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Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1937-11-16 · 16 (16.11.1937) · p. Seite 139

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
14 (1937-1938)
Issue
16 (16.11.1937)
Date
1937-11-16
Page
Seite 139 (sequence 3)
Language
German
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XIV. Nr. 16 Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg" 16. 11. 37 139 Elieser, Jochanan und Jonathan. Andererseits aber erleichtern fortwährende Thronstreitigkeiten auch äußere Kriege der Syrer den jü- •dischen Widerstand: auch die kluge Staatskunst unserer makkabäischen Führer sowie das Bündnis mit den Römern waren nicht un bedeutende Helfer. So kommt nach mehr als 25jälirigem Ringen jener ehrenvolle Frieden zustande, welcher gekrönt wird durch die vom jüdischen Volke vollzogene Wahl des letzten Lebenden der Hasmonäerbrüder. des Simon, zum erblichen Hohenpriester mit den Befugnissen eines Staatsoberhauptes, also eines Fürsten. Auch das war ein revolutionärer Vorgang, da bisher nur Glieder der Prie sterfamilie Zadok das Hohepriesteramt be kleiden durften. Er war aber dadurch vorbe reitet, daß die letzten Vertreter dieses heiligen Amtes zu sehr griechisch gesinnt waren und schon vorher Jonathan, der hasmonäische Führer, von einem syrischen Könige mit der Hohepriesterwürde belehnt worden war. In dieser Entwicklung entrollt sich vor dem Geiste unser Freiheitskampf. Er erscheint als Auswirkung menschlicher Kräfte, und da aus ihm auch die physische Stärke hervorleuchtet, so haben zahlreiche jüdische Sportver eine den Namen „Makkabi" angenommen. Doch ob wir unserem Feste mit vorwiegend religiösem Gefühl oder weltlicher Einstellung gegenübertreten, es strömt aus ihm uns eine seelische Kraft ins Herz, welche uns nicht bloß Bewunderung abnötigt, sondern die uns auch tröstet und mahnt. Was auch an Bedrängnis und Leid über dich gekommen sein mag, das makkabäische Geschlecht hat noch Schlimmeres erfahren und doch mannhaft und zähe durchgehalten, sich durchgekämpft. So gibt es für dich nur e i n Heilmittel: Chasak! Sei stark und geduldig nach ihrem Vorbild und glaube an das Walten einer erhabenen, unsichtbaren Macht, welche dein Leben wie das des Judentums weise leitet, auch wenn seine Bahn durch Tiefe und Dunkelheit zieht. Warum sollte diese Bahn nicht wieder zum Lichte führen, wie es schon oft und so auch in der Makkabäerzeit ge schehen ist? Und wenn du es nicht erlebst, dann hast du an einem heiligen Werke mitgearbeitet, und dieses Bewußtsein gibt dir echte Freude, diese Leistung macht dich wertvoll aller Kümmernis zum Trotz. Kurz und sinnreich kennzeichnen einmal unsere Weisen das jüdische Schicksal mit dem Psalmworte (23. 4) „Dein Stab und Deine Stütze fo Gottl, die trösten mich", denn „Dein Stab" bedeute die Leiden und „Deine Stütze" die Thora. Aehnlich ruft auch das Chanukkafest: Makkabäische Haltung weihet dir mit Licht ein Heiligtum, das heißt: Unentwegte Tapferkeit im Handeln und Leiden für einen hohen Zweck macht dir dein Leben hoch und leuchtend wie immer dein äußeres Schicksal sein mag. Nur durch den Makkabäergeist konnte unsere Gemeinschaft sich durch die Stürme der Jahrtausende bis zur Gegenwart erhalten und ihren geistigen Besitz mehren. Nur durch diesen Geist wird unsere Gemeinschaft sich in der Zukunft behaupten können, um ihrer gottgegebenen und geschichtlichen Aufgabe zu genügen, der Aufgabe: „Heje beracha, Sei ein Segen." Rabbiner Dr. Grzymlsch. Die Bedeutung des jüd. Buches Von Dr. Lutz Weltmann (Berlin). „Volk des Buchs" ist ein Beiname der Ju den, der in den letzten Jahren so häufig wie derholt wurde, daß man Hemmungen hat, ihn niederzuschreiben. Und wenn man unsere Verleger und Buchhändler fragt, so behaupten sie, daß diese Bezeichnung nicht stimme, Wo ist der jüdische „Intellektualismus" geblieben, den andere uns ebenso oft vorwarfen, wie wir uns dessen gern rühmten? Ver sagt er im aufs Jüdische beschränkten Be reich? Oder ist mit der Beseitigung seiner Auswüchse auch das Interesse für Geist und Kultur überhaupt durch die Zeit erschüttert worden? In unserer Umwelt und in der ganzen Welt hält das Interesse für historische und biogra phische Werke an, ein seltsamer Historismus in einer Zeit, die allerorts mit den Traditionen bricht. Es ist wie eine Bestandaufnahme der Bildungselemente, die man in eine neue Zeit hinübernehmen möchte. Es ist aber auch ein Suchen nach Kronzeugen, nach Bestätigung daß es immer wieder Zeitenwenden gegeben hat, in denen sich das gefährdete Einzel-Ich und vom Wandel betroffene Gemeinschaften behaupten mußten und bewährt haben. Man sucht das Neue durch die Tradition zu rechtfertigen und Bergung im Spiegel der Ge schichte. Der jüdische Leser stellt sein Schicksal in die großen Zusammenhänge historischer Pro zesse, der jüdische Autor griff mit einem richtigen Instinkt zumeist nach historischen Stoffen, um der Verwirrung durch die Gegenwart Herr zu werden. Die Geschichtsglätibigkeit des Juden mit seiner steten und alten Bereitschaft biblischer Beispiele ist eine Grundlage, auf der die Be deutung des jüdischen Buches beruht. Im Immerwiederausdeuten der Geschichte - worunter auch Geschichten mit unhistori sehen Personen gemeint sind, sofern sie nicht im privaten Bezirk stecken bleiben, sondern Allgemeingültiges aussagen — horchen wir auf den Sinn unseres Schicksals, Die Juden sind aber nicht nur Historiker, sondern auch Propheten. Deren Beruf war Mahnung und Trost zugleich. Und die größten jüdischen Dichter, die eigentlichen, welche diese Bezeichnung verdienen, haben, in welcher Sprache sie auch immer dichteten, etwas von diesem Prophetenerbe besessen. Ihr Geist erhebt uns aus den Nöten und Sorgen des Tages. Ihr Ethos verheißt uns die jüdi sehe Zukunft. Sie wollen gehört, sie wollen gelesen sein. Nicht, weil die Schaffenden noch mehr verarmen, wenn man ihnen nicht durch Förderung ihrer Arbeit Brot gibt, sondern weil 'wir nicht vom Brot allein leben, weil wir uns selbst ärmer machen, verdorren und untergehen, wenn wir auf das jüdische Buch verzichten, erschalle ihr gläubiges, ihr aufrichtendes Wort nicht im luftleeren Raum! Immer und immer wieder steht vor dem Auswanderer die Frage, ob er sein Judentum (mag er es nun auslegen, wie immer er will) bewahren kann oder nicht. Diese Frage besteht für unseren Auswanderer deshalb besonders nachdrücklich, weil er oft in Länder vordringt, in denen fast jede Fühlung mit den Juden der Welt fehlt. Jetzt und dort wird es sich entscheiden, ob der Umschwung, der 1933 eintrat, nur unsere äußeren Lebensbedingungen erschütterte oder ob wir auch menschlich davon ergriffen wurden und für die Dauer das Verbindliche und Unentrinnbare erkannt haben, das unser Judesein bedeutet. — Das Judentum macht es nicht leicht, seinen in Jahrhunderten "gewachsenen Geist zu erkennen und Schnellkurse und Versammlungen haben sich dafür nicht bewährt. Wer sich verantwortungsvoll in der Welt zu seinem Judentum bekennen will und auch seine Kinder zu bewußten Juden — nicht nur zu Angehörigen einer Schicksalsgemeinschaft und nicht bloß zu Trutzjuden — erziehen will, der muß den gewiß nicht bequemen Weg des, Lernens beschreiten und der führt allein über das jüdische Buch. Man gewöhne sich gerade hier die Unsitte ab, nur zu Neuerscheinungen greifen zu wollen: warum soll ein vor mehreren Jahren oder Jahrzehnten in Ruhe geschaffenes Werk zuweilen nicht weit mehr bieten können als ein Buch, dessen einziger Vorzug vielleicht ist, daß es „fresh out" ist? Freilich sind gerade in den letzten Jahren durch unsere Verlage eine Reihe von Büchern herausgekommen, die jeder Prüfung — ihrem Gehalt und ihrer Faßlichkeit, ihrer Ausstattung und ihrem Preis nach — standhalten. Daß das jüdische Buch keineswegs nur ein Buch des Lernens ist. daß es eine Anzahl guter, ja vorzüglicher Romane jüdischer Schriftsteller gibt, daß es humoristische Bücher zur Unterhaltung und Entspannung gibt, aus denen man lachend die Seele des Ostjuden z. B. kennen lernt, daß es eigene jüdische Kinder- und Jugend-Literatur gibt, das ist wohl bekannt und wird demjenigen, der es bisher noch nicht wußte, der jüdische Buchhändler gern anhand seines reichen Lagers beweisen. — Unsere Ahnen wußten, warum sie. wenn man sie zum Wandern zwang, zuweilen alles zurückließen — bis auf ihre Bücher. Sie wußten, daß das jüdische Buch ein „Baum des Lebens" (und man darf dieses Wort wohl Max Liebermanns Totenmaske Von Jakob Picard. Dies ist dein wahr Gesicht. Des Wissens Trauern Wird als Geheimnis immer darauf blühen. Und deiner edlen Züge Schwermut wird uns dauern So lang die heitern Bilder deines Lebens glühen. Du schaust ja noch mit deinen toten Augen. Als träumtest du von deinen schönsten Farben Obwohl die ewigen Schatten dich unihauchen. Vom Blättergrün und Meeresblau und Sonnenstrahlengarben. . . Wenn so das Antlitz eines, der vollenden Und sich wie Du erfüllen durfte um ein Werk, Das den Geschlechtern sich zum Gleichnis wenden. Und Menschen trösten wird am düstern Tage Was bleibt dann uns Verlassenen, die den Berg Empor sich mühn, beladen mit der dumpfen Frage? Der Dichter Jakob Picard, der am 18. November im Jüd. Lehrhaua aua aeineo Werken lieet, «teilte un» daa obige Oedlchl freundlichst zur Vertagung.

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