Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Volume
- 14 (1937-1938)
- Issue
- 6 (16.6.1937)
- Date
- 1937-06-16
- Page
- Seite 46 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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46 Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 16. 6. 37 XIV. Nr. 6 hat schon ein paar Monate in der üärtnerei gearbeitet, tr weiß, was es heibt, zu graben, .'i baen, /u pllanzeu, zu jäten. Jetzt ist er lest entschlossen, mit voller Nratt an die Landaroeit in Lrcz Israel zu gehen. Dieses Aladel ist heute ein Jalir nach der Schulentlassung — in einem haushält tatig. „Aber was kann icn da werden", nieint sie bei der Anmeldung zur Jugend-Alijah. „Vielleicht kann ich in Erez Israel im Kinderhaus arbeiten oder bei den Hühnern." Das andere Mädchen lullt gegenwartig im väterlichen Oeschatt mit. „Ls gab keinerlei Lehrstelle für sie ', erklart ucr \ ater. „Aber selbst wenn sie eine gefunden hatte, was wäre nach der Lehrzeit aus inr -.geworden.- Hatte sie eine Zukuntt gehabt, würde es eine aussichtsreiche und cntwicKluugsliahigc 1'osition ILir sie geben?".... Neun oder zehn oder zwölf Monate spater in Palästina: Der Junge, der — klein und blall und schinächtig — in Deutschland noch in die Schule ging, MUß sich erst vorstellen. Sonst erkennt man ihn nicht wieder: so grob, so breit, so kräftig, so stämmig ist er geworden, so dunkelbraun hat ihn die palästinensische Sonne gebrannt. \X enn man ihn zusammen mit den Palästinensern bei der Arbeit sieht, kann man ihn nicht von den „Eingeborenen ', den „Sabres", unterscheiden, so vollkommen hat er sich entwickelt und gewandelt. in einer anderen Siedlung begegnen wir dem jungen Oartner aus Berlin. Lr arbeitet jetzt selbständig in der Orangenpflanzung. Die Siedlung weilt, dali sie sich auf ihn, auf seine Arbeitsleistung verlassen kann. Lr ersetzt heute schon vollständig einen Arbeiter der Siedlung. Und jenes Madeheu, das in Deutschland im Haushalt tatig war, arbeitet nun — so wie sie es sich gewünscht hatte — im Kinderhaus in einer Siedlung nahe bei Haifa. Man muß sehen, mit welcher Liebe diese kleinen palästinensischen Kinder an ihrer „großen Freundin" hängen — nur dann kann man wirklich ermessen, wie sehr das Madchen von seiner Tätigkeit zufrieden gestellt ist. Das andere Mädel schließlich, das in Berlin hinter denr Ladentisch stand und verkaufen half, geht heute — gekleidet wie eine echte palästinensische Bauerin mit Leinenhosen und blauer Bluse, auf dem Kopf ein buntes Tuch — über die Felder einer Emtk-Siedlung. Stolz und ülück sprechen aus ihren leuchtenden Augen. I Kaie \ ier Beispiele — beliebig herausgegriffen aus der Fülle der Jugend-Alijah — kennzeichnen die innere und auliere Wandlung der jüdischen Jugendlichen, die die „Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugend-Alijah'' von Deutschland nach Palästina gebracht hat und die dort zu kräftigen und gesunden, zufriedenen und glücklichen Menschen wurden. Die körperliche Entwicklung der Jugendlichen — bedingt durch die ungewohnte Arbeit — vollzieht sich gleichzeitig mit einer geistigen Umstellung auf die Erfordernisse Palästinas. Diese geistige Entwicklung der Jugendlichen wird gefördert durch Kurse, die die Jugend-Alijah in allen Siedlungen organisiert hat. In den Unterrichtsstunden nimmt selbstverständlich Iwrith eine Vorrangstellung ein. Daneben gibt es eine Reihe von Kursen, die die Aufgabe haben, die Jungen und Mädchen mit der Geschichte ihres Volkes und ihrer Heimat vertraut zu machen, sie mit der hebräischen Kultur zu verbinden und sie so auch im Geistigen in Erez Israel zu verwurzeln. Wenn man die Frage stellt, ob das gelungen ist, so ist man heute — nach drei Jahren Erfahrung mit der Jugend-Alijah — in der Lage, eine sichere und überzeugende Antwort zu geben. Man braucht dazu nämlich nur auf die Jugendlichen hinzuweisen, die ihre zweijährige Vorbereitungs- /eit in der Jugend-Alijah bereits beendet haben. t.UÜ Jungen und Mädchen sind heute schon aus der Jugend-Alijah entlassen — und fast alle sind sie auf dem Lande verblieben. Es gibt sogar Gruppen, die geschlossen zusammen bleiben, die geschlossen zur Ansiedlung gehen. Am bekanntesten hierfür ist das Beispiel der jugendlichen Gründer von Scheich Abrek geworden; das ist jene Jugend-Alijah-Gruppe, die vor drei Jahren nach Ejn Charod kam und sich nach Abschluß der Jugend-Alijah-Zeit mit Palästinensern zusammen tat, um eine neue Siedlung, eben Scheich Abrek, aufzubauen. Unter den härtesten und schwersten Bedingungen hat diese Gruppe sich hewahrt. Langsam aber stetig baut sie sich ihre Siedlung auf. Da, wo vor wenigen Monaten nichts anderes als Zelte standen, ist heute ein großer moderner Speisesaal errichtet. Der Stolz der jungen Siedlung aber ist der Wasserturm; ehe er stand, gab es hier kein Wasser — man mußte es immer erst aus einer entfernten Siedlung holen. Man kann sich daher wohl vorstellen, mit welcher Begeisterung die Jugend jenen Tag feierte, an dem es zum ersten Mal Wasser in Scheich Abrek gab. Wenn man die Siedler von Scheich Abrek den Jugend-Alijah-Gruppen als Vorbild .hins.eilt, dann kann man feststellen, daß es heute schon viele Jugendliche gibt, die in der Tat diesem "Vorbild nacheifern und die sich mit ihren älteren Kameraden messen können. Bis heute sind es nahezu 1700 Jungen und Mädchen, die durch die „Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugend-Alijah" von Deutschland nach Palästina gebracht wurden. Sie alle haben Arbeit und Zufriedenheit und eine sinnvolle Zukunft in Palästina gefunden. 100 Jugendliche warten jetzt hier wieder fertig vorbereitet und werden in Kürze nach Daganiah und nach Kinereth gehen. Tausende von Jungen und Mädchen aber warten noch, den gleichen Weg wie ihre Kameraden zu gehen. Unsere Aufgabe ist es, ihnen zu helfen. Unsere Aufgabe ist es, mit unserer ganzen Kraft mitzuarbeiten am Werk der Jugend-Alijah, das zu einer Verpflichtung für die jüdische Gesamtheit werden muß. M-z. Der Wegweiser für unsere Zukunft. Die nachfolgenden Zeilen hat ein siebzehnjähriger Junge von der Jugend-Alijah- Gruppe in Tel Jossef geschrieben. Der Geist, der aus diesem Aufsatz spricht, ist charakteristisch für fast alle Gruppen der Jugend-Alijah. Vor einigen Monaten ging die Gruppe „Hasadeh" zur Ansiedlung in die Gegend von Beth Schau, in der Nähe des palästinensischen Grenzlagers. Die Vorbereitungen zu diesem bedeutenden Schritt waren schon wochenlang vorher bemerkbar. Die in Aussicht genommenen Loden waren mit Weizen besät worden — als Vorsorge gegen Besiedlung oder Bearbeitung KAUFHAUS SCHOCKEN STUTTGART Neue einfarbige Kleiderstoffe Bitte lassen Sie sich unsere vielseitig« Muster* und Farbenauswahl in unserer Woll-Krepp weichfallende Qualität, auch für Kinderkleider geeignet, 75 cm breit Meter l . 4 3 ■ — s---- Boucle melange Zell wolle, kräftige War«, modische r-arben 95 cm breit Meter 2 . 1 0 Melange raye Zellwolle, in sich gestreifter Kleiderstoff, viele Farben, 95 cm breit Meter 2 ■ 4 3 Frise long ein arbig. Wolle mit Zellwolle, interessante Webart, 95 cm breil 2 95 Meter a Z *J Ranken-Cloque wollener Kleiderstoff mit ausgeprägtem Reliefmusterbild, 95 cm breit Meter 3 e Ö 5 Woll-Frise weichfallende Qualität, für Kleider undKomplets, 130 cm breit -.4.80 Borkenkrepp Wollstra, moderner In sich gemusterter Stoff, 130 cm breit Meter 4 «75 Mooskrepp weiche Qualität, fOr Jak- Kenkleider,Komplets und Kostüme, 130 cm breit Meter 5 ■! Die Matje geben die ungefähren Breiten an. durch Araber. In Ain Charod waren die Holzhäuser und die Chazaz-Wände (das sind Wände, die aus Eisenblech-Platten bestehen, /wischen denen sich eine breite Schicht kleiner Steine, Chazaz, befindet) aufbaubereit fertiggestellt worden. Der Scheinwerfer war auf einem Lastwagen betriebsbereit aufmontiert und alles wartete nur auf das schöne Wetter. Immer wieder aber mußte die Besetzung des Bodens wegen des außergewöhnlich starken Regens verschoben werden. Aber nun endlich war es so weit — es konnte losgehen. Die Wege waren einigermaßen getrocknet, und man hoffte auf eine regenlose Woche. Alle Siedlungen des Emek hatten außer Traktoren, Lastwagen und Fuhrwerken ungefähr hun- Eine Selbstverständlichkeit: Alle Ihre Familienanzeigen in das „Gemeindeblatt", das Blatt der Juden Württembergs. Umtausch gebrauchter Radios zu den allgemein geltenden Bedingungen bis 16. Juli Radio - Musik -JACOB Hauptstätterstr. 32A Verkauf und Vermietung preiswerter Pianos Freunde der Jüd. Schule in Stuttgart e. V. Am Dienstag, den 22. Juni 1937, abends 8.00 Uhr, Turnhalle, Hospltalstr. 36, veranstalten wir einen VORTRAGSABEND. Anstaltsdir. Theodor Rothschild spricht über ,Das Wesen derJüd.Schute' Alle Juden Württembergs sind herzlichst eingeladen, Eintritt frei I Dr. Otto Einstein Vorsitzender Für die Führung und Verwaltung des neu zu errichtenden jüdischen Altersheims in Augsburg wird eine erfahrene Leiterin gesucht. Gefl. Angebote mit Angabe der bisherigen Tätigkeit erbeten an die Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde in Augsburg Haiderstraße 8