Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- XI (1934-1935)
- Issue
- 22 (16.2.1935)
- Date
- 1935-02-16
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Deutschland voll verwachsen fühle. Diese Einstellung 1 eeinträihtiffe aber nicht ihre Sympathie für die I amerudru die ihre Zukunft iR Palästina sehen, c essen Bedeutung für da- Judentum auch bei der c eutsih-jüdi«(hen Jugend hoch gewertet werde-. (,an/. It,-rc>>rragc-ncl waren die Ausführungen des > weiten- Bundesleiter'. Günther Friedliinder fiBerlm;. Ein mui wirklicher Begi-Jsterung für seine teilteerfülltet] junger Mensch sprach in leidenschaftlicher. ,d»'i dt-ch streng '«üblicher: V\ eise /u den jresp.inht lau-eheiiclen Hörern. Fr galt zu. daß die Bünde ii, ihren Inf-ings-tadic-ii eine Proie-iltexegung gegen < le ältere! - ii> ->ti-»t gewesen seien - heilte ei» Itt-rw undeiier Standpunkt! Der Bund ziele auf ein echtes gc-undes heben ab. er wolle 'eine Jugend zu Iuchtign M'"is<l)en erziehen. Diese fühlten sich als )■ iitsdu und ab \olijuden und hätten lange einig dir jüdisches Gefühl bezweifeln lasse n müssen, hdi-chc s f eben könne überall, wo Juden sind, gebt wrden. Die e rste und nolw endigst,- Aufgabe jer F imilie s,-i der Jugend, dienot dem Schritt aus jet Romantik die \ erantw ortunci für die Zukunft iberiiommen habe, zu helfen Beide' Redner ernteten cyrillischen Beifall. Das Programm lies \o, ud» brachte höchst an prechende. mit l.iebe ma - ife-1 elurchgeführte Darietungem Tänze- T - °ie , o I cf s ch m i d I. I. i I o f, roß). ein Singsp.-! einer Madefspruppe (Leitung: p - ■ r a Sander V .i»i k»l üike 11 |i n n i M e i in e r s- I e i m er. Ge:: \V eil*. I tt cl vj i g Stettine re C.eclichte l|-' r i i k .1 h n1 und Surechchor (Leitung: Hans t)pp leim er-. Spiel und ..l.ied der iliimineln“ itmu Bettina siand e rl Den Abschluß >h-s - t.!,:!s „Nbesnehten Abends bildeten di,' festliche kt -inzweier \\irti|>clri u»id das Bund, slied Vn»iF.!: eid liankte I >r. Markus Maier im käme: d, fiii die ~<> lündrinkscolle Vcrui't., Joachim Prinz in Stuttgart. Fine Veranstaltung der Zionistischen Ortsgruppe im Siegle-Ilaus. \ or einer vielbumlertkopfigen Zuhörerschaft sprath Rabbiner Dr. Joachim P r i n zi iBerlini am ".Februar über (bis Thema . D e r J n d e i n d e r n e u e n W.e I t p e ' t - I t ii n l I! e dt e n ' ch a f t u n d N t* 11 f ci r m u n u. I nd w iiderniii fessi-ltc* Joachim Prinz, der mit diesem Vortrag zuhi dritten Mal seine Ideen cor der Stuttgarter jiidisjhen Oeffentlichkeit entwickelte, den Horerkreibi' ‘/um letzten Wort. Prinz ist ja. w wir lx-i anderes Gelepenbeit schon einmal ansfiihiten. kein ..Rednc-t" im pewiilnilichen Sinnedes W r rtc-s. Seine Beden sind immer gewaltige Aufrufe, die auch den letzten im Saale verspüren!lassen dal* hinter dem gesprochenen Wort e in Mensch steht, der un einer leideti'diyfljliehen Bepei'tc-rmip für seine >a-l>,- getrieben wird, tfem jeder „Vortrag" ganz von -elb'I zu e iner stetigen^schöpfc-rischen Nenformnng scir-w Gedankenwelt wird. Filier solchen, von seeli*thei. und geistigen Fnergien gleichermaßen gc-trageneii Dialektik kann man sich um so we niger entziehen, ab man die totale Beziehung des Redner« /in Aidi'chen Welt in allen ihren Kr'dieiniitipsformen spii.rt. I * i < ' >- r Joachim Prinz i't nicht mehr der ..glänzend, Redner" aus der Zeit der e rsten entscheidenden Wende unseres jüdischen Geschicks auf deutscher freie es i't der jüdische Politiker vielmehr. der die unerhörten Sehwücripkeiten lind dir aus dem menschlichen Beharrung'* ermöpen 'ich /wanpsliiiifig ergebendem llemntiinpen jeder großen Neugestaltung wesenh.ift cerspürt bat und so erst re'cht weih daß ein großes Ziel nnr unter schweren - 190 - Opfern und vielen Enttäuschungen erkämpft werden kann. So ist. wie uns scheint, aus dem „Agitator“ Joachim Prinz ein reiferer Kämpfer geworden, und dieser Entwicklungsprozeß hat seine seelische Mitteil unps- und Einsatzbereitschaft von innen heraus gestärkt, weil sic die dynamischen Kräfte gleichzeitig zur Verdoppelung zwang. Die Ausführungen von Joachim Prinz von der ganzen Weite seiner Weltiind Menschbetrachtung her gesehen, haben mit einem zionistischen ..Parteiprogramm“ nur noch mittelbare \erbindung: Wenn der junge Mensch, in Deutschland wenigstens, in seiner zionistischen Frühzeit in Palästina nur eine ferne Ltopie - ein Land, irgendwo in Asien sah und nur an das Aufrufmüßige hinter der Ltopie glaubte, so ist heute, da das ..Basler Programm“ vor der blutvollen Wirklichkeit Erez Israels zur Formel geworden ist. die große Weltstände jüdischer Realität — Glück und Abgrund zugleich — angebrochen. Aus der ungeheuren Sache des Traums von einst wuchsen Prüfung und Erprobung an der Wirklichkeit von jetzt Uno dieses „Heute“ zwingt, wie Joachim Prinz mit pakkc-nden W orten betonte, unausweichlich, zu einer Betrachtung der Judendinge int Zusammenhang mit dem Weltgeschehen, zw ingt gebieterisch zu neuer, konstruktiver Leberlegung an Stelle humanitärer Erwägung, die immer doch nur Teillösung sein kann, wenn sie überhaupt als Lösung bezeichnet werden darf. Wie die politische und die ideologische Neugestaltung der jetzigen Welt-aus dem auf allen Gebieten menschlichen Seins gebundenen Mittelalter lierausw uchs. w je sich. VON der Renaissance ausgehend. das Individuum aus der „Bindung“ herausc-ntwickrlte und in das Zeitalter demokratischer „Lösung“ hineinw uchs. wie jetzt aber in der ganzen Welt die nationale Idee ihren Siegeszug angetic-tc-n und eine neue F!poehe gebundener Politik und Kultur ausgolöst hat — das schilderte Joachim Prinz in ganz großartiger Weise. Von hier aus forderte er auch die Leberprüfung der schweren Frage, wie sich das jüdische Volk in diese neue Welt etnzugliedern habe. Die jüdische Neuformung muß. so forderte Prinz, ihren Ausgang von der Feststellung ne hmen, daß in einem Zeitalter totaler Bindung in allen Lehensbezirke n mit den Kräften der früheren, i n d i v i d u 11 e n Epoche nichts inehr zu erreichen i't. Wenn auch unsere Emanzipation von einst ein Weg der ehrlichen Ueberzeugung und keineswegs com Selbstbetrug genährt war. so ist es Jetzt doch au der Zeit, nicht hinter der Weltgeschichte herzu tappen, sondern das Judentum in der ganzen Welt unter einheitlichen konstruktiven Gesichtspunkten zu betrachten, die Illusionen fahren zu lassen und zu erkennen, daß die Lösung der Judenfrage in einer vollkommen geänderten Zeit auch andere Mittel erfordert. Diese Lösung ist nur durch uns selbst möglich, jedes Sich verlassen auf andere ist Illussion. Zn der psychologischen Lösung gehört in erster Linie die Erziehung eines aufrechten, auf seine eigene Art stolzen jungen jüdischen Menschen: zur materiellen Lösung i't unter vielem anderen eine einheitlichejüdische Brrufspolitik notwendig. Auch das Judentum außerhalb Palästinas wird weiter bestellen — ein hartes Leben liegt vor ihm. Aber .Wohlbehagen" ist kein Ersatz für Leben! Und gerade deshalb ist die Jüdische Renaissance in der Galnth so notwendig, jene auf eine Disziplin!-«- r n n g des j ü d i s ch e n Gewissens gerichtete grundlegende Neuformung, die auch den klaren Blick für die Gegebenheiten der Welt umschließt. Man muß das Leben verachten können, so schloß Prinz, weil es wieder unter einer Aufgabe steht — wie jene jüdischen f remden, die ihr Leben gaben, um die Judengciuc'inde von Worms cor Jahrhunderten zu retten, wie jene jüdischen Pioniere, die den Verdacht der Spionage freiwillig auf sich nahmen und den OpfertcKl starben, damit im Weltkrieg die Kolonie Petaeh Tikwah nicht von den Truppen Kemal Paschas verwüstet wurde. — Als im Anschluß an den mit stürmischem Beifall bedankten Vortrag die „Tedtesakna“ — das Lied der i'üdischen Arbeiterschaft Erez Israels — von der ugend gesungen wurde und die Anwesenden sich spontan von den Sitzen erhoben, verspürte wohl jeder etwas von dem Beginn einer jüdischen seelischen Neuformung in einer geänderten Welt. — Wir erwähnen noch, daß der Vorsitzende der ZOG.. Rechtsanwalt Dr. Paul Tänzer, die Versammlung begrüßte, und daß die Jugend zwei hebräische Chöre init instrumentaler Begleitung zu eindrucksvollem Vortrag brachte. Ein Abend bei Dela Lipinskaja. Zur Sonderveranstaltung der Knnstgemeinsdiaft. Nun wurde also auch uns Stuttgartern das Erlebnis der Lipinskaja. . . . Und wie überall, so wurde diese charmante Künstlerin auch bei ihrem Abend vom 6. Februar stürmisch gefeiert. Der Große Saal des Bürgermuseums war bis auf das letzte Plätzchen besetzt — und viele fanden keinen Einlaß mehr. Doch es ist zu hoffen, daß Dela Lipinskaja bald wieder nach Stuttgart kommt. Auch daun wird es wieder ein ausverkauftes Haus geben, denn die Ovationen, die der großen Russin bereitet wurden, lassen darauf schließen, daß die Möglichkeit, die Lipinskaja wieder zu sehen und zu hören, auch von vielen nochmals wahrgenommen wird, die sie für zwei allzu kurze Stunden bezauberte. Man würde es jedenfalls der Stuttgarter Jüdischen Kunstgemeinschaft zu danken wissen, wenn sie ein zweites Gastspiel ermöglichen könnte. — Allein, so leicht scheint das nicht zu sein. Wer die jüdischen Zeitungen liest, weiß, daß man sich überall um die Lipinskaja „reißt“ — und die Welt ist ja so groß. Die „Dela“ ist doch eine internationale Berühmtheit! Wer sie sah und hörte begreift dies. Sie ist eine liebenswürdige Frau, die in allen Erdteilen zuhause ist. Und überall, wo Menschen leben, leben mit ihnen die kleinen und großen Leidenschaften und Schwächen — deren künstlerische Interpretin Dela ITpinskaja in unbestritten großartiger Weise ist. Chanson. Volkslied und Groteske — alles wird von ihr in genialer Urwüchsigkeit bezaubernd gestaltet. Wenn die „Dela“ n i dt t singt oder spricht, dann strömt die ganze Hintergründigkeit der Situation aus einer leichten, primitiven Geste — ein Augenzwinkern, ein kleines schalkhaftiges Neigen des rotbeschopften Kopfes, ein graziler Tanzschritt — und mit der knappen, andeutenden Bewegung wird alles, alles gesagt. Vieles begleitet sie selbst. Wenn ihr aber der vorzügliche Pianist Walter Lajtai-Lazarus assistiert, der sich auch int Vortrag moderner Klavierkompositionen vielen verdienten Beifall erspielte, dann mögen sich in der manuellen Losgelöstheit Ausdrucksfähigkeit und Cha rukterisierungskunst gar noch steigern. Ganz großartig hier ihre jiddischen Lieder — eine Klasse für sich das Lied vom „Chusenle“ (gleichzeitig eine kulturhistorisch sehr interessante Transkription des niederdeutschen „Ach Moder, ich will en Ding hab’n“ ins Jiddische — und die russischen Volkslieder, deren natürliche Gewadisenheit am meisten zu spüren war. Und nicht zuletzt die Jackie Coogan-Parodie — man hatte den kleinen, großen Film-Mann ja schon ganz vergessen — mit der skeptischen Zwischen-den-Zeileu- Erkenntnis „Nix weiß ich!“ Wir aber wissen jetzt etwas: Dela Lipinskaja ist eine ganz große. Vertreterin beschwingter Kleinkunst! Wirtschaftsboratung Finanzierung» Sanierung. Vergleiche BudifQhrg.,Kevisionen,SteuerSeratg. 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Freitagabend 5.15 Uhr Sabbatbmorgen 9.00 Uhr Sabbatbnachmittag 3X0 Uhr Sabbatbausgang 6.15 Uhr Sonntagfrüb 7.45 Uhr an den Wochentagen : morgens 7X0 Uhr abends 6X0 Uhr