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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1935-09-01 · 11 (1.9.1935) · p. Seite 77

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
XII (1935-1936)
Issue
11 (1.9.1935)
Date
1935-09-01
Page
Seite 77 (sequence 1)
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Gemeinde Heilung flr die flraditifiDra Gemeinde« Wttrlteinveegs Bezugspreis RJl 1.13 DiCTttfUftrttt, »»»ü-ttch Postunk Zastellstodlltr postlchöiNonIo 3« 5» «rfcheinl monatlich zweimal, am 1. »ad 16. 2M Mchloolchoinon Infoist» hihkttr «o»aU destetzl kein «nspnich auf 3kach>lrf»nm, Ix« Maste« o». Tstist-kstottung kt« Verlag and Sdirlftleltaag: Lsraelitisthe Derlagsanstalt G m b H. Kernspr. 23326 H Otuttgart«R * Kasern enstr. 13 «a,ei,«»preis» loot »»fliesender Preisliste. Beiträge find p richten an die 3tedaMsn. F«-werl«ngte Manuskripte werden n»r zurückgesandt, wenn Jistckporio detUegt. Ar. 11 XU. Jahrgang Stuttgart, 1. September 1935 Die Hausfrau macht Kiddusch. Von Dr. Martha Werthelmer, Frankfurt a. M. Es ist in Israel keine Hütte so arm, es war in Israel keine Xol so groll. dnB nicht mit der Fürstin Sahhatli das (iliiek wieder über die Sehwelle kam, der _ Frieden und die Heiligung. Wo das „Gedenke des siebenten Tages, daB du ihn feierst —" mit der sinkenden Npcht als Fest einziehl. kann keiner ganz in seinem Leid versinken, kann keiner seiner Sorge erliegen. Darum ist mit diesen letzten Jahren der Besinnung, der Umkehr und Erneuerung vor allem auch der häusliche Kultjwioder lebendig geworden, wo er vergessen oder nie gekannt war, und mit der Sorge ist der Sabbath wieder in tausende von jüdischen Häusern heimgekehrt und schenkt mit derMahnung, daB wir ihn hüten und hätten auch die Glückseligkeit seiner Stille und seiner Freude. Hunderte von jüdischen Frauen decken heute in Deutschland Wieder mit stillem Gesicht den w«fiBen Tisch und stellen die Sablmthlichler darauf, daB sie darüber den Segen sagen. Sie hei Ben wieder wie ihre GroBmiitter oder Mütter den Gatten festlich willkommen, sie haben den Kiddusch und das Tischgebet an ihrem Sabbnthlisch, sie rüsten zum Abschied vom edlen Gast die Geräte der Hawdoloh. Aber wie ist es mit denen, die allein sind?. Die keinen Gallen willkommen hei Ben? Die Schar der Alleingebliebenen ist unter uns jüdischen Frauen groB — tausende der Kriegsgeneration gehören dazu. Viele Witwen, viele, die den Gatten irgendwo in die Ferne gehen lassen muBlen, damit er dort ‘ein neues Heim, neues Arbeitsgebiet für sich und sie aufbaue, sind allein am Tisch, und der Schuhbos kommt ihnen ohne festlichen GruB, ohne Kiddusch, ohne lautes Tischgebet, und geht ela nso ungegrüBt, ohne Hawdoloh, wieder davon. M u B das so sein? Hängt die häusliche Feiet des Schuhbos für die Alleingeblielienen. die Alleingelassenen wirklich davon ab. daB sie sich und vielleicht den Kindern am Tisch einen „Kidduschmann" cinhiden? Oft wird die schmale Haushaltkasse es nicht erJaiil»en, daB zu jedem Freitagairend und Schubhosmittug| ein Gast geladen wird. Noch öfter wird die Frau eil} Widerstreben fühlen, wenn ein Fremder“ die schönen Bräuche üben soll, die dem Hausvater >orl>ehalten sind. Also wird sie für sich und die Ihren verzichten? Aber das soll sie nicht! Sie soll es nicht und darf es auch nicht. Denn und dies ist der Bescheid, der mir von einenv ungesehenen Lehrer in Israel der konservativen Richtung in dieser Frage geworden ist: .... „so ist die Frau nicht nur lierechtigt, sondern religionsgesetzlich geradezu verpflichtet, K i d d u s c h zu machen. Die mit d«jr Sabhathheiligung zusammenhängenden Gebote verpflichten die Frauen in gleicher Weise wie die Männer. Wenn also kein Mann an der Sahbathmahlzeit teilnimmt oder wenn kein Mann da ist, der Kiddusch machen kann, soll die Frau Kiddusch machen.“ Der Bescheid erstreckt «ich in gleicher Weise auf das laut verrichtete Tischgebet — Mesumnn-Benschen können Frauen jedoch nicht — und auf die Hawdoloh. j Mil dieser, schönen Pflicht muB sijrh uns Frauen sogleich die Mahnung verbinden: e r f ii l| 1 t sie auch! Die Schwestern am Sabhathlisch, die Freundinnen, die verwitweten Mütter, die Frauen mit des grollen Sehnsucht nach dem Fernen — all die tapferen Arbeiterinnen. solange der Werktag sie braucht, die können und sollen am Schuhbos die häusliche Feier' für sich seihst und für die bereiten, die ihnen nahestehen. Es ist nicht schwer: den Tisch zu rüsten lernt sich lleicht auch für die, denen er im Elternhaus nie so gedeckt wurde, und für die anderen hilft Erinnerung an Mjutters sorgende Hände bei der Vorbereitung. Erinnerung weckt auch die Melodie des Kiddusch, wie sie ihn aus dem Munde des Kantors in der Synagoge oder aus klein des Vaters oder (iroBvalers gehört hat — es lernt sfeh leicht, wenn man lieht, l’nd es gibt heute viele jüdische Menschen, Männer und Frauen, die gern I»ereil sind, all das zu lehren, was an reinem Wissen zur Feier fehlt: Worte des Segens und den \igun dazu. Das lernt sich und wird Besitz, wird kostbares Gut und idns, «las nicht 'mehr verloren gehen kann. Die Hausfrau macht Kiddusch — die Frau bereitet sich und «len ihren den Eingang des .SchahlMis. seinen Höhepunkt und seinen Abschied nach Israel und bindet so sich, die Haus immer von neuem au «lie nicht nur der Gegenwart. sondern dem Brauch in Ihren und ihr Gesamtheit, im Geist der Ueberlieferung an die Heimgegangenen und an di« Zukünftigen, an alle „ßne Jisroel“, denen befohlen ist daB sie des Schablars gedenken sollen, um ihn zu feiern auch häuslich zu feiern, wie wir's lernten: mit K i d t dusch, Tischgebet und 11 a w «I o 1 o h. Die Eröffnungssitzung des 19. Zionisten-Kongresses in Luzern. Am Dienstag, den 20. August, wurde der NI. nistenkongress im Kunst- und Kongresshaus Luzern feierlicher Weise eröffnet. Di«* Stadt stand an di. Tag im Zeichen des Kongresses, zu dessen Ehren öffentlichen Gebäude .geflaggt hatten. Die Häuser lä des S«»e-Ufers waren den ganzen AIhukI illuminic Im grossen Saal des Kongresshauses, der bis letzten Platz gefüllt war — «lie Eröffnungssitz wurde auch in das Stadtthealer übertragen — gab Leiter des Kongressbüros, Dr. Franz Kahn. pu|nk|t!l Uhr mit den traditionellen drei Hauunerschlägen Zeichen zum Beginn der Sitzung, worauf die Exeki und die Ehrengäste unter «lern Beifall der Anwesei das Podium la traten. Der Präsident der Exekutive. Na hum So low, eröffnete, stürmisch begrüsst, den Kongress einer Ansprache. Er betonte, dass es in der let Kongressperiode Vormarsch auf der ganzen Linie zwar durch wesentliche und kontrollierbare Leis gen gegeben habe. Sokolow wies auf «lie Erge der Nationalen Fonds hin, auf die innere Festigjm: der Ackerhausiedlungen, die Kolonisierung des S ron, die Hule-Konzession mit ihren Perspektiven neue Pionierarlieit. die stark vergröss« rte jüdische Wanderung in Palästina — ca. 100 000 in den let zwei Jahren — sowie «len grossen Aufschwung jüdischen Kapitalinvestitionen. Er la zeichnete K u 1 t u r a u f g a b e des Zionismus als noch wicht t wie den materiellen Fortschritt und stellte fest, «las grösste Wunder der jüdischen Geschichte in s« rem Zeitalter «lie Wiederbelebung der brätschen Sprache ist. Als eine.wesentliche Lehenhcrr & Landauer Bannnternehmung Gegr&adei IMS Telefon 62497 / Rosenbergstr. 83 Neubauten / Umbauten Reparaturen TtlodUHC Jjutendekocatitm £äufec DioaHdedkeH TJloSelstcße PekocatioHsstoße- LKrailsheiinerdCie. Calwerstraüe 28 STUTTGART Gebr. 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