Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Volume
- 14 (1937-1938)
- Issue
- 18 (16.12.1937)
- Date
- 1937-12-16
- Page
- Seite 162 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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162 Jüdische« Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 16. 12. 37 Xiv. wr. lierson). voll echter Situationskomik. Helene Rippert hexleitete am Hügel Gesang und Tanz mit zuverlässiger Versiertheit. So hatte die „HakoatV" in zielbewußter Zusammenarbeit eine vorbildliche Groß-Veranstaltuug geboten und wir möchten wünschen, dai! dieses mit Beifallsstürmen aufgenommene Programm für unsere Landgemeinden wiederholt werden könnte. H. St. ioo Jahre Jüdischer Frauenverein Buchau l>er Jüdische Fraucnvcrein beseitig sein 10njähriges Bestehen. Aus diesem Anlasse wurde im Cafe Vierfelder ein Gemeindeabend veranstaltet. Bereits im Sabbath-Chanukka-Gottesdiedste hatte Rabbiner Dr. Schlesinger in seiner Predigt den Jubilar gefeiert und ihm Worte der Anerkennung gezollt. Den Gemeindeabend eröffnete unsere Anne Kahn ttiit dem Vortrage des Liedes „Die Himmel ruh- . inen"'. Hierauf begrüßte die Vorsitzende des Frauenvereins. Frau Ida Moos, die Gäste und erteilte Frau Helene Dannhauser. der Schriftführerin, das Wort zu einem sorgfaltig ausgearbeiteten Referat über ..Geschichte und Entwicklung des Vereins"*. Anschließend verlas K'abb. Dr. Schlesinger im Auftrage des Isr. t Iberrates dessen Wünsche für den Jubilar. Frau Levi. Lim. sprach im Namen des Isr. Vorsteheramtes l Im und des dortigen Sdrwesternbundes. Die Damen Klothilde und Adele Kahn trugen Gedichte vor. Hierauf erfolgte die Verlesung der Glückwünsche durch Frau Klara .Marx! Als letzter Glückwunsehredncr überbrachte Moritz Vierfelder die Glückwünsche des Vor^teheramtes und überreichte Spenden desselben nnd des Arir/cnvereines. Nim kam der Höhepunkt des Abends, der Vortrag Vierielders über „Geschichtliche Forschungen in den jüdischen Gemeinden Buchau-Kappel" und ein Lichtbildvortrag hier/u. Der Abend war sehr gut besticht Am' eine Mitteilung des Isr. Vor- ■sieiierauitcs an den Isr. oberrat hatte letzterer den Vorschlag gemacht, mit dem Jubiläum ein Synagogenkonzert im Rahmen der Betreuung der Landgemeinden zu veranstalten. Diesem Vorschlage hatte das Vorsteberami gerne zugestimmt, und so konnte dieses Konzerj am 5. Dezember veranstaltet w erden. (»herrechnunssrat Wißmann eröffnete es mit einer Ansprache. Die Mitwirkenden. Frau Ciaire Nußbaum. Kapellmeister Haas. Hans Mayer. Gerhard Lowe. Lutz Harteck aus Stuttgart und unsere Buchatier Sängerin Frau Anne Kahn versuchten, mit all ihrem Können dem Publikum eine Stunde des Vergessens der ^, Gegenwartsschwere zu schaffen, und dies ist ihnen mit ihrem erlesenen Programm auch vollkommen gelungen. Line bessere Anerkennung gibt es nicht. Vorsteher Vierfelder dankte den Künstern und dem Isr. Oberrat mit tiefgefühlten Worten. Anschließend fand das Mincha-Gebet und hierauf das feierliche Entzünden der Chantikkaliehter durch Kantor Zodick statt. Begeistert noch von den gebotenen Genüssen sang die Hörergemeinde die Chanukkahymne. Mit dem Maarivgebet klang die erhebende Veranstaltung aus. — Auch Ihre Familien - Anzeige in das Gemeindeblatt. Die „Tageszeiten" von 6. Ph. Telemann Zur Aufführung der Kunstgemeinschaft am 18. Dezember 1937. Georg Philipp Telemann lebte von 1681 bis 1767. Fr war einer der beliebtesten Korn pomsten seiner Zeit und damals fast noch mehr geschätzt als J. S. Bach. Im vergangenen Jahrhundert gelangte er jedoch immer mehr in den Schatten seiner Zeitgenossen Bach und Händel und fand allmählich nur noch das Interesse der Musikwissenschaftler. I"rst in den letzten Jahren wurde man auf l'eleinann wieder aufmerksam. Mit Staunen gewahrte man die Fruchtbarkeit seines Schaffens, von dem etwa -40 Opern, weit über UM) Kantaten und Oratorien, etwa 600 Suiten und andere Instrumentalkompositionen Zeugnis ablegen. Freilich ist nicht alles von gleichem Wert, auch manche Gelegenheitskompositionen sind darunter; aber es wird noch v iele Jahre dauern, bis nur die wertvollsten Werke, die oft in schwer zugänglichen Manuskripten enthalten sind, erschlossen und vor allen Dingen aufgeführt sein werden. ..Die T a g e s z e i t e n" sind ein Werk oratorienhafter Prägung und erinnern in der Anlage an die später entstandenen und bekannteren Havdnsehen ..Jahreszeiten'". Der Textdichter F. W. Zachariae bedient sich einer Sprache, die zwar die Züge ihrer Zeit nicht verleugnen kann, die aber doch noch heute edel und echt wirkt. Freilich hat sie durch die Musik eine vorzügliche Behandlung gefunden und in vielen Teilen dadurch eine Steigerung nach innen und außen erfahren. Die Musik ist von einer erstaunlichen Frische. Sie vermag uns fast durchweg zu fesseln, zu begeistern, zu ergreifen. Instrumentale Vor- und Zwischenspiele wechseln mit Rezitativen, Arien und Chören und fü- ■•cen sich zu einem Guß von seltener Knappheit und Geschlossenheit. Man möchte kei- Zur Eröffnung der Jüdischen Kinder-Lesestube am 20. Dezember 1937 Die jüdische Presse hat sich gerade in der letzten Zeit eingehend mit der hohen Aufgabe beschäftigt, die das Buch heute für unsere iemeinschaft zu erfüllen hat. Insbesondere -ind es unsere Kinder, die ihren Blick aus dem begrenzten Raum ihrer Welt der märchenhaften Weite zuwenden wollen, die innen aus den Seiten des Kinderbuches entgegenleuchtet. Allein schon immer — und gerade in unserer heutigen Zeit — gilt der Satz: für die lugend ist das Beste gerade gut genug! Der Einfluß des Lesestoffes kann in gutem wie auch in schlechtem Sinne für das ganze Leben eines Kindes von größter Bedeutung sein. Es muß daher das ernstliche Bestreben aller derjenigen sein, die Kinder zu betreuen haben, der heranwachsenden Jugend Gelegenheit zu geben, sich am guten Buche zu erfreuen. Im Bewußtsein dieser hohen Verantwortung entstand der Gedanke, eine jüdische Kinderlesestube in Stuttgart einzurichten.. Die (üdische Winterhilfe, die es sich zur Aufgabe gemacht hat. den von ihr zu Betreuenden nicht nur in materieller Beziehung, sondern auch seelisch' zu helfen, hat sich in dankenswerter Weise in den Dienst der Sache uen Takt dieser Musik missen, die eingänglich und volkstümlich im besten Sinne ist. ohne billig und seicht zu sein. Die Arien der Solisten mit den vorangehenden Rezitativen umfassen alle Stimmungsgrade. Hellster Morgenjubel, idyllische Anmut, behagliche Beschaulichkeit, ernste Besinnung haben treffenden Ausdruck gefunden. Als Komposition s f o r m spürt oder ahnt man das Zusammentreffen zweier Zeitalter: strenge Kontrapunktik, die oft an Bach gemahnt, paart sich mit fließender Melodik und durchsichtiger Harmonik, die schon auf die späteren Klassiker Haydn und Mozart hinzuweisen scheint. Durch die Verwendung des Cembalo werden die stilistischen Forderungen noch stärker ausgeprägt. Beachtlich sind die Tonmalereien, die nicht in billiger Nachahmung sich ausladen, sondern in vornehmer Weise immer nur mit wenigen Takten andeuten, z. B. der murmelnde Bach, der rauschende Busch, der blasende Hirte. aber auch Todesklänge und jubelnde Seraphim. Orchester und Chor sind vor eine anspruchsvolle Aufgabe gestellt; das Orchester hat graziöse Begleitungen auszuführen, jedoch auch kraftvolle Selbständigkeit zu wahren. Die Anforderungen des Chores gehen bis nahe an die Grenze chorisch-stimmlicher Leistungsfähigkeit. Machtvolle Chorfugen nach Psalmtexten beschließen die einzelnen Teile wie das ganze Werk. Vor den „Tageszeiten" werden die bewährten Solisten Irma Stern und Benno Z i e g 1 e r einige Arien und Duette von Händ e 1 und Mendelssohn, die stilistisch zu dem Hauptwerk passen und auf alttestamentliche Texte komponiert sind, singen. So sind wir davon überzeugt, daß der Abend beschwingende Entspannung, aber auch tröstende Kraft vermitteln wird . Karl Adler. gestellt Auch die Leitung des Jüdischen Jugendheims hat sich bereitwilligst erboten, einen, behaglichen, freundlichen Raum zur Verfügung zu stellen, in dem die Kinder nach Herzenslust lesen können. Von fachmännischer Seite ist eine umfangreiche, vielseitige, in bestem Sinne kindertümliche Jugendbücherei zusammengestellt worden, die alles umfaßt, was unseren Kindern Freude und Anregung geben kann und den kindlichen Lesehunger in reichem Maße zu stillen vermag. In bunter Reihe sind zu finden: Bilderbücher. Märchen, Sagen und Schwanke, Robinsonaden. Geschichten und Erzählungen aller Art und aus nah und fern. Bücher von fremden Ländern und Völkern, Abenteuer- Das dürfen Sie nicht vergessen l Nämlich Mitte Dezember dem Postboten RM. 1.25 Abonnementgebühr für den Bezug des „Gemeindeblattes" im 1. Quartal 1938 (Januar bis März) zu bezahlen. Sie erhalten unser Blatt nur dann regelmäßig, wenn Sie die Ihnen durch den Postboten vorgelegte Quittung prompt einlösenI Wir bitten Sie herzlich: Tuen Sie das! Sie ersparen uns so Arbeit und sichern sich pünktliche Zustellung unseres Blattes.