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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1935-04-16 · 2 (16.4.1935) · p. Seite 20

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
XII (1935-1936)
Issue
2 (16.4.1935)
Date
1935-04-16
Page
Seite 20 (sequence 8)
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— 20 — "urimlit-.l Mir. da- M.n Frau M « r r h a R o e d r r urf dem'Harmonium begleitet " nrdc.. r.s folgten Goliditvoirraffc rriiMcn und hcitrrrn ( narakters aus ,|(-in iiidiMhrn I cbm Da/uisdjen ein reizender Kni_i*n der Kleinm. der viel Beifall fand und \nn rrau | F r ö Ii I i <h . I rau 1.. R -> t h F eh i l d . F rau Martha JUu’d.r und "nfir Ot" eingi-iibt uorde-n uar. hin hebräische» lud be-chlol! ilen1 frohen Abend: vom I r.iueini fi'in g< ■-p.-mlotc -öillijrkeiteti erfreuten die K.iritli-r l m die Kinder am Gntte-dienst /u intcr- ,.»,Mld.irä'it aktiv teilnehmen /u lassen, hat II. j p; ein. r W.ir-ehcr einen Kinderchor geschafr, ,, >,d>batli und au den Feiertagen singt. I .-,>,/ liir d. fl leidenden Frw achsencnchor bilh t u ni z u '< r■'iliiineriing de' Gottesdienstebei- .. , \,|(|, I,i. , ~1. IIr f rau MaHhu Roe-ele-r ihr iniisil"..|,. - K ein, ’r duMti Begleiten auf dem Har- , 1 1 n 1 -■ dei nuten >uche-. Heues oom jüdischen Spoct. '-tllltitai I. I II l! n a I i am ’l.iM.ir/. ll.j.I’. St ulti . - i H.|.l . M r ge iiiii.im I •»:«• fl Mer- ,, ,,i!,i m, ui ''tnttgart /um Aii-scheidungs-piel ,ni ..11.- Mi i't. i'ihaft ,,» R.j.f . J.IU und konnte in der -|| I inlh/eit da' >pi, l uojil! ziemlich offen gestali. ad.ali kam die 'Stürmerreihe vor dem Tore nie /um /.nge. Dafür »orgle aber auch Stuttgarti1 ui lei mu n ii'iha fl. die .i ii'ge/eiih uet uriieitete. Re¬ , ,1fl 1 lif Mioiit« 11 »K ich Bi L'inii konnte Stuttgart in > ii fl r n in: - .«'heu u ii« i lözur II.i lli/eit blich dieser .">1.111(1. \.M h <ti i l\: 11 -(■ konnte- Mergentheim da- 1 rinn«’ thiii Mhvv t?(Mi Kodrn nitht mehr durch- 1,.,Ilt-', ind "Mutt. :a rt dritmrtc 'ita rk. dan in /icm- * uh i > ü.iiM-' 1 u \! Miindrn fünf lorr fiHrn. hs iiutchi« 1 i \n hir t der Mtjn; :el bemerkbar, daß \ * reim ii ki um- n!rr uröij. : Trainiiigsniögüchkcitt-n 11. hfl * (ID •in M-Iinrl! <! Inrchge führte n Spiel ’ ■" u J 11 . •il.e ,!||UT. I). ' 1 :ip<ti triiUr kühn (Gmünd) \\j\! .hiöi!' 'Mul ttgults JllUC nd die Merge-nthei- - - .h i * < 1 > i -ihl.iLcii. Slnlt üiirt . In ti Ill III le tzt, 1 Niinuner M-röffent- nht« i. R. i i»ht 1 i 111' l <l.i- II ,i n d Ii u l 1 - p i e 1 mihi Mal / / V 1!-< f" fl IU F. 'tutts'.m und R.j.F. Göppin- :!» . - in Kr r ulniuims' <l( i-i aelir.whten Spieik 1 |1 1 s ‘in ">th in!'' InilVn: Ii)- r G.i-lgelier konnte l.l-ö;. I i \ ."i < i'H" l-i-ii in luiut-in /ii'piel und .UtflD li.il' 1.!' 1 ne lli stillt . \m ,1.1 l:. ihn;.’* Vprii.'-tiTn-n 'ich z , tl.-n 1 nß|>.i llni.iitfi'chnftrn der . ft .. iv ' ■ ’ . Ii r ">t i n-iti n lind de- ..Ii d r ko di!> \l Hl .ll . in; Hl nh f» p|,T M 1111 brr. 1 >ir MamiMhiif- "! , .! I * 11: .1. i"i(ht'[ciih -trn \n\4cirrrrn auf 1. -. \t, *ft I ntrf . I. - " -l|i ,c.c -t.h pl >dn n Jie/irk*: r- Kt f.: f HD tu;,*i -u-li r~ spjm nrndrn kämpft* /u 1 . h.-l.lr ii M iiiM-di.iftc-n 'trhen >pirlrr. dir!,‘ ' .1 .Ulf . i1 \f - k k «t 1 f i n ii in Ir! V v iv v t r- 11.11 " T\ - I "f t SD ‘ 1 urffrn ^tui/!>rad. Ileilbronn. tu, "I.M-o/ iieij'ilde b> l der >port- •,11,j- .1, . I; i i , Ho.Ii.m trib. 14Jr Jungen' vom \\ ai- .. nli.oi- I H I i ii . , ii k. im r, mit 'traldenden Ge-ich- I, m n ,.i II. 111 i.. ii. V. o 'i, herl/li.h't empfangen und eipll. -i m ui i! n >!. den I jllball'I'ielell /» i'then hi, | dnian.i', I af', n vom \\ ai-enhaii' I Illingen i.nl I! :l . lledui.iiin -a.i man reehl ansprechende- ' .!-! 111_< :i. Vom -iiinh i Idinjieii tiberru'ihte »ehr ,!■ t angi nehne ■. 'eile und gew.um auih das Die Frucht des Paradieses. Aus dem im Schocken- Verlag vor kurzem erschienenen Kinderbuch: „Vom Gurten Eden, der Arche Noah und dem Weisen König Salomo“, von Rubel und Emanuel bin Gorion. Gott hatte Adam und Eva »las Paradies, den Garten Eden, zum Wohnsitz gegeben. Alle Früchte, die darin wuchsen, waren ihnen zur Nahrung bestimmt, sie brauchten sie nur zu pflücken und zu essen: der Garten bedurfte keiner Pflege, und alles gedieh von selbst. Aber Gott sprach: „Ich will sehen, ob die Maischen mir auch dankbar sind für all das Gute, das ich ihnen bereitet habe. Einen einzigen Befehl will ich ihnen geben und schauen, ob sie mir gehorsam sind." Genau in der Mitte des Gartens war ein Baum gewachsen. wie es keinen zweiten im ganzen Paradiese gab. der hieß der Baum der Erkenntnis. Und Gott sprach zu Adam und Eva: „Alle Früchte im Garten Eden dürft ihr genießen, nur die eine F nicht, die Erucht vom Baum der Erkenntnis sollt ihr nicht brechen!" Aber gerade* das. was Gott verboten hatte, verlockte die Menschen. Und dann war noch im Paradies ein listiges Tier, die Schlange, die sprach zu Eva: „Gott hat es nicht so streng gemeint: du mußt auch diese Frucht versuchen, denn sie ist die süßeste von allen.“ Also pflückte Eva die Frucht vorn Baume der Erkenntnis, aß davon und gab auch Adam davon zu kosten. Aber gleich tat es ihnen leid, daß sie Gottes Gebot übertreten hatten, und sie zitterten vor Furcht. Gott hatte allem zugeschaut und sprach zu Adam und Eva: ...Nun müßt ihr die Strafe tragen." Beide wurden sogleich aus dem Paradiese auf die öde unbebaute Erde vertrieben, und Adam mußte künftig im Schweiße seines Angesichts den Acker bearbeiten, damit er ihm Nahrung gebe. Was war das nun für eine Frucht, die um Baume der Erkenntnis wuchs? Vielleicht ist es der Apfel gewesen. Als Eva ihr Teil gegessen hatte, wollte sie, daß auch Adam die neue Frucht schmecke, und da er sie nicht gleich kosten wollte, stopfte sie ihm ein Stück in den Mund, das blieb ihm in der Kehle stecken, und man sah es auch von außen. Dieses Kennzeichen ist den Söhnen Adams geblieben, es ist der Adamsapfel am Halse. Vielleicht ist es aber nicht ein Apfel von der Art gewesen, wie wir sie kennen, sondern jene seltenere Frucht, die man Paradiesapfel nennt, und die der Zitrone ähnelt: man heißt sie auch Etrog, und am Laubhüttenfest erfreut sie uns durch ihren Mohlgeruch. Man sagt, die Kerben in der dicken goldgelben Schale sind die Spuren .von Adams Biß. Auch hatte Adam sehr scharfe Zähne, bevor er die Sünde beging: als er das Gebot übertrat, wurden sie ihm stumpf von dem herben Etrog. Möglicherweise war es aber der Feigenbaum, den man den Baum der Erkenntnis nannte. Adam und Eva gingen im Paradiese nackt wie die Tiere einher und brauchten keine Kleider. Als sie die Sünde begangen hatten, begannen sie zu frieren. Da baten sie jeden Baum um Laub, denn sie wollten sich eine Hülle daraus bereiten, aber kein Baum gab ihnen seine Blätter, außer dem Feigenbaum. Ich habe noch sagen hören, daß der Baum der Erkenntnis der Weizenbaum gewesen ist. Die Weizenähren sollen nämlich im Paradiese nicht wie heute aus der Erde hervorgesproßt sein, sondern sie gingen von den Zweigen eines starken Baumes aus und trugen apfelgroße F rüchte. Als die Menschen aus dem Paradiese vertrieben wurden, wuchs die Brotfrucht zur Strafe nicht mehr am Baum, und auch die Körner wurden verkleinert: man mußte erst pflügen und säen, bis man ernten konnte, dann mühevoll sammeln. dreschen, mahlen und backen, ehe man das Bryt gewann. Spiel der älteren Jugend mit 4:1. während sich die Jüngeren mit 0:0 in die I orbeeren des Tages teilten. Anschließend fand ein Propagandaspiel zwischen den Dameiilianclballriianiischaftcn vom R j F. Stuttgart und R.j.F'. Mannheim statt. Die Stuttgarter Damenelf hinterließ in jeder Beziehung einen ausgezeichneten Eindruck und gewann überlegen'mit 7:0 lore-n. — Den Abschluß dieses harmonisch verlaufenen Spnrtwerbetuges bildete ein Fußballspiel zwischen den \lten Ilerren-Mannsdiaften vom R.j.F. Heilbronn und R.j.F. Mannheim, liier standen sich zwe i gleichwertige Gegner gegenüber, so daß das unentschiedene I : I-Ergebnis dem .Spielverlauf gerecht wurde. L. B. Heilbronn. Beim letzten Spiel des R.j.F". Stattga rt in Ileilbronn siegten die Gäste mit sechs Toren Vorsprung. Beim Kampf um die wiirttembergLsche R.j.F.-Meisterschaft am 7. April hatten die Stuttgarter große Mühe, gegen die stark ersatzgeschwächte Heilbrunner Klf mit dem knappsten aller Ergebnisse, mit I : 0. in F ront zu bleiben. Fan Achtungserfolg der kleinen Heilbrunner Sportgruppc! Zweifellos zeigte Stuttgarts Fd/ die weitaus reifere und technisch durchdachtere Spielweise. doch im Heilbrunner Strafraum waren die- Gäste mit ihrer Kunst zu Ende. Heilbronns Schliißdreicck verteidigte in ganz hervorragender Weise und meisterte auch die kritischsten Situationen immer wieder im letzten Augenblick. Erst zehn Minuten vor Schluß brachte Wolf das einzige Tor des Tages fertig, nachdem schon vorher Stuttgarts bester Stürmer Aronsohn unzählige klare Chancen hatte. — Die Alten Herren-Mannschaften von Stuttgart und Ileilbronn lieferten sich eine ziemlich gleichwertige Partie, die jedoch von Stuttgart auf Grund besserer Stürmerleistungen verdient mit 2 :U gewonnen wurde. L. B. Heue Jtächec. Eine Bibliothek zeitgenössischer jüd. Schriftsteller. Vor kurzem sind im Philo-Verlag. Berlin, die drei ersten Bändchen der „P hilo-Bücherei“ erschienen. die es sich zur dankenswerten Aufgabe gemacht hat. das Gedanken- und Erzählungsgut lebender jüdischer Schriftsteller zu vermitteln. Diese Aufgabe wird von der jüdischen Oeffentlichkeit um so dank- Beilagenhinweis. Der heutigen Gesamtauflage liegt ein Prospekt des S ch u h h a u s e s Josef. Bad Cannstatt. der Auflage für Stuttgart eine Empfehlung von Frau Sa I 1 y Winter. Stuttgart (Markthalle), bei. Pesachtage der Kindheit. \ on Ohe rieh re r Th. Rothschild. Eßlingen. '■w-i,;: ne neü-en Dotterblumen am frischen Quell -1,,Ute;- ind di. er'ten Kätzchen 'ich an den Weiden /ei”t, e. dann feierten wir in unserem rauhen Alhtal l’e-.iih. \tn laue vor dem Rii'ttag waren wir in fröh- 'uh-ter 'timinuiig. Galt'* doch, ein l ntc-rneliinen aus- / u f ii Ii i.e ii. daiui*ere Bnbenlierzen höher schlagen haß. Gl.-iih nach dem Mittagessen fuhren wir mit einem nroßen Handwagen durch das Dorf. Vor jedem Hailiielien wir an. Wir baten um Holz für das < lioiiiezlener. Ke iner ließ unleer abziehen. Doch geizten einigemit ihrer Gabe, wahrend andere mit offenen Händen spendeten. Wie groß war unser Jubel, wenn wir ein altes Faß. in dem leichtbrennende Stoße aufbewahrt wurden, erhalten konnten. Besonderdankbar waren wir. auch für Reisig. Späne und wir malten unschon au-, wie -j,- lustig brennen wurden. Zwei-, dreimal mußten wir den gefüllten Wagen auf der Schloßwiese am nahen Fluß leeren und lu-tig setzten wir unsere Vagabunden reise fort. Dabei fehlten lustige Spässe und lebhafte Ausbrüche un-ere- Lebermut* nicht. Mit heiserer Stimme und mit roten Köpfen kamen wir abends müde nach Hause. Der morgige Tag sollte uns neue Ueberla-ihungenbringen. Fast die ganze Dorfjugend versammelte sich am kommenden Vormittag auf der nahen >chloßwiese. Die Lauter plätscherte daneben ruhig dahin und schien kaum zu ahnen, welches tolle I reiben ‘ich an ihren Ufern jetzt abspielen sollte. Kunstgerecht wurde ein Teil des erbeuteten Holzes aufgeschichtet. Der Holzstoß wurde angezündet und bald lohteein mächtiges Feuer zum Himmel empor. Einige ältere Leute kamen herbeigelaufen und brachten ihr Chnmez mit Leinwandfetzen umwunden, das augenblicklich von den Flammen verzehrt wurde. Dann und wann zeigte sich auch ein altes Mütterlein und" bat uns. die eiserne Kachel zu kaschern. zu glühen. Gerne willfahrten wir. Wozu sie unser Feuer nicht alles brauchen konnten! Freilich waren wir aber boshaft genug, die .glühende Kachel im kalten Wasser allzu rasch anzukühlen, was nicht immer zum Heile des eisernen Kochgeräts ausschlug. Bubenübermut fragt nicht viel nach bösen Folgen. Aber dann standen wir andächtig um das lodernde Feuer, das in die Höhe züngelte, und sahen träumend iu die geheimnisvollen Flammen. Was ging hier im Scheiterhaufen vor sich, wohin wunderten die ersummelten' Reiser und Hölzer? Die- Wärme durchglühte an dem kühlen \ormittug wohltuend unsere jungen Körper und erhöhteunsere Lust und unsere F reude. W ir urntunzten das Feuer, wir übersprangen es. selbst wenn es uns da und dort die Kleider und Schuhe versengte. Fühlten wir die läuternde Kraft des verzehrenden Feuers, spürten wir. wie es alles Gesäuerte, alles Unreine, all den Plunder, den wir gestern ersammelten. hinwegräumte und den Alltag verhauchen ließ? Ich we iß es nicht mehr, aber wenn ein Haufen Asche uns an die Spuren der ereignisreichen Stunden mahnte, waren wir ernster, stiller und spürten den Einzug eines hohen Festes, das wir mit gläubigem Gemüt und mit sehnsüchtigem Herzen erwarteten. Am Abend glänzte und strahlte der Sedertisch. Vater und Mutter atmeten Zufriedenheit und Seelenruhe. Die Stube war voll Licht, voll Glück und Feierlichkeit. Andächtig hörten wir zu, mit offenen Augen schauten wir auf die Vorgänge des Abends. Alles schien uns wichtig und bedeutungsvoll, und mit bewegtem Gemüt aßen wir bittere Kräuter und all die Gaben der Sedertafel. Aber das Leben begann erst recht nach dem Abendessen. Ein heiterer Ton kehrte schon ein, als der erstaunte Vater den Aphikomon (Nachtisch) suchte und nicht fand. Erst als er Mandeln und Rosinen versprochen hatte, wurde er aus dem Versteck hervorgeholt. Da durften wir selbst mitsingen find jetzt schlossen sich unsere Herzen auf, wir gingen aus uns heraus und eine Fröhlichkeit wurde groß in uns, die mir unvergeßlich bleiben wird. Die herrliche Verschmelzung von Tönen und Worten wirkte berauschend auf das Kindergemüt. Ich lauschte entzückt. Es wurde besonders schön, wenn vom Onkel im oberen Stockwerk die Kinder herunterkamen, die uns alle an musikalischer Begabung übertrafen, und den Gesängen erst recht Schmelz und Harmonie verliehen. Wir hielten alle aus bis zum letzten Ton und keines von uns zeigte Müdigkeit und Schlaf. Wir bestaunten noch die rätselhaften Bilder der Agada. Auch sie erzählte uns neue Wunder von Gott und seinen wundervollen Werken in Israels Geschichte, und in seligster Stimmung gingen wir zu Bett. Am Morgen erwachten wir mit der gleichen frohen und vergnügten Laune. Warum sollten wir auch nicht? Durften wir doch am Festesmorgen neue Herrlichkeiten genießen, auf diewir uns solange sehnsüchtig freuten. Schon der Morgenkaffee, der in großen porzellanenen Kaffeetassen eingenommen wurde, eröffnete verheißungsvoll den Reigen. Dann durften wir alle unsere neuen Kleider anzieheu. Von Kopf bis zu Fuß war alles neu oder neu hergerichtet. War das ein Stolz für uns und für den Vater, der sich's sauer hatte werden lassen, um uns diese Freude einmal im Jahre zu machen! Bald waren wir verschwunden und zeigten uns allen Verwandten, die nicht genug staunen konnten über all dies Neue, das sie an uns bemerkten. In der Synagoge war am Pesach immer Konfirmation für Knaben und Mädchen. Aus Immergrün und Tannenreis hatten fleißige, geschickte Mädchenhände Kränze und Girlanden gewunden und das Gotteshaus mit frischem Grün festlich geschmückt. Die Konfirmanden standen auf besonderen Plätzen, die Knaben hatten zum erstenmal lange Hosen an und waren voll Ernst und Würde. Nachmittags erhielten wir vom Großvater Mandeln und Rosinen. Waren das Leckerbissen! Wir dünkten uns unendlich reich und nichts hätte uns mehr entzücken können als diese Süßigkeiten. Durch die Dorfstraße zogen die Konfirmanden mit ihren Konfirmandinnen. Zum erstenmal zogen sie gleich der erwachsenen Jugend in Mädchenbegleitung hinaus in die „Neue Straße“ oder zum „Münlwald . Der eine und der andere von ihnen wollte seine eben begonnene Männlichkeit auch dadurch beweisen, daß er erstmals eine Zigarette rauchte, ein Unterfangen, das sich meist bitterlich rächte, und manch einer der jungen Helden verließ mit bleichen Wangen den Schauplatz seiner ersten Taten. Acht Tage waren wir frei von allen Schulsorgen, genossen die Pesachspeisen in vollen Zügen und freuten uns an der erwachenden Natur, die sich in allen Enden und Ecken regte und leise sproßte und keimte. Wir konnten den Frühling kommen sehen auf unseren weiten Fahrten in Wald und Feld, denn die Tagg1 des Festes und die sonnigen Stunden der häuslichen Feier hatten uns Auge und Herz erschlossen für all* die Schönheiten der Welt. (Aus Th. Rothschild: ^Bausteine“, Kauffmann-Verlag, Frankfurt a. M.)

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