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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1937-04-16 · 2 (16.4.1937) · p. Seite 9

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
XIV (1937)
Issue
2 (16.4.1937)
Date
1937-04-16
Page
Seite 9 (sequence 1)
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Mit bemerkenswerter Ruhe und ohne Uebersteigerungen hat der palästinensische Jischuw die schweren Monate ertragen und ist in der Abwehr der Angriffe auf Leben und Gut tatkräftig und zugleich zurückhaltend gewesen. Man geht heute im Lande der täglichen Arbeit nach und sehnt nichts so sehr herbei, als den vollen Friedenszustand wieder sobald wie möglich herstelle-i zu können. Die Wirtschaft des Landes hat durch die abessinische Krise und die Unruhen Rückschläge erlitten. Manche Teile sind in Bedrängnis geraten, ganz besonders auf dem Gebiete der Industrie. Aber als Ganzes gesehen hat der jüdische Wirtschaftsbezirk den Sturm iiberat aTi den und ist auch heute noch intakt. Wer bei der stürmischen Entwicklung der Prosperityjahrc das Bedenken nicht unterdrücken konnte, daß die Aufblähung der Wirtschaft, die infolge des raschen Einströmens von Menschen und Kapital in das Land erfolgte, sich später rächen und zu einem Zusammenbruch führen müßte, wenn einmal Schwierigkeiten die Weiterentwicklung hemmten, ist angenehm enttäuscht; man sieht jetzt, daß zwar manches verkleinert und einiges den Schwierigkeiten erlegen ist, daß aber die Wirtschaft Palästinas als solche im jüdischen Sektor unverändert funktioniert. Nicht weniger überraschend ist für den Besucher, der das Land jetzt sieht und es mit seinem Zustand vor der Krisenzeit vergleicht, die Tatsache, daß überall Neues geschaffen worden ist, daß große Teile des von Juden bebauten Landes und auch der Stadtbezirke ihr Aussehen gewandelt haben, weil überall gebaut wird, neue Unternehmungen und Institutionen geschaffen wurden und mehr Land unter Kultur kam. Die Wirkung der expansiven Kräfte des Aufbaus tritt gerade in dieser Zeit besonders stark und eindrucksvoll hervor und muß als hoffnungsvolles Symptom gedeutet werden. Wenn daher — was wir hoffen wollen — von der politischen Seite her keine neuen Erschütterungen über das Land kommen, kann man erwarten, daß die Kurve der Entwicklung allmählich wieder nach oben führen wird. Dazu ist notwendig, daß die jüdische Einwanderung weiter durchgeführt wird, da das Land neue schaffende Menschen nicht weniger braucht als das Volk, das in den meisten Teilen der Welt sehnsüchtig auf Einwanderungsmöglichkeiten nach Palästina wartet. Auch die Olim aus Deutschland haben diese Zeit mit Kraft und Mut überstanden. Kaum jemand ist unter ihnen, der den Gedanken hätte, das Land zu verlassen, obwohl es vielen wirtschaftlich gewiß nicht gut geht. Auch unter engen Verhältnissen richtet man sich ein, und die Anpassungsfähigkeit gerade der Menschen aus unserem Kreise nimmt immer wieder wunder. Für die meisten hat sich in diesen schweren Monaten Palästina erst als das erwie? sen, was es wirklich ist, nämlich als ein neues Heimatland, das der Mensch mit der Seele gesucht hat, und nicht als beliebiges Ziel irgendeiner Emigration. Dazu war erforderlich, auch im geistigen, kulturellen Bezirk den Kontakt mit dem Leben im Lande zu finden, und man kann heute feststellen, daß eine wachsende Zahl von Menschen aus Deutschland diesen Anschluß an das hebräische Kulturleben nicht nur sucht, sondern auch zu finden beginnt. Das ist gewiß für Menschen sehr schwierig, deren jüdische Substanz schwächer ist als die der meisten Einwanderer aus dem Osten Europas, aber es muß um so mehr anerkannt werden. All dies kann natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, daß das Leben in Palästina hart und schwer ist, daß es für den Einzelnen und für jede Gruppe Aufgaben mit sich bringt, die die ganze Tatkraft des Menschen und seine Liebe zu dieser großen Sache der jüdischen Erneuerung verlangen. Die Probe des letzten Jahres aber hat die Kräfte vieler Menschen im Lande gestählt und war besonders für diejenigen, die diese Zeit auf dem flachen Lande erlebt haben, ein wichtiges Exempel, wie weit ihre- Fähigkeitcn reichen, wenn es um Bewältigung entscheidender Schwierigkeiten geht. Meute kommt es darauf an, alle nationalen Kräfte in Palästina so stark wie möglich zu machen. Ganz neue Aufgaben sind entstanden, wie die der Hilfeleistung an diejenigen Lebensbezirke, die von sich aus dem Sturm der Zeit nicht voll gewachsen wären. Dies und vieles andere mehr erfordert den Einsatz sämtlicher Mittel; aus diesem Grunde gewinnt die Tätigkeit der nationalen Fonds gerade jetzt in Palästina verstärkte Bedeutung. Darüber soll man jedoch nicht vergessen, daß i auch unter „normalen” Bedingungen ihre Arbeit ein sichtbarer Faktor des Aufbaus ist. VC'enn man durch das Land fährt und die Bezirke sieht, in denen die nationale Kolonisation durchgeführt wird, und sie mit anderen Gebieten vergleicht, in denen zwar auch jüdische Menschen auf den Boden gekommen sind, in denen aber der Faktor der nationalen Fonds nicht wirksam geworden Ist, so kann man deutlich den Unterschied erkennen: Auf den Gebieten nationaler Ansiedlung treten Jugend und Entwicklung ans Tageslicht, weil diese Gebiete wirtschaftlich der jüdischen Arbeit in vollem Umfange zugänglich gemacht wurden und heute, je nach dem Stadium ihrer Entwicklung, bereits einen hohen Stand der materiellen Kultur aufweisen, während andere Bezirke des Lebens, in denen dieser Antrieb gefehlt hat, relativ stagnieren. Diese Ent- 'wicklung gilt es, verstärkt vorwärts zu treiben, um so mehr, als wir wissen, daß künftige Generationen wohl kaum das nachholen können, was wir heute versäumen. Allzuviel ist in der Vergangenheit dadurch nicht zustande gekommen, daß das jüdische Volk die Größe und Einmaligkeit der Aufgabe nicht erkannt hat und die in Frage kommenden Institutionen nicht die großen Mittel zur Verfügung hatten, die erforderlich waren. Heute geht es in Palästina um die Entscheidung über das Schicksal des Landes, die auf der politischen, aber auch auf der wirtschaftlichen Ebene ausgetragen wird. An uns ist es, den Juden der Golah, in dieser Stunde bereit zu stehen und die Menschen nicht im Stich zu lassen, die die Vorhut des jüdischen Volkes darstellen und eine neue Basis für seine nationale Existenz erbauen. Aus den Gemeinden Württembergs. Stuttgart. Beim Freitagabendgottesdienst vom IQ. März richtete Rabbiner Dr. Auerbach an die Knaben und Mädchen, die in diesen Tagen aus der Schule ins Leben traten, eine tiefempfundene Ansprache und überreichte ihnen ein Gedenkblatt sowie ein Buch. Stuttgart. Am 2-1. März fand die Ordentliche Generalversammlung der hiesigen Zionistischen Ortsgruppe statt. Nach einem eingehenden Rechenschaftsbericht des I. Vorsitzenden, Dr. Tänzer, und einem Kassenbericht des Sekretärs, Felix Maas, kam es in der Generaldebatte zu einer eingehenden Diskussion über Fragen zionistischer Arbeit. Nachdem dem Vorstand Entlastung erteilt worden war, erfolgte die Neuwahl. Der neue Vorstand, der einstimmig gewählt worden ist, setzt sich wiederum aus den Herren Dr. Tänzer (I. Vorsitzender), Dr. Kaufmann (1. geschäftsführender Vorsitzender), S. Preßburger (stellvertretender Vorsitzender) und Dr. Leo Fischler (Kassier) zusammen. Für die verschiedenen Sparten zionistischer Arbeit wurde zur Unterstützung des Vorstandes ein Ausschuß gewählt, dem die Herren Siegfried Krautkopf (Organisation), Artur Löwenthal (Werbung), Alfred Levi, Felix David (Tarbut und Schulung), J. Makowsky (Hebräische Arbeit), O. E. Elsäßer (Kommissar des XXL), Dr. Paul Tänzer (Kommissar de« KH), Leo Friedrich (Vertreter des Hechalüz), Dr. Schottland (für Misrachi), Ida Marx (für Wizo), Sam. Richter (für Makkabi) angehören. Ferner fand der Antrag eines Mitgliedes einstimmig Annahme, demzufolge Dr. Tänzer, in Anbetracht seiner verdienstvollen Tätigkeit auf allen Gebieten zionistischer Arbeit, in das Goldene Buch des Keren Kajemeth Lejisrael eingetragen werden soll. Es er- Alfred Auerbach in der Stuttgarter Jüdischen Kunstgemeinschaft. Zur Sonderveranstaltung vom 22. März 1937. Alle, die Alfred Auerbach kenneryfreuten sich, daß die Kunstgemeinschaft diesemfeinfühligen Dichter Gelegenheit gegeben hat, in Stuttgart, wo er seine Jugend verbrachte, wieder“ einmal zu rezitieren. Lange Zeit hat Alfred Auerbach nicht mehr in Stuttgart vorgetragen — aber er. ist noch der alte, liebenswürdige Künstler, dem auch dann noch, w.-nn er von ernsten Dingen erzählt, ein feines wissendes Lächeln auf dem Antlitz steht. Eine zahlreiche Hörerschaft folgte den Darbietungen Alfred Auerbachs mit stärkster Aufmerksamkeit. Nach jeder Gabe wurdaihm stürmischer Beifall gezollt, und man spurte, wie stark der Künstler sein Publikum zu fesseln vermochte. Ob Alfred Auerbach Ernstes oder Heiteres liest — immer spricht aus seinem Vortrag der wahre Herzenston, die innige Verbundenheit des Künstlers mit all den Gestalten, denen er durch Wort und Geste blutvolles Leben gibt. Ganz in seinem Element ist aber Alfred Auerbach, wenn er sich mit den Menschen seiner Jugend, mit seiner früheren schwäbischen Heimat beschäftigt. Alfred Auerbach las drei fein empfundene Kapital aus seinem Roman „Wehstuhl der Zeit”, Skizzen aus dem Osten (Percz, Scholem Alechcm, S. Kohn), und schloß mit schwäbischen Miniaturen, in denen Dorfgestalten wie das „Berthäle" und der „Xaver” so plastisch gestaltet wurden, daß die Hörer ihre reinste Freude hatten. Alle, die Alfred Auerbach hören durften, entbieten ihm ihre Grüße und freuen sich auf ein baldiges Wiedersehen. folgte noch die Verabschiedung des auf Hachschara gehenden bisherigen Sekretärs der Fonds und der Ortsgruppe Felix Maas, dem der erste Vorsitzen-, de für seine Arbeit den Dank der Ortsgruppe aussprach, und die Einführung seines Nachfolgers Dr. Eisner. Stuttgart. Am 25. Märzfand die ord. Generalversammlung des Sportklubs H a k o a h, Stuttgart statt, die gut besucht war. In der Eröffnungsansprache dankte der 1. Vorsitzende, Ernst Freude n h c i m, allen für ihre Mitarbeit am Verein, zeigte die Stellung der Hakoah innerhalb der Gemeinde und des Deutschen Makk,Inkreises auf und richtete den Appell an die Mitgin dor, als bewußt jüdische Menschen Sport zu treib.n. Die Fach re lernte der Herren Rosenfelder, Richter und Baumann wurden mit Genugtuung entgegengenommen und d m scheidenden Ausschuß einstimmig Entlastung iit. Erfreulicherweise stellten sich alle Herren d- bisherigen Ausschusses zur Neuwahl. -Der nein Ausschuß setzt sich wie folgt zusammen: 1. V . eiider: Ernst Freudenheim; 2. Vorsitzender i> ' opielausschußvors.: S. Richter; Kassier: Gust '>- felder; Sportwart: Leonhard Cwnbalist ..ukTü Irrer: Erwin Alter; Trainingslcituug: Juh -' iitmann; Beisitzer: Dr. Tänzer, Zwi Eckstein, Fischler, Herr Brückel, Julius Baumann. Es konnte festgestellt werden, d", n e Hakoah trotz vieler Auswanderungen nicht st: „liiert, sondern im Berichtsjahr an Mitgliedern zugenommen hat. Di > haben sicher auch schon empfunden, daß sie;.i der Hakoah Mitglieder .einer großen I onilie sin-'. Stuttgart. Am 4. April fand die SV Gi-iicraLvi-.iinmlung des Israel- K r a n k e n -1 n t e r s t u t z u u g s - Vereins e. V. statt. Der Vorstand, A du I! Kops, begrüßte insbesondere die zahlreich r-clrv vn. » Vertreter der hiesigen Wohlfahrtsorgai:i-.-i: uan und gedachte dann der im Berichtsjahr ■. .--.toiheuen 15 Vereinsmitglieder in ehrender Vi—. Ausgewandert sind 33 Mitglieder. Neue Mitglieder so .alleicht ausden zahlreichen Neuzuzügen nur d:.-a beschaffen, wenn es gelingt, den Sinn für jüdisch ' i;erstutzungspflicht an erkrankten Armen, d<. ..uw iß in weiten Kreisen auch der Zugezogenen . oihuukn ist, den Wohlfahrtszwecken des Vereins d eusthar zu machen. Nachdem der Vorsitzende Heil mitarbeitenden Organisationen, besonders tief ’Chcwra Kadischa, dem Fürsorgeamt, der Wolf-SHftung, dem Frauenverein- Frauenbund den Dank des Vereins ausgesprochen Sport-Saccos und Hosen Glas^Weli in reicher Auswahl - yMU'***fi**

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