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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1935-10-01 · 13 (1.10.1935) · p. Seite 95

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
XII (1935-1936)
Issue
13 (1.10.1935)
Date
1935-10-01
Page
Seite 95 (sequence 1)
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Gemeinde Wertung für Me ifraelitifeen «Semetnden Württemberg* j Bezugspreis Rji i.i3 vierkljLHrllch. zuzüglich Post- und Zustefigedühr postfcheckfonto 362 56 «rfcheiui monatlich zweimal, am 1. und 16. Jfltytrfötinen tafelet höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Jkachlteferung des Slattes o». Xäckerstattuag des Bezugsgeldes Verlag und Schriftleitang: Israelitische Derlogsanstalt G. m. b. H. Kernfpr. 2332» * Gtuttgart'7! 8 Nafernenstr. 13 -. ,-1— An zeigenpreife 1 laut aufliegender Preisliste. Veitrckge find zu richten an die Redaktion. 1 Ilichwerlangte Manvftripte werde« nur zurückgesandt, wenn Rückporto deillegi.! . XII. Jahrgang Stuttgart -1. Ottober 1935 Ttt 1» Vom rechten Gebet Oie grötzten unserer weisen gaben vor jeclem Sebet einem Firmen eine <3abe; dann erst beteten sie, gemäß dem Schriftvers: ick will in Gerechtigkeit (wohüun) Dein Flntlitz schauen. Maimcmickes Die ewige Erlösung. Aas dem „Stern der ErlSHung” von Franz Roftenzwelg. .So Meilen die gewaltigen Tuge, ider Neujahrstag und der Tag der Versöhnung, die ewige Erlösung mitten in der Zeit. Die Posaune, die am Neujahrstag auf der Höhe des Festes gehlasen wird, mteht ihn zum „Tag des (ierii hts". Das Gericht, das *i>nst in die Endzeit, gelegt wird, hier wird es unmittelbar in den gegenwärtigen Augenblick gesetzt. Nicht j die Welt deshalb kann es sein, die gerichtet wird. —i wo wäre sie denn schon in dieser Gegenwart! Sondern das Gericht richtet über den Einzelnen. Jedem Einze nen wird nach seinem Tun sein Schicksal bestimmt. Ain Neujahrstag wird ihm das Erteil für das vergangene und kommende Jahr geschrieben und am Versöhnungslage, wenn die letzte Frist dieser „zehn Busstage** verstrichen, gesiegelt. Das Jahr wird ganz und gar zum ollgültigen Stellvertreter der Ewigkeit. In der jährlichen Wiederkehr dieses, des „jüngsten** Gerichts ist die Ewigkeit von aller jenseitigen Ferne befreit; sie ist nun wirklich da, greifbar, fassbar dem Einzelnen und den Einzelnen mit starker Hand greifend und fassend Er steht nicht mehr in der ewigen Geschichte des ewigen Volkes, nicht mehr in der ewig wechselnden Geschichte der Well. Es gilt kein Warten, kein sich Verkriechen hinter die Geschichte. Der Einzelne unmittelbar wird gerichtet. Er steht in der Gemeinde. , Er sagt „Wir**. Aber die „Wir” sind an diesem Tage nicht die „Wir" des geschichtlichen Volkes; nicht die l'eberschreitung der Gesetze, die dieses Volk von den Völkern des Ei'dlaills scheiden, ist die Sünde, um deren Vergebung die „Wir" schreien. Sondern an diesen Tagen steht der Einzelne unmittelbar in seiner Gott, in der Sünde des Mendiese menschliche Sünde wird nackten Einzelheit vor sehen schlechtweg. Nur diese menschliche Sünde wird in der erschütternden Aufzählung det ■ Sünden, „die wir gesündigt haben", genannt, —< eine Aufzählung, die mehr bedeutet als Aufzählung; eine alle [Schlupfwinkel der Brüst erleuchtende Hervorlockung des Bekenntnisses der einen Sünde des immer gleichen menschlichen Herzens. I Franz Rosenzweigs letzter Jom Kippur. Von Dr. Martha Werthrlmrjr. Die wisse Kerze brannte tief; ihre, Flamme war müde von der schweigenden Nacht und dem langen Tag der Gebete. Die wissen Tücher, die heute die bunten Reihen der Büchergestelle verbargen, hingen schwerer als am Ala nd zuvor, und in den Fenstern wurde jetzt der goldene Oktol>ertng bleij h und la kam einen grauen Schein. i Wir standen zunjl kaddisch des Ne'lla-Gehets auf. Wir waren junge Menschen, der Gehetk|*eis um Franz Hosenzweig. Wir slandtMi — und er sa^s. Wir hoben die Bücher mit unseren kräftigen, arbeitet»« reiten Händen — ihm wendete ein freundlich Dienender die Blätter des Machsors um. So hatte Franz t^osenzweig an vielen Sabhathen und Jom low im unter den Seinen gesessen. seit die Krankheit seinen Leib [lähmte. Ala r die Flügel seines Geistes trugen rauschehd seine Kruft aus der engen Slulte tiWr ganz Israel hin, und in der ganzen Welt hielt Israel den Alem ah und horchte. So suss er jetzt, in diesem sinkenden l^ag, an seinem letzten Jom Kippur. Ei sass als ein König, im Sterl>egewand. vom Talith umhüllt, die weiyse Kappe mit dem brokatenen Band üla rkrönte das I Duldergesicht. So sass er und hielt mit den strahlenden Blicken den Raum umfasst,, den Schrank mit den Thoranillim. < en wissen Tisch und den vorl>cleiiden Jüngling., nie j lugen Männer in ihren (iebetsuünteln. das schmale R njaminköpfchen seines kleinen Sohnes, l'nd <la| Li(ht, das tief herabgehrannt war. tief — — — Wir standen hinter ihm. wir wenigen Fnjui n i ml Mädchen, die ah diesem Tag in seiner Ejegenw irt faslen und liefen durften. Einen kol-nidre-Abcnd i nd einen ganzen Jom Kippur lang halte vor uns^ien. meinen Augen das königliche Leidenshaupt tyt;vn Schrein der Seforim gestanden. Die gewnll g len Rfdc .1, ii. seines stlililmi-n Tragens war mir rntgrgrngek iinin wenn ich von den flehenden Rufen des j „Ow jnti iiiulkenu" aufsah; als ieh aus der Awnudoh ja ifshijid. Wie in den (iesehiehlen der Chussidim halte er Cieliele auf die Flügel des seinen genommen Illid sie sieh hinaufgerissen. Nun ging der Tag zu Knjd standen wir zum letzten Male, eng aneinande (.rdriijkt von der Not unseres Flehens und hofften zu linse Vater, unserem König hinauf. Die Stimme Inders hrannte lief wie die Kerze. l’nd dann kam das Sehweigen- Denn es war noeh nicht völlig Nacht Die Fenster schienen noch grau zu uns her weisenden Sterne zeigten sieh uns noch ni standen wir nun, wie wir im liehet gestanden und schwiegen, l'nd mit dem Schweigen kan wall des Wissens um diese Stunde. Sie kam i lieh über mich und war die Flut, die alles mit sieh Sri gspiiflc, was je an Fremdsein und Fernsein vom (int! Väter und von Israel, was je an Zweifel und schein Ziel, was je an Heimatlosigkeit und durch meine Seele gegangen war. In diesem Sc vor dem sammelnden Ruf wusste ieh zum erst in meinem Leben, was das ist: Tcsrhuwoh Da kam die Stimme des Vorlietcrs zurück jetzt war sie anders, diese junge Stimme; sie hi Ite s|ch dem Bekennen und dem Flehen dieses Tage schmiegt, wie ein Samtgewand, das eine Seft umhüllt; jetzt war sie rauh, ein wenig heiser, len sich Tränen, verheimlichte Tränen, in sie zwungen. ..Adonai hu Klohim!" Schauer und Frösteln filier mich hin — duj» ser Volk seinen Slcrlienden zu. l üd hinter f'rjunz Hosenzweig stand der Todesengel mit halb erilfyrcitclcn Schwingen. „Adbnai hu Flohim!" at!ger-Thfira ls hat eitlgertift |in- Lehcnhcrr & Landauer Banunteraelimiwg Gegrtadet 111) Telefon 62497 , Rosen bergatr. 83 Neubauten / Umbauten Reparaturen WlodecHe 1 JMHmdekoeaütm Teppiche £äufet OwandedieH_ TJlö&elstotfe_ PekocatioMsstoffe l Krflilsheiiner & Cie. Calwerstraüe 28 STUTTGART Für 9Amtlichen Schulbmdarf empfiehlt wich, HANS SIIDLSR, Papierand Schreibwaren Schal-, Zeichena. BfiroartikeL, Rauchwaren Stettgart-N / LaagaatraBa55 / Femapra*er Nr.»»177 LEIN —ri—,2 gfegoife 3amum> SCHALS / SCHLEIER / MÜTZEN / KRAGEN Kaufen Sie Brillanten, Perlen und Goldwaren schon jetzt I — Ebenso Chanukkaleuchter in Silber und versilbert. 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