Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- XII (1935-1936)
- Issue
- 16 (15.11.1935)
- Date
- 1935-11-15
- Page
- Seite 126 (sequence 6)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4904101-5442819-5443426--4462-4908222- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 126 — win: „Jugend im Exil”. Vs wurden jüdische Finzelsrhicksale in Zusammenhang gesetzt mit dem jüdischen Schicksal iÜKThaupt. da erfuhr man von rigm Lehen, den Sitten und Gebräuchen der Juden im fernen Osten und im lernen Westen. Rußland, Amerika. Deutschland, Spanien. Italien. Holland deckten ihre Beziehungen zu dem jüdischen Gastvolk auf. Die Behandlung dieser Bücher mußte mehr oder weniger an den Ohren der Kleinen Vorbeigehen. Mehr hatten sie sicher von den Vorträgen über Palästina, die uns von Erezreisenden gehalten wurden. l'm nun jedem Alter gerecht zu werden, haben wir \.»r kurzer Zeit eine Teilung in vier Gruppen rorge- U'.mim-n. Die Gruppen t und 2 sind weniger nach dem Alter;iK nach dem Interessengebiet getrennt. Sie umfassen in der Hauptsache Jungen und Mädel der Werkleule" und d.v> ..Ring”. Es laufen gegenwärtig zwei ArlHitsgeinein'chalten. \on denen die eine Gestalten aus der jüdischen Geschichte, die andere allgemeine .religiös. Kragen zum Thema hat. Auch die dritte Gruppe bearbeitet die jüdische Literatur, und dje \irrte, Welche die 6* und 7jährigen umfaßt, singt, spi. lt und bekommt. jüdische Geschiehten erzählt oder Das will aln'r nicht heißen, daß das Programm nicht auch einmal durchbrochen werden kann. In einer der letzten Feiern z. B. sprachen wir erst gemeinsam über den italienisch-abes.sinischcn Krieg im Hinblick auf s. ine Folgen für die Entwicklung Palästinas. Alle, die wir zur Gestaltung der Sabbathfeier in Stuttgart liettragen. mochten den ..Oneg-Schabbaf* nicht so ungefaßt wissen, daß Wir die Kinder auf billige Art unterhalten: sie sollen von unseren Feiern etwas mit nach Hause und darüber hinaus mit in den Alltag des St hu Hebens hinausnehmen Auch wir wollen dazu beilragen. <l.iü sie lernen, bewußte und stolze Juden zu seit. „Land der Verheißung“. Zur Erstaufführung des großen Palästina-Tonfilms. Nun hatten auch wir das Erlebnis des großen Palästina-Tonfilms ..Land der Verheißung". Tausende von jüdischen Menschen haben diese großartige Sthau Krez Israels schon gesehen, mit Begeisterung und Erschütterung zugleich in sich aufgenommen — und viele, viele Tausende noch werden sich innerlich aufrichten an diesem Kolossalgemälde des Neuwerdens eines Volkes auf uralter, geheiligter Scholle. Es ist kein Propaganda-Film, diese Schöpfung der Krim Pa lest ine Film Go. in Jerusalem kein Werk, das mit den üblichen Mitteln moderner 'Werbung für eine Sache gewinnen will . . . Ganz im Gegenteil! Was dieser Film zeigte, das war das harte, unerbittliche Leben in einem Lande. Hessen Berge kein grüner Wald deckt, dessen *verkarst. k*r Boden sich na£h dem Lehenselement des W:i->' r> schilt, dessen Menschen Tag für Tag ihre letzten Kr.ilte einzusetzen haben — ein Land d e r Aj heit, der Bereich einer großen, heldischen Weltanschauung. Da klingen die Fanfaren einer mächtigen industriellen Produktion, das eherne Lied der Preßlufthammer und Betonmaschinell mit dem stillen wissenschaftlichen Studium des Gliemikers und den anfeuernden Marschweisen der jungen jüdischen Bauern, die dem Boden höchste Fruchtbarkeit in unsäglich mühevoller und oft gefährlicher Arbeit abringen, zu einer großartigen Symphonie gesammelter nationaljüdis« her Kraft zusammen, ln Givath Brenner: ein Ghaluz sitzt am Klavier and singt das ..Emek-Lied“ — ..Schlummere Fmek. herrliches Land, wir wachen für Dich!" End die Weise zieht durch das Land .... Wo jüdische Fäuste und jüdische Hirne tür Erez Israel am W erke sind, da klingt die Melodie auf, aus der uralte Sehnsucht spricht, die Sehnsucht des Judenvolkes, vvjeder stark und groß, edel und ein nützliches Glied Judith — ein jüdisches Mädchen. Von Alice Landsberg. Wiesbaden. M.m nannte sie Judith nach ihrer Großmutter. Als Kind lauvhte sie mit brennendem Interesse* der Ge sthirhle ihrer biblischen Namensschwester. Die Tat dieses jüdischen Mädchens entsprach ihrem Wesen: sie glaubte seither, nicht allein den Namen; sondern auch den Mut und die Aufopferungsfähigkeit der biblischen Heldin zu besitzen. — Erwachsener und verständiger geworden, vermied sie das Kindliche ihrer bisherigen Auffassung und verwob die sagenhafte Tal mit dem gewohnten Alltagsleben. Hier wurde allerdings nicht verlangt. daß man biblische Tyrannen erledigte, hier stand mit aller Wichtigkeit ihrt eigenes Lehen im Vordergrund. In heimlicher Spannung durchkostete sie die letzten Schuljahre. Das Sinnen und Trachten nach einefn Beruf, in dem sic^t die niemals schlummernden •Wünsche des Kindes erfüllten, stellte sich ein. Es wechselte ihre Meinung häufig. Zuweilen sah sie sich im weißen Kittel, als Aerzlin Operationen von wunderbarer Geschicklichkeit vollbringend. Als Chemikerin, dachte sie sich, konnte sie noch mehr leisten. Der Menschheit aber als Erfinderin neue, lebenswichtige Dinge bringend, das erschien ihr noch erstrebenswerter. Was es auch sein mochte, einen heldischen Einschlag besaß alles! Das Leiten hatte es anders vor. Zum Studium eines ersehnten Faches fehlte es an Geld, eine Lehrzeit durchzuführen an Gelegenheit; schließlich schrumpfte der große Plan vom noch größeren Dasein zu einer bescheidenen Bürotätigkeit zusammen. Judith, als tapferes Mädchen, sah die Kolleginnen der jüdischen Fabrik emsig arbeiten und sie fühlte sich, da sie wußte, daß von der werktätigen Hilfe der Angestellten das Leben und Bestehen vieler Menschen abhing, trotzdem nicht der Menschheit, im Lande der Väter zu sein. Wenn man uns so fragt, was der stärkste Eindruck dieses Filmes war, dessen alleiniger Darsteller in großartiger Kollektivgeschlossenheit das jüdische Volk beim Aufbau seines Landes ist, dann möchten wir sagen: Es war das tiefe, mitreißende Gefühl, daß die Quelle aller Gemeinschaftskraft aus dem Boden strömt, den die schaffende Hand durchfurcht, auf daß er Segen spende, das Gefühl, daß hier in Erez Israel dem jüdischen Volke eine große monumentale Aufgabe gestellt ist, deren Lösung es gesunden läßt von den vielfältigen bitteren Nöten der Jahrtausende. Es waren durchweg ernste, entschlossene Arbeitergesichter, in die wir blickten. Lächeln war selten . . . Dafür atmeten die Kinder nalurhafteste Fröhlichkeit, und ihre dunklen Judenaugen waren blank und voll seliger Daseinsfreude. Die Erwachsenen aber sind Menschen ernsten, ehernen Entschlusses Menschen, die wissen, was ihre Gemeinschaft von ihnen verlangt. Arbeiter und Bauern des werdenden Palästinas, das ein „Land der Verheißung in unerhörtem Ablauf geschichtlicher Wiederkehr heute für Millionen von Juden wieder geworden ist. So sahen wir das Land, seine Städte, seine Menschen, sein Kulturstreben, seine politische Manifestation. Als am Schluß in geschickter Filmmontage nochmals ein Querschnitt durch das Gesamtwerk gegeben wurde und die „Koheleth -Worte „Ein Geschlecht geht, ein Geschlecht kommt — das Land alter besteht ewig an der weißen Wand aufleuchteten, da spürte jeder etwas von der gewaltigen moralischen Kraft dieses kleinen Stückchens Erde im fernen Orient, für das Tausende sich mühen, auf daß es wieder die Heimat des Judenvolkes werde .... Dr. David Schloßberg sprach zu Beginn der Vorführung besinnlich machende Worte, in denen er Wollen und Ziel des Zionismus umrif . Der Instrumentalkreis der Kunstgemeinschaft leitete unter Stabführung Karl Adlers den Abend durch den Vortrag der Ouvertüre zu „Esther" von Händel ein und gab ihm mit der „Hatikwah den rechten Ausklang. * Am Sonntag, den 17. November, läuft der Film in Heilbronn. Wir machen die Gemeindemilglieder von Heilbronn und Eingehung hierauf nochmals besonders aufmerksam. Aus den Gemeinden Württembergs. Stuttgart. Die Sitzung des Israel. Vorsteher a n« t s vom .10. Oktober eröffnrte der Vorsitzende, Oskar Rothschild, mit herzlichen Dankeswarten Dir die Ehrung, die ihm am Simehas Thora Fest durch den Aufruf als „Chasan Bereschith** zuteil geworden Ist. I)r. Hermann Merzbaeher erstattete dann den Bericht über die Sitzung des Beirats der Jüdischen Schule, in der die Kompetenzen zwischen Sehulbeirat und Schulleitung abgegrrnzt wurden. Anstaltsdirektor Theodor Rothschild (Eßlingen) hat Prüfungen in der JUd. Schule abgebalten, über die er dem Schulbeirat berichte» wird; der Schulleiter wird außerdem dem Sehulbeirat einen Bericht Uber Betrieb und Stund der Schule erstatten. Der Sehulbeirat hat sieh auch mit der Frage des hebräischen Unterrichts in sephardiseher Sprache befaßt. Der Sehulreferent wünschte, daß der sephardisehe Unterricht vom 2. Schuljahr ab erteilt wird. Der Schulleiter wird dem Sehulbeirat hierüber näher berichten. Auf Antrag Dr. Merzbaehers wurde dann die Errichtung der 7. Schulklasse vom Kollegium beschlossen, was die Anstellung einer neuen Lehrkraft bedingt. Einem entsprechenden Antrag des Sehnlreferenten wurde zugestimmt. Oskar Rothschild unterrichtete dann das Kollegium über den Stand der mit dem „LsrueL Landes Asyl und Unterstützungsverein” gepflogenen Verhandlungen bezüglich unglücklich, daß ihre Wünsche sich in eine so enge Gasse verirrten. Wenn sie hinter der Schreibmaschine saß und die Typen mit wahrem Feuereifer herunterhieb, dachte sie daran, daß irgendwie und irgendwann doch einmal die Gelegenheit kommen mußte, in der sie beweisen konnte, daß sie keines der alltäglichen Mädchen war. Abenteuerliche Pläne waren es jetzt, Rettungspläne, Gründungen von phantastischen Firmen: aber da ihre Arbeit nicht unter diesen Gedanken litt, kümmerte sich weder jemand um diese Gedanken, noch erfüllte sich einer davon. So viel sie an alle möglichen Dinge dachte und sich mit ihnen beschäftigte, das Naheliegende kam ihr nicht zum Bewußtsein. Sie wurde erst aufgerüttelt, als eine Umstellung in der Fabrik stattfand, ihre Stelle von einem männlichen Stenographen ersetzt wurde und sie untätig zu Hause sitzen sollte. Sie kam nicht zum bodenlos tiefen Jammer, denn ein Ereignis riß sie aus dem bisherigen Denken. Der Kollege, dem sie den Posten abtreten mußte, bat. nachdem er bei ihren Eltern gewesen war, um ihre Hand. Sie erfuhr aus deren Mund, wie sehr er sie beobachtet hatte und daß er meinte, alles Geld und Gut sei zu ersetzen, nicht alter der Fleiß und die Gradheit, mit der Judith durch einen arbeitsreichen Tag ging. An der Seite einer solchen Krau mußte es sich gut leben lassen. Aufgewühlt rannte Judith, als die Eltern geendet hatten und ihr den Besuch des jungen Mannes voraussagten, aus dem Haus, immer weiter, bis die Straßen hinter ihr lagen. Das weite Feld tat sich vor ihren Augen auf. Wie ein Schluchzen war es in ihrer Kehle. War das das Ende? Sie, die tausendfach große Taten hatte vollbringen wollen, sollte unterkriechen in einer Ehe. einem kleinbürgerlichen Dasein ohne Aussicht auf das große heldische Glück! Sie sah die freundlichen Züge des Mannes, der strebsam und fleißig war, sie kannte ihn nur zu genau, um nicht zu wissen, daß er stets gut zu ihr sein würde. Aber trotzdem. Ehe. Kinderkriegen, alt werden und ... sie starrte vor sielt Außerordentliche Hauptversammlung des C.-V. Am 21. Oktober fand In den Räumen der Hauptgeschäftsstelle unter Leitung des Vorsitzenden Juatlzrat Dr. Julius Brodnilz die außerordentliche Hauptversammlung des Central Vereins statt. Es wurde einstimmig beschlossen, den bisherigen Vereinsnamen abzuändern ln Uentral Verein der Jaden In Deutschland e. V. g 2 der Satzung erhält folgende Fassung: Der Verein bezweckt die Pflege des jüdischen Lebens sowie die seelische, rechtliche and wirtschaftliche Betreuung der In Deutschland lebenden Juden. Die Hauptversammlung beschloß ferner einige Satzungsänderungen, die eine Vereinfachung der Geschäfts führnng sowie eine Stärkung der Befugnisse des Vorsitzenden zum Gegenstand haben. In der unmittelbar an die Hauptversammlung anschließenden Hauptvorstandssitzung wurden die Beschlüsse der Hauptversammlung genehmigt. Außerdem bestätigte der Hauptvorstand, Juatlzrat Dr. Julius Brudnitz Berlin. als Vor sitzenden des’ Vereins, und R.-A. Dr. Rudolf Callmann- Köln, R.-A. Dr. Rudolf Geiger-Frankfurt a. M„ R.-A. Dr. Ernst Herzfeld-Essen, Bankirr Ernst Wallaeh-Berlin, R.-A. Dr. Bruno Welt-Berlin als Stellvrrtrrtrr des Vorsitzenden. der Errichtung eines neuen Altersheims. Die sieh anschließende Aussprache führte zu dem Ergebnis, daß der Vorsitzende dir Angelegenheit zunächst selbst weiterbehandelt und sie dann der Finanzabteilung übergeben wird. Sanitätsrat Dr. R i r s hat die Schaffung einer Speiseeinrichtung angeregt. Der Frauenverein- Frauenbund wird über die Durehführungsmögllehkelten einer solchen Einrichtung Bescheid geben. Der Vorsitzende berichtete dann über eine Sitzung des Erweiterten Oberrats, bei der u. a. der Termin für die Wahlen zu den Vorsteherämtern und der Landrsver- Sammlung festgrlegt wurde (Sonntag, 1. Dezember). In drr Frage der Vereinigung der Israel. Gemeinden Stuttgart und Bad Cannstatt wurde im Erweiterten Oberrat der Vereinigungsvertrag durehgesproehen. Nach Verlesung dieses Vertragsentwurfes durch den Vorsitzenden wurde dieser in namentlicher Abstimmung einstimmig angenommen. Darnach werden die genannten Gemeinden mit Wirkung vom 1. Januar 1916 zu einer einzigen Gemeinde vereinigt, die den Namen „Israelitische Religionsgemeinde Groß Stuttgart** führen wird. Das Stadtrabblnat Statt gart wird sich ab diesem Zeitpunkt auf die vereinigten Gemeinden erstrecken. — Fritz Benario berichtete über die Jüdische Winterhilfe, zu deren Gunsten die Kunstgcmeinscliuft eine Veranstaltung plant. — Den Bericht der Finunzabteilung erstattete Carl Lrvl. Der Finanzrefrrent wird mit Oberrrehnungsrat Meyer die einzelnen Vorschläge des unlängst durch Stadien! a. D. Michel erstatteten Spargutachtens durchgehen und die entsprechenden Punkte auf die zuständigen Abteilungen und Referenten verteilen. Das Kollegium erklärte sieh dann mit einer vorläufigen Bewilligung für das Jüd. Lehrhaus einverstanden. Bei dieser Gelegenheit beantwortete Fritz Benario eine Anfrage Rabbiner Dr. Auerbachs bezüglich der Dozenten des Lehrhansrs. Auf Vorschlag der Finanzableiiung erklärte steh das Kollegium damit einverstanden, FrL Seblessinger vorläufig als Organistin zu beschäftigen. Nach Erledigung verschiedener anderer einschlägigen Punkte berichtete Carl I. r v i Uber den Stand drr Angelegenheit Steinhaldenfeldfriedhof. Die Finanzabteilung wird sieh In Ihrer nächsten Sitzung mit dem Haushaltplan 1933 36 belassen. — Den Bericht der Friedhofsabteilung erstattete Dr. H o m m e I. Die von der Abteilung vorgesrhlagrne Aenderung der Gebührenordnung für Reserve- und Urnengräber wurde angenommen, Zur Frage einer Gebübrrnermäßigung hin. Judith war ein tapferes jüdisches Mädchen und hob den Kopf zum Himmel, als fragte sie ihn, ob der Weg in die Zukgnft denn gar zu eng für sie sein würde. Sie fühlte den Wind um sich streichen, der Boden unter ihr war elastisch. So schaute sie dorthin und bückte sich jäh. Das erste Pflänzchen! Sie vergaß fast ihr Leid. Doch als sie sich aufrichlcle, waren ihre Augen groß und weit. Die erste kleine Pflanze keimte auch in ihr. Judith, die heldische Gestalt aus der Bibel, vollbrachte eine große Tat, indem sie Leib und Seele opferte für ihr jüdisches Volk. Und sie selbst? Ihr Mund fand nicht mehr das spöttische Lachen. Sie bildete mit dem Mann, der sie achtete und zu lieben angab, eine neue Familie im Schosse des jüdischen Volkes. Und aus ihnen beiden würde junges Leiten erstellen; sie schenkte dem jüdischen Glauben neue Seelen, in die sie selbst die Samen werfen durfte, auf daß in ihnen die Liebe zum Judentum aufwuclts. Nicht heldische Taten erwartete das Judentum von ihr, gewiß nicht, dazu waren andere da, vielleicht Berufenere — es war keine Bitterkeit in der Erkenntnis, nur eine F'reude an dem neuen Gedanken. Denn die wenigen Berufenen standen vereinzelt; die jüdische Krau, das jüdische Mädchen in der Masse des jüdischen Volkstums alter war es doch allein, die in stillem Heldentum die Familie erhielten und mit ihr das Judentum. Vielleicht wurden ihre Kinder größer, als sie selbst, niemals aber, sie ahnte es unbewußt, übertrafen sie den reinen Drang nach kleiner Größe in dieser jungen jüdischen Frau . . . Sie hob den Kopf und schaute über das weite Feld, und sie verglich im Weitergehen diese frische Erde, in der lausende von Samen ruhten, mit der Zukunft des jüdischen Volkes, das zuweilen leer und verlassen auf der Welt dazustehen scheint und in dessen Schoß doch so unendlich viele Talen gleich junger, wartender Saal schlummern: Solche Menschen, wie Judith, das jüdische Mädchen ....