Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- XII (1935-1936)
- Issue
- 18 (16.12.1935)
- Date
- 1935-12-16
- Page
- Seite 141 (sequence 3)
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141 — 4 Oer Schammes. Eine Chanukkahbetrachtung von Dr. Martha Wrrthrlmrr, Frankfurt a. M. Chanukkah, Weihefest. Licht, Licht, viel Licht sind unsere Augen gewöhnt. K» leuchtet in unseren Hlusern, auf der StraBe, in den Stätten der Andacht und der Kunst, l'nd da soll noch rin einziges kleines Llehtlein die Macht haben, uns in seinen Bann zu ziehen? Es hat die Macht! Die feenhafteste Beleuchtung vermag nicht so auf uns zu wirken, wie dieses einzige kleine Llehtlein, das wir an Chanukkah entzünden, wie die Llehtlein, die wir, acht Tage lang, jeden Tag eines mehr entflammen. Was gibt diesen bescheidenen Llehtlein die Kraft, unsere Augen leuchten, unsere Herzen höher schlagen zu lassen? Worin besteht Ihr Zauber, daß wir bei Ihrem Anblick uns von banger Sorge befreit fühlen, daß «Ir das Leid um uns und In uns vergessen, daß unser Herz jubeln möchte vor Freude und Seligkeit? — Well wir wissen, daß die gleichen Gefühle, die uns in diesem Augenblick beseelen, auch unsere Viiler empfunden haben, daß die Stunde, In der die Chanukkah Hehler brennen, unsere Kinder mit uns vereint, mögen sie auch in noch so weiter Ferne weilen, und daß auch unsere Kinder, wenn wir schon längst In kühler Erde sehiumnirrn, bei dem Anblick der Llehtlein unserer in Treue gedenken werden, t'nd es ist mehr als ein Empfinden, es ist ein Wissen, das In dieser Stunde uns Uber ■len Alltag erhebt — wir fühlen uns in unseres Gottes Nähe. Warum feiern wir Chanukkah? Mit srhlirhten Worten erklärt es uns unser Gebetbuch: »Zum Andenken an die Befreiung von den grausamen Verfolgungen des Antioehus Epiphanes und die Wiedereroberung und Einweihung des Tempels, den die Griechen entweihet hatten, begeht die Synagoge eine achttägige Feier von dem 25. des Monats Chlslew bis zum zweiten oder dritten des Monats Thewes. Die Feier besteht in dem An zünden von Lichtern sowohl im Hause als in der Synagoge und in einem besonderen Gottesdienste". Nur wenige Seiten nehmen neben den alltäglich gesprochenen Gebeten die Gebete der Weihetage ein. Vor dem Entzünden der Lichter spricht der Rabbiner ein Gebet und ruft die wundervollen Taten, die der Ewige, unser Gott, für unsere Väter in den Tugen der A'orzeit geübt hat, uns in s Gedächtnis. Mit einer l ob preisung des Ewigen schließt die priesterliehr Ansprache, und jedes Wort haftet in unseren Herzen unauslöschlich. Mit einer Jubelhymne preisen wir die Helden der Makkabäerzeit — tausend, tausend mal mehr aber den Ewigen, den Retter in höchster Not, der unsere Väter erlöst hat aus Schmach und Schande. Mit dem Gefühl hoher Beglückung verlassen wir die Synagoge. Zu Hause wiederholt sieh der feierliche Akt, und Vater und Mutter stehen Hand in Hand vor den entzündeten Kerzen, blicken In die leuchtenden Augen Ihrer Kleinen und sprechen ein stilles Gebet für das Wohl ihrer Kinder. Wohl huldigen wir am Chanukkah den großen Männern drt Vorzeit. Mehr als seit vielen Jahrzehnten erstehen in der Gegenwart die Taten dieser Helden vor unseren Augen, viel öfter schweben ihre Namen auf den Lippen der heutigen Jugend — aber eines hat sieh nicht verändert und wird fortduurrn bis In fernste Zelten: Leber der Ehrung dieser Helden steht die Lobpreisung des Ewigen, des Hüters Israels, der nicht schläft und nicht schlummert. So feiert, ihr Juden in Stadt und Land, auch in diesem Jahre unser Cbanukkahfrst! Und das Eine sei noch gesagt: L'nser Chanukkah Ist einer der festesten Grundpfeiler, auf denen unser Fumillenglürk, unsere Gemeinschaft aufgebaut ist. — Das wollen wir nie, nie vergessen! Die Wahlen. Die »mllichcn Ergebnisse der Wahlen zum Slullg a r I e r Israel. G e m c i n d e v o r s I e h e r a in I und zur Israel. L a n d e s v e r s a m m I u n g sind in den „Amtlichen Bekannlmaehungen" dieser Nummer veröffentlicht. Id S I u I t g I r t betrug die Wahlbeteiligung ungefähr 2 5 Prozent. in den Landgemeinden wurden zum Teil höhere Prozentsätze erreicht. Einige Wahlergebnisse aus den Landgemeinden siehe unter „Aus den Gemeinden Württemberg s". Wir beglückwünschen die ueugewählten Vorsteher und Abgeordneten. Es verdient wärmsten Dunk, seine Dienste in so schwerer Zeit der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Große Opfer an Zeit und Arbeit sind von den Gewählten zu bringen. Wir dürfen die L'eberzeugung hegen, daß alle gewählten Herren mit großer Hingabe, erfüllt von dem Bewußtsein ihrer hohen Verantwortung, sieh der ihrer harrenden schweren Aufgabe unterziehen werden. Möge ihnen mit Gottes Hilfe ein reiches, und für die Gemeinde segensreiches Wirken Iteschieden sein! Der vom Oberrat, der Landesversammlung und dem Israel. Vorsteheramt an die Gemeindemitglieder erlassene Aufruf, einen Wahlkampf zu vermeiden, und auf Wahlversammlungen zu verzichten, hat verständnisvolle Aufnahme gefunden. Die von den vier Organisationen (Centralverein der Juden in Deutschland, Ortsgruppe Stuttgart, Beiehshund jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Stuttgart, Verein für jüdische Gemeindeangeleh habe es nie vergessen. Jahr um Jahr kam die Begegnung mit der gleichen Trauer, das gleiche Suchen nach dem Sinn zu mir. und wenn ich mich hineindenke und wissen möchte, wann jener Gedanke mir zum ersten Male widerfuhr, dann scheint es mir, daß ich noch sehr klein gewesen sein muß, daß mein Kindergesiehlehei) noch nicht bis zur Höhe des Fensterbretts langte, auf dem die ulte Menoruh meines Vaters stund und sieh in den schwarzen Scheiben spiegelte. Hoch älter mir standen die goldenen Lichterzungen, alle nebeneinander — nur der Schammes gehörte nicht dazu, war aus der Keilte gerückt, war nicht einer von den stolzen Kündern der heldischen Erinnefungcn und der immer erneuten Gluubcnswunder — er stand demütig vor den andern und war nur ihr Diener. Jedes Jahr von neuem wurde mir das Kinderherz vor Mitleid schwer, daß der Sehannnes so allein und abgesondert vor den andern stand, alter ich hätte nie den Mut gefunden, von diesem Settauen und Träumen den Großen etwas zu sagen. Es war eine Scham in meiner Schwermut und ein Trotz in meinem Warum Fragen. Wo es auch immer war. daß mir dir Mriiornh brannte, die «tunkte Kimlcrfrugc kam zurück, sobald ich den kleinen, demütigen Schammes vor der festlichen F'iummenreilie stellen sali, I ixt heute heule erfuhr ich die Antwort. Heute nahm ich die Menoruh tont Bücherbrett, aut dem sie das ganze Jahr iiltcr stellt und auf ihre Bestimmung wartet; nahm sie in die Koche und rieb die .Messingarme blank, putzte und bereitete «len Leuchter mit seinen acht Armen für «len ersten Alten«! «Ics Ent zündens vor. Den Schalltotes, der sieh aiint'hmen läßt, halle ich nrltcnhin gelegt, und als mein hausfrauliches Werk vollendet war. griff ich auch nach ihm und begann ihn i'liantikkalilieh zu machen. Da war's wieder! Armer, kleiner Schammes . . . Armer, kleiner Schammes’.' Dunkel und schwer stieg der Uralte Erbst hmerz herauf. Armer kleiner Scham nies. Icgcnhcitcn und di« Zionistische Vereinigung für Deutschland. Ortsgruppe Stuttgart!, vorgeschlagenen Einheitslisten für das Israel. Vorstclu-rumt und die Israel. Luinlcsvcrsummlung siegten Itei einer Wahlbeteiligung von ‘Ja Proz. 120. I’roz. I020l. mit gewaltiger Mehrheit. Der von ungenannter Seile gemachte Versuch. durch Aufstellung einer Gegenliste idie Eiulreitsfronl zu stören, fand nur geringes Echo. Was ist der politische Zionismus — Was ist der Staatszionismus? Kim* AuHfinun<lmfluin|{ mit dem Revisionismus. Zum Vortrag von Dr. Hans Poniernnz. Frankfurt/Main. ..Der zionistische Politiker begnügt sich nicht mit der ldoUen Errichtung des Lebens eines Volkes, weil er dies als ein selbständiges Kndzicl ansieht. Für ihn ist die nationale Existenz nicht nur eine solche Existenz an sich, sondern eine groll.' Aufgeld und eine grolle Verpflichtung der Menschheit gegenüber. Deswegen fordert er Zion und nicht .Palästina", deswegen fordert er ein Lelrcn für sein Volk". — Diese Worle Chaiin Arlosoroffs waren die Grundidee der Ausführungen von I) r. Hans Po m e ranz am 3. Dezember. Die Versammlung wurde durch zwei Lieder, gesungen vom Hechaluz. eingeleitet. Dr. Paul Tänzer begrüßte dann den Redner und wies darauf hin. dall heute keine Zeit zu leeren Pro klamalionen ist. sondern dall der Zionismus im Stadium der Verwirklichung steht. Der Zionismus ist eine politische Bewegung, die kein großes Gerede um das Endziel machen soll, sondern mit nüchternen Tatsachen rechnen mull. Kr diskutiert mit dem Revisionismus nicht um der Polemik willen, sondern aus einem grollen Veranlwortungsbewufilsein heraus, das aber zugleich mit einem tiefen Abscheu gegeni*tl>er den Methoden des Revisionismus erfüllt ist. Die Ausführungen von Dr, Pomeranz gingen von der Darstellung des Zionismus aus, wie ihn seine grollen Schöpfer dachten, als den Willen, die Schande abzustreifen und unser Volk innerhalb der Völker darzustellen. Wer dies versucht, muB sich auf das Gebiet der Politik begeben, er mutt mit den Machtfaktoren der Welt rechnen und eine wirkliche Politik als Kunst des Möglichen betreiben. Das jüdische Volk, das auf der ganzen Well zerstreut ist, braucht für seine Politik eine Atmosphäre des Wohlwollens der Völker, die Völker müssen ül>er seine Frage diskutieren und ihm helfen. In packenden Worten ließ der Redner noch einmal den ganzen politischen Gedankengang des Zionismus von Herzt bis heute entstehen, jenen Weg, der mit dem im Fieber geschriebenen „Judenstaat” begann, durch das Basler Programm zu den Völkern sprach und die Forderung nach einer rechtlich . ge Treten nicht auch wir aus der Reihe der andern, standen nicht auch unsere Väter und l’rvnler fern von der prunkenden LebensgewiUheit der Völker, unter denen Israel lebt? Zwang nicht das Schicksal immer von neuem Israel dies Los auf — nicht wie die andern zu sein, nelH'u ihnen, außerhalb ihrer Bestimmungen zu stehen? Demütig vor den andern, ein Dienender? l)a iH'kam der kleine Lcucbterarm in meiner Hand, der für die künftige Flamme des Eiilziiinlens bestimm! war, Gew lebt und Glanz! Ja,. vor den andern und ein Dienender! Bestimmt, zuerst die Flamme zu empfangen und sie dann, selbstlos und obin^ eitle Sucht, weiterzureichen au die andern, damit sie im Lichte Gottes strahlen, wie er. Ausgesondert und «lern Anderssein geweiht empfing Israel die Flamme des Gesetzes, «lall es sie weiterzünden miiU. der Welt und den Reichen. Nicht für sich allein, nieht für sein Haupt nahm cs die Krone — still und klar leuchtet cs einzig um seines Dienstes wjjlen. Srhammes der Welt, wenn sie sieh bereitet, dem Guten zu leuchten. Klirfüchlig schob meine Hand den kleinen Leuchterarm an seinen Platz: vor den andern, nur ein Schammes, ausgezeichnet, ein Schammes zu sein .... Wenn du die Ghnntikkahflamme auf deinem Haupte tragen wirst, zu deinem erkorenen Dienst, will ich wie.- der vor dir sitzen, wie ein fragendes Kind, und mir von dir die Antwort bringen lassen. Antwort in die Sorgen fragen dieser Zeit und in die Forderyngsfnigcii all unserer Zukunft. Dienst und Dienst und Dienst. Pflicht! lind Pflicht und Pflicht. All unsere Gclicle. all unser' Loben ist schwer lind süU davon. l’m dich. Schamines an der Menorali. klingt Erinnerungslied und Hekeniiliiider Wunder, die Gott an unseren Vätern getan hat ..ii jenen Tagen, um diese Zeit". Sprich auch zu uns wo «fein höchsten Ruhm, den unser Lehrer Mosiheli mm Gott empfing: ein „Kwcd ncemon" zu sein. Lehre me dienen, kleiner Flammetihringer. lehre uns «len Sim unseres Dienstes in der Weit! sicherten Heimstätte für unser Volk autstellle. Her/ scIImt war es ja anfangs noch gar nicht "klar. oh Pa lüstina oder Argentinien oder sonst ein Land «Irr In denstunt sein sollte. Als ihm von der englischen Re gierung I ganda angelnden wurde, war er schon natu daran, zuzugreifen. Da erhob sich unter den .Itulei des Ostens ein Entrüstungsslurm. Lieln-r wollten si, noch länger in der Galuth bleiben, als muh I gaml: gehen. Für sie gab es nur eines — -Erez Israel. In Jahre 1904 fiel dann* die Entscheidung, «lall nur ii Palästina dies«* Heimstätte sein könne, wenn sie zi einer wirklichen Heimat werden sollte. In diesen Jahr«* gingen auch die Menschen der 2. Alijali in Land und legten den (»rundslein für heule. Es war ein langer Weg von Dnganin, das 1908 in Transjordunieit gegründet wurde, bis zur Kolonisation des Emek. und ein langer Weg vom Emek bis heute. Inzwischen ha) uns Weizmann die Batfour-Deklaration gebracht mul auch der Zionismus ist den Kinderschuhen entwachsend Heute wissen wir, dall uns Rechte nichts nützen, wenn wir uns nieht -Dunum für Dunum crol>crn. Es w nrd< uns sehr deutlich ins Bewußtsein gebracht, «lall wir i» eine Politik verstrickt sind, die äußerst feinfühlig ist, oh wir nun an das englische Empire oder die palästinensischen Aralar denken, hinter «lenen ja « ine ganze mohammedanische -Welt steht. In diesen Auseinandersetzungen ergab sieh ein politisches Bild, allerdings ein sehr nüchternes Bild. Wir streiten uns heule dicht mehr um das Endziel, sondern es geht darum, die Chancen des Tages in vollster Verantwortung aus zunülzeii. Wir wollen dieses Land so hauen, «laß es fest steht. Der Weg führt über die Arla'it und nichj über Proklamationen. Es gilt aber auch, das jüdische Volk zu erziehen und ihm khtrzulcgcn, «laß cs schwer ist. nach Palästina zu gehen, aber «lall dieser Weg heule gegangen werden muß. Wir müssen darum kämpfen, einen neuen, jüdischen Menschen zu schaffen und sollten uns hüten, die Wertungen Europas nach Palästina zu tragen. Der Zionismus fühlt sieh als die Fortsetzung der jüdischen Geschichte und es liegt ihm ob, bei seinem Werk in die Tiefe der Geschichte zu greifen und sieh dort zu orientieren. Wir sehen es als die schärfste Bedrohung unseres Werkes, wenn man unsere Menschen in der Galuth verwirrt, ihnen Schlagworte, wie „Freie Alijah" vorsetzt. Vor der zionistischen Bewegung sieben heule schwere Fragen. Wir müssen daran gehen, das Volk zu einem reifen Willen zu erziehen, statt es aufzuhetzen und ihm eine Wertung vorzuhalten, die unjüdisch ist und die die schlimmste Gefahr der jüdischen Geschichte darstellt. „Wir gehen» um ein Wort Brenners zu gebrau*- chen, „nuclT Erez Israel nieht aus Heiligkeit und Religiosität, sondern weil es eine Notwendigkeit ist. weil es keinen Ausweg gibt, weil man nirgends anders hinkann”. Aus dieser Verzweiflung heraus hat die Arbeiterschaft, der Träger des Zionismus, ihren Aufbau Itegonnen, und versucht in tagtäglicher Auseinandersetzung ein festes Werk zu schaffen. Wir wissen, daß noch viele Dinge getan werden müssen. Mehr als je bedrängt uns heute die Frage der Beziehungen zum Araber, und es wurde in diesen Tagen erst klar, wie Herren- »»<■ Knaben-Bekleidung Herren-Anzüge, Herren-Mäntel, Sport-Jacken Ski- und Sport-Kleidung, Krawatten, Schals