Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Volume
- 14 (1937-1938)
- Issue
- 14 (16.10.1937)
- Date
- 1937-10-16
- Page
- Seite 120 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/6492308-5442833-5443469--119-4908420- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
120 Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 16. 10. 37 XIV. Nr. 14 Vmlers In. i jei rtn K'.Httnicr zu Gefühl und Takt wird jener Widerhall im Herzen ausgelöst, der eben Trost und Heilkraft in sich trägt. Es ist eine eigene Therapie, seelische Wim den heilen zu wollen." Ks bedarf einer stillen und feinfühligen Behandlung, einer Behandlung, die auch stanz individuell sein muß. Denn der Schmerz und das Unglück bei den Trostbedürftigen wirkt verschieden auf die Menschen. Die einen reagieren mit Heftigkeit, mit elementarem Ausbruch auf den Kummer oder den Schicksalssejilag. der sie bedrängt. Solchen (k-fühlsäußenunien gegenüber wird e> schwer gemacht, mit milden Worten, mit Besänftigungen Trost zu bringen. In diesem Explosiven aber liegt schon die Gesundung, liegt schon die Selbsterhaltung und solchen heftigen, elementaren Ausbrüchen der Gefclilsäubenmg gegenüber wäre es falsch, sie durc1' Zuspruch oder durch gutes Zureden aufhalten zu wollen. Schon die stumme Gegenwart eines Dritten, der solche Klagen mhai:hört. bietet Trost. Die Heilung erfolgt aus sich selbst heraus. \ ., er. in sich Gekehrten, die ihverbergen suchen, die sich;n cur: Unnahbarkeit einhüllen, die abhält und Burückstößt. so daB der. der gern ein liebes. Warmes Wort finden möchte, wie gegen eine Mauer von Stein prallt. Hier ist es schwer, den Leidenden aus seiner Starre zu erlösen, ihm vre heilsamen Tränen zu entlocken, die sc v iel zur Entspannung find zur Erleichterung beitragen. Und dann sind die Stillen. Weichen. Verschlissenen, die sich in ihr Leid verbohrer. die jedem wohlgemeinter. Wort gegenüber jene hoffnungslose .Melancholie entgegenstellen, die den Tröstenwollenden entmutigen und fassungslos macht. Unsere heutige Zeit sieht oft darin den Trost, dem beklagten Schicksal des einen das G e s a m t s c h i c k s a I des Judentums und so vieler anderer Glaubensgenossen und Schicksalsgenossen gegenüberzustellen. Hat das einen Zweck? Ist das ein Trost? Ja.' verschlimmert es nicht nur das Leid^des einen, wenn er von dem Leid von so vielen anderen erfährt? Finden wir wirklich unser Schicksal weniger beklagenswert, empfinden wir es nicht im Gegenteil noch tausendmal tiefer bei dem Gedanken, daß wir so viele Leidensgenossen haben.- wird die Sehnsucht nach den Lieben in der Lerne weniger brennen in dem Bewußtsein, dal! Tausende von Müttern und Vätern, l ausende von Kindern sie in ihrem Herzen empfinden? Wird Schmerz und Entbehrung, werden drückende Verhältnisse leichter getragen, wenn wir hören, daß auch in anderen Familien Not und Entbehrung eingezogen sind? Zugegeben, der Zw eck solchen Trostes soll darin bestehen, daß wir ..unter uns sehen", daß wir demütig und bescheiden werden, daß wir tins nicht als besonders hart vom Schicksal betroffen fühlen sollen, wenn wir hören, daß es Schlimmeres gibt. Das Aufrütteln, das in diesem Trost liegen soll, muß indessen von anderer Stelle herrühren. <iewiß werden Ereignisse und Erlebnisse, gemessen am Schicksal des Beklagten. Wenn man sie in Vergleich stellt, mitunter leichter erscheinen. Aber wie wenig Menschen wissen hier das rechte Wort und den rechten Takt zu finden, um mit solchen Vergleichen den Bekümmerten aufzurichten und zu helfen. Und das ist doch der Sinn des Trostes, einen Ausweg zu zeigen, eine Hoffnung aufleuchten zu lassen, ein Stückchen Sonne herzuzaubern, wenn alles in Nacht und Nebe! zu versinken droht. Es ist durchaus nicht nötig, daß man raten oder helfen kann, aber die (ieduld sollten wir aufbringen, liebevoll zuzuhören, wenn wir fühlen, daß eine Aussprache von jenem quälenden Druck befreit. In dein „sich aussprechen können" liegt schon eine neue Ouelle der Kraft, eine Befreiung für die Seele. (jeorg Herrmann schrieb einmal einen Essay: ..Jeder redet seins!" Darin war geschildert, wie jeder immer wieder auf seine eigenen Miseren zurückkommt und immer nur von sicli und seinen Sorgen spricht. Nun, etwas hat sich dieses egoistische Klagen durch das Genieinschaftsschicksal von uns luden gewandelt. Liebevoller ist das Verständnis für die Klagen geworden, aber w ir dürfen nicht den Menschen, die uns mit iehevotlem Herzen trösten wollen, zumuten, sie mit unserem Kummer zu belasten, sie mit hmeinreißen zu wollen in die bedrückende Atmosphäre unserer Bedrängnis. Wir müssen ihnen entgegenkommen, damit jene Brücke sich schlagen läßt, die den W eg bahnt zu gegenseitigem Verstehen, zu jener Erleichterung, die in der Aussprache und im Trosteswort liegt. .Die Kunst zu trösten ist schwer, wie jeJe Kunst. Ohne Zudringlichkeit sein Mitgefühl beweisen, ohne Neugier die Gründe des Kummers erforschen, aus dem Unpersönlichen der Mitteilungen das Persönliche erfassen, das Einzelschicksal milde zu verstehen, w ie es sich unterscheidet von dem vieler anderer. Lnd jene seelischen Beziehungen von Mensch zu Mensch herleiten, darin sich Güte, Menschenliebe und Verständnis beweisen drei I »inge. die schon den Trost in sich tragen. Aus den Gemeinden Württembergs Stuttgart. Der Israel. Kranken-Unterstiitzungs-Verein für Württemberg e. V. legt Wert darauf, daß wir in Ergänzung der in letzter Ausgabe veröffentlichten Abhandlung ..Krankenbesuche" auf Folgendes hinweisen: Auch der Israel. Kranken-Unterstützungs- Verein sieht eine besondere Aufgabe in der Abstattung von Krankenbesuchen. Die segensreiche Tätigkeit des Krankenunterstützungsvereins in dieser Beziehung ist reichlich bekannt. Eine Anzahl von Herren ist ständig bereit, sich dieser Aufgabe zu unterziehen und es bedarf, wo solche Wünsche gehegt werden, nur der Mitteilung an eine der leitenden Persönlichkeiten des Vereins. Wir empfehlen den Gemeindemitgliedern, sich im Bedarfsfall auch an den Kranken-Unterstützungs-Verein zu wenden. i Stuttgart. Stuttgarter Jüdische Kunstgemeinschaft. Als erste Abonnementsveranstaltung bringt die Kunstgemeinschaft ein Theater-Gastspiel des Hamburger Kulturbunds am Mittwoch, den 20. Oktober 1937. Zur Aufführung gelangt die Komödie .,J e a n" von Ladislaus Bus-Fekete. Dieses Stück ist im vergangenen Winter erstmalig im ..Deutschen Volkstheater Wien" gegeben worden, und hat das Repertoire der ganzen Spielzeit beherrscht. Sein durchschlagender Erfolg erwies sich auch bei den Aufführungen des Werkes in den Jüdischen Kulturbünden Berlin und Rhein-Ruhr. Dem Verfasser, einem ungarischen Juden, den schon eine Reihe großer Erfolge auszeichnen, ist mit der gehaltvollen Komödie ein besonders guter Wurf gelungen. Mit leichter Hand rührt er an die ernsthaftesten Probleme, sorgt für eine spannende Handlung, einen prägnanten Dialog und wahrt immer das Niveau der gehobenen Komödie. Besetzt ist das Stück mit den ersten Kräften des Hamburger Schau* spiel-Ensembles. Die neuen Dekorationen sind von Eugen Markus entworfen, Regie führt Hans Buxbaum. — Das Publikum wird es dankbar begrüßen, daß es gleich zu Saison-Beginn mit dieser Neuheit bekannt gemacht w ird. Da sich außergewöhnliches Interesse hierfür zeigt, und bei dieser Abonnementsveranstaltung Tageskarten nur in beschränkter Zahl ausgegeben werden können, empfiehlt sich rasche Besorgung. Das Kasperle kommt in die Kunstgemeinschaft! Was wird das für eine Freude geben! Am Mittwoch, den 20. Oktober, sehen und hören wir: „Was Kasper in Afrika erlebte". Die Künstlerischen Handpuppenspiele jüdischer Schauspieler haben sich ein schönes Ziel gesetzt. Sie äußern sich u. a.: „Die Entwicklung brachte es leider mit sich, daß das Handpuppenspiel immer mehr zu einer gewöhnlichen Jahrmarktsbelustigung herabsank. Wir wollen es wieder zu dem machen, was es eigentlich ist: zu einer wirklichen Kunst. Wie könnte auch eine Kunst unbedeutend sein, die zu den LieblingsunteThaltungen fast aller großen Geister ihrer Zeit gehörte." Die Kinder werden in hellen Scharen kommen, und auch viele Erwachsene werden sich nicht scheuen, mit Kasper zu lachen und in Gedanken zu singen und zu tanzen. Aber — besorgt Euch schnell Eintrittskarten, sonst steht Ihr vielleicht vor verschlossenen Türen! Das würdet Ihr bedauern! Stuttgart Im Rahmen der kulturellen Betreuung der Gemeinder. findet, vom Ober rat ausgehend, wieder eine Veranstaltung am Sonntag, den 24. Oktober 1917, in Stuttgart statt. Zur Darbietung gelangt das von der Kunstgemeinschaft vor einigen Monaten ausgeführte Programm, das tiefe Ergriffenheit und starken Beifall auslöste. Hervorgehoben seien insbesondere zwei Kantaten von Rosenmüller und Weckmann nach // Der Besitz des Armen ist sein Recht auf deine H i I f e" Midro** zu Spr. Sal. 22, 22 febt fücdU lüdUcUe UfiniccUäfc!