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Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1937-05-16 · 4 (16.5.1937) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
14 (1937-1938)
Issue
4 (16.5.1937)
Date
1937-05-16
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg Verlag und Schr 1 f11 11ung: OSTERBERG « STERNHEIM ISRAELITISCHE VERLAGSANSTALT Fernspr 233 28 STUTTGART-N KasemenstrlS Bezugspreis RM. 1.13 vierteljShrlich. »zuglich Post- und Zustellgebühr Postscheckkonto Stuttgart 36268 « Erscheint monatlich zweimal am 1. und 16 Bei Nichterscheinen Inf. höherer Gewalt besteht kein Anspruch a. Nachlieferung d Blatte«odar Ruck :abe des Bezugsgeldes Angemeldet beim Sonderbeauftragten das Reichsministsrs für Volksaufklärung und Propaganda batr. Ueberwachung dar geistig und kulturall tätigen Juden im deutschen Reichsgebiet XIV. Jahrgang Stuttgart, 16. Mai 1937 - Mr. 4 Blumen und Garben. Schewuoth mit Frauenaugen gesehen. Als Israel noch ein stolzes Volk im eigenen Lande war, ein trotziges, streitsüchtiges, eigen williges Volk, da war am zweiten der drei wanderfeste, am Schewuoth, die Weizengarbe das Sinnbild der Feier. Der Sommer war auf seiner Höhe, die kostbare goldene Tracht der Felder war §emäht, Brot lag als schwere reife Aehren auf er Tenne und wartete auf den Drescher. Für uns Juden in Deutschland fällt das Fest noch in die. Frühe des wachsenden Felds. Die Aecker tragen erst niedere grüne Halme, die Tage der Garben sind noch weit. Aber an ihrer Stelle schmücken Frauenhände die Stuben des jüdischen Hauses mit den holdseligen Gaben des Frühsom mers, mit den flammenden stolzen Pfingstrosen, mit lieblichen Maiglöckchen und mit den feierlich strengen Stengeln der blauen und gelben Schwert lilien. Und während der Sabbath sich in das Fest der Offenbarung hineinneigt, lesen wir als Wo chenabschnitt, im Angesicht der wohl verschlossenen Blüten, die Sidra „Ba'midbar" — in der Wüste ... . Wir haben keine Garben mehr zu bringen. Nur die Blumen binden uns und unsere Gedanken an die reiche tragende Erde, auf dem jedes erschaffene Wesen „nach seiner Art" Samen trägt und dem ewigen Gesetz des Schöpfers gehorcht. Nur Blumen sind an unserem Schewuothfest Gleichnis des Wachstums. Wir sagen: nur. Denn Blumen sind in unserem Leben wohl das einzige, was ganz „unnütz" ist, womit wir keinen Zweck, keine einzige materielle Absicht verbinden ' kön nen. Sie sind nur schön. Für sie gilt uns das „gut" nicht, das wir jeder Frucht als Bezeich nung geben können. Sie sind nicht gut oder schlecht. Sie sind einfach da, sind schön. Viel leicht ist es darum, daß sie uns immer als das Einheitliche, das Vollkommene zu erscheinen vermögen; wir haben vor ihrem blühenden Angesicht kein Verlangen mehr, zwischen Gut und Schlecht zu unterscheiden. Wir sind noch einmal zurückgekehrt in den Garten des Anfangs und ruhen wieder in den Händen Gottes. Und Blumen, nur Blumen sind uns die Festzeichen zu Schewuoth, zu dem groBen Fest der Offenbarung. An Schewuoth stellen wir neben die Blumen noch nicht die Frucht, wie an Sukkoth, nur ihre Schönheit, ihr Einssein, ihr gottnaher Friede sind für uns da. Und wie sie vor uns stehen und lieblich duften, steigt aus ihnen wie vom Lied der Lieder, kommt es heraus wie Lobpreisung Israels: „Du bist wie eine Rose von Saron — wie eine Lilie im Tale--" Durch die dumpfen, qualbelasteten Jahrhunderte der Ghetti zog das Bild der Blume als Sehnsucht, als Hoffnung, als Bekenntnis. Denn so herrlich und beglückend die Blüte ist — ihr Sinn heißt Frucht, ihre Bestimmung will Garbe. Die Rose Israel, die Lilie im Tale hat das nie vergessen. Noch in der Wüste wurde das Gesetz egeben, das die künftigen Weizenfelder der Fülle um Besitz Gottes macht. In der Wüste schon, ierzig Jahre vor der Landnahme wird Israel auf s Gebot der Nächstenliebe verpflichtet, werden 'e Feldecke, die nicht gemäht werden darf, die gessenen Garben, die herabgefallenen Aehren Empfehle dieses Blatt weiterI Laioer Sieben Wolken begleiteten die Kinder Israels auf ihrer Wanderung durch die Wüste: eine war vornan, die zweite hintennach, zwei waren zu beiden Seiten, eine war Ober Ihnen und kühlte die Glut und wehrte dem Frost, eine war in der Wolkensäule, die wies ihnen den Weg und ermunterte die Zagen und dämpfte die Uebermütigen; die siebente aber schwebte über den Bannern der Stämme, und das Licht der göttlichen Majestät war in ihr geborgen. Auf welche Weise aber das Licht m dieser Wolke gefangen war, das wird folgendermaßen erklärt Es gab vier Banner, nach den vier Richtungen der Windrose. Das Banner Judas war östlich, und es stellte einen Löwen dar; der Haken oben war golden und hatte die Gestalt eines Schwertes; über der Spitze des Schwertes ließ der Herr eine Elle von der siebenten Wolke hängen, und darin leuchteten die Anfangszeichen der Erzväternamen. Das Banner Rubens, das im Süden war, trug das Abbild eines Menschen, welcher gestaltet war wie die Dudaim, die der Stammvater Rüben auf dem Felde fand. Auch der Haken dieses Banners war wie ein Schwert geformt, und in dem Teil der Wolke, die darüber hing, leuchteten die zweiten Buchstaben der Erzväternamen. Im Westen prangte das Banner Ephraims; darauf war das Bild eines Fisches, getreu dem Verse: Und sie mögen sich vermehren wie die Fische des Meeres. In dem Stück der Wolke, das über dem Haken dieses Banners hing, waren die dritten Buchstaben der Erzväternamen zu lesen. Das letzte Banner war das Banner Dans, das im Norden war; es trug das Abbild einer Schlange, und in dem Wolkensaum, der über dem Haken schwebte, strahlten in heller Schrift die Endbuchstaben der Erzväternamen. Zu dem Buchstaben, der von Abrahams Namen übriggeblieben war, welcher doch fünf Schriftzeichen enthält, fügte Gott eines von seinem Namen hinzu und bildete so seine erhabene Benennung Jah, von der es heißt, sie sei ein Fels ewiglich. Diese zwei heiligen Schriftzeichen setzte er in die Wolkensäule, die über der Lade war, allwo alle Paniere zusammengeflochten waren. Und die Säule zog sieben Tage lang durch das Lager Israels, leuchtete des Tags wie die Sonne und des Nachts wie der Mond, und daran erkannte man, ob's Tag war oder Nacht Wollte Gott das Lager in Bewegung bringen, so hob sich die Wolke mit dem Namen Jan, die über der Lade hing, und die vier Wolken mit den Schriftzeichen der Erzväternamen folgten nach. Alsdann stießen die Priester in die Drommeten, und die Winde der Welt wehten den Duft von Myrrhe und Aloe herbei. Aus ..Die Sagen der Juden-', gesammelt von Micha Jose/ bin Gorion (im Schockrn-Verlag, Berlin). den Bedürftigen des Landes als ihr Recht und Anteil zugesprochen. Die künftige Fülle und mit ihr aller Reichtum in Israel erhält seinen Sinn erst durch das Geben. Gabe bindet den Menschen an seinen Bruder, die Gabe erst umschließt die Menschen in Gemeinschaft, ist- Ausdruck der Liebe. In der Wüste wurde das Gesetz gegeben. In der Dürre wird das Leben gekräftigt, vorbereitet, geartet auf künftige Blüte hin, auf künftige Garben und ewige Aussaat. Nicht umsonst erzählt die Haftara gerade des Sabbaths vor Schewuoth von der heiligen Mütterschaft, auf die sich das Weib Manoahs, die Mutter Simons auf die kost bare Gabe vorbereitet, die sie dem Volke in sich dem schaffenden Leben entgeginreifen darf. Die Mütter in Israel dürfen an diesem Tage mit dem Stolz des Dienens die Stirnen heben — das „Du sollst" des Gesetzes reiht ganz Israel in diese holde Frauenpflicht, zu blühen und zu tragen und edle Frucht zu bringen. Das Gesetz, das wir auf uns nehmen durften, gehört der Welt. Eine heilige Mutterschaft ist auf Israel gelegt, ein großes Tragen und Hoffen. Um ihretwillen muß es durch die schweren Tage der Wüste — sie mag Sinai heißen oder Galuth in tausend immer anderen, immer gleichen Formen — es muß durch die Tage des Wartens und Sichbereitens — um der Garbe willen. Blumen stehen am Fest der Gesetzgebung in unseren Stuben, schmücken die Häuser unserer gemeinsamen Gebete. Aber ihr Sinn, ihr Sinn heißt Frucht und Garbe — und die sie einst binden werden, binden sie nach dem Gesetz, nicht für sich, sondern für eine erlöste Welt. M. W. Der Ruf des Schekels. Seme Bedeutung für die Juden ki Deutschland. Vor -10 Jahren hat der Schöpfer des politischen Zionismus, Theodor Herzl, in Basel den I. Zionistenkongreß einberufen. Fast 200 Delegierte erschienen damals zur Begründung der Tribüne, von der aus die Judenfrage und ihre L.ösungsmöglichkeit ' frei und unbefangen erörtert werden sollte. Der Kongreß vereinigte sich zu einer Erklärung, die seit damals als'das „Baseler Program m" bezeichnet wird und bis heute in Geltung steht: „Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte in Paläst i n a." Das ist das Ziel des Zionismus, das Programm der Zionistischen Organisation, die 1897 gegründet wurde. Zum I. Zionistenkongreß kam, wer den überall hin versandten Einladungen Folge leisten wollte. Auf ihm fand das' jüdische Volk sich wieder zusammen; wo immer der nationale Gedanke in der Bildung einzelner Vereine sich manifestiert hatte, da sandte man einen Delegierten nach Basel. Das wurde nun anders; alle die zahlreichen Vereine und Clubs von vorwiegend ostjüdischen Palästinafreunden, die in der Welt bis dahin existiert hatten, gingen in der neugegründeten Zionistischen Organisation auf, die ihrerseits nun eine rege Propagandatätigkeit entfaltete und zahlreiche Neugründungen von Ortsgruppen durchführte. Die Zusammensetzung der folgenden Zionistenkongresse mußte infolgedessen neu geregelt

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