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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1935-04-01 · 1 (1.4.1935) · p. Seite 7

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
XII (1935-1936)
Issue
1 (1.4.1935)
Date
1935-04-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
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- 7 - raels — Palästina 1900 — 1935 — 1950“. Der audi in Stuttgart hochgeschätzte und insbesondere von seiner früheren verdienstvollen Tätigkeit für den „ORT“ her bekannte Redner nahm mit diesem fesselnden Vortrag zu den Problemen Palästinas von eindr ganz ungewöhnlichen Wurte aus Stellung. Michael Traub versetzte nämlich seine Hörerschaft im überwiegenden Teil seiner Ausführungen in das Jahr 1950 und hielt von du aus eine visionäre Rückschau uuf die Entwicklung Erez Israels in den „vergangenen"' 15 Jahren.die. bei aller Großartigkeit der Gesuintpierspektive, doch in keiner Weise als phantastische Utopie empfunden wurde. Im Gegenteil: bei voller Ansehung der auch von Michael Traub betonten Unmöglichkeit, den Entwicklungsprozeß Palästinas jetzt schon in den einzelnen Phasen zuverlässig zu schildern, darf der Wahrscheinlichkeitsgrad der gestellten Prognose doch als sehr hoch bewertet werden, um so mehr, als auch vor 15 Jahren niemand un den Einfang der palästinensischen Wirklichkeit von heute geglaubt hätte. Wie sehr aber schon Theodor Herzl von dem Glauben an die zionistische Idee und ihre Realisierung durchdrungen war. das zeigte der Redner un Hand von Zitaten aus Herzls.Rotnuu ..Alt-Neulund", der um die Jahrhundertwende geschrieben wurde. Damals war Palästina ein kleines Eund, malariaverseucht. von wenigen Menschen bewohnt, die iiti kärglichen Solde reicher arabischer l.atifundienbesitzer stunden. Nur 65 000 Juden lebten 1918 in Palästina, und die Hälfte von ihnen existiertevon Almosen: die andere Hälfte setzte sich aus schlecht ausgebildeten Arbeitern. Krämern und ..l.uftmcnschen“ zusammen. Damals war das Etuek ein Sumpf. Tcl-Aviv ein Sandhaufen. Aber Herzls prophetischer Geist sah im Jahre 190’ schon die Entwicklung dieses öde» l.undes voraus, ebenso wieer hellsichtig die kommenden moralischen und materiellen Nöte der Juden in aller Welt im voraus e rkannte-. Auch der unerwünschte Typus des „Transfer-Zionisten" wurde damals schon von ihm in seiner ganzen schädlichen Wirkung dargestellt. — End heute ist Herzls große Vision bis in viele Einzelheiten hinein Wirklichkeit geworden: Tel- A x iv wächst cor den Augen, im Hufen von Haifa pulsen die w irtschuftlichcn Kraftströme dreier Erdteile, aus J e r u s u I e »> w ird eine neue, moderne Stadt — Prosperität auf der ganzen l.inie. dazu aber viele-, viele- Sorgen, die eine solche rapide Entwicklung auf wirtschaftlichem und moralischem Gebiete mit sich bringt. Die Schicksalswende unserer jahrtausendealte» Geschichte ist eingetreteif. Dr. Traub gab nun eine überaus packende, wiederholt von lebhaftem Beifall unterbrochene Schilderung der zu erwartenden palästinensischen Entwicklung in Form eines Rückblicks aus dem Jahre 1950. Seine Darlegungen waren durchweg mit einem genaue» statistischen Material unterbaut. Nach Schätzung des Redners werde» ln 15 Iah re» in Palästina I 100 000 Juden und 1 500 000 Araber leben. Diese jüdische Bevölkerungszahl stützt sich auf eine Einwunderungs- Durchschnittsziffer von 40»00 Menschen pro Jahr und auf den natürlichen Bevölkerungszuwachs. Landwirtschaft. Handel und Industrie haben seit 1955 eine stetige organische Entwicklung genommen. Die territoriale Ausdehnung und landwirtschaftliche Kolonisation sind ständig fortgeschritten, elektrische Kraftwerkeliefern gewaltige Energien, das Tote Meer ist Grundlage einer riesigen chemischen Industrie geworden. Palästinas zentrale wirtschaftliche- Bedeutung für den vorderen und mittleren Orient, aber auch seine kulturpolitische Mittleraufgabe zwischen Orient und Okzident liegen klar zutage. An dieser Entwicklung werden auch die Araber produktiven Anteil hüben, wie die Beziehungen zur arabischen Welt überhaupt sich aus der ökonomischen Wirklichkeit heraus planvoll gestalten werden. Und dies alles wird dazu noch von einem gewaltigen Einfluß auf die Juden der ganzen Welt sein, deren Zusammenhang aus einer Glaubensformel heraus in das verpflichtende Ganze kraftvoller Lebendigkeit geführt wird. Rechtsanwalt Dr. Paul Tänzer dankte dem Redner, dem am Schlüsse dichtenden wollender Beifall gespendet wurde, mit warmen Worten für die ungemein interessanten Ausführungen und unterstrich nochmals die Forderungen, die das palästinensische Aufbauwerk un die Juden stellt, unter lebhafter Zustimmung der Versammlung. ' Aussprüche des Maimonides. Stufen des Wohltuns. 1. (höchste) Stufe: Dem bedürftigen die Möglichkeit geben, sich selbständig ernähren zu können. 2. Stufe: Wohltätig sein in einer Weise, daß der Spender und der Bedürftige nichts voneinander wissen. 3. Stufe: Der Wohltäter weiß, wem er gibt; aber der Arme erfährt nicht den Namen des Spenders. 4. Stufe: Der Gebende kennt nicht den Namen des Bedürftigen; aber dieser kennt den Spender. 5. Stufe: Geben, bevor man gebeten wird. 6. Stufe: Geben, nachdem man darum gebeten wird. 7. Stufe: Zwar nicht ausreichend geben, aber doch mit Freundlichkeit. ' 8. (niedrigste) Stufe: Mit Unfreundlichkeit gebenI * Selbst ein gelehrter und hochmögender Mann greife, wenn er verarmt ist, zu einem Gewerbe, und sei es auch eines der niedrigsten, damit er nicht auf die Unterstützung von Menschen angewiesen sei. Es ist ehrenvoller, das Fell von einem gefallenen Tier abzuziehen, als zu betteln und den Leuten zu sagen: Ich bin ein Gelehrter, ich bin ein Priester, gewährt mir meine Bedürfnisse. |Die Persönlichkeit des grollen Gelehrten, dessen 800. Geburtstag jetzt in der Weltjudenheit gefeiert wird, werden wir in nächster Nummer würdigen. Sdirlftl.l Wie man in Stuttgart das Purimfest feierte... Zu den Veranstaltungen des Lehrhauses am 19. und 30. März. Also — das war wirklich ein schönes Purimfest! Jetzt weiß man aufs neue, warum die Feiern, die unser Lc-hrhuus für die Gemeinde veranstaltet, weit über die württembcrgischen Grenzen hinaus gerühmt werden. Zwei Faktoren sind es doch, die diesen zentralen Veranstaltungen ihre besondere Nöte geben, die sie immer wieder für alle — Publikum und Mitwirkende — zu einem Erlebnis werden lassen: Die künstlerische Leistung und der Geineinschaftsgeist, der von der kollektiven Arbeit uuf die Massen ausstrahlt, dort alle weltanschaulichen und sonstigen Unterschiede vergessen macht und aus Teilen ein h u r m o n i s ch e s Ganze entstehen läßt. Diese erfreuliche Wirkung hüben wir schon bei der Chunukku-Feier vom Dezember 1933 erstmals feststellen dürfen. Und heute spenden wir nochmals mit der ganzen Gemeinde und den vielen, die aus dem Lande zu diesen Purim-Festtagen geeilt waren, besonders dankbare» Beifall. Denn diese schöne- Feier übte ja schon vorher ihre einigende: Kruft aus: C.\R.j.F.. Z.O.G.. die „llukouh". der F rauen verein-Frauenbund uncl die Jugendbünde — sie alle hatten sich einipiitig zusammengetun und mit dem Lc-hrhuus die- Gemeinde eingeluden. Das ist ein begrüßenswerter, außerordentlicher Fortschritt, un den man sich auch dann, wenn kein Purim ist. in allen Lagern erinnern sollte-. Wenn die Emblemeder ILj.F.-Sportgruppe uncl des Sportklubs ..llukouh" z. B. au diesen Abenden zusammen — d. li. mit Schnüren /usumengefiigt — im ..Festzug" getragen wurden, wenn alle weltanschauliche u Organisationen unserer Gemeinde als Träger der Veranstaltung auf dem Programm .standen, dann stellt diese symbolische Manifestation eine ernste, schvvcrvc iegende V e r p f I i ch t u n g dar. Denn wenn jüdische Einigke it nur in der beschwingten Frohlaune eines Purimfestes Wirklichkeit werden könnte, wenn hinter allem nur die Verständigungsbereitschaft für eine » l ag gestanden hatte nun. unsere Leser wissen, was wir sagen wollen . . . Aber seien wir zuversichtlich! Das deutsche Judentum durchlebt schwere Zeilen. Ein positiver Beitrag zu unserem Schicksal kann aber nur ans der Solidarität gegeben werde» und darum wollen wir uns immer an diese Purimtage erinnern, wollen alle dazu beitragen, daß aus diesen Stunden auch für die Zukunft die echte, jüdische Gemeinschaft erwächst, die in \erständnis- und Hilfsbereitschaft ihren sichtbarsten Ausdruck findet.— * Dieprogrammliche Ausführung der Feier hatte* die Stuttgarter Jüdische Kunstgemeinschaft übernommen. Direktor Kurl Adler hatte mit seinen Mitarbeitern eine riesige Arbeit zu bewältigen, uncl w ir'wissen von vielen, vielen Proben, die bis in die späte Nacht gingen. Aber es hat sich gelohnt — für alle! Zu Beginn des Abends ertönte die vom Singkreis quicklebendig gesungene Weise von II. L. Häßler „Nun fanget un ein guts Liedlein zu singen“ — der rechte Auftakt! Dann klungen die rhythmischen Puriiiilieder ..Cltag puritn" uncl ..Jom piirint" auf. uncl Karl Adler verstand es mit bekannter Meisterschaft, die vielen Hunderte zum Mitsingen zu bewegen. Schließlich forderte er die Hörer auf. den Takt der Lieder, die durch Schlagzeug und andere Instrumente besondere klangliche Reize erhielten, durch Händeklatschen zu markieren — uncl so kamen alt und jung unversehens in eine festesfrohe Purimstiinmung, die jeder in den schweren Alltag mituahm . .. Den Abschluß des 1. Teils der Vortragsfolge bildete der „Hoffnungsstrahlen“-Walzer für Orchester und Klavier von Lanner, den der Instrumentalkreis temperamentvoll spielte. Und nun. und nun — „Pu r i m in Sch w abylo n“. die große Purimrev ue, von der man sagen kann, daß sicein Brilluntfeuerwerk von Geist und M itz und — eine Symphonie der Farben war. Leopold Marx hatte eine die Purimgeschichte plastisch andeutende Rahmenhandlung geschrieben, die. durch viele glänzende Regieeinfälle uncl Lokalismen (die Autoren dürfen wir nicht verraten!) erweitert, das Publikum aufs beste unterhielt. Leider ist es nicht möglich, die vielen Einzelheiten dieser schönen Gemeinschaftsleistung w iederzugeben — der Berichterstatter wüßte nämlich nicht, wo er anfangen sollte. Aber sicher ist.- daß hier etwas ganz Außerordentliches geboten wurde, daß Ernst uncl Scherz in der richtigen Mischung die Stunde beherrschten, daß Auge und Ohr voll aut ihre Rechnung kamen. Ganz vorzüglich die „lokalen“ Einlagen, bei denen mancher von der „Gemeinde- Prominenz" etwas „abgekriegt" hat (nebenbei: auch im Lichtbild) — aber es konnte ja keiner „beleidigt" sein! Denn alles wurde mit einem so liebenswürdigen Purimhumor geboten, daß auch die „Angepflaumten“ mitlachen müßten — selbst unser „Oberrätliches Vorsteheramt". Im übrigen: Die Yersemacher müssen vorzügliche „Internisten" des Gemeindelebens sein — denn sie haben aber auch alles gemerkt! Vielen Dank auch für die freundliche Empfehlung des „persischen Gemeindeblatts"! — Ida Ein re, die das Stück umsichtig einstudiert hatte, sprach den stimmungsvollen \orspruch. Dann sangen Hede Schack und Dr. S. Gideon (nein, so etwas!!) die „Moritat von der ungehorsamen Königin Yasthi“. Um die weiteren Rollen machten sich Dr. Willy Schwarz (Ahasveros), Ernst Po t o k (Human). Trude Einstein (seine Frau Schcresch), Ida H e n 1 e - M e s s i n g (Hamans Schwiegermutter), Leo Adler (Frauenhaus-Verwalter), Siegfried Tanne (Mordediai). Elisabeth Sondheimer (Esther), Kurt Süßk i n d (Kämmerer). Fritz Sommerfeld (Staatsschreiber), Erna E'euerlicht (Negerdiener) sowie Arno F i s ch m a n n uncl Rolf R e i I i n g e r (Gus- Paul Kleinmann HANDELSGÄRTNEREI / BLUMENHAUS am Draiack DEKORATIONEN tür Teieghon Nr. 6i036 Hochzeiten, Trauerfalle, Vereinsfest|ichkeiten usw WasdianslalfC.flflller Forststraße 59 z Fernsprecher 62090 Abholung und Zustellung jederzeit kostenlos Sie können Zusehen, wie Ihre Wäsche gewaschen wird WasserweRen , Ondulation Handand Fußpflege / Parfümerien TC.WoMiaetA Scheck-Verkehr - Konto-Korrent-Verkehr Anii. Verkauf ran Wertpapieren Bankmäßige Geschäfte aller Art Bankhaus Kiefe&Co. Stuttgart. gegründet 1M3 Karpfen,Forellen, Aale Rheinsalm, Seexnngen, Heilbutten Truthähnen, Hahnen, Poularden, Tauben Lebende »»«Gänse und Enten Alle Sorten Gemüse-Konserven KARL KRAUTH PrIadrichsbaM, Telef. 20241/42 u. Bad Cannstatt, Bahnhofstr. 8 KAUFT bei unseren Inserenten I Mia Backwaran MgUdi Irisch, elg. 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