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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1935-08-16 · 10 (16.8.1935) · p. Seite 71

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
XII (1935-1936)
Issue
10 (16.8.1935)
Date
1935-08-16
Page
Seite 71 (sequence 1)
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Gemeinde Zeitung tar Mt iVroclltif^en (Stmtin&en WürltemvergS Lezugapeei« RJt 1.13 oicrttiMkrfie, iuzüstllch Prfunb ZusteHgrdsth« Poststhedfeut» 362 SS <krsch«iat moaatilch zweimal, am 1. und 16. 2M JUchteesthehieu Infekt bdbfrtr ®«Mlt besteh« ftin (fafpruife auf JtachÜefcn»,, bf< ZlattrS ob. Hückerstattoag b»< Uezu^-elbeS Verlag und Sdiriftleitung; Israelitische Verlagsanstalt G m b H Kernspr. 23326 $ Stuttgart.Ti * «afemenstr. 13 «n,eigenpreise lauf anfttegender Preisliste. VeitrL-e find zu richten an die Jtttafflon. Jktchwerlangle Manuskripte werden nur zurückgesandt, wenn Rückporto befliegt. XII. Jahrgang Siuiigari, -16. August 1935 Ar. 10 Der 19. Zionistenkongress und die Zionistische Bewegung in Deutschland Dir Pressestelle drr Zionistischen Vereinigung für Deutschland weist darauf hin. daß dir zionistische Bewegung in Deutschland In diesem Jahr mit einer starken Delegation um Zionistenkongreß teilnehmen wird, um auf die zukünftige Gestaltung des Pulistlnaaufbaus Im Hinblick auf seine zentrale Bedeutung für den grüßten Teil auch drr deutschen Juden Einfluß nehmen zu künnrn. l'm die jüdische Oeffrntllcbkrit Deutschlands Uber die ' gegenwärtigen Probleme des zionistischen Aufbauwerks und dir Aufgaben drr zukünftigen Entwicklung zu informieren, verbreitet die Pressestelle einen Artikel unter der l'ebersrhrift: „Festigung und Fortschritt — Zwei Jahre Palästina-Aufbau“, den wir nachstehend veröffentlichen. Dir im Artikel angeführte Schekel-Aktion Ist Inzwischen erfolgreich abgeschlossen worden. Dir Schrlftleitung. Am 20. August wird der Zionistenkongreß, da» höchste Organ der zionistischen Bewegung, in Luzern zum 10. Male zusammentreten. In allen Ländern der Galuth ist im Augenblick, da diese Zeilen geschrieben werden, zu seiner Vorbereitung die Schekelaktion — der Schekel verkörpert bekanntlich seit Theodor Herzl* Zeiten das Bekenntnis zum Zionismus und sichert dem Schekelzahler durch das Wahlrecht die Mitwirkung auf dem Kongreß — in vollem Gange. Aus diesem Anlaß legt die Zionistische Exekutive in einem vor kurzem veröffentlichten Manifest der jüdischen Welt Rechenschaft über die Arbeit ihre, Amtsperiode und die Entwicklung des jüdischen Nationalheims in dieser Zeit ab, die bei allen unerwartet großen Fortschritten Gefahrenmomente und entscheidende Probleme mit sich gebracht hat, deren Lösung nur eine kraftvolle, vom Vertrauen des ganzen jüdischen Volkes getragene Zionistische Organisation in Angriff nehmen kann. In ernster Zeit war der XVIII. Zionistenkongreß im August 1933 zusammengetreten. Das Schicksal des deutsche» Judentums hatte die Welljudenheit die ganze Fragwürdigkeit jüdischer Galuthexistenz erkennen lassen, zugleich alrer klargestellt, daß unter den vielen Ländern der Welt Erez Israel allein der Einwanderung jüdischer Massen die Tore geöffnet hielt. Es waren nicht nur deutsche Juden, welche den ganzen Erdball nach Ländern absuchten, die ihnen eine neue Heimat schaffen wollten. Die Not der jüdischen Well wuchs von Tag zu Tag. Erez Israel wurde das Zentrum jüdischer Hoffnungen und jüdischen Sehnens. In diesem Augenblick, wo die Judenheil der ganzen Welt erkennen mußte, daß nicht nur die zionistische Erkenntnis der Judenfrage allein richtig gewesen war, sondern daß auch die „Utopie" Palästina, zu dessen Aufbau sich die wenigsten zuvor bekannt hatten, in MEIN LIED Mein Lied ist anders als eures, das aus lichteren Fäden gewebt :j Mein Lied ist ein ungeheures Ringen um ein teures Volk, das am Abgrund lebt. Glücklicher Völker Dichter Weiht eure Verse dem Schönen Singet in lachenden Tönen, Ich aber will als Richter Mein Volk mit Gott versöhnen.— Darum — mein schwarzes Lied Gleich dem Geheul der Schakalej Werde zum Aufbruchsfanale, Denn Israel ward müd. Jhr, die ihr den glücklichen Stämmen Des Erdkreises Lieder singt Soll sich mein Lied vor euch schämen, Weil es im Schmerz erklingt? Nein, ihr meine froheren Brüder Laut töne mein blutiger Sang Durch eurer munteren Lieder Goldtrunkenen Geberschwang. Nimmer ruhe die Fehde, Mein Kampf um das Judentum: Ehe ich Schönes rede, Mache Gott mich stumm. Ben-Chorin Das vorstehende Gedieht entnehmen wir dem neuen Gediditband Fritz Rosenthals (Ben-Chorin) .Das Mal der Sendung', der vor kurzem bei B. Heller in Manchen erschien. Wirklichkeit die einzig reale Chance einer glücklicheren jüdischen Zukunft bol, war die Zionistische Organisation schwach. Biller schien sich rächen zu sollen, daß nur in Zeiten, du es in Palästina gut und vorwärts ging, Juden zur Mitarbeit am Aufbau bereit gewesen waren, in den letzten sechs oder sieben Jahren aber, zur Zeit der Wirtschaftskrise 1927 und nach den Unruhen 1929, ihre Mithilfe versagten. Zwar hatte die Zionistische Organisation auch in diesen Zeiten die oft armselig anmutende Kleinarbeit des Aufbaus, die allein «las „Wunder der 1933 einsetzenden Masseneinwanderung ermöglichte, unermüdlich fortgesetzt. Aber die Eingänge der nationalen Fonds, des Keren Hajessod und des Keren Kajemetb, der Lebensadern des Aufbaus, waren unaufhörlich zurückgegangen und hatten eine Schuldenlast entstehen lassen, welche die Arbeit der Zionistischen Organisation lahmzulegcn drohte und neue Kolonisation für die nächste Zeit unmöglich machte. Während Zehntausende vor den Toren Palästinas warteten, schien es nicht mehr möglich, neuen Platz im Lande für sie zu schaffen. Heule kann kein Zweifel mehr bestehen, daß über den Kreis der organisierten Zionisten hinaus das ganze jüdische Volk der Zionistischen Exekutive, die 1933 die Leitung der Organisation iil>rrnahm. zu größtem Dank verpflichtet ist. Durch ihre unablässigen |x>litisclicn Bemühungen konnten die Möglichkeiten «I er Ei » w u n «I e r u n g in einem Maß vergrößert werden, «las noch vor wenigen Jahren auch dem gläubigsten Zionisten als unerreichbar erschienen wäre. Während sieh die Gesamleinwanderung 1931 auf 4500 und noch 1932 auf 14 500 Menschen belief, sind in den letzten h e i «I e n .1 ahrrn mehr als 3 0 000 Juden, unter ihnen allein 22 000 aus Deutschland, ins Land gekommen. Die jetzt '«erliegenden Zahlen für die ersten drei Monate 1935 lassen mit 18 000 Einwanderern noch eine weitere starke Steigerung erkennen. Gewiß entsprechen auch diese Zahlen wed^r der jüdischen Not in der Welt noch den Bedürfnissen der jüdischen Wirtschaft Palästinas, die in stürmischer Entwicklung noch eine große Zahl von Arbeitern gebraucht. Aber es ist wichtig, zu betonen, daß die Vorstellungen der Exekutive von der Mandatsregierung weit stärker als früher beachtet werden. So hat die Arbeit der Exekutive denn auch zu zwei weiteren großen Erfolgen geführt, um die sich seit mehr als einem Jahrzehnt die Zionistische Organisation vergeblich bemüht hat: die Erteilung «ler Ilule-Konzession und die Gewährung «ler ersten großen Anleihe. Im vergangenen Jahr konnte die jüdische Presse endlich berichten, daß die Konzession für «las große Hule-Gebiet im Norden Palästinas, «las, heute versumpft und fieberverseucht, nach der Ameliorierung Platz für mehrere Tausend Familien in landwirtschaftlicher Siedlung bieten wird, auf zionistische Kolonisationsinstanzen übertragen wurde, nachdem syrisch-arabische Gruppen sie zwanzig Jahre lang nicht ausnutzen konnten. Mil dem Erwerb dieses Gebietes eröffnen sich weile Perspektiven: nicht nur, weil durch die Besiedlung dieser fruchtbaren Ebene das gesamte Fundament des Aufbaus um ein neues Zentrum der Kolonisation vergrößert werden kann, sondern weil gerade die Geschichte des Erwerbs von Hule symptomatisch zeigt, daß nur die der Welt immer deutlicher werdende jüdische Kolonisationsleistung in Palästina selbst geeignet ist, jüdische Forderungen auf Ausweitung des UMUoii&soiine Stuttgart- UntertDrkhelm M. 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