Mannheim
Compact Memory

Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1936-01-16 · 20 (16.1.1936) · p. Seite 155

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
XII (1935-1936)
Issue
20 (16.1.1936)
Date
1936-01-16
Page
Seite 155 (sequence 1)
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4904101-5442819-5443434--4495-4908252
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Gemeinde Zeitung fttr Mt ifraeltttfcfien Gemeinde« Wttettemvergs 2» «zn g « p r »i« RJt 1.13 vierleifsthrlich, znzfifillch Poftunft 3a|teflgebfitr Poftffterftimto 362 SS Srschetnf monatlich gtpeimal, am 1. und 16. TSti SNchierfcheinen fafefft Wem ®e»alt besteh« Mn filxsdrnch •■f Jlad)U€ftnat des 2lattc« Sb. 3tS<fcrftattnii0 des aepifisgeldes Verlag und Schriftleitung: Israelitische Derlagsanstatt S. m.b.ch. Kernspr. 23328 * Gtuttgart'7! * Kasernenstr. 13 Anzeigenpreis« Ion« »»fliegender Preisliste. aeilrd«e find |u richten an die SiedsINs,. Uichiserisngie Mnnusiripie «erden nnr piriüf^snnbi, wenn Siückpori. beiließt. XII. Jahrgang Stuttgart, 16. Januar 1936 Ar. 20 Keren Hajessod und religiöses Judentum. Von Dr. Oskar Wolfsberg, Jerusalem. I)urrh den Zionismus, die jüdische Renaissance und den Gedanken des Palästinaaufbaus wurde dem Judentum eine ungeahnte Bereicherung zuteil. Bereits das Frühstadium der Bewegung, da von einer Verwirklichung noch kaum die Rede sein konnte, führte eine Wendung herbei: mancher, der dem Judentum verloren schien, kehrte zurück, neues Leben durchpulste viele, die erkaltet waren. Es war die Idee, die dem Volkskörper Leben einhauchte und mit Kraft und Gelingen Verwesung und Erstarrung aus unserer Mitte verbannte. Dann kam die zweite Phase; sie brachte den Sieg der erhabenen Idee. Wir wissen es, und der Jischuw legt Zeugnis dafür ab, daß wir jetzt mitten im schnellen Vollbringen begriffen sind. Dahin ist die Phase des Traums und der Trunkenheit. Wir sind nicht mehr Herren der Entscheidung wie zu Beginn des Zionismus, als es noch in unsere Hand gegeben war, ob wir Zion erbauen wollten oder nicht, lieberdeutlich spricht in den letzten Jahren das Gebot der Geschichte, es weist uns gebieterisch den Weg der nationalen Konzentration in der Heimat und kündet Golah und Galuth einen har teil Spruch. Die klare Erkenntnis vom Primat Erez Israels innerhalb der zionistischen Gesamtaufgaben lenkte Sorge und Aufmerksamkeit der Führer auf die Schaffung und Ausgestaltung der erforderlichen Instrumente des Aufbaus. Wir hatten bereits seit geraumer Zeit den Nationalfonds, dessen Bedeutung eher noch stieg. Ihm gesellten vor 15 Jahren die verantwortlichen Männer der Bewegung einen zweiten Fonds zu von nicht geringerem Rang: den Keren Hajessod, der allen konstruktiven Aufgaben gerecht zu werden hätte. Er ist weit mehr als ein materielles, finanzielles Mittel: er ist zum Symbol der Verwirklichung geworden. Es haben sich nicht alle Erwartungen erfüllt, aber ungeachtet aller Fehlschläge und Enttäuschungen haben sich in der Leistung des Keren Hajessod die besten Kräfte manifestiert. Er dient allen Erfordernissen des Aufbaus, aber er „trägt auch seine Träger", und mehr als die Spender für ihn tun. tut er für sie. Er verknüpfte den Kreis der Geber mit einem mächtigen Werk und gewann ihre Sympathien durch seine Ansprüche und Taten. Ströme von Energien und bedeutende Rückwirkungen gingen von dem moralischen Kapital aus, das im Keren llajessod aufgespeichert ist. Die religiöse Judenheit in Palästina beschränkte ihre Tätigkeit lange auf das Schulwesen und auf die Fürsorge für religiöse Institutionen. Diese Schulen sind der Stolz des „Misrachi". Die Wahrhaftigkeit gebietet uns, gern anzuerkennen, daß das traditionstreue Judentum auf diesem Gebiete seinen vollen Anteil vom Keren Hajessod erhielt. Rühmen wir die erfolgreiche Arbeit der Lehrer in den erwähnten Schulen, so wollen wir dessen eingedenk bleiben, daB sie nicht möglich gewesen wäre ohne die Einheit und Geschlossenheit der Zionistischen Organisation, die allein unserem atomisierten Volk zur Wiedererstehung verhelfen kann. Der Keren Hajessod symbolisiert diese Einheit im Werden. Im Schulwesen hat er seine ungewöhnliche Aktivität und Unparteilichkeit bewiesen. Auch anderen religiösen Angelegenheiten hat er sein Interesse bezeigt und manche Institution, vor allem in den Siedlungen, verdankt ihm Entstehen oder Unterstützung. Freilich könnte hier noch vieles geschehen und man kann sieh mit dem Geschaffenen nicht zufrieden geben. Aber auch auf diesem Bezirk kann man nicht von einem Desinteressement des Keren Hajessod an den Angelegenheiten des religiösen Judentums sprechen. Spät und in unzureichendem Matte fand der Anspruch des Hupoel llamisrachi auf landwirtschaftliche Ansiedlung Gehör. Fraglos hat sich die Situation sehr zugunsten des Hnpoel llamisrachi in letzter Zeit geändert. Hier war das religiöse Judentum selbst nicht ohne Schuld: allzuspät wandte es sich diesem entscheidenden Gebiete des Aufbaus zu. In den letzten Jahren machte auch der Keren Hajessod schwere Stunden durch, seine Einnahmen sanken — und gerade in diese Zeit fällt die Wendung der religiösen Judenheit zur Landwirtschaft; so war es unmöglich, die Entwicklung der neuen Siedlungspunkte genügend zu fördern. Den Verpflichtungen des Keren Hajessod gegenüber dem religiösen Judentum entsprechen Pflichten der Orthodoxie gegenüber dem Keren Hajessod. Und du wir an der Wende einer Aera stehen, soll den Gesetzestreuen aller Richtungen die Pflicht ins Gedächtnis gerufen werden, dieses Gebot mit Begeisterung zu erfüllen. Es heiBt einmal im Talmud: „Jede Mizwuh, die Jisrael freudig übernahm, übt es auch jetzt noch mit Wärme." Die Steuerpflicht des Keren Hajessod ist wert, dieser Gruppe zugezählt zu werden. Die religiösen Zionisten sollten die Ersten sein und die Gewissenhaftesten unter den Gehern. DaB alle Mitglieder der Zionistischen Organisation hierbei ihre Pflicht erfüllen, ist eine Selbstverständlichkeit. Aber heute gilt es, darüber hinaus ein ernstes Wort den Menschen jenes orthodoxen Judentums zu sagen, das noch nicht zu uns gehört! das gleichgültig oder nachlässig sich verhält oder gar unser Werk and unseren Weg ablehnt. Sie müssen geweckt, zur Beteiligung herangezogen werden; sie müssen erkennen. in welcher bedrohlichen Lage, in welcher entscheidenden geschichtlichen Stunde das jüdische Volk sich befindet, welcjie gewichtige Fragen vor uns stehen und Antwort heischen. Was in unserem Volk vor sich geht und welche Wunden ihm das Schicksal schlägt, das ist offenbar. Alter aus dpm historischen Gesetz, unter dem jüdisches Schicksal in der Golah sich vollzieht, muB für uns eine Konsequenz folgen: wir sind zu schwach, als daB wir uns den Luxus der Zersplitterung leisten könnten. Gewiß besteht für die nichtzionistisehc Orthodoxie keine Hoffnung, fern von der Gesamtheit etwas Großes zu schaffen, das dem furchtbaren Niedergang der Golah gegenüber kompensatorischen Wert hat. Darum fanden viele Gcsetzeslreue den Weg nach Erez Jisrael, mehr noch streben dahin, oft genug unter dem Zwang der Verhältnisse, manche, da ihnen keine andere Wahl bleibt. Diese psychologisch bedenkliche Situation muB zu Fruchtbarem gewandelt werden. Oie Mutter Don Manfred Sturmann Höre, der Ilachtroind flattert ums Haus, Unser Ofen ist kalt. Komm, wir löschen die Kerze aus. Dann schlafen wir bald. Höre, die Krähen schrei'n auf dem Dach, Kind, du lächelst im Traum. Meine Gedanken fliid ruh'los und wach, Sie geistern im Daum. Wunde um Wunde schlug mir die Zeit, Und mein Scheitel ist grau. Kind, mein schlafendes, weißt nichts von Leid, Dein Himmel ist blau. f Deine Drüder in Jisrael , Kneten und formen das Land, Wie es chnen heil'ger Defehl Zn die Herzen gebrannt. Warte geduldig mein Knabe und sei Hart und bereite dich, Dis dle Ärüder rufen herbei Den Züngsten und mich. ' r ' Kind, dann sind unsere Tage nicht leer, Heimat zieht in uns ein. Ach, dann werden die Dächte nicht mehr. Kalt wie diese hier sein. Aus dem Geblchldand .SerNmst und Gesinnt»»-- Seich Reiß Verlag. »35 Gerade wer die Wiedergeburt unseres Volkes,; die Erneuerung unseres Lehens an Thora und Truiftlion gebunden sieht, wer die besondere kulturelle und so* ziale Linie unserer l eln rlieferung im werdenden Er, / Jisrael als beherrsrhenden Faktor durchsetzen wijl. ist verpflichtet, unsere nationale Bewegung zu fördern! und ihre Instrumente, den Keren Knjemelh Lejisrael! und den Keren Hajessod, zu stärken. - Darum muß sieh die religiöse Judenheil viel ijnger der Arbeit des Keren Hajessod, dessen Teilhaben wir sind, verbinden, seine Leistungen für ihn steigern.* Der Kinfluli des religiös nationalen Judentums innerhalb der zionistischen Bewegung, voran in Erez Jisrael^ soll auf dem Fundament eines stark erweiterten Kreise.*# von Ständern und nie rastender Aktivität zugunstenl des Keren Hajessod und der anderen Zweige unserer Afl»eit sich erheben und steigende Tendenz erlangen. - ftmtl. Bekanntmachungen. Israelitischer Oberrat. Stuttgart, den 8. Januar 1936. Der Oberrat hat Rechnungsrat J u I i u i W i ß - mann zum Oberrechnungsrat beim Israelitischen Oberrat ernannt. _ Die Israelitische Landesversammlung hat in ihrer Sitzung vom 12. Januar 1936 för die Zeit vom 1. Januar 1936 bis 31. Dezember 1941 in den Oberrat als ehrenamtliche Mitglieder die Herren Leopold Levi-Stuttgart und Moses Herz-Hall wiedergewählt und die Herren Anstaltsdirektor Rothschild-Eßlingen, Dr. jur. Manfred Scheuer, Rechtsanwalt in Heilbronn und Dr. jur. Paul Tänzer, Rechtsanwalt in Stuttgart gart wählt. neu gew; Das rechtskundige Mitglied Dr. jur. Siegfried Gumbel, Rechtsanwalt in Heilbronn und das theologische Mitglied Stadtrabbiner Dr. Paul Rieger in Stuttgart bleiben im Amt. Als Präsident des Oberrats wurde Dr. Gumbel-Heilbronn neugewählt, als stellvertretender Präsident Leopold Levi wiedergewählt. Stuttgart, den 12. Januar 1936. Israelitische Landesversammlung Rechtsanwalt Dr. Heinrich Wolf. Ihre durch 'Amerika- oder 3ala6Üaa-3teUe Siegfried Schuiarzsctiiid Stuttgart KSnlgetraA. 43 a T.leion 289 B2 (Hau« Kollmar) LEIN —..- ” tiqutt 3mwiält SCHALS / SCHLEIER / MÜTZEN / KRAGEN 'Dil ft/Tf WfTtRWXSCHf Julius Schmidt & Cie. H6. Irtbotwarenfabrik Stuttgart 13 iiiiiiiuiiiiiiiiiiiuiiHiiiimiiiiiiiiiiiiiimiiiiinimiiBiiiiBiBWiiiiniBaagni Eheringe Silberne und versilberte Bestecke Gold- und Silberwaren, Reparaturen Fi» Fdt, Juwelier Rotebühlstrasse 1 B / Telefon 61418 Korsattklinik Korsetts u. Leibbinden. Matenfertlgung, Rep. und Reinigung. EmatWeinetelnetr.27 Telefon 742 70 Kfirparpfltga Bestrahlg., Bad. Massage, mp Emst Weinstein* etr. 21B, II. Tel.74270 SMttorf.iimkwMorim KAUFT bei unseren Inserenten I WIEDERERÖFFNUNG Zigarrenhaus Rosa Wallerstein Stuttgart Kaaarnanstr. 14 Verkauf von nur erstklassigen Fabrikaten. Ich bitte mir auch weiterhin Ihr Vertrauen zu schenken. 1

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.