Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- XII (1935-1936)
- Issue
- 3 (2.5.1935)
- Date
- 1935-05-02
- Page
- Seite 28 (sequence 6)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/4904101-5442819-5443401--4354-4908126- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
- 28 - Aus Mose Maimonides’ Mischne Tora Von der Gottestiebe. Nicht sp eche der Mensch: ich will üben die Gebote ftü Tore und mich erfüllen mit den Gedanken der Weishei*, auf daß ich oll* Segnungen empfange, die verheißon, oder auf dcß ictj erwerbe das Leben der zukünftiger Welt,-'und ich will mich von den Sünden fernhat'en, vor denen die Tora gewarnt, auf daß ich mich vo! dem fluche rette, der in der Tora angedroht, oder •P.ß ich nicht abgeschnüen werde von dem Leben in der -unftigen Welt. Dem nicht recht ist es, dem Ewigen auf .fiesem We'ie zc; dienet. Fürwahr, wer auf diesem Wege dem Ewigen dient, der dient ihm aus Angst, und das is' rieht die i'ufe dei Propheten, noch die Stufe der Wrsf A'pr cr ous Liebe dient,'der erfüllt sich mit der Tora j.ic r ' der, Geboten und wandelt auf dem Pfade der A'e:<üe > nicht um irgendeiner Sache willen, die er in Welf erlangen könn'e, roch aus Furcht vor einem i'ebel, noch um eines Gutes teilhaftig zu werden, son- ■c n er gibt sich cer Wahrheit hin, weil das die Wahr- ’cif ist; und es ist die Folge des Guten, daß der Mensch .->.,rz vet ihnaufqerommen wird. Das ist die ganz •k . i •* | i , i i i ' 'v 1 am Marhr- IM 1 -*. tfiiiiti mit!hiimIIuIh •ii f Iril* /ii iiit i itrhm « ii t• i»f\% iik»*li« . \ on r ' f 'Irin ,111 im-rit :iv i 't m« iml« - \ f:I< kL:itiiiiiii«‘ n. f i üi-lit "if zu <1**11 * .' r (i - I»t. M.itim i \<; i- •( hrw r.i :i 1 V '> l. ,| f|« |c 1 r Jii«h-t Ii« ()ii:am- . Mi -irrt.! - JniiiMi . « in fiom- "'Mit Ml l« : Mail Ii. 1-1 - vMirtlijrr - \\ , v i /w » n i «imilir und hat in \ 1. , - It U; *!• r I 1 i'llttf. nodt auf /. - |H M «*u> ihm «nirh Vv-1l, 1 - :."i I , i-.i i *! iniii11;'■[! -nnrr I i> bi n --!' I' »i ,11.. 'tuttgait. '• Al..: ,!!, 1 tn-, , c X UM iiul, uiCcgbc cl \ :! " ■ i -;! u ■ : III k ■ > I I *< I i i > fl c r IHM: uri'lijl'T -I . . ■'•. < ., ’ .u hli'lll rm U|llk"lll- .; i I1 I I' |;' ' ii!ii: I I, Hill, ,l>-» JllbiLlI». >!- i \\ i il'ih 11 -iiiil riuit ihn ii hohe Stufe, die wohl kein Weiser vollkommen erreicht, die Stufe Abrahams, unsres Vaters, den der Heilige — gelobt sei er — seinen Freund geheißen, weil er ihm nur aus Liebe gedient, die Stufe, die uns der Heilige — gelobt sei er — durch Mose geboten, da er sprach „lieben sollst du den Ewigen, deinen Gott!" Wenn aber der Mensch den Ewigen mit solcher Liebe liebt, dann übt er alle Gebote aus Liebe. Und höher als alle irdische Liebe ist diese Liebe, in der des Menschen Seele an Gott geknüpft ist. In ihr sind Ihm ganz hingegeben die Ihn Liebenden, wie er uns befohlen „mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele". Wie Salomo es ausdrückt im Hohen Liede, wenn es heißt „krank vor Liebe bin ich". Und das ganze Hohe Lied ist .nur ein Gleichnis auf die Gottesliebe . . . Das ist gewiß und wohlvertraut, daß es keine Liebe zum Heiligen — gelobt sei er — gibt, die im Herzen des Menschen nicht so verknüpft wäre, daß er völlig und beständig in ihr aufgeht und alles in der Welt verläßt, nur eben diese Liebe nicht. Aber der Mensch kann den Heiligen — gelobt sei er — nur lieben gemäß der Erkenntnis, die er um den Höchsten hat. Darum ist es Pflicht des Menschen, sein ganzes Wesen auf das Ziel zu einen, einzusehen und zu verstehen jene Weisheit und Einsicht, die ihm Kunde schafft von seinem göttlichen Herrn. D.nik für .illt—. wii» it iui Diensteunserer Gennin- »iliufl 'egeu»rei,fie» gewirkt hat. /» bezeug:*». Seit Imiiui ii Jahren gehört Arthur Saftiger dem Ausschuß <I«— Israel. W ai»cn|inii»c» an. mul muh al» Kn»»ier ili'r Mntigartcr ()rt»grnppe «In» „Hilf»« ereilt» der I lettischen Jtuli-ii" hat t-r nm rmiiilliifi w rrlt oll»te cliaritativ e V I I*i■ ir geleistet. Viufi ilif Stuttgart-Loge. ,1, I ih r Jubilar »eit ihrer (.riiuiluug augehört. luit ihm viele- /ii danken. Hier nnih in der Stille und wir w i»»eti. hier am heilsten entfaltet \rthiir ■'neuner »ein men»iheiifrenndli<he» Hiiken. In »einer aufrechten liebe»»w7Si digen \il i»I der Jnliilar immer /in 'teile, wenn e» gilt. dem \iiift»ten bei- /n»tehen. Wie die»e ( *alx ci ent w a«ft»en einer eifit 111 < Ii»111 <l i traditiou-ve rhiinilfnin Haltung lind einer letiti len. frommen Dfiikting-nrt So wiiimiien wir iiht der gaii/in (lemeinde. dal! e» Arthur Saftiger - CT götitit -ein möge. m-^li > ieh frtdte Jahre in (ie- -nmlheit und latkaft im krei»e »einer Kinder und Fätkcl /n eriehen, zur Freucle der Seinen und aller, die ihm in aufrichtiger F'reundschaft verhunden sind. Stuttgart. Am I». April — dem Schuldlos llugodattl ter-tarh im Alter von 67 Jahren K a I in u n A usii hei. der den Ehrenname» eines wahrhaft frommen Juden verdient. Als I. Gabln- und Mitbegründer de» > ereins ..l.inath lla/edek" iihte er in langen Jahren treueste religiöse Pflichterfüllung. Der Verstorbene gehörte auch dem Verein „Bikur ( lioliin“ seit seiner (iriindiing an und betätigte »ich mit front mein Sinn auch in anderen ( hew ras. Mit dreien seiner Söhne nahm Kalman Ausiibel auf Oesterreichi- »cfier Seite am Weltkrieg Teil und leider IIIIIUte er den Heldentod »eines ältesten Sohnes Isidor beklagen. der die ehrwürdige Tradition seines Klternhaiises bis in seine Todesstunde betätigte. Wer Kalman Ausiibel. den einfachen, gottesfiirchtigen und stets hilfsbereiten Wen-chen kannte, der weil!, dal! mit ihm ein wahrer Zadclik dahingegangen ist. Sein Andenken wird /um Segen sein. Stuttgart. Susi Slraull. jei/t Stuttgart, deren pianististhes Können wir nnlällliih des l.icdc ruhe ml» com Frau KiscJi-Vrmlt gewürdigt haben, gastierte unlängst im Schweizerischen Radiost-ntler IJcromün- »ter und spielte’ im Itahmeii verschiedener künstlerischer Ncrau-tultungei) mit groüem F.rfolg. Die Presse rühmte das »»gemein reife und plastische* Spiel der jungen Künstlerin. I.udwigshiirg. Walter <)rba c!t (Stuttgart! sprach über „F.re/ Israel al» llofTuiing und Aufgabe der jüdischen Weit'. Rexingen. lim erfreulich langlebige Familie ist die’ F amilie P r e I! b u r g e r . deren ältestes Mitglied (mim noch /eliti lebenden Geschwistern). Abraham PieHbnrger. 74 Jahre zählt. \ on insgesamt 12 Kindern. von denen zwe i nicht mehr am I eben sind, erfieueii sielt zehn noch beste r Gesundheit. Ihre Alter betragen TI. "4. Tu. (41. (i2. (>4 67. 71. 77 und 74 Jahre. So weisen die zehn Familienmitglieder da» schöne Wter coli zii»aiunieii 674 Jahren auf. Das Durchschnittsalter von 67.4 Jahren datf al» ungewöhnlich bezeichnet werden. I lin. Am 10. April verstarb Max \ ö h I aus Gedern im 60. Lebensjahre. Der Verstorbene. der bei seinen Kindern hier sein letztes Lebensjahr Verbrachte. wurde allgemein hochgeschätzt. Am 27. April vollendete I ran Amalie Steiner ihr s7. Lebensjahr. Wir wünschen der würdigen Jubilarin auch weiterhin einem schönen Lebensabend. Theodor Herzl in Rechoboth '!...- *»h* Iiii Jahie IVi» 'alu Theodor Herzl mit einer liebmation nah Palästina, die vor den I oteilr Jei tis,deit)s von dem deutschen Kaiser Willielut’IL in \tiilienz empfanden ward“. " iIInt II.. der seinerzeit eine Palästina 'ei»e machte, »olltr da» Protektorat über ■ in.- jmli»ihf 'ifdlmig großen Stils in Pala- »tinn vibei nehmen. Die bildenden Veihanduncieii emh teil aber ergebnislos. Nachc.Mgeiul .»<bildert ein Augenzeuge den Fänp- :a;tg. der Theodor Herzl in der Kolonie!' chol.'-th hereitet wurde. Die- Schrilcleititng. - - . :; ii . e Kolonisten auf den ' .. I- ■!■ I llot war reingefegt. fe»tiugew a-ihen. weilgekle idet, e'■ . Mi g et regt. Alle beraten, jeder be Wl, n alcgc'solldert. die VLcdchc II K - Jeigeii unter I Tiliruti-' ihrer ‘ ' '*• i» o; I ml da kommt et. dei T .! ekele, »ein >a tot lock glanzt. 1 . -■ e t; ,_• t am die l enden uiid auf ' •'■: ’t M: i : '■liabbe-hltt. So »teilt er 'I . : e . Wie». . . . Dueinen be- lei 'li/ »ei eilt gegen/lll) ringen. * 1 n I. ö l* .o-ch die I horarollc ■ •' -■ de. ^Xir IMIlgen.!6 all der /ah!. ■ ' n I! —: r. p .■ w ei»e nbenemamler: /•••■■ i ■.•» ie , tcaiie ' im», 'thweigeml bew ' I' o :ig — de I 'ii ,Ue. schweigend ereilhl i « c S. 'ailtiigel. den t»refi/putikt der K.,..e Wat-. >. ,i _i g ab n[io lagern um» rm Kreise. W mm -i .a',i liifii"' 'ragen die gT'pannten ( .» »all|, •.!■■-■ di- Idi.ke I echten »ich häufig nord Walt», dem Wege -a;i lil-itloii /» lin Junge i»t Sp.lhel. I I »o ’ da* Aa'i'li eine» Wagen» auf de in Wege Vi •, IL-.iiom nie':!' ii. W i -Hz, n am llugcd und walten. ..>|irnh doili er /.di le'!' fordern mich die* Jiing»ten id. Mai c\a- ». |! m! ihnen erzechlen Wenn da» Iler/ auch »chier übergeht vor Fülle, der Mund bleibt doch »nimm. Wenn e» auch in der Seele hrnii-t und »türmt, die Zunge ble ibt doch wie* gelähmt. Niemand spricht ein Wort. Nur liljcke wandern von einem zum andern. Manchmal funkelt eine Träne, manchmal leuchtet ein I üchelu auf den Lippen und schon i»t » v er»chw unclen. Flerele. eh r Schmied, springt ungeduldig auf und blickt den Spalter an. Lr luilt e» nicht an», »tillzuhalten wie »eine Kamerad»». ..Ruhig", herrscht thij l>ur»ch der Anführer der kleinen I rup|>e. e in grolfgewucb-euf r. stämmiger, gutäupiger Kiir-che. vidi lebhafter Jugend, an. in dessen Sprache noch eU-r russische Anschlag vernehmbar ist. „So wahr ich lebe ciin bißchen Gognac würde die zitternde l nriilte bändigen ... so wahr ich lebe“, spricht ein Bursche ifcjine Gesichtszüge, gerunzelte Stirn, kleine schwarze Augen) schon Vater, und doch bezeugt er eine ekbärntliche Schwäche für das Feuerwas'i-r und die ffben-freude. .'tillschweigen wird al» F inver-tiintliii» gedentet. Kr »pring! auf und jubelt: l in Hoch der Lebensfreude! Lin »chwar/huurigfr Junge schwingt sich auf »ein Pferd und jagt in die Kolonie zurück: schon i»! ct wieder da. /w ei F la-chen in der Hand schwingend. Man trinkt I » lebe Herzl' F» lebe da» Judentum! I » lebe llechoboth! I » leben die Jungen! Der „Hole" 'dreißigjährig, der Ix-Iebendc Geist der Gesellschaft und unermtidlichcT Sänger! beginnt ein I ied /» »ummen . . . abe r niemand kann zuhören . . . \iich da» Singen wird eh r beladenen Seele schwer. ..Lin Wagen", schreit der Späher. Vugcuhlicklith werfen wir tut» auf die Pferde und im I ruh geht e» iioi d w a 11». \ om zwe ite n Hügel, jen-eit» de» W adi-all anin. auf dem Wege von Hi-choti kommen zwei Wägern heran. ..w arten bi» die Wagen den W adi-al-I anin p.i"iercTi'" Wir walten. Nur km/e Zeit verweilen die Gä»tf im Wadi, »chon »et/en »ie ihre Fahrt fort. Sie biegen link» ein nach llechoboth. \orwärt»! Wir geben den Pferden die Sporen, wir reiten int Galopp. \ on ferne »ehe ich e inen Kopf am W agenfenster erscheinen und verschwinden, rillige Schritte vor dem Wagen halten wir. Auch der Wagen »teilt »tili. F in Reisender vertritt ihm den W eg und ruft dem Kutscher ein „Halt" entgegen: F » lebe Herzl!" ertönt der IIuf. al» ob er aus der Ferne käme. Schon »ind wir unten. Der Wagen-chlag öffnet sich und wie ein Jüngling springt der schwur/bürtige. schwarzäugige. Iiochgewach»ene Mann heraus. Ich »ah nur seine großen, tiefen Augen . . . und an» denen blickte tiefe Trauer . . . sogar sein Lächeln -trugden Steni|K,l der Trauer. Sein Gesicht be/aulx-rte mich. „Angst vor der Majestät" war mir bi» zu dieser Stunde* unbekannt gewesen. Jetzt aber zitterten meine Kniee vor Aufregung und Spannung. Meine Zunge lullte: ..Die Kolonie Rechovv o t h g r ii I! t d ii r ch ihre Boten I) r. Herzl!“ Aber meine Freunde hörten mich, donnernd brauste e» durch die Luft: „Hoch I e b e Dr. Herzl!“ F.» waren keine* einfachen Hochrufe. Das war ein •Angstschrei . . . Bleiche* Gesichter . . . und doch waren es keine* Feiglinge . . . Mein Blick war gebannt. Füll Zittern ging durch die hohe Gestalt und in seinen Augen . . - war es wirklich eine* Träne? Der Reihe nach reichte* er jedem die Hand. Wir umringten ihn. F.r spricht zu uns. Seine Worte verstehen wir nicht. Wir sehen nur sein Gesicht. Noch einige Leute entsteigen dem W agen. Alle nähern sich uns und reichen uns die Hunde entgegen. Aber wir sehe» sie nicht. Ein Siedler von Reisch Pina begleitet sie. Fr raunt mir etwas ins Ohr. Ich aber verstehe es nicht. Ich sehe nur zwei schwarzglühende Zauberei eigen. tiefe traurige Augen. Es glänzt in ihnen, es leuchtet . . . war es wirklich eine Träne? „Pferde besteigen!“ — Wir reiten. Dr. Herzl bestieg seinen Wagen. Er schließt nicht den Schlag. Sein Kopf nickt uns zu und seine Pfand macht uns Zeichen. „F.s lebe Herzl! Fs lelx* Rechoboth! Es lebe Herzl!“ Die Rufe hallen in der Luft, unsere Pferde rasen, springen wie toll . . . Die Stute des Anführers — Fälbln »et/t zum Wettlauf an. I naufhürlich kreist sie um den Wagen. Reiter und Stute* vcTschiuelzen zu einer Gestalt. Herzl wendet nicht seinen Blick von uns. ich »pure seine* Augen. ...'lehenbleiben!" alles steht: die Pferde, der W agen. liier ist die Grenze Rechoboths. Lang lebe* Rechoboth! Hat Herzl die hebräischen Worte verstanden: Ich weiß es nicht. Aber das eine weiß ich sicher: die Träne fiel jetzt von seinem Auge und netzte seine Wange . . . sie rollte*, rollte . . . da. noch eine . , . und noch eine . . . vielt* . . . zwei Augen weinten. ILilien auch meine Genossen die Tränen gesehen? Sicher Italien »ie »ie gesehen, denn ihr Rufen brauste »ieb.enmal stärker al» früher. Audi ich schreie mit. ich schreie aus voller Kraft, ich habe mich vollständig vergessen. Ich fühle*: da gibt es eine starke*, mächtige*. allmächtige Kraft und die zwingt midi, zu schreien mit den anderen, ich bin. alle sind wir berauscht. Und wenn mir damals jemand befohlen hätte: Springe ins Meer. SCI will ich es haben! ich hätte es ohne Bedenken getan. \ oi wärt»! I » springen, cs tänzeln die Pferde, Der W agen fährt langsam, und die traurigen, schwarzen Augen blicken uns unaufhörlich au und werden noch schwärzer. noch tiefer ... Auf dem w ege. der nach F krön führt, erwarten uns alle Fänwolincr. An der Spitze die Rutsmitglieder, die Acltosten. Link» in de r Jaukobsgassc* die Schüler unter Führung ihrer Lehrer. Die Reiter bilden zwei Reihen uixl die Wagen fuhren durch die so entstandene Gasse. Herzl sprang herunter. Nach ihm sein Gefolge. Der Ortsvorstand begrüßte ihn im Namen der Gemeinde. Herzl nickte ihm zu und reichte ihm tiltd den anderen die Hand. Langsamen Schrittes kommt auf ihn Reh Jankele zu. im Sumtgewund. den breiten Gürtel aus Seide lind dem Schabbeshut. Er hält ihm die alte, dürre Hund entgegen. Dann hebt er seine Hände gen Himmel und spricht mit gehobener. feierlicher Stimme: „Gelobt seist Du Gott unser Herr, König der Welt, der uns leben ließ, der uns gedeihen ließ bis zu dieser Zeit.“ Lüd also so rach er zu der Gemeinde: „Gut-Jomtow. Juden. Gut-Jomtow!“ Ich schaue und sehe erregte Gesichter. Zarte Saiten wurden angeschlagen, in der Tiefe des Herzens . . . Heiliges Schweigen . . . Nur die Augen leuchten, beben, sprühen, elektrische Funken . . . L nd plötzlich erschallt der gewaltige Ruf: ,.E s lebe Herzl! Es lebe Herzl!“ Wie Besessene schrien wir, wieder hüllt uns der Sturm in seinen weiten Mantel . . . Wohin wird er uns führen? Auf dem Hügel stehen die Kolonisten. Herzl und sein Gefolge in der Mitte. Sephardisdie Hausierer kommen vom Wege, der nach Ramleh führt. Zwei alte Sephardim fallen vor Herzl in die Kniee und küssen den Staub seiner Füße. Er schrickt zurück. Und Reb Jankele rückt dem Sepharden näher: Wieso? So soll dem Messias, dem Sohne Josephs geschehen! Der alte Chassid, der die heilige Sprache im Munde führt und der hebräisch sprechende Sepharde schauen einander tief an: sie verstehen einander.