Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Volume
- 14 (1937-1938)
- Issue
- 3 (2.5.1937)
- Date
- 1937-05-02
- Page
- Seite 20 (sequence 6)
- Language
- German
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20 Jüdisches Gemeindeblatt (Württemberg) 2.5. 37 XIV. Nr. 3 -1_ * Melodie des Sprechens ins Ohr wie durch das Seibstlernen der Wörter und Regeln ins Gedächtnis. Insofern sind diese Vorträge eine wesentliche Ergänzung eines jeden Sprachunterrichts und besonders eine Vorbereitung für jeden Palästinabesucher. — An der Erörterung beteiligten sich Rabbiner Dr. Auerbach und der neu angestellte Lehrer der Jüd. Schule Roberg in fliessendem Iwrith. Es ist zu erwarten, daß im Laufe der Zeit die Beteiligung aus dem Zuhörerkreis nach L'eberuindung der anfänglichen Hemmungen sich auch noch einstellen wird. Stuttgart. Seit dem - nunmehr lüjahrigen Bestehen des Landesverbands \X ürttemberg des Jüdischen Frauenbundes arbeitet sein;; Erholungsfursorge-Kommission erfolgreich in der Gesundheitsfürsorge für jüdische Menschen. Beginnend mit der Unterbringung von Fcrienkindern auf dem Lande, hat sie ihre Arbeit bald auch aut Erwachsene ausgedehnt und im Zusammenhang mit ihrer V.ittclstandstursorge (Belegung von bewährten Familienpflegestellen mit Erholungsuchenden) Segensreiches geleistet. Wir weisen auf die Ankündigung der Erholungsfürsorge hin. Stuttgart. Von dem Ausschuß der Familie-Wolf- Stittung, deren Erträgnisse jüdischen Minderbemittelten Württembergs in Krankheitsfällen zwecks ü iederherstellung ihrer Gesundheit und Arbeitsfähigkeit zukommen sollen, wurden im Jahre 193für 37 Gesuche rund RM. 3.400.— bewilligt. Hiervon entfallen 20 Fälle auf Stuttgart und 17 auf das Land (29 auf weibliche, 3 auf männliche Personen). Der Durchschnitt der einzelnen Bewilligung beträgt nicht ganz RM. 92.—. Stuttgart. Die Stuttgarter Jüdische Kunstgemeinschaft bringt als Sonder Veranstaltung am Mittwoch, den 12. Mai, einen einmaligen Klavier- Abend des jungen Pianisten Erich Landerer. Das Konzert dieses genialen Musikers, der vor seiner Auswanderung steht, bedeutet ein besonderes Ereignis; gehört doch Landerer zu den wirklich großen jüdischen Pianisten. Pressestimmen feiern den Kunstler in begeisterten Worten: „Landerer gehört zu der Pianistengeneration der Edwin Fischer, Gieseking, die mit sieggewohnter Technik und unfehlbarem Instinkt alle Sehranken übersteigt." . . . „ein Besessener, dem diese Betätigung-elementare Lebensäußerung bedeutet." .... „Der Anschlag dieses jungen Phänomens gleicht dem Busoni's." .... „er meistert technische Probleme mit einer Leichtigkeit, welche man selbst bei den größten Pianisten nicht gewohnt ist." Erich Landerer wird ein erlesenes Programm bieten. Der Kartenverkauf beginnt am 4. M a i. Da die Veranstaltung aus Gründen der besseren Wirkung diesmal im Kleinen Saal stattfindet, empfiehlt sich rasche Kartenbesorgung. Stuttgart. Am 17. April verstarb nach schwerer, mit großer Geduld ertragener Krankheit unser Gemeindemitglied Daniel Bloch, kurz vor Vollendung seines 70. Lebensjahres. Wer den Verstorbenen, der über vier Jahrzehnte in Stuttgart ansäßig und als Inhaber der Gaststätte Bloch Jugenderinnerungen aus Prag. Von Hugo Schack, Stuttgart. Das Milieu, dem ich entstamme, ist in der jüdischen Welt von altersher bekannt: es ist Prag mit seinen hundert Türmen, mit seinem alten Friedhof, seinen vielen großen und kleinen Synagogen und der berühmten Alt-Neusynagoge. — Es war Ende der siebziger Jahre — ich konnte schon geläufig sprechen — da fing ich auch schon zu singen an. Und meine Eltern, praktisch veranlagte Menschen, gingen daran, das „Gold" in meiner Kehle (es war nur eine unscheinbare Münze) zu verwerten. Mein älterer Bruder sang zur Ehre Gottes im großen Tempel unter Leitung des durch sein „Wajchulu" berühmten Chordirigenten Rubin, und so wurde i c h in der von Sagen umsponnenen Meiselsynagoge vorgeführt. Überkantor Wallerstein, ein als Gesangspädagogj, Dirigent und Komponist von Tempelgesängen bestens bekannter Mann, prüfte mich und teilte nrich den Altstimmen zu. So war ich schon im Alter von 10 Jahren wohlbestallter Chorknabe mit einem Anfangsgehalt von 5 Gulden im halben Jahre. Mitwirkung bei Hochzeiten und Gottesdienstzeiten. Hauptsynagoge Hospitalstraße. 3.-5. Mai 7.00 Uhr, 18.30 Uhr, 20.00 Uhr.1 6. Mai 8j00 Uhr, 18-30 Uhr, 19.00 Uhr. 7. Mai 7iX) Uhr, Freitagabend 18.30 Uhr. 8. Mai Sabbath (Neumondverk.) 9.00 Uhr, Minchahgottesdienst 15.30 Uhr, 20.3ti Uhr. 9. Mai 8.00 Uhr, 18.30 Uhr, 10.-13. Mai 7.00 Uhr, 18.30 Uhr. 14. Mai 7.00 Uhr, Freitagabend 18.30 Uhr. 15. Mai Sabbath 9.00 Uhr, Minchahgottesdienst 15.30 Uhr, Wochenfest 20.45 Uhr. l(j. Mai Wochenfest I (Predigt Rabbiner Dr. Auerbach) 9.00 Uhr, Minchahgottesdienst 15.30 Uhr, 18.30 Uhr./17. Mai Wochenfest II 9.00 Uhr, Minchahgottesdienst 15.30 Uhr, 20.51 Uhr. Synagoge Bad Cannstatt: Königstraße. Freitagabend, Sabbathmorgen, Sabbathausgang — wie Stuttgart. Samstagnachmittag-Minchahgottesdienst 15.00 Uhr. Israel. Religionsgesellschaft, Hospitalstr. 36 (Betsaal). 2. Mai 7.00 Uhr, 19.55 Uhr, 20.25 Uhr. 3.-7. Mai 6.45 Uhr, 19.55 Uhr, 20.25 Uhr. 7. Mai Freitagabend 19.30 Uhr. 8. Mai Schabbos 8.00 Uhr, 16.00 Uhr, 20.40 Uhr. 9. Mai 7j00 Uhr, 20.10 Uhr, 20.40 Uhr. 10.—14. Mai 6.45 Uhr, 20.10 Uhr, 20.40 Uhr. 14. Mai Fieitagabend 19.30 Uhr. 15. Mai Schabbos 8.00 Uhr, 16.00 Uhr, 20.50 Uhr. \. und 2. Tag Sch'wuaus 8.00 Uhr, 20.25 Uhr, 20.55 Uhr. Synagoge Heilbronn a. N. 2. Mai Sonntag früh 7.45 Uhr. An den Wochentagen 6.45 Uhr, 18.00 Uhr. 6. Mai Donnerstag früh 7.45 Uhr. 7, Mai Freitagabend 18.30 Uhr. 8. Mai Sabbathmorgen (Anspräche) 8.30 Uhr, 15.15 Uhr, 20.35 Uhr. y. Mai Sonntag früh 7.45 Uhr. An den Wochentagen 6 45 Uhr, 18.00 Uhr. 14. Mai Freitagabend 13.30 Uhr. 15. Mai Sabbath 8.30 Uhr, 15.15 Uhr, 20.30 Uhi (Schewuosfest). 16. Mai Sonntag früh (Predigt) S 30 Uhr, 15.15 Uhr, 18.30 Uhr. 17. Mai 8.30 Uhr, 15.15 Uhr, 20.30 Uhr. An den Wochentagen 6.45 Uhr, 18.00 Uhr. weithin bekannt war, kannte, weiß, wie groß der Verlust für seine Familie und Freunde ist. Unter der tatkräftigen Mithilfe seiner Frau und seines Sohnes Ludwig war es Daniel Bloch, hinter dem ein arbeitsreiches Leben lag, vergönnt, noch den Aufstieg seines Unternehmens, dem er mit fachmännischer Kenntnis vorstand, zu erleben. Trotz seines Alters war der Verewigte von früh bis spät emsig tätig, immer bemüht, seinen Gästen das Beste zu bieten. Vielen wurde seine Gaststätte zur zweiten Heimat. Unter großer Beteiligung wurde Daniel Bloch am 19. April zur letzten Ruhe gebettet. Rabbiner Dr. Auerbach würdigte das senlichte, von Arbeit erfüllte Leben des Dahingeschiedenen mit schönen Worten. Unsere Gemeinde wird dem Verewigten stets ein ehrendes Andenken bewahren. — Die Gaststätte Bloch wird, wie wir hören, nunmehr in den Besitz des Sohnes Ludwig übergehen, der sie mit seiner Mutter in der bisherigen Weise weiterführen wird. Buchau. In Nürnberg wurde eine Tochter unse- Leichenbegängnissen wurden besonders honoriert — und mit welcher Begeisterung sangen wir da mit Aussicht auf ein Extrahonorar von einem Gulden bei Hochzeiten den Willkommensgruß an das Brautpaar: „Boruch habo", gesegnet sei, der da kommt. Ein gleichaltriger Knabe wurde als Solist — er hatte einen klangvollen Sopran, wie ich ihn bisher nie wieder gehört - bewundert. Wenn er am Freitagabend sein „Likras schabbos" ertönen ließ, dann lauschten wir anderen entzückt und waren zugleich neidisch darüber, daß' wir nichts ähnliches vermochten. Mein Kollege Rosenfeld war ihm in der. tiefen Stimmlage ebenbürtig. Heute ist er Pensionist des Deutschen Landestheaters in Prag, dessen Chor er 40 Jahre lang angehörte. Die Proben unter Leitung unseres Oberkantors waren äußerst interessant. Wallerstein gab uns viele musikalische Anregungen, lehrte uns die dynamischen Abstufungen beachten und erschloß uns die seelische Vertiefung in den Inhalt der Gesänge. Das hinderte aber nicht, daß wir Knaben das Herumtummeln auf der Straße oft dem Probenstudium vorzogen. Unser Lehrer führte nun einen praktischen Modus zur Belebung der Proben ein, indem er pro Kopf und Probe uns 4 Kreuzer, eine Art Spielhonorar, zahlte. Dieses Probengeld wurde von uns natürlich sofort umgerer Gemeinde, Rosa Weil, Oberin im Israel. Altersheim Nürnberg, beigesetzt. Das große Trauergefolge, die Beteiligung des Kultusvorstands und des Kuratoriums des Altersheims legten Zeugnis davon ab, welch größter Wertschätzung die allzufrüh Verblichene sich allenthalben erfreuen durfte. In von Herzen kommenden Worten schilderte Rabbiner Dr. Heilbronn die Dahingeschiedene, die Gerechtigkeit und Liebe in einer Weise zu vereinigen wußte, daß sie tatsächlich die hochverehrte Mutter der vielen alten Mütterlein im Heime war, das hauptsächlich ihrer Tatkraft, ihrem Takt und ihrer großen Arbeitsleistung seinen Aufschwung verdankt. In rührender Treue und Liebe hingen ihr sämtliche Insaßen und Angestellte an, ihr, die mit soviel Sonne im Herzen soviel Liebe gesät hatte. In lOjähriger vorbildlicher Tätigkeit kam, wie ein Kuratoriumsmitglied in tiefster Rührung mitteilte, nie eine Klage vor den Vorstand. Ein edles Menschenkind ist mit Oberin Rosa Weil dahingegangen. Ihre Heimatgemeinde Buchau betrauert tiet den schweren Verlust, den sie miterlitten hat. Göppingen. Am 11. April 1937 fand in Göppingen eine Palästina-Veranstaltung statt, welche vom lsr. Vorsteheramt einberufen war. In dessen Namen begrüßte Rechtsanwalt Dr. Steiner die Anwesenden, worauf die Herren Rabbiner Dr. Rothschild, Saarbrücken, und Dr. Abraham, Berlin, zu dem Thema „Palästina — heute" sprachen, beide Redner legten viel weniger Wert darauf, die gegenwärtige politische und wirtschaftliche Lage einer Betrachtung zu unterziehen, als die zwingende Notwendigkeit darzutun, welche zu der' Renaissance des jüdischen Palästina tührt. Die Rückschläge, mit welchen immer wieder gerechnet werden muß, dürfen und können nicht uns von dem Wege abbringen, dessen Ziel die Erfüllung des 'uralten Traums jüdischer Sehnsucht ist. Blickt man vollends auf die ständig wachsenden Schwierigkeiten, denen der Zustrom jüdischer Einwanderer in allen Ländern unterliegt, so sollte dies erst recht jedem die Augen öffnen, wie es den Juden darum zu tun sein muß, das heilige Land wieder für sich zu gewinnen. Der warme beilall zeigte, wie die Ausführungen al.es Verständnis fanden, und die Aktion des Keren Hajessod, welche damit eingeleitet wurde, bestimmt üie besten Früchte trägt. Göppingen. Aus dem Vorsteheramt sind zwei Mitglieder ausgeschieden. Schon vor ein paar Monaten ist Siegfried Rohrbacher nach Palästina ausgewandert, und nunmehr hat der bewährte Vorsitzende des Kollegiums, Julius Guggenheim, seinen Wohnsitz nach Stuttgart verlegt. Die Heuen Männer, welche diese beiden wertvollen Kräfte zu ersetzen haben, sind Georg L e n d t und Dr. Albert Steiner. Auch hat Herr Lendt wieder das Amt des ersten Vorstehers übernommen, welches er vor dem Abschluß der letzten Wahlperiode inne gehabt hatte. Er lehnte es damals ab, erneut zu kandidieren. < Um so begrüßens- und dankenswerter ist es, daß er sich jetzt wieder für diesen mühe- und verantwortungsvollen Posten zur Verfügung gestellt hat. setzt, indem wir im Sommer ins Moldau-Bad gingen. Wer aber die Proben versäumte, der mußte 20 Kreuzer Strafe zahlen. Diese Regelung bedeutete eine Stärkung der Chordisziplin. Der Gottesdienst war außerordentlich feierlich, wozu naturgemäß die Sorgfalt der musikalischen Leistung sehr viel beitrug. Es war eine große Anzahl von Kompositionen vorhanden, die musikalisch den heutigen Synagogengesängen vielfach überlegen waren. Fast an jedem Freitag- - abend hörte man andere Melodien, die sich zum Teil bis zum heutigen Tage erhalten haben. Jeder Gottesdienst wurde mit einem deutschen Lied beschlossen. Die Chöre waren so gut durchgearbeitet, daß viele Besucher des musikalischen Genusses wegen die Meiselsynagoge besuchten. Der liebe Gott wird diesen musikalischen Feinschmeckern verziehen haben, denn sie waren schließlich auch bei den Gebeten andächtig und dieser Hauptzweck wurde durch die Macht der Musik gefördert. Organist Weiß, der Komponist der Oper „Der polnische Jude", war ein glänzender Virtuose und präludierte beim Ausgang des Gottesdienstes in wundervoller Weise auf der Orgel. Eine Seelen-Gedächtnisfeier unter Wallersteins Leitung gehörte zu den ergreifendsten und erhebendsten Stunden. Hier bewahrheitete sich, daß die Musik eine Trösterin der Seele ist. I