Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Volume
- 14 (1937-1938)
- Issue
- 13 (1.10.1937)
- Date
- 1937-10-01
- Page
- Seite 108 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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108 Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 1. 10. 37 XIV. Nr. 13 leibhaftiger Mensch, die Frau, die uns unterm Herzen getragen und unter Schmerzen geboren, die uns essen und trinken, spüren imd leiden, kiclivn und sehen und gehen gelehrt liat. -■ * Unser;;ller Mutter Eva war keine Heilige, imd unsere Stamm-Mütter waren überaus irdische Menschen. Die erste eindrucksvolle AetttSerung Sa ras: sie lachte! Das Erlebnis, das ihr ganzes Sein umkrempeln und erfüllen und unser aller Existenz begründen sollte, wurde ihr vorausgesagt, und sie lachte. Am Anfang aller jüdischen Mütterlichkeit stellt das Lachen. Ja. e> fing gut an mit uns. und wird, so (iott will, gut enden. Das Laciicn der ,nic!it mehr jungen und seltsam geprüften I ran, die ein Kind erwarten sollte, war wohl sehr jüdisch, ein bißchen verlegen vor Üeberrascimng, ein wenig spöttisch vor L'ngUiubigkeir. und wahrscheinlich auch ein wenig selig, von so heiter froher Seligkeit, daß jede jüdische Mutter etwas absichtlich nicht glauben wollenden Spott dazugelacht hätte, wie i m da*. Glück, die Aussicht auf das Beste nicht durch freches Einverständnis zu verscheuchen, riin behutsames, scheinbar unelirr erbietiges, wahrhaft erdenfrommes Lachen. Zunächst war ja Sara eine Krau von der Art. wie sie in unzähligen Exemplaren durch unsere Geschichte gehen. Sie war die erste große Unfruchtbare. In der Bibel und in späteren Zeitläuften, in Geschichten und Legenden, am Wege der Geschichte und noch heute in den Vorzimmern jedes chassidischen Rab¬ bis warten die unfruchtbaren Krauen. Ks sind tragische Kiguren, geboren um Mütter zu sein, und es ist ihnen nicht gegeben zu gebären; Mütter, die es nur praktisch nicht sind. Mütter ohne Kind, wandelnde Widersprüche in sich selbst. Sie hegen oder hassen oder küssen aus Not fremde Kinder, und wenn das fremde Kind krank wird und schreit, legen sie es an die eigene Brust, die ohne Milch 'st . . . l'nd wenn unversehens mitten in ihre irre Not ein Kugel käme und ihnen Erlösung verkündete, würden sie nicht glauben, würden sie nicht glauben wollen, würden sie dem (iliick nicht gewachsen sein und lachen. Rebekka am Brunnen tränkte den Mann, der für Isaak um sie werben kam und seine Tiere. Sie wußte Von der Werbung noch nichts, und vielleicht war sie erst nun der besten Werbung wahrhaft würdig, vielleicht um der Tiere willen, zu denen sie wie eine Mutter w ar. Kleasars Tiere sind nicht die ersten, die in unsern Gesichtskreis treten, doch die ersten, für die so gesorgt wird. Die Mutterschaft der Tiere und das Animalische der Mutterschaft kommt uns späterhin klarer und krasser vor Augen, doch die Reinheit des Gefühls ist hier ein für alle Male schlicht und wundersam angeschlagen. Wenn Rebekkas Sohn und Enkelgenerationen dann zu Joseph nach Aegypten ziehen werden, um schließlich in der Krön der Pharaonen fast zu vergehen, wird der Talmud das ergreifendste Tiermutterbild darauf anwenden: Eine Kuh weiß es, wenn sie zur Schlachtbank geführt werden soll, und sperrt sich und ist nicht von der Stelle zu bringen; dann führt man ihr Kälbchen vor ihr her, und sie folgt sogleich, — so wurde Israel nach Aegypten gezogen. Rebekka überlistete den blinden Isaak, so daß er seinen Jüngsten statt des Erstgeborenen segnete. Man hat das für Betrug erklärt, und angeblich liebt eine rechte Mutter all ihre Kinder gleichermaßen. Sicherlich war auch Rebekka keine himmlische Heilige, und was die Liebe zu ihren Söhnen betrifft, so war ihr Herz gewiß so rätselhaft wie jedes. Aber das gleiche Recht auf Mütterlichkeit haben nur die gleichen Kinder, und es müßte keine Mutter sein, die nicht mit doppelter, bis zur List gesteigerter Mütterlichkeit wieder aufwiegt und gutmacht, was die Natur versäumte. Dem schwächsten Kind kommt die stärkste Mütterlichkeit zu! Rachel, die lieblichste aller Krauen, starb, als sie zum andern Male Mutter wurde. In der Not des Gebärens rief sie das Kind, das zur Welt kam, als sie aus der Welt ging, Benoni, mein Schmerzenskind! Doch Jakob MAX ADLER '(Stammfirma J. Adler, gegr. 1827) Weine - Spirituosen Stuttgart-5, Ernst-Weinstein-Str. 21b Telefon 70217 Umzüge im Inland und nach dem Ausland mit modernen Möbelwagen u. Lifts vermittelt Josef (Reutlinger Vertretungen. STUTTGART, Forststraße 87 Der Auswanderer kauft •Ina gut« und preiswerte PHÖNIX-NÄHMASCHINE ■ und ein geeignetes •^^■frre Kupfer c$ Co. 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