Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- XII (1935-1936)
- Issue
- 5 (1.6.1935)
- Date
- 1935-06-01
- Page
- Seite 41 (sequence 3)
- Belongs to
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- 41 - Von Gott erwählt! Ein Vorspruch zum Sdiebuoth-Fcste. Von Bez.-Rabbiner Dr. Beermann, Heilbronn a. N. Im Geist ruft uns das Fest an den flammenden Sinai. Wir durchleben von neuem die heilige Offenbarungsstunde. Wie das hebräische Wörtlein „e m e t“ (Wahrheit) aus Anfang. Mitte und Ende der menschlichen Lautreihe zusummengefügt ist, sind auch Anfang. Mitte und Ende des Zehnworts die Pfeiler, die unsere sittlich-religiöse Welt festigen. Auch das Judentum hat als religiös-geistige Weltmacht jene drei Grundlagen, die seinen unerschütterlichen Bestand sichern. Wer das Judentum halten und so erhalten will, durch dessen Seele muH auch im Hinblick auf das I., ■>. und 10. Gotteswort die Sehnsucht ziehen: .. A »fang. M i 11 e u n d E nde. Du. Gott, z u m Best e n wen d e!“ Der Gott, der Ketten sprengt, der aus Knechtschaft führt zur Freiheit, ist auch Dein Gott! Er lenkt auch Dein kleines Einzelschicksal in seinem Gelingen und Mißlingen, in seinen Erfolgen und Fehlschlägett. mit seiner ewigweisen Vorsehung. So wie .\oomi in unserer Kestinegillah in allen ihren Erlebnissen. mögen sie ihre Seele bedrücken oder ihr Herz beglücken. Gottes Fügungen und Führungen erkennt, so sollen wir die scheinbar wirren Fäden unseres Lebensgewebes ■ von ewigen Vaterhänden gewoben fühlen, in Gottes Licht fügt sich das scheinbar wirre Durcheinander von Zettel und Einschlag zu sinnvoller, Ordnung. Gottvertruuen zieht ein in unsere Brust: ..Der Herr ist mein Hirte, mir mangelt n i ch t s!“ ..Ehre Vater und Mutter!“ Dies Wort legt uns Dankbarkeit gegen die Menschen ins Herz, die von Kindesbeinen an uns behütet und Kräfte des Guten in uns geweckt haben. Wie Ruth der greisen Freundin treue Dankbarkeit bezeugte, so sollen wir den Wächtern unserer Kindheit in opferwilliger Liebe zugetan bleiben. Das Hohelied der Treue soll immerdar auch in unserer Seele nnchhullen: ..Heil! mich nicht von Dir gehen, treu will ich zu Dir stehen, trennen uns Berge, scheiden uns Ströme, schwebt zueinander doch Seele zu Seele. Sehnen zu Sehnen, Gebet zu Gebet.“ ..Du sollst nicht Gelüste tragen!“ Die heilige Stille Deines inneren Gottestempels, des Heiligtums in Deiner Brust, soll nicht von wilder Gier und ungebändigter Leidenschaft gestört werden. Wie Boas, der männliche Held im Festbüchlein, nicht nur Gott auf den Lippen trügt und so mit einem ..Grüß Euch Gott!“ seine Schnitter bewillkommnet, sondern auch in Werken der Liebe und Güte gegen Arme und Verlassene seine Gott Verbundenheit bekundet, so soll unser Wirken und Schaffen, unser Leben und Lieben davon Zeugnis ublegen. daß wir mit Gott im Bunde sind. Unser Leben sei eine Heiligung seines Xantens! Dem Israel am Offenbarungsberge schenkten Engel ein Diadem mit der Inschrift: Tat und Gesinnung! Kein Widerspruch zwischen Tun und Denken darf unser Leben schänden, tutgewordene Gesinnung und sinnvolles Tun sei der Inhalt unseres Lebens. Einklang von Gotteshaus und Familienhaus, von Leben und Lehre sei die Krone unseres Strebens: was wir beten und lernen, wollen wir auch leben und erfüllen, auf daß wir werden, was wir sein sollen. ..Ihr aber sollt Priester des Ewigen heißen. Diener unseres Gottes soll man E u ch nennen!“ Gesunde jüdische Jugend - die dringende Forderung der Gegenwart. Von Frieda Postier, Berlin. Schebuoth einst und heute. Die DacUiHquHQ xLec tesdmqsitiidUe m Jecusalem. In welcher Weise brachte man dig Erstlingsfrüchte nach Jerusalem? — Alle Bewohner der Orte, die zu einem Standbezirke gehörten (Anmerkung: Ganz Palästina war einst in 24 Standbezirkei eingeteilt. Diese entsandten Abgeordnete, die Standinünner. zum Tempeldienst nach Jerusalem, die der Opferhundhing in Vertretung ihrer Wühler anzuwohnen hatten) versammelten sich in der Stadt des Standältesten und übernachteten auf dem freien Platze der Stadt, ohne die Häuser zu betreten. Morgens in der Frühe redete der Vorsteher sie mit den Worten alt: ..Auf. laßt uns nach Zion hinaufziehen zum Hanse!des Ewigen, unseres Gottes.“ (Jes. 2. V.) Die in der >fültc* (Jerusalems) Wohnenden brachten (frische) Feigeh und Weintrauben. die Entfernteren dürre Feigen (tnd Rosinen. Der (zum Freutlenopfer bestimmte) Stier ging vor ihnen her, die Hörner mit Gold belegt, bitten Kranz aus Oelbautnzweigen auf dem Kopfe: die Flöte ertönte vor ihnen her. bis sie nahe vor Jerusalem unluugtcn. Sobald sic dort entkamen, sandten sie Boten voraus und bekränzten ihre Erstlinge. Die Stellvertreter der Priester sowie der Leviten und die Schatzmeister kamen ihnen entgegen, und zwar kamen so viele, als die Achtung vor den AnkommcndeO erheischte. Und alle Handwerker in Jerusalem stunden vor ihnen auf und begrüßten sie mit den Worten: ..Brüder. Männer aus dem und dem Orte, seid uns willkommen!“ Die Flöte ertönte weiter vor ihneil her. bis man an den Tempelberg gelangte. Hier abei) nahm ein jeder, selbst König Agrippa. seinen Korb > auf die Schulter und zog hinauf, bis er an den Yoijhof kam. Sobald man du anlangte, stimmten die Levjitcn den Gesang an (Psalm TO): „Ich erhebe dich. Gott, weil du mich aus der Tiefe gezogen hast, daß du nicht meine Feinde sich über mich freuen ließest.“ Die Tauben, welche an de n Körben hingen, wurden zu!Brandopfern genommen. und was sie sonst in der Hand hielten, gaben sie den Priestern. Während inan noch den Korb auf der Schulter hatte, las man aus! den Worten der Schrift von: ..Ich bezeuge heute* vor dein Herrn, deinem Gotte*“ (Deuteron. 26, 5). bis zu nt Ende des ganzen Abschnittes. R. Jehiida sagt. Itisl: „Ein wundernder Aramüer war mein Vater". Biji diesen Worten aber nahm man den Korb von der Sfhulter. faßte ihn um Runde an. der Priester legte jeine Hand darunter und schwenkte ihn. las duiln ebenfalls von jenen Worten an bis zum Ende!des Abschnittes, setzte den Korb an den Altar hin. warf sich zur Anbetung nieder und ging hinaus ... Die Reichen brachten ihre Erstlinge in Körben von $ilber und Gold: die Armen ober brachten sie in Zwejigkürbcn aus abgeschälten Weidenruten: diese Körbe wurden mit den Erstlingen den Priestern gegeben. (Aus der Mischna. Traktat Erstlinge*. Höxter. Quellen^tiich. Kauffmann Verlag. Frankfurt u. M.) i UssisdiktH iäfit Me HauAe pxi.. „Purim in Tel-Aviv, Pessach in Jerusalem. Schwuoth in Haifa", heißt es in Palästina.! Gleichzeitig mit dem religiösen Schwuoth-Fest. dem Gedenken an die Offenbarung auf dem Berge Sinai, wird in Haifa das in seiner Svmbolik mit der gelebte» Gegenwart verbundene „Chag Habikurim". das Fest der jungen Früchte, gefeiert. Zchntausende kommen aus allen Teilen des Landes und des Auslandes sogar: der Kapitän eines französischen Dampfers; klagte, daß die Passagiere ihn zur Eile antrieben, w<*il sic* fürchteten, zu spät einzutreffen ... Kein Zimmer war frei. Ich bekam einen Dachplatz. 2« Matratzen! lagen hier unter Mond und Stern, ähnlich sah es auf vielen anderen Dächern aus. , Haifa wächst den Karmelberg hinauf wie* ein breiter Turm. Unser Hotel stand auf halber Höhe, auf dem Hadar-Hacurmcl. Aufs luftige Notlager gebettet schien es. als ob man auf dem Grundk* eines märchenhaften Meeres treibe. Die Nacht u ui floß uns in tiefblauen Wellen. Lichter zitterten uiuf und ab wie* abenteuerliches Seegewächs. Dunkle Schatten der Palmen und Pinien schwammen in diesem Bild wie seltsame* .Meerestiere — — —. An der! einen Seite des Hotels brandete unter flammenden {.ichterketten die Ilerzl-Straße. Die Häuser verwandelten sich cor unseren Augen: überall wurden Teppiche heraiisgehängf. von Fenster zu Fenster schwang man Girlanden. Stand man auf der anderen Seite des Dache < so fing sich auch hier der Blick in einem Wald rauschenden Lehens: lausend und Abertausend saßen pt einem breit ausladenden Amphitheater. W ie Offizier«; auf der Kommandobrücke hatten wir das Menschenschiff unter uns. Am Bug schillerte die Bühne. Die Schauspieler in langen Gewändern, alte Israeliten darstellend, sprachen ein klingendes, dichterisch schwingendes Hebräisch. Ihr Spiel zeigte Bilder des Buches Ruth und die historische* Szene der Abgabe des „Zehnten“ an die Priester des Volkes: der zehnte Teil dessen, was auf dem Eeldc* wuchs, gehörte ja den als Führern anerkannten Verkündern des Gebotes. Schafe. Ziegen, selbst Kamele trotten im Zugt«^hr Israeliten. Gegen Mitternacht schloß das Schauspiel unter Musik und Tanz. Die Melodie des llauptliedes folgte uns in den Schlaf — — und am Morgen weckte sie uns wieder: jetzt füllten Kinder das Theaterschiff, nur Kinder, alle waren weiß gekleidet. Blumen. Aeltren oder Oelzweige umkriinzteii tlie- Köpfu. Jede Schule brachte im Rahmen eines hübsch erdachten Spieles ihre Gabe dar. Blumen. Früchte. Hühner oder Schafe, und zwischen den Kulissen aus Pappe und Holz wuchs ein kleines Paradies. Aber an diesem goldenen Morgen feierten nur die Kinder. Während sie das Lied von Saat und Ernte sangen, schlugen auf den Hausneubauten rechts und links des Theaterschilfes die* Arbeiter die Trümmer im Takt. Die Betoiimaschineri rasselte n. Mittags endeten die* Ifuifaner all,* alltägliche Arbeit. Der lag des Landsegens fand in einer feierlichen Fruchtpre,Zession seinen Höhepunkt. Der ganze Emck und der halbe* Scharon fuhr festlich auf. Jede. Kolonie zeigt, was auf ihrem Boden gedeiht. Langsam gleitet die grüne Welt zwischen den Ziischauermnsseii. die sie jubelnd begrüßt, hindurch: große hebräische Namensschilder verkünden jeweils die Herkunft des Segens. Kinereth. Ilaschomer-Ilazair. Bethuniu: Kartoffeln. Kohl. Tomate». Gurken. Mischmuh-l laentek. Tel-Josef: Mais. ( hazilim. Ki sehn im Dazwischen, zum Teil meisterhaft auf Pferden reitend. Kinder: das Schönste*, was das Lai|d licrvorb ringt. Nahalnl hat ein Kornfeld aiifgebaut. Gliedern. Kfar Baruch einen Wald. Auf Ramath-David thront int Käfig ein Kälbchen. Kfar Joschtialt. Jagur: (trangeil. Grapefriichto. Gicad Chuitn — jeder in der Menge kennt die Fortsetzung des Namens.: Givad ( haim Ariosoroff. Das Bild des ermordeten, unvergessenen. unersetzfen Führers wird dem Wagen der Kolonie vorangetrngen. Auf dem Auto: ein weißes Wassertiirmihen. ein kleines Purdeß. das Modell eines Arbeitersiedluiigshuiises und. mit dem Gewehr im Arm. patronentascheniinigürtct. ein Wächter ... Alle* klatschen, wie sic den Wächter sehen. Die politische Spannung dieser Tage ist se hr scharf, jede Geste des festen W illens löst rasch den Beifall aus. In wenigen Tagen wird in Palästina ein jüdischer Generalstreik gegen die die Arbeiterknappheit verschärfenden Einwanderungsbestimm ungeti der Regierung protestieren. Noch mehr Kolonien soll der rrühlingsfestziig kommender Jahre umfassen! Genug Land liegt brach, und Hunderttuiisende von-Juden in aller Welt fiebern danach, cs zu bebauen. Seht doch die Sehnsucht — öffnet das Tor! Am Ende der Ilerzl-Straße ist eine Tribüne errichtet. Auf ihr steht UssischkiTT. Präsident des Keren- Kajemeth. Abgesandte* der Kolonien bringen dem verehrten Bodenvater des Landes die* Frucht der Arbeit dar wie vor Jahrtausenden ihre Ahnen den Zehnten dem Priester Jetzt singen sie die Ilatikwäh. Und die nächste Minute webt einen -Schleier ejer Stille über die lärmende-Straße: Lssischkin spricht. Eine Taube hält er in der Hand. „In vielen Farben schimmerte das jüdische Volk wie diese Taube ... Frei, ganz frei zu sein, sehnt sich das jüdische Volk wie diese Taufte* ... Es wird frei sein w ie diese* friedliche Taube!“ -- Und du fliegt der Vogel hoch — über die jubelnde Menge-die Blicke folgen ihm-- -- abe r jetzt sehen wir nur noch den Himmel. (Aus Erich Gottgetreu: „Das Land der Söhne". Verlag Buchhancll. R Lanvi. Wien.) Man muß sich heute immer wieder klar machen, daß die harten Lebensanforderungen der Gegenwart an unsere Jugend von jedem Einzelnen ein Höchstmaß von Leistungen verlangen, das wiederum ein Höchstmaß von gesundheitlicher Reserve bedingt. Ohne gesundheitliche Ertüchtigung werden wir keine Jugend stark machen können für den Beruf, zu dem sie jetzt ohnehin so schwer einen Zugang findet. Darum müssen wir Eltern, aber auch alle an der Jugendwohlfahrt irgendwie beteiligten Stellen mithelfen, daß keinem Kind, das eine gesundheitliche Kräftigung nötig hat, eine solche versagt wird. Gerade die Lieberalterung der Bevölkerung auf der einen, der Geburtenrückgang auf der anderen Seite sollten uns, wenn wir diese Frage einmal ganz nüchtern volkswirtschaftlich ansehen, ztj höchster Wirtschaftlichkeit veranlassen. Wenn hier noch ganz kurz auf einj besonderes Gebiet 'hingewiesen werden soll, so wäre es die Erholungsfürsorge. Sie kommt so leichjt in den Verruf, Luxus zu sein und wird darum, besonders wo es sich um Verschickung von Kindern handelt, leicht in örtliche Erholungsfürsorge umgewandelt. — Mir sind noch keine zuverlässigen Zahlen bekannt, die über ein Ansteigen der Tuberkulose in dhr jüdischen Bevölkerung berichten. Daß sie aber ansteigen muß, wenn wir hier nicht mit allen Mitteln Vorsorgen, ist eine logische Folgeerscheinung. Daher müssen wir besonderes Augenmerk auf alle Fälle richten, die nach dieser Richtung tendieren und Vorsorgen, weil Vorsorge noch immer die beste und billigste Fürsorge ist! In Erkenntnis der Wichtigkeit dieser Aufgabe hat der Jüdische Frauenbund (Berlin-Charlottenburg. Kantstr. 158) im Jahre 192? in Wvk a. Föhr ein unter fachärztlicher Leitung stehendes Heim geschaffen, das besonders zur Aufnahme von Kindern und Jugendlichen mit Asthmabeschwerden und Katarrhen der oberen Luftwpge dient und über dessen Kurerfolge auf Grund nachgehender Fürsorge demnüchstrräusführlich berichtet wferden wird. Sport-AnzQge moderne graue u. grOne Farben Mit. 34.™ 47.™ 74.™ Flanell-Hosen, passend zu einzelnen Saccos Ml(a 9.*® 14.*® 18.™ 22