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Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1937-12-01 · 17 (1.12.1937) · p. Seite 149

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
14 (1937-1938)
Issue
17 (1.12.1937)
Date
1937-12-01
Page
Seite 149 (sequence 3)
Language
German
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XIV. Nr. 17 Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg f. 12. 37 149 zwang. Jetzt steht Keren Hatorah aber vor schweren Entscheidungen. Wird es weiter möglich sein, zu helfen und Not zu lindern oder wird auch Keren Hatorah mit dem Abbau beginnen müssen? Die Führer des Keren Hatorah wehren sich mit aller Kraft, aber ohne die Hilfe aller Freunde un serer Jugend wird es nicht gehen. Der Aus fall der Chanukka-Aktion wird zeigen, ob die Hoffnung, die der Keren Hatorah In die Aufgeschlossenheit und Gebefreudigkeit seine: Freunde setzt, berechtigt ist oder nicht. Wer es gut meint mit unserer Jugend, der helfe dem Keren Hatorah in größerem Maße noch als bisher! Vom Geringshof bis Tirat Zwi 10 Jahre Tenuat Tora wa'Awoda. Im Monat Dezember begeht die Tora wa'- Awoda-Bewegung in Deutschland ihr zehnjähriges Jubiläum. Die Tora wa'Awoda-Bewegung, der die Organisationen Zeire Misrachi, Brit Hanoar und Brit Chaluzim Datiim angeschlossen sind, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die jüdische Jugend in Deutschland zu Menschen zu erziehen, die ihr Leben für das jüdische Land und für die jüdische Lehre einsetzen wollen. Der Zeire Misrachi wurde im Jahre 1927, der Brit Chaluzim Datiim und der Brit Hanoar im Jahre J1928( gegründet. Doch die Geschichte der; toratreuen Chaluzbewegung ist noch älter. Ihre Wurzeln gehen zurück in jene aufgewühlte'Nachkriegszeit, in der die jüdische Jugend begann, aus eigener Verantwortung ihren Weg zum Judentum zurückzufinden. Die Geschichte dieser Bünde und die Soziologie seiner Mitglieder bringen es mit sich, daß sie sich nach zwei Seiten zu orientieren haben. Sie gehören, soziologisch und ideologisch gesehen, sowohl der zionistischen Bewegung an, wie sie ein Glied des toratreuen Judentums darstellen. Die Normalisierung des jüdischen Lebens, die Tatsache eines jüdischen Volkslebens im eigenen Lande, schaffen erst die nötigen Voraussetzungen und Bedingungen, unter denen die Tora in ihrem ganzen Umfang sich zum Ausdruck des ganzen Daseins formen, dem Volke wieder lebendig werden kann. Aus dieser Erkenntnis heraus sieht der Bachad seine entscheidenden Aufgaben in der Errichtung eines großen Netzes kibbuzischer Siedlungen, die nach diesen Richtlinien aufgebaut sind; eingereiht in die zionistische Arbeiterschaft Palästinas, geformt durch die jüdische Kultur, kämpft die Tora wa'Awoda- Bewegung für die Eroberung* der jüdischen Arbeit und des jüdischen Landes. Um-dieseh schweren Weg erfolgreich zu Ende gehen zu können, ist eine intensive Erfassung der Chawerim des Bachad erforderlich. Neben der Erziehung in den Hachscharah-Zentren, Mittleren-Hachscharah- und Jugend-Alijah-Gruppen betrachtet es der Bachad als seine Aufgabe, den jungen jüdischen Menschen in Deutschland eine gründliche Ausbildung in jüdischen Fächern zu geben. Neben den Mitteln, die die zentralen jüdischen Instanzen für diese Arbeit zur Verfügung stellen, wird seine Arbeit und ihre Organisierung durch den Keren Tora wa'Awoda getragen. Nach lQjähriger erfolgreicher Tätigkeit wendet sich diese Bewegung an die jüdische Oeffentlichkeit in Deutschland mit der Bitte, diesem Werk der religiösen Chaluzim verständnisvolle und tatkräftige Hilfe zuteil werden zu lassen. 2>ie Jtlcnmafk Ein kleiner, schlanker Silberbaum, Der ist von wunderbarer Art: Im Sommer träumt er den Wintertraum; Doch kommt der Winter streng und hart. Dann treibt das Bäumehen Blüten. Die Blüten sind gar lieb und hold In ihrem bunten Farbenspiel; Ein blauer Kelch, ein Rand von Gold, Das wiegt sich leicht auf schlankem Stiel, Es sind acht strahlende Lichter. Es blüht der bunte Kerzenglanz Acht Tage lang im Silbergeäst; Menorah wird der Baum genannt, Chanukka heißt das schöne Fest, Da die Menorah blühet. Es mahnet dieses Fest uns heut' An eine große Heldenzeit Den Makkabäern Ist's geweiht, Die da gekämpft in heißem Streit Für Judas Sieg und Ehre. Theodor Herzl. Niederschlag in Dichtung, Geschichtsschreibung und religiöser Auseinandersetzung. Heute bildet das jüdische Buch inmitten der unermeßlichen Welt der Bücher einen gewichtigen Bezirk, den zu durchwandern Gewinn und Bereicherung unseres Geistes bedeutet. Nur dort, wo die dauernde Entfremdung vom jüdischen Buche Vorurteile erwachsen ließ, scheut man sich vor ihm. Aber jüdische, echte jüdische Bücher sind nicht „trist", nicht „gelehrt", nicht „belastend" durch ihren historisch-tragischen Atem, wie es unüberlegte Leser ihnen gerne vorwerfen, um die Begegnung mit ihnen zn vermeiden. Wer Schlichtheit mit Seichtheit, Heiterkeit mit Oberflächlichkeit verwechselt, dem wird der Weg zum jüdischen Buche schwer zu öffnen sein, denn unser Buch verlangt, daß der Leser eines Geistes mit ihm ist: still, nicht laut, duldend, nicht fordernd und heiter durch die Sicherheit im Glauben. Jüdische Bücher — jüdische Leser | Von Erich Guttmann, Berlin. Wir sprechen nicht von jenen Lesern jüdischer Bücher, denen als studierte Theologen Judentum Wissenfach ist, nicht von den östlichen Glaubensbrüdern, die ihr Leben lang „lernen" und forschen in den Büchern der Lehre und Weisheit; nicht einmal von denen soll allein die Rede sein, welchen jüdisches Wesen und jüdische Bildung Mittelpunkt ihres Daseins ist: wir meinen hier alle Juden, auch diejenigen, deren geistiges Wesen längst „verschwebt ist im Allgemeinen", die jüdischen Geist nicht mehr als Heimatbezirk ihres Suchens und Strebens empfinden, ihn vielleicht überhaupt nicht mehr empfinden. Denn jüdisches Lesen ist unaustilgbarer Bestandteil jüdischen Seins, weil es keine Auseinandersetzung mit Geist, Tradition und Wirklichkeit gibt, die so reich an Möglichkeiten, so stetsbereit, so jedem, auch dem Einsamsten zugänglich wäre, wie das jüdische Buch. Wo aller gesprochene und dargestellte Geist, wie Vortrag und Gemeindeabend, Lehrhaus und Kulturbund ansprechen, anregen, anbahnen, da tritt das Buch begleitend; befestigend, vertiefend und Dauer spendend hinzu und meldet sich bescheiden als steter Freund und Begleiter. Lesen aber ist Zwiesprache halten mit dem eigenen Gewissen. Aus jedem Buche spricht zu dem, der es liest, immer das, was er ist, was er sucht und fragt. Es gibt heute keinen Juden, der an seinem Judesein vorbeigehen kann — es gibt füglich auch keinen, der am jüdischen Buche vorübergehen kann. An ihm vorbeigehen, hieße, an sich selbst vorbeigehen — und das ist undenkbar. Schwer und langsam hat sich das jüdische Buch seinen Platz im Laufe der Zeiten erobert neben den zwei gewaltigen Schöpfungen des Judentums, die alles überragten: neben Bibel und Talmud. Aber weil jüdisches Dasein weiterlebte im Galuth, fand es neuen Ein Märchen vom verlorenen Sohn Zum Heine-Abend der Stuttgarter Jüdischen Kunstgemeinschah. Eine Veranstaltung besonderer Prägung bot die Stuttgarter Jüd. Kunstgemeinschaft am 18. November ihren Freunden mit einem dem Dichter Heinrich Heine gewidmeten Abend, der unter dem Leitwort „Ein Märschen vom verlorerfün Sohn? stand. Wer das [Leben und Sterben Heines kennt, der weiß, rdaß es ein erschütterndes Dokument suchenden und irrenden Menschentums« ist, daß es aber doch in jeder einzelnen Phase erfüllt wurde von dem verzehrenden Seelenfeuer eines Genies, das von den Leiden des Körpers nicht gebrochen werden konnte. Viele bittere Jahre rang der Dichter mit einer furchtbaren Krankheit — aber gerade in dieser Zeit unaufhaltsamen physischen Niedergangs sang er seine schönsten Lieder, fand er vielleicht die echtesten Herzenstöne. In der „Matratzengruft" fand Heinrich Heine, der mit der Taufe sich „das Entreebilett zur europäischen Kultur" zu erkaufen meinte, auch wieder zurück zum schlichten Glauben seiner Väter, zu jenem Gotte, den er so oft gelästert und geleugnet. Aus dem Atheisten Heinrich Heine wurde ein Heimkehrer, einer, der — wenn auch fern jeder äußeren Form — wieder mit inbrünstiger Sehnsucht bekannte und für die Umkehr seiner Seele aufrecht durch sein Schaffen zeugte. — Für die Erzählung dieses „Märchens vom verlorenen Sohn", hatten die Künstler des Abends eine neuartige, sehr eindrucksvolle Form gewählt. Ein Vortrag von Gerhard Walter Rosenbaum (Köln) schilderte die einzelnen Abschnitte des Dichterlebens und verband Rezitation aus dem Werke Heines und Gesang von Liedern nach lyrischen Texten des Dichters. In zwei Programmabschnitten — „Flucht" und „Heimkehr" — erstand das Ringen Heines mit dem Erlebnis junger und später Liebe, die Auseinandersetzung mit dem Gottproblem, die Abwendung vom angestammten Glauben und schließlich die langsame, schmerzensvolle Rückkehr In den Mutterschoß seines Volkes. Mit meisterhafter Sprechkunst las Otto Bernstein (Berlin), dessen Bekanntschaft uns die Kunstgemeinschaft schon früher vermittelte, ausgewählte Stellen aus dem weitgespannten Werk des Dichters, und Hans Assen-- Ii e i m (Frankfurt a. M.) sang mit prachtvoll

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