stuttgart. ..Judentum -»Gedanke und Wirklichkeit" war das Thema eines Ausspracheabends, den das Jüdische Lehrhaus in Gemeinschaft mi* der „Mittelstelie für jüdische Erwachsenenbildung" am 11. Dezember 10.17 veranstaltete. Stadtrabbiner Dr. R i e g e r eröffnete den Abend und gedachte ■mächst, w ährend sjc!i die Versammlung von ihren Plätzen erheb, mit warmen Worten des verewigten Dr. Emil Sander, dessen Tod im Lehrhaus eine besonders fühlbare Lücke hinterlassen hat. Dann begrüßte er den Leiter des Abends. Dr. Eduard Strauß. Frankfurt a. M.. der schon nach wenigen Sätzen sein Auditorium mitzureißen wußte.;Kein „Vortrag mit anschließender Diskussion" sollte der Abend sein, sondern ein .Ausspracheabend" im eigentlichen Sinne, eine wechselseitige Unterhaltung, bei der in lebendigem Meinungsaustausch zwischen Leiter und Zuhörerschaft Begriffe geklärt, Zweifel gelöst. Erkenntnisse erarbeitet werden. L'nd das Publikum ging mit: aus jeder Ecke der überfüllten Turnhalle tönten dem Redner Antworten. Rufe. Meinungen auf seine Fragen und Anregungen entgegen: und jede Aeußerung wurde von ihm gewogen und genau geprüft. Es war ein absoluter Genuß, zu sehen, wie er. in betonter Ehrfurcht vor dem „Wort", jeden Begriff auf seinen tatsächlichen Inhalt zurückführte, wie er. oft unter Heranziehung sprachlicher Analogien, die Werte unklarer Ausdrücke gegeneinander abwog, wie er. weitab von jeder Schlagwort-Dialektik,, um äußerste Klarheit der Anschauung rang und in unerbittlicher Exaktheit jede Begriff svermanschung sofort und endgültig enthüllte. Und das alles nicht im Ton überlegener Lehrhartigkeit, sondern als amüsanter Plauderer, dem — scheinbar — sein Thema gar nicht so wichtig ist, sondern der auch einmal von ganz anderen Dingen spricht, der auf jede, selbst manchmal abstruse Aeußerung aus dem Zuhorerkreise eingeht, sie wie einen Ball ins Publikum zurückwirft, wieder auffängt und in spritzigem Dialog in Kürze ihren Kern und ihre Beziehung zum Leitmotiv für jeden erkennbar herausschält. Mit Fleiß vermeidet er die großen Worte und wissenschaftlichen Definitionen, er spricht, wie ihm. oder besser, wie seinem Publikum der Schnabel gewachsen ist. erzählt Anekdoten — und ist im nächsten Augenblick doch wieder hingegeben und in größter Demut bei seinem Thema und dessen ungeheurem Ernst. So war das Ergebnis der Aussprache: „Judentum ist gelebte W irklichkeit und keine gedankliche Abstraktion'' in wahrstem Sinne erarbeitet: Eduard Straufi hatte in glänzender Führung der Diskussion gezeigt, was Lehrhausarbeit bedeutet, und wie die Dinge, die uns zutiefst bewegen, aus der Sphäre des nur Begrifflichen nahe an uns und unser Lebenszentriini herangebracht werden können. — Der reiche Beifall der Zuhörerschaft und herzliche Worte Hr. Riegers dankten ihm für den eindrucksvollen Abend. — Stuttgart. Am 11. und 12. Dezember 19.77 fand wiederum eine Lerntag ung des ..Landesausschusses der Jüd. Jugendverbände für Württemberg und Hohenzollern" in Gemeinschaft mit der ..Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung" statt. Die Tagung. a:i der sich etwa 50 Menschen beteiligten, begann mit einem Gemeinschaftssingen unter Leitung von Dr. Erich Katz (Freiburg). Am Abend des II. Dezember leitete Dr. Eduard Strauß (Frankfurt a. M.) im Rahmen des Lehrhauses eine Aussprache, über die an anderer Stelle dieser Nummer berichtet wird. Am nächsten Tag knüpfte man an das Thema dieses Abends an. Der Satz ..Jedes Kind einer jüdischen Mutter ist ein Jude" führte zu einer intensiven Aussprache, die .sich über den ganzen Tag hinzog. Zwischendurch und auch zum Abschluß wurde wieder mit Dr. Erich Katz gesungen. Alles in allem kann gesagt werden, daß die Lerntagung zur Zufriedenheit aller verlaufen ist und daß jeder mit dem Gefühl wegging, etwas gelernt zu haben, wobei dieses „etwas" sehr viel bedeutet, weil es an die innersten Fragen unseres Lebens rührte. Stuttgart. Im würdig ausgeschmückten kleinen Saal des Siegle-Hauses fand am 21. Dezember 1937 eine Gedenk stunde für den verstorbenen Gemeindevorsteher Dr. Emil Sander statt, die vom Israel. Gemeindevorsteheramt, dem Jüd. Lehrhaus und der Stuttgarter Jüd. Kunstgemeinschaft veranstaltet worden war. Diese Gedächtnis- Feier sollte, wie Karl Adler ausführte, mehr als ein Erinnern mit Worten sein, denn dem Verewigten galt das T u n. Darum sprachen auch an diesem Abend zu der Familie und den vielen ergriffenen Freunden Dr. Emil Sanders sei. Ang. Werke, deren wirkende Kraft der Verstorbene an sich selbst verspürt hatte. Leo Adler sang das „El mole rachamim", und Lehrer Makowski. bei dem der Verewigte die hebräische Sprache lernte, sprach in dieser einen Nachruf. Rezitation aus den „Sprüchen der Väter" (Hilde Fischer und Leo Adler) kündete die Gottzugewandtheit des Verstorbenen, und es war besonders ergreifend, als ein Quintett (Grete Adler, Lotte Stein, Ilse Herz, Karl Adler, Leo Adler) den von Salomone Rossi Ebreo vertonten Psalm 80 sang. Diese Hymne wurde im Sommer 1933 zum erstenmal in Stuttgart von einer kleinen Gruppe gesungen, aus der dann die Kunstgemeinschaft erwuchs. Unter diesen Sängern war auch Dr. Sander, der schon damals die Notwendigkeit künstlerischer Arbeit erkannt hatte. Aus weiteren Rezitationen Hilde Fischers und dem vom Quintett vorgetragenen Lied „Komm süßer Tod" von J. S. Bach sprach die Mächtigkeit des Geistes, zu dem sich Dr. Sander bekannte. Die feierliche Gedenkstunde wurde durch ein Streichquartett (Ciaire Nußbaum. Hans Mayer. Karl Haas. Gerhard Löwe) mit Werken von Haydn und Mozart umrahmt. Stuttgart. Die Jüdische Kinderlesestube, von den Kindern kurz „Ka-El" genannt, sah am Eröffnungsnachmittag eine ansehnliche Schar jugendlicher Leser und Leserinnen, die sich gar nicht genug wundern und freuen konnten über die Fülle von herrlichen Kinderbüchern, die da in blitzblanken Einbänden in den Fächern eingeordnet standen. Man brauchte sich nur sein Lieblingshuch zu wünschen oder sich von der freundlichen Helferin beraten zu lassen, und schon konnte man „Bibi" oder „Tom Sawyer", „Die Vier vom Kinnereth" oder „Die Jungen vom tiuschw, den „Radio-Dektektiv" oder einen Kasperleband. usw. in der Hand halten und sich daran festlesen. Ueber hundert Bände standen zur Wahl. — Bald saßen Buben und Mädel andächtig und voll Leseeifer um den Tisch herum, und Spannung und Begeisterung strahlten auf den Gesichtern. Nur zu schnell verflog die Zeit, man trennte sich nur schwer von dem angefangenen Buch und alle freuen sich auf den nächsten Lesenachmittag. um weiter lesen zu können und alle Freunde und Freundinnen mitzubringen. Nächster Lesenachmittag: Montag, 3. Januar, 3 bis 6 Uhr. Benützung unentgeltlich. Stuttgart. Die ordentliche Mitgliederversammlung der Ortsgruppe Stuttgart des Reichsbunds jüdischer Frontsoldaten findet am 8. Januar statt. Außer dem Tätigkeitsbericht des Vorsitzenden enthält die Tagesordnung ein Referat von Kammergerichtsrat i. R. Dr. R o s e n t h a 1 (Berlin) über „Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten e. V., seine Kriegsopfer- und Auswanderungsarbeit". Stuttgart. Der Jüdische Sportverein „Schild" hält am 22. Januar seine Jahresveranstaltung ab. Unter dem Motto „J.S.V. Schild — in Klang und Bild" wird eine bunte Schau ablaufen, an der alle Besucher des Abends Freude erleben werden. Spiele und turnerische Vorführungen werden von der in den einzelnen Abteilungen geleisteten Arbeit zeugen, auch können alle Eltern und Freunde der Jugend an diesem Abend feststellen, daß diese beim „Schild" in besten Händen ist. Neben musikalischen Darbietungen von Gruppen und Solisten wird man Ruth Robert erstmals im großen Sieglehaus- Saal hören. Auch eine reichbeschickte Tombola wird zur guten Stimmung beitragen. — Im Hinblick auf den zu erwartenden Andrang dürfte sich rechtzeitige Kartenbesorgung bei den Vorverkaufsstellen empfehlen.

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