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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1935-05-02 · 3 (2.5.1935) · p. Seite 25

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
XII (1935-1936)
Issue
3 (2.5.1935)
Date
1935-05-02
Page
Seite 25 (sequence 3)
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Werkgesinmmg und Werkarbeit. Zugleich ein Hinweis auf die kommenden Werknachmittage des Frauenvereins'Frauenbun|ds. Es ist in dieser Zeit unter uns viel die Rcclcl von der Notwendigkeit der Bt*rufsiimschiclitiiug. tjliirili clic* vor allem unsere Jugc-ucl uns der Einseitigkeit der kaufmännische*!! und der uns heute verschlossenen akudemisthen Berufe in eine norinulere und vielseitigere Berufsgliederung iibergeführt werden soll. Die bestehende Ordnung, deren Aenderuni sich als so notwendig erwies, ist wohl eine geschichtlich gewordene: ihr entspricht über auch, aus A tlagc* oder Entwicklung, c-ine bestimmte Goistoslin lang und Werteinstellung, die nach Mallstkben einer iberlebten sozialen Ordnung den Wert geistiger Arbeit an sich hoher einschiit/t als den handwerklicher Betätigung. Wie wir aber die Auswirkung dieser Einstellung im (•roßen als schädlich unschön müssen, so gilt es. ihren Wurzeln in uns selbst nachzugehen und nicht mehr zeitgemäße Anschauungen zu ändern. Wenn mancher tüchtige und geistig hochstellende junge jüdische Mensch Schreiner. Schlosser oder Mechaniker wird, so empfinden wir ihm gegenüber nicht selten unangebrachtes Mitleid (sofern dazu >nicht sonst Anlaß ist), weil wir Sinn und Wert seiner Arbeit nicht aus unserem eigenen Erleben heraus zu verstehen und zu bejahen vermögen. Oft wird die Schwierigkeit der Einordnung für den jungen Menschen selbst gerade dadurch verstärkt, daß im Elternhaus und in seiner Erziehung nichts die Wertsetzung des neuen Berufes vorbereitete. Denken wir zudem daran, daß sehr viele unter uns noch nicht wissen, ob sie in ihren Berufen werden bleiben können! Was sie von handwerklichen Dingen wissen, wird ihnen v ielleicht einmal mehr wert sein als , eine hübsche Liebhaberei. Vicht nur solche Erwägungen aber, so berechtigt sie sein mögen, führen uns zum Sinn der Werkarbeit. Wer einmal, vielleicht in seiner Jungens- oder Mädchenzeit. die natürliche Befriedigung gespürt hat. die das S e I h s t g e f e r t i g t e gibt, der wird immer wieder an der richtigen Benutzung gincs Werkzeugs F reude haben. Wie groß ist der Stolij. wenn man -ich bei einer Störung der elektrischen Leitung sellZist zu helfen wußte oder wenn sich dicke kinclertitäuen über ein kaputtes" Spielzeug mit eilt paar gosjhicktc II Handgriffen, die den Schaden beheben, rasch trocknen ließen. Gerade in sonst sehr hanclwerksfreinden kreisen hat übrigens das Auto in dieser Hinsicht Gutes gestiftet. denn im ..llerrenfahrer“ wurde dem Begriff des über beschmutzende Arbeit erhabenen ..Herrn" der des Eahrers beigesellt, der allein auf der l.anilstraße draußen mit Wagenheber. Brustleier. Schraubenzieher und Zange fachmännisch zu hantieren weiß. End siehe du. der ..Herr" empfindet darin nicht nur sportlich ein notwendiges l'ebel. sondern es wächst in ihm die Sicherheit des Menschen, der sich, auf sielt allein gestellt, bewährt und die verstehende kaineradschaft zu dem. clcvf den Monteiirkittel aus Beruf trägt. Hier soll gew rjt nicht grobem Dilettantismus oder gar unbefugter Schwarzarbeit das Wort geredet werden damit kann man mehr verderben als gut machen. II a n chw e r k I i eh e Betätigung e r - fordert Können! Vieles läßt sich erwerben, wenn man. wie es im Volksmund heißt. ..mit den Augen stiehlt". Eber auch das ersetzt nicht eine richtige sachgemäße Anleitung. i Weil wir die Wichtigkeit dieser Bestrebungen für unsere Gemeinschaft selten, freuen wir uns I-lesende rs über alles Fruchtbure, das auf diesem Gebiet geschieht. Dazu sind vor allem die ständigen ..Werk urbeit-kurse" int l.ehrhaus zu nennen, die unte r der ausgezeichneten Leitung von Hermann Eecheiilmth stehen. E rst vor kurzem wurde in einer kleinen, aber sehr eindringlichen Ausstellung, die wir hier besprochen haben, gezeigt, was dabei alles geleistet wird. Wir erinnern besonders an die Arbeiten in Holz und Ion. die Zeichnungen und Linolschnitte von der anspruchslosen Bastelei bis zur künstlerisch hochwertigen Gestaltung. Zugleich verweisen wir gern auf die in diesem Blatt an anderer Stelle ungezeigten kursc. die der I rattenvc rein-E raue Itbttnd über ,.S e I b s t It i I f e tt n d W e r k a r I» e i t“ v eransjaltet. Sie werden von E rau Dr. Hilde" Griinbaum- SacJts im Zusammenwirken mit Herma n n Ee - ch c n b a ch geleitet und haben die Aufgabe*, einem neuen kreis diese Gedunkelt nuhezubringen. Das Schönste* und Wichtigste*, was uns Werkarbeit erwachsen kann, geht über schließlich weit über das nur Zweckmäßige hinaus: Freude an eigener Gestaltung fuhrt zur Werkgesinnung und damit von innen her zur Kunst. So erschließt sich auf dem Weg lebendigen Erarbeiten*, eine Kraftquelle, die* für jeden quillt. R. B Sir Herbert Samuel gratuliert der Universität Jerusalem. Anläßlich des zehnjährigen Jubiläums der Hebräischen Universität Jerusalem wurden die Reden, die vom L'niversitötskanzler Dr. J. L. Magnes bei der Feier in Jerusalem und von Sir Herbert Samuel und Anthony de Rothschild in London gehalten wurden, auf eine Reihe großer amerikanischer Rundfunkstationen übertragen. Die amerikanischen Sender verbreiteten gleichzeitig eine Ansprache des Vorsitzenden des Administrative Committee der Jewish Agency Felix M. W arburg. - 25 — Die Runelfunkuns|>rnehe Sir Herbert Samuels hatte folgenden Wortlaut: ..Hier in London ist es *-»T E hr morgens am Mittwoch. Mr. de Rothschild und ich sind bis zu dieser unvernünftig späten Stunde wachgeblieben da si* für unsere Hörer in dem weiten Raunt von der atlantischen bis zur pazifischen Küste der \ereinigten Staaten der günstigste Zeitpunkt ist. Ich möchte so viel als möglich ijl-er die Hebräische E'niversität in Jerusalem sagen. Die Universität bedarf dringend der Hilfe aller ihrer Freunde. Eine Erklärung der Reichs- Vertretung. Die ..Reichsveitretung der deutschen Juden" teilt mit: Die Reichsvertretung hat vor einiger Zeit, wie bereits niitgcteilt, bei den jüdischen Gemeinden und Organisationen, den jüdischen Zeitungen und den Gemeindeblättern eine .Aktion unternommen, um Zahl und Form der jüdischen Veranstaltungen der Lage des deutschen Judentums anzupasse n. Diese* Anregungen haben, wie wir mit Be friedigung feststellen konnten, bei nahezu allen in Frage kommenden Stellen Verständnis und Bereitschaft zur Durchführung gefunden, und wir dürfen erwarten, daß die Zahl der Veranstaltungen aller Art noch weiter vermindert werden wird. Bedauerlicherweise gibt es noch immer einige wenige Kreise*, darunter leider auch Untergruppen jüdischer Organisationen, die es mit dem Ernst der Zeit für vereinbar halten. Fest- und Ball Veranstaltungen abzuhalten. Wir wissen uns mit der erdrückenden Mehrheit des deutschen Judentums, das mit Würde und innerer Haltung seine Sorgen trägt, einig, wenn wir auf das Entschiedenste das Verschwinden solcher Veranstaltungen fordern, die das Bild des deutschen Judentums verfälschen. Wir erwarten, daß die deutschen Juden durch ein Fernbleiben von Veranstaltungen, die der Forderung würdiger Zurückhaltung nicht entsprechen, ihr Verständnis für das Gebot der Stunde bekunden. Die* l niveisität ist etwas Wesentliches im Leben des neuen Palä-tina Und das neue Palästina ist etwas Wesentliches im Leben der Juden alle r Länder. Und Palästina darf nicht bloß etwas Materielles, etwas W irtschaftliches bedeuten. Gewiß M es wichtig, daß Palästina Erfolg habe in seiner l.nnclw irtschuft und Industrie lind es hat Erfolg. Aber dies ist nicht alles. Es muß ein Land sein auch der Kultur null der Ideale, ein Zentrum von Philosophie und Religion, von Gelehrsamkeit und Literatur, von Wissenschaft. Musik und Kunst. Darum ist die Universität etwas Wesentliches für Palästina und für uns alle. Aber wie. die Universität jetzt ist und gegenüber den ihr gestellten Aufgaben, gleicht sie einem in einen zehn Tonnen schweren Wagen eingebauten Motor von nur einer Pferdekraft. Der Motor leistet, was er kann, aber seine Stärke ist offenkundig zu gering. Und Stärke ist in diesem Fall nichts als eine Geldfrage. Geeignete Lehrer und Forscher stehen zu. Verfügung, infolge der Entwicklung in I leutschlan.l ist die Zahl denjenigen, die ich um eine Anstellung bewerben, naturgemäß bedeutend gestiegen. Auch Hunderte. Tausend, voll Studenten bewerben 'ich um die Zulassung. Sie hungern nach W issen. aber, um mit Milieu zu reden ..die hungrigen Schafe blicken auf und niemand füttert sie". Und dies einfach darum. weil die l niveisität völlig von Mitteln entblößt ist. Die Gehälter der Lehrer sind beschämend niedrig. Der dauernde Kampf um Attsbalunc ierung des Budgets bildet die tagtägliche Sorge* .der verantwortlichen Stellen. Die* Universität begann ihre Arbeit mit gewaltigem Alarm. Plötzlich trat die Weltwirtschaftskrise ein und führte* zu einer einschneidenden Senkung ihrer Einkünfte. Gleichzeitig stieg infolge der Ereignisse in Mitteleuropa gewaltig die Notwendigkeit. Lehrstellen für Professoren und Lorngelegenheiten für Studenten zu schaffen. Kleinere Einnahmen auf der einen Seite, die Notwendigkeit größerer Ausgaben auf der anderen das einfach ist die Lage*, die* ich vor Ihnen darlegen will. Wir feiern den zehnten Jahrestag der formellen E.iüffiiung der Universität. Mein geistiges Auge* richtet sich zurück auf jene eindrucksvolle, denkwürdige Zeremonie. Lord Ballot,r war eigens, um diese Zeremonie zu vollziehen, aus England nach Palästina gereist. obwohl er schon fast so Jahre alt war. Viele hervorragende Männer aus zahlreichen Ländern, mancher von ihnen als Vertreter der jilten Universitäten Europas und der modernen Universitäten Amerikas, waren gekommen, um die neue Schwester zu begrüßen. Es war für mich ein ergreifendes Erlebnis. Ich war der erste jüdische Gouverneur Palästinas nach fast 2000 Jahren - der erste seit Herodes Agrippa. und der war schließlich bloß ein Idttmäer aus dem Lande Moab. Und ich konnte auf den Bergen über Jerusalem an der ETiiwi-ihiing eines jüdischen Zentrums des W issens, wie man es dort in all diesen 20 Jahrhunderten nicht gesehen huite. teilnehmen. Wahrlich eilt ergreifendes Erlebnis! Und angesichts dieser großen Zuhörerschaft konnte ich nichts anderes als eien ulten Segensspruch sagen: Gelobt seist du. der du uns am Leben erhalten hast un i uns bewahrt hast bis auf diese Tuge. Lasset uns, die Generation dieser Tage, uns würdig erweisen des hohen Erbes der Vergange nheit und eingedenk bleiben unserer Pflicht gegenüber der Zukunft!“ 7 Aus Ch. N. Bialiks Ansprache bei der Einweihung im April 1925. . Meine Herren, es gibt eine alte jüdische Legende, die erzählt, daß in den Tagen unserer Erlösung alle Synugogen und Schulen in der Galtitlf mit ihren Fundamenten herausge hoben und nach Palästina versetzt würden. Natürlich kann diese Legende* nicht so völlig in die Wirklichkeit umgU'Otzt werden. Das Institut für Ehoruwisscnschuft und Lehre*, das je/t auf dem Sc opusberge errichtet worden ist. wird sehr verschieden in Aufbau und Inhalt von der Art der alten Schulen sein. Aber meine Herren, zw ischen den Ruinen jener alten heiligen Institute rillten immer noch edle .Steinreste, die als Grundsteine für unser neues InstitTTt gute Verwendung finden. Möge uns die Weisheit vergönnt sein, die Lehre* und Wissenschaft. die aus dem Institut erwachsen sollen, zu jener moralischen Größe zu fördern, zu der unsere \ erfuhren die Thora gebracht haben. Wir würden es nicht verdienen, diesen großen Tag zu fe iern, würden'wir uns nur mit einer bloßen Nachahmung der Taten anderer Nationen begnügen. Da wir wissen, daß echte Weisheit von allen Völkern geformt wird, werden wir alle Fenster und Tore, dieses Institutes nach allen Richtungen öffnen, um all das Gute und Erhabene hereinzulassen, das immer war und weiter vom menschlichen Geiste geschaffen wird. Du wir jedoch keim* Neulinge* im Reiche des Geistes sind, wisse t, wir. daß. indem wir von anderen lernen, wir auch von uns. aus etwas hinzuzufiigen haben: und ich vertraut* darauf, daß dieselben moralische» Prinzipien, die wir als fundamental für unsere Schulen erkannt haben, und die wir in unserer- I liora als Perek Kinjan llatorali kennen. Be sitz der ganzen Menschheit werden sollen. Meine Herren, lausende unserer junget, Männer und I* rauen, die auf ihn* innere Stimme hören, strömen aus allen Richtungen der Welt in das tülncl. um es aus seinem augenblicklichen Zustand der (Freie* und des L »turgaiiges zu hc-freien. Diese Menschen haben den Willen, ihrem Lande* ihre besten Kräfte und ihre Jugend zu opfern. Sie" pflügen in den Bergen. legen die Sümpfe trocken und bauen die Wege* mit Gesang und Freude. Diese* jamgen Menschen haben gelernt, einfache*, harte* Arbeit zur Heiligkeit einer Religion zu erheben. W ir müsse t, dieses heilige Feuer auch innerhalb der Mauern dieses Instituts entfachen, das jetzt auf de in Sc opusberge* eröffnet worden ist. Laßt die einen dieses Jerusalem und die anderen das ewige* Jerusalem mit Feuer bauen, denn es heißt: „Du (-ott hast es mit Feuer vet bräunt, und mit Feuer 'oll-t Du es wieder aufbauen." Audi unsere tiro^emeinden schrumpfen zusammen. Die Frankfurter Israel. Gemeinde im Jahre I9>4. Im (H‘ineimlei>l('nt «Irr Frankfurter Israelitische» Gemeinde werden die Ziffern über die Be\ölkernnjrshew('jriniLr linier den Juden in Frankfurt a.M. im \ erlauf»* des "Jahres |<>~4 veröffentlicht. Die Zahlen pelien interrsvante Aufschlüsse über die \eriiudeniujren. die das verjraujrriir Jahr innerhalb der Judithen Bevölkern»? einer Grohgemeinde. die bei der Ausklang der Schuleinweihun0^.. Daß Fest ist aus, die Tage gehen weiter mit neuer Arbeit jeder, Müh’ und Pflidil. Was wir begonnen dankbar, froh und heiter, wird morgen ernstes Tun sein, still lind schlicht. Wir danken allen, denen wir verpflichtet für dieses Haus und altes, was ihm frommt. Ihr aber, die zu lehren es errichtet, folgt, es zu weihen, meinen Schritten. Kommt! Schriebt ihr die Worte, die in Sturm und Feuer Moscheh erfuhr, in euer Herz hinein; so schlaget sie zum Zeichen, daß sie euer an alle Pfosten eu’res Hauses ein. Und immer, wenn ihr eine Tür' durchschreitet, seid eingedenk, daß sie den NAMEN trägt, der uns zum Volk schuf der uns führt und leitet, und den zu heiligen uns auferlegt. Zu unserer in letzter Nummer erfolgten Besprechung der Feie-n anläßlich der Eröffnung des Neubous der Jüdischen Schule in Stuttgart werden uns vom Verfasser des fröhlichen Spiels „Schuleinweihung in Susa". Leopold Mark, vier Gedichte übermittelt, die als Teile eines ernsten Abschlusses des heiteren Spiels gedacht waren, a!s noch angenommen werde, cfoö die Feier in engerem Rohmen im Schulhaus selbst stattfinden würgfiu-Sie sollten ein be% sinnliches Gegengewicht bilden (wie ja in der Tat richtig heraus* gefühlt wurde, daß der Scherz allein der Bedeutung des Tages nicht ganz gerecht geworden wäre). Zwei davon fielen, wie man uns mitteilt, bei der endgültigen Programmgestaltung weg, zwei wurden vor dem Spiel gesprochen. Um ober die Dinge ins rechte Licht und ins Gleichgewicht zu rücken, geben wir die als Abschluß des Spiels vorgesehenen Verse wieder. Sie seien hier mitgeteilt als Auftakt für die nun einsetzende wirkliche Arbeit unserer neuen Jüdischen Schule. Die Sdiriftleifung.

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