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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1935-05-16 · 4 (16.5.1935) · p. Seite 33

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
XII (1935-1936)
Issue
4 (16.5.1935)
Date
1935-05-16
Page
Seite 33 (sequence 3)
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Zum Gedenken eines Moimonidesforsdiers. Von Max Stern, Niederstetten. Es ist eine merkwürdige Sache 11m Jubiläen für verstorbene Geisteshelden. Den tieferschürfenden Menschen lassen sie meistens unbefriedigt. Du geht eine große Welle der Begeisterung über die geistige Welt (oder auch nur einen bestimmten Kreis von ihr) hin. Es werden viele Reden gehalten und viele Aufsätze geschrieben. Aber nur zu häufig erkennt mun. daß ihre Verfasser selbst sich eben nur des Jubiläums wegen ei» wenig in die Materie hineingearbeitet haben, weil es ihre Stellung und ihr Beruf verlangen. Die wahre Begeisterung und die tiefe Erkenntnis leben gewöhnlich nur in stillen Gelehrtenstuben. Denn das Werk des Rambam war das. Merk eines ganzen Lebens, und ein ganzes Leben gehört dazu, es so zu erforschen, daß mun ihm gerecht werden kann. Um so größer ist das Verdienst, wenn ein Gelehrter sein ganzes Leben dem Werke des Muimonides gewidmet und versucht hat. seine Werke unserer Zeit nahe zu bringen und so eine Brücke über acht Jahrhunderte zu schlage n. Ein solcher Mann war Dr. Fl e rn> a ii n Kro n e r sei. Ang., Bezirksrubbiner in Oberdorf. Schon in seiner Studienzeit hatten ihn die klare Durstellungsweise und der geistige Gehult der Werke des Muimonides ungezogen, und so kam es. da|i Dr. Kroner auch seine Doktordissertation über Muitnonides schrieb. (Kommentar zum Truktut ..Bezuh“.) Drei Jahre später gab er den Kommentar zum Traktat ..Besuchim" heraus, eine ungemein sorgfältige Arbeit. Von da ab galt das Interesse Dr. Kroners besonders dem Arzte Muimonides. Nachfolgend seine Arbeiten auf diesem Gebiete: ..Ein Beitrag zur Geschichte des 12. Juhrhund-rls.“ ..Die Hämorrhoiden in der Medizin des 12 und 15 Jahrhunderts." ..Die Seelenhygiene des .Muimonides." I ..Der Mediziner Muimonides im Kumpf mit) den Theologen.“ „Ti Tadbir as-Shihhat.“ ..Gesundheitsanleitung des Muimonides für den sang Sultun ul Mulik ul Aafdul." (..Der Schwunengi des Muimonides.“) „Fi Bujun al Arud.“v „Zur Terminologie der arabischen Medizin zu ihren zeitgenössischen hebräischen Ausdrücken." Ferner verfaßte Dr. Kroner eine Schrift ..Lebetdie Erklärung der Zufälle." Dem oben ausgeführten Gedankengang entsprechend, will ich nur einige Schriften in den Kreis! dieser Betrachtung ziehen, die geeignet sind, das ipediz.jnische Werk des Muimonides allgemein \ erstiindlich zu machen. In einem Aufsatz „Muimonides als Hygieniker" liegt eine Arbeit vor. in welcher Dr. Kroner den Kern der hygienischen Ansichten des Muimonides in ungemein klarer Weise herausschält. Wir staunen darüber. daß Maimonides in den hauptsächlichsten Ansichten über eine gesunde Lebensweise fast ganz den wissenschaftlichen Errungenschaften unserer Zeit entspricht. Was Maimonides über Klima. Wohnen und Kleidung sagt, sind alles Dinge, welche heute selbstverständlich sind. Seine* Hochschätzung des Bades (auch schon des Solbades) und im Anschluß daran seine Ansichten über eine kräftige Hautmussuge (sind Grundsätze der modernen Hygiene. Es wird uns nach dem Vorhergesagteii auch nicht wundern, daß Maimonides der körperlichen Uebung große Bedeutung beimißt. Wenn wir aber den Satz lesen: „Eine weitere wichtige Bedingung, einör hygienisch vollgültigen Gymnastik ist die seelische Lust bei derselben: daher ist die Uebung in Form eines Spieles zu bevorzugen“, und wenn Maimonides Ballspiel. Ringen. Feciten (nach einem anderen Übersetzer „Ziehen der Hän Je") und Atemübungen empfiehlt, dann finden wir fine klare Parallele zu den heutigen Sportübungen.; In seinen Ausführungen zum Eheleben ist Maimonides der Meinung, daß Ehelosigkeit ungesund und (verderblich ist. In der Ernährung legt Maimonides grüßen Wert auf Diät und Verdauung. Er untersucht lalle Lebensmittel auf ihre Zutrüglidikeit für den menschlichen Körper. — ln einer Schrift an den Sultan gibt Maimonpdes demselben die Grundlagen einer gesunden Lebensweise. Dr. Kroner hat hier einen Auszug nach einer Münchener und einer Oxforder Handschrift heräusgegeben. Die Münchener Handschrift ist hebräisch, die Oxforder ist arabisch abgefaßt. Der Auszug behandelt die Seelenhygiene. Man könnte darnach Maimonides den „Coue des Mittelalters“ nennen. Denn bei der Behandlung aller Krankheiten macht er die seelische Behandlung des Kranken zu einem ersten Erfordernis. Er führt auch aus, was der Mensch durch Selbsterziehung zur seelischen Erstarkung beitrugen kann. — i Mit unendlichem Fleiß und größter Pünktlichkeit hat sich Dr. Kroner seiner Lebensarbeit, der Erforschung der Werke des Maimonides, hingegeben. Wenn man ihn besuchte, da saß er in seiner StucÜerstube, gebeugt über photographischen Nachbildungen der Originale, welche er sich nur unter gröflßen Opfern beschaffen konnte. Ein allzu früher Tod jhat ihn seinem Werke entrissen. Aber wenn heute allenthalben das große Werk des Maimonides gefeiert wird, dann gebührt auch dem Andenken seines geistvollen Interpreten ein Ehrenblatt des Gedenkens. Es sei noch hinz.ugefügt. daß schon bei seinen Lebzeiten seine Arbeit hohe Anerkennung fand und daß ihn die A k u d e m i e von Cordoba zu ihrem Mitglied ernannt hat. Reidisorganisation jüdischer Kulturbünde. „Am 27. und 28. April 1915 fand in Berlin im Be isein von Vertretern der staatlichen Behörden sowie je eines Delegierten der Reichsvertretung der Deutschen Juden und des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde, Berlin, eine Tagung von 46 Vertretern der in Deutschland bestehenden Kulturbünde und Verein! gungen ähnlicher Zielsetzung statt, um über eine n Zusammenschluß der jüdisch kulturellen Organisationen in Deutschland zu beraten. Nach Begrüßungsworten von Herrn Dr. Kurt Singer, der in großen Zügen das Wesen, den Zweck und die Notwendigkeit einer Reichsorganisation der Kulturbünde schilderte, erläuterte Herr Staatskommissar Hinkel im Einvernehmen mit den Staatspolizeistellen die Zweckmäßigkeit der Errichtung einer solchen Organisation und beantwortete im Verlauf der Sitzung Fragen, die aus dem Kreis der Delegierten an ihn gestellt wurden. Es wurden folgende Referate gehalten: Dr. Kurt Singer: „Die Notwendigkeit einer Zentralorganisation"; Dr. Werner Levie: „Wirtschaftliche und organisatorische Aufgaben der Reichsorganisation": Dr. Heinrich Levinger (Köln): „Der Kulturbund im Reich und die Reichsorganisation": Dr. Friedrich ßrodnitz : „Reichsorganisation und Presse*". Nach anschließender eingehender Aussprache über alle in Betracht kommenden prinzipiellen Fragen beschloß die Versammlung einstimmig die Gründung des Reichsverbandes der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland mit dem Sitz in Berlin. Die Aufgabe dieses Verbundes besteht darin, auf Grund organisatorischen Zusammenschlusses aller jüdisch kulturellen Verbände, jedoch unter vollständiger Wahrung der Selbständigkeit cU*r Kulturarbeit und der Verwaltung, eine wirksamere*) Förderung der gemeinsamen Ziele und eine einheitliche Vertretung gegenüber den zentralen Reichsbehürjden zu ermöglichen. , Am folgenden läge traten von de! Versammlung gewählte* Kommissionen zusammen, die über Fragen der \ e r f u s s u n g . der w i r t s ch u f t 1 i ch e n G r u n d I u g e n . der Kulturarbeit berieten und die Ergebnisse ihrer Beratungen der Vollversammlung unterbreiteten. Auf Grund dieser Vorschläge wurde ein vorläufiger Sa t z u ii g s e n t w u r f angenommen und ein Vorstand gewählt, bestehend aus: Intendant Dr. Kurt Singer. Berlin: Ministerialrat a. D. Dr. Otto Hirsch. Präsidialmitglied der Reichsvertretung der deutschen Juden: Direktor Heinrich Stuhl'. Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Berlin; l)r. Werner I. e v i e . Berlin: Direktor Adler, Stuttgart:. Dr. Willy Colin, Königsberg; Dr. S. Davidsohn. Herford: Oberlandesgerichtsrat a. D Günter Frünkel. Breslau; R.-A. Dr. konrad G o 1 d s ch m i d t. Leipzig: Dr. G o I cl s ch in i d t, Hamburg: R.-A. Dr. A. Hauff. Stettin: Dr. K a u f f m a n n , Magdeburg: Hedwig L e v i - M i ch c* I . Frankfurt; Dr. Heinrich I.evinge r. Köln: Dr. L u ß h e i in e r. Mannheim: Dr. Perlmutter. München. Aus diesem Vorstund wurde ein engerer' Vorstand (geschäftsführender Vorstand) gewühlt, welchem angehören: Intendant Dr. Kurt Singer. Berlin (Vorsitzender): Dr. Heinrich Levinger, Köln (I. stelle. Vors.): Direktor Adle, r, Stuttgart (2. stellv. Vors.); Dr. Perlmutter, München (Schriftführer): Dr. K a ii f f in a ii n . Magdeburg (F inanzw esen und Organisation); Hedwig Le v i-M i di e 1, Frankfurt (wie vor): Dr. G o 1 cl s ch m i d t, Hamburg (wie vor): Verbandssekretär: Dr. Werner Levie. Berlin: Dieser engere Vorstand wurde von der Versammlung u. a. beauftragt, die endgültigen Satzungen vorzubereiten und die wirtschaftliche Grundlage des Verbandes, beruhend auf dem Prinzip der Beitragszahlung, zu schaffen. Gemäß diesem Auftrag trat der engere Vorstand bereits um 29. April zu einer ersten Sitzung zusammen. Die in dieser Sitzung gefaßten Beschlüsse werden den beteiligten Vereinigungen und Gemeinden zugesandt werden.“ Wie wir erfahren, gehören bereits 36 Kulturbünde mit einem Tätigkeitsbereich in 49 Städten der Neugründung an. Von dieser bedeutsamen organisatorischen Neugestaltung der jüdischen Kulturarbeit im Reich darf man auch in Württemberg mit Genugtuung Kenntnis nehmen, upi so mehr, als der Leiter der Stuttgarter Jifd. Kunstgemeinschaft, Dir. Karl Adler, in den Vorstand der neuen Reichsorganisation jüdischer Kulturbünde gewählt wurde. Die von Dir. Adler geleistete Arbeit wurde in einem der Hauptreferate der Tagung als wertvollster Bcitmg zur Lösung der vielgestaltigen Probleme auf dem Gebiet der jüdischen Kunstpfiege und Kunsterziehung besonders hervorgehoben. Zwei zionistische Resolutionen und ihr Widerhall. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland hatte ihre Mitarbeiter aus Berlin und dem Reiche zu einer Arbeitstagung auf den 5. Mai in Berlin zusam menge rufen Kurt B I u m e n f e 1 cl (Jerusalem) sprach zu Beginn der Tagung über die aktuellen Fragen des Palästina-Anfbaus. Ein besonderer Höhepunkt war das Erscheinen des sich auf der Durchreise in Berlin befindlichen Mitglieds de r Palästina-Exekutive der Jewish Agency. Ben G u r i o n . der ein Bild vom Wachstum der Einwanderung, von der Entwicklung der Stellung der Juden im Lande zur Mundaturmucht sowie von den Problemen der wirtschaftlichen Verwurzelung in F’rez Israel gab. Alle diese Referate führten, wie die „Jüdische Rundschau“ vom 7. Mai festste!lt. „tief in die Fragen der zionistischen Arbeit in Palästina hinein. Sie boten so den Hintergrund, auf dein mun in die Erörterung der speziellen A u f g a b e n des d c u t s ch e n Zionismus. die in der nächsten Zukunft zu lösen sind, eintreten konnte. Grundlage der Aussprache hierüber war ein Referat von Dr. F ranz Meyer, Berlin.; das der Analyse der jüdischen Situation in Deutschland diente und das Programm der . zionistischen Arbeit entwickelte*. Nach einer ausführlichen Diskussion. die den einmütigen Willen der lagurig zur Verstärkung und zum Ausbau der auf Palästina gerichteten zionistischen Arbeit ihr deutschen Judentum manifestierte, wurde* nachstehende Resolution einstimmig angenommen“: Die zionistische Bewegung in Deutschland erhebt den Anspruch, das gesamte jüdische Leben in Deutschland entscheidend zu beeinflussen. Die sachliche Führung gebührt dem Zionismus auf allen Lebensgebieten, auf denen die zionistische Initiative den deutschen Juden neue Wege zu konstruktivem Aufbau und systematischer Hilfsarbeit gewiesen hat: in der Frage der jüdischen Schule, der Berufs- und Wirtschaftspolitik, der Förderung des Palüstinaaufbaus und der Auswanderung. Der Zionismus kann sich jedoch bei der gegenwärtigen Gesamtlage der Juden in Deutschland nicht darauf beschränken, einzelne Sachgebiete zu betreuen, sondern muß verlangen, daß die zionistischen Erkenntnisse als Grundlagen einer Neugestaltung des gesamten jüdischen Lebens dienen. II. Die Arbeitstagung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland beschließt: Wir deutschen -- Zionisten fordern eine personelle und organisatorische Umgestaltung der zentra- Ien und örtlichen Instanzen der deutschen Judenheit, die den Zionisten den ihnen zustehenden Einfluß auf die Gestaltung der jüdischen Arbeit in Deutschland verschafft und sichert. Der Geschäftsführende Ausschuß wird beauftragt, die zur Realisierung dieser Forderungen notwendigen Aktionen einzuleiten und für ihre Durchführung Sorge zu tragen. Zu diesen Beschlüssen nimmt die Central -Vcrc i n - Z e i t u n g vom 9. Mai in längeren Ausführungen Stellung, wobei das Blatt gleichzeitig die vom Central-Verein seit dem Januar 1955 geleistete praktische Arbeit und dessen Anteil an der gesamten Aufbau- und Hilfsarbeit des deutschen Judentums umreißt. In Hinsicht auf die oben wiedergegebe nen Resolutionen der Z.V.f.D. heißt es in diesem Artikel tl. u.: „Diese Beschlüsse sind ihrem gedanklichen Inhalt nach nicht neu oder überraschend, wohl aber in ihren politischen Forderungen. Wir wollen heute deswegen auch nicht dem Totalitätsanspruch, mit dem die zionistische Ideologie* auch diesmal auftritt. ideologische—- Einwände .entgegensetzen, wie es häufig geschehen ist: denn jede echte* Idee trägt ihren Totalitätsanspruch in sich, und bemüht sich, ihre Kruft in der Durchsetzung des Anspruches in der Wirklichkeit zu erweisen. Den p r a k t i s ch - p o 1 i t i s ch e n Forderungen des cl e u t s ch e n Zionismus in d e r v o r 1 i c* g e n cl e n Form setzen wir frei- 1 i ch ii n s e r e n klar c* n und (Ti t s ch i e cl e n e n Widerspruch entgegen. Wir widersprechen nicht der .Notwendigkeit lebendiger oder noch lebendigerer Arbeit in den verschiedensten Wirkungsbereichen im deutschen Judentum. Wir sind bereit, über jeden sachlichen F.'inwund an sachlichen Geschehnissen zu sprechen und zu verhandeln und auch von uns aus neu gewonnene Lehren zu verwerten. Wenn aber der Zionismus glaubt, heute die Geschlossenheit des deutschen Judentums und die Basis seiner führenden Menschen erschüttern zu dürfen, so hat er Parteigesichtspunkle, aber keineswegs den sonst vom Zionismus so gern usurpierten gesamtjüdischen Willen zum Ausdruck gebracht. Wir wissen sehr wohl, welche Empfindungen die Mehrheit des deutschen Judentums im tiefsten bewegen, auch wenn es ihnen nicht so leicht wird wie den Zionisten, ihnen Ausdruck zu verleihen. Und die Juden Deutschlands wissen, was sic* den Menschen, der Idee und der Arbeit unserer Richtung für ihr tägliches Dasein wie für ihren seelischen Halt verdanken. Niemals verkennen wir aber auch, welchen Dank wir der zioni- Sport-Anzüge moderne graue u. grflne Farben Mlfa 34»"“ 47»" 74 Flanell-Hosen, passend zu einzelnen Saccos Mit« 9.*® 14a®® 18.

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