Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- XII (1935-1936)
- Issue
- 24 (16.3.1936)
- Date
- 1936-03-16
- Page
- Seite 187 (sequence 1)
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Gemeinde Zeitung für Oie ifroelitiftDen «OemeinOen WüritemOtroe Bezngsprei« RJt 1.13 piiüglich pl-ft an» Zustkllg-düHr Poflftttfrmrto 342 5» Erscheint monatlich zweimal, am 1. und 16. Sei jRtyterftcinen infolge Höherer Gewalt befiehl kein Anspruch «nf Aachilefenrng M Platte* •*. ^Rückerstattung des Sezogsgeldes Verlag und Schriftleitung: Israelitische Verlagsanstalt GmbH. Kenifpr. 23328 $ Gtuttgart-R * Rafernenjtr. 13 Anzeigenpreise _ laut a «fliegender Preisliste. Äeiträge stad zu richten an die Xrdattion. ' erlangte Manuskripte werden nur zurückgesandt, wenn Jtückport» chetttegt. XU. Jahrgang Stuttgart, 16. Mär, 1936 Är. 24 ## il Jf fflf A flfl # f Dänfzefin ffafoe Dielen cHajetood y/ctk de* Mieten <Kafe**od. Von Dr. Michael Traub. Es gehörte Mut dazu, um im Jahre 1920, zwei Jahre nach Beendigung des Weltkrieges, den Beschluß zu fassen, 2 5 Millionen Pfund im Laufe von fünf Jahren für den Aufbau Palästinas zu sammeln. Die Männer, die in jenem Jahre 1920 den Plan zur. Gründung des Keren Hajessod faßten und durchführten, waren selber im Zweifel, ob die Judenheit der Welt ihren Ruf hören und verstehen würde. Aber sie, ließen sich nicht irre machen. Der völlige Zusammenbruch des russischen Judentums, das durch den Verlauf der bolschewistischen Revolution aus allen seinen' jüdischen Geistes- und Lebenszusammenhängen > gewaltsam herausgerissen wurde, das unbeschreibliche Elend der Juden in Polen und den östlichen Randstaaten, deren Wohngebiet vier lange Jahre hindurch Kriegsschauplatz gewesen war, die Zerrüttung aller wirtschaftlichen Kräfte in Mitteleuropa schreckten sie nicht ab. Nachdem die Balfour-Deklaration und das1 Völkerbundmandat die Einrichtung einer jüdischen Heimstätte in Palästina in Aussicht gestellt und schließlich garantiert hatten, mußten die Juden selber die in mühevoller; diplomatischer Arbeit geschaffenen Voraussetzungen nutzen und mit einer entschlossenen Anstrengung an das Werk der Selbsthilfe gehen. Dazu waren finanzielle Mittel notwendig, und die Idee des Keren Hajessod war die, daß ein jeder Jude nach seinem Vermögen eine Selbstbesteueru n g für den Aufbau des Heiligen Landes freiwillig auf sich nehmen müsse. Ein stolzer, großer Gedanke; was andererwarts nur durch staatliche Gewalt erfolgt, sollen die Juden freiwillig tun. Für das Hochziel jüdischer Zukunft im Lande der Väter steuert die jüdische Gemeinschaft nach einem sittlichen Gesetz, das sie sich aus freien Stücken auferlegt. Pionierarbeit: Die Gründer des Keren Hajessod hofften, Palästina durch eine gewaltige Kraftanstrengung der Juden aller Länder im Laute von fünf Jahren erschließen zu können. Diese in gläubiger Begeisterung ausgesprochene Hoffnung hat sich aber als trügerisch erwiesen. Obwohl die Judenheit Westeuropas und Amerikas sich nach dem Kriege jahrelang im materiellen Aufstiege befand, war es in jener Prosperitätszeit nicht möglich, die Summen aufzubringen, die das Aufbauwerk damals erforderte. Viele Juden vergaßen im Gefühl, ihrer eigenen Sicherheit, daß auch sie das Galuthschicksal des jüdischen Volkes teilen werden; sie hofften, daß die Judenfrage an den Grenzen des eigenen Landes haltmachen wird und verschlossen sich den Forderungen des Aufbaus. So wurden trotz mühseligster Arbeit und unaufhörlichen Werbens in fast allen Ländern der Golah aus den in fünf Jahren erhofften 25 Millionen Pfund in 15 Jahren nur fünfeinhalb Millionen Pfund. Und doch hat der Keren Hajessod selbst mit dieser, den Erfordernissen des Palästinawerkes nicht im Entferntesten entsprechenden Summe in Palästina Entscheidendes geleistet. In gemeinsamer Aufbauarbeit mit dem Heere unserer namenlosen Chaluzim hat er die Grundlagen der heuti- §en Entwicklung gelegt und die gewaltige Einwanerung der letzten Jahre ermöglicht. Leistungen: Der Keren Hajessod hat von 1920 bis 1935 in Pfund folgende Beträge in-Palästina investiert: Landwirtschaftliche Ansiedlung 1 762 000 Erziehung 1013000 Oeffentliche 'Arbeiten 534 000 Einwanderung 601000 Investierungen in Stadt und Land 318000 Oeffentlichesi Gesundheitswesen 295000 Nationale u. kommunale Einrichtungen 231 003 Misrachi Institutionen 93000 Beteiligung am Bodenerwerb 33000 Die tatsächlichen Leistungen des Keren Hajessod kann freilich nur ermessen, wer hinter diesen nüchternen Zahlen die Wirklichkeit und Vielfalt des heutigen jüdischen Lebens in Palästina zu erkennen vermag. Für ihn bedeuten die Investitionen des Keren Hajessod: LIED DER ARBEIT Sdilage, Hammer! Steige auf und siege I Meine Chaussee aus Betoi Erstredet sidi im Sand. Wache auf, Einöde, Dein Spruch ist gefällt! Wir kommen, Dich zu besiegen. Unter den Kesseln brennen die Feuer, Die Walze erobert das Land . . . Lärm und Getöse . . . Unsere Kräfte schäumen über. Der Pechkessel ist heifjt Die Hand blutet. So kämpft der Mensch In der Wüste. Au« aL«nd d«r Verkeilung* Die Gründung und Förderung von Handel und Industrie mit ihren Schlüsselpositionen: der Kraftversorgung durch die Palestine Electric Corporation (Ruthenberg-Werk), der Ausnutzung der Mineralschätze des Toten Meeres durch die Palestine Potash Comp., der Ausweitung und ständigen Belebung des Arbeitsmarktes auf dem Gebiete der Bauindustrie in Stadt und Land durch Gewährung von Krediten der Allgemeinen Hypo th ekenbank. An all diesen Institutionen hat sich der Keren Hajessod zu einer Zeit beteiligt, als noch kein Privatmann wegen der mangelnden Rentabilität sich zu einer namhaften Kapitalinvestition in Palästina entschließen konnte. Daneben hat der Keren Hajessod zur Förderung und Entwicklung der städtischen Kolonisation (Anleihen für Tel-Aviv und Hadar Hakarmel) wesentlich beigetragen, Arbeitsbeschaffung und Krisenbekämpfung in den Jahren 1927/28 durch Vergebung öffentlicher Arbeiten an Tausende von Arbeitslosen ermöglicht, unzählige Palästinawanderer betreut, die öffentliche Gesundheitsfürsorge des Landes ins Leben gerufen und die Grundlagen der Erziehung einer ganzen Generation junger jüdischer Menschen durch den systematischen Ausbau dehebräischen Erziehungswesens — vom Kindergarten über Schule und Gymnasium bis zum Technikum und zur Hebräischen Universität — gelegt. Vor allem ist es dem Keren Hajessod gelungen, in 62 blühenden, nunmehr wirtschaftlich konsolidierten Kolonien 12 000 Menschen anzusiedeln. Er schuf das jüdische Dorf und den mit dem Boden verbundenen jüdischen Bauern und baute jenen Teil unserer Nationalwirtschaft aus, von dessen weiterer Entwicklung die Gesundung unseres Wirtschaftslebens und die Normalisierung unserer sozialen Struktur, nicht zumindest auch unsere Krisenfestigkeit im Lande abhängt. Fast zwei Millionen Pfund hat der Keren Hajessod im Laufe von 15 Jahren in den landwirtschaftlichen Sektor Palästinas investiert. Ohne diese Investitionen des Keren Hajessod wären der Emek lesreel und der Emek Hajarden, die Dörfer in Sharon und im Gebirge Judäa auch heute noch nur geographische Begriffe, nicht aber wirkliche Realitäten jüdischen Lebens in Palästina. Neue Aufgaben: Lieber 60000 Juden sind im Jahre 1935, über 150000 im Laufe der letzten drei Jahre nach Palästina eingewandert. Diese gewaltige Einwanderung stellt den Keren Hajessod vor Aufgaben, denen er im Rahmen seines bisherigen Budgets nicht gewachsen ist. Vor allem fehlen dem Keren Hajessod die Mittel, die notwendig sind, um das Land kolonisatorisch zu erschließen und eine dem gewaltigen Ausmaße der palästinensischen Wanderbewegung entsprechende Anzahl von Menschen der Landwirtschaft zuzuführen. Selbst eine Ansiedlung eines Fünftels aller in Palästina einwandernden Juden würde Beträge erfordern, die das gegenwärtige Budget des Keren Hajessod ijm das Zwei- oder Dreifache übertreffen. So ist eine wesentliche Steigerung der Keren Hajessod- Eingänge notwendig, um den jüdischen, landwirtschaftlichen Sektor zu erweitern und die soziale Struktur der jüdischen Bevölkerung zu normalisieren. In zunehmendem Maße wendet die jüdische Welt selbst in denjenigen Teilen, die zionistischen Gedankengängen fernstehen, ihre Aufmerksamkeit sowohl positiven wie negativen Erscheinungen palästinensischen_ Lebens zu. Die Landflucht und die Vernachlässigung der Landwirtschaft zugunsten der Stadt, der prozentuale Rückgang des landwirtschaftlichen Sektors und die Verschlechterung der sozialen Struktur, nicht zumindest aber auch das Bodenproblem und die Spekulationssucht in allen ihren Formen werden in wei- - ten jüdischen Kreisen auch außerhalb Palästinas mit Besorgnis und Unruhe verfolgt und legen dem Keren Hajessod die Pflicht auf, die Schattenseiten und Schäden, die der Rückgang seiner Einnahmen für den Aufbau der jüdischen Heimstätte in Palästina zur Folge hatte, in aller Offenheit zu schildern. Angesichts der Gefahrenmomente, die diese Entwicklung ui sich birgt, ist der Keren Hajessod berechtigt und verpflichtet, von der Judenheit der Welt die Mittel zu fordern, die notwendig sind, um die wirtschaftlichen und kulturellen Bedingungen für die weitere Masseneinwanderung von Juden nach Palästina zu schaffen. Ansiedlung von Juden aus Deutschland: Trotz der Schwere der allgemeinen Probleme, deren Lösung dem Keren Hajessod als dem zentralen Finanzinstitut der Jewish Agency obliegt und der Tatsache, daß seit dem 15 jährigen Bestehen des Keren Hajessod die in den einzelnen Ländern gesammelten Beträge nicht ausschließlich für die Auswanderer aus diesen Ländern verwandt wurden, hat der Luzerner Zionisten-Kongreß beschlossen, einen besonders großen Teil der in Deutschland aufgebrachten Keren Hajessod-Beträge ausschließlich für die Ansied- I u ii g von Juden aus Deutschland in Palästina zu verwenden. Da außerdem — im Rahmen des allgemeinen Keren Hajessod-Budgets — ein Teil der Eingänge auch aus anderen Ländern für jüdische Einwanderer aus Deutschland verwendet wird, bedeutet der Beschluß bezüglich der gebundenen Zweckbestimmung der in Deutschland gesammelten Keren Hajessod-Beträge eine Bevorzugung, die ebührend gewürdigt werden muß. Kannten doch ie leitenden Gremien der zionistischen Organisation und der Jewish Agency, als sie diesen Beschluß faßten, die Notlage der Juden auch in anderen Ländern yiMiiiiimmtMiiiiMiinmiimmiiimMniiiiiiMmiiimmniiiiiiiHimiiiiiiiiiiiHiimii [ ZUM GELEIT! | | Diese dem Keren Hajessod (Jüdisches Auf- I I bauwerk e. V.) gewidmete Ausgabe der | | . Gemeindezeitung * soll mehr bedeuten als | | eine Gelegenheits-Veröffentlichung. | i Sie soll die Herzen erschließen für das ge- I | walUge Aufbauwerk des jüdischen Volkes § | im Heiligen Lande, sie soll jedem Leser | | Ansporn sein zur aktiven Mitwirkung an der | | Wiedergeburt seines Volkes. | | Wer den Keren Hajessod fördert, der darf | | von sich sagen, daß er an den Geschicken | f seiner Gemeinschaft in entscheidender Stunde | | verantwortungsbewußt mitgewirkt hat. | | DIE SCHRItTLEITUNG. I jjiiHMiMiNwiiwiMiiMiii—»wmnuwHUMM—mw—m—mmmmtmmmmmmmtm i