Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- XI (1934-1935)
- Issue
- 18 (16.12.1934)
- Date
- 1934-12-16
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GALERIE VALENTIEN komssbau | Kunst und Kunetgeweebe tiescbe^ke für den kuitiviertenGesctimack Ausstellung: Aeitere s?hwat>iscne Malerei ' Brrlin. iilirr da« I fcrma \.l) <* u t « ch - uiii'. «u «• (. iu r ii \\ «i r t d«' it r - ch - j ii d i > ch «• ii k ii n f i“ iilirr. \lfrrd I Iii «(hhcjrjr. < t«* r aU I. S\nkn« d« « 5 . ii im f al« I laupi«chrjftlc*il«*r d<*r ( . 11 ii ii u jnlrm «h Ml«ehcn Jmlrn he Xa n M i«t. entw.ii-f , f", in \*»llrnd< tun A risfiihniii^rii rin Bild \<mi d«r SfiMtii»ii dr« de ,H«the n Judentum« > ikI In ii I(!( Ißilnlt (I n*riVn k «Xhim .im« H'irt^ik-; r.iut•/( S livirrt I » (.kt n \ «!. l M. *r i»rirr Bniiirr i«t r nicht viniii.i! Kein k.inn. ( Ii«»n darf der «ich nitJ;i n « ü«-n w ie d r ( \ i r \ ie l Hin .. ' M! \Veu( auf. die r« ,ui> der drut«(h-jiidi i« /ii. j:elien ii.it. Walirend friiliet. «o nrr iinsrefahr au«, die Zukunft «ich r jrr idlini^ rr«thlnlX /w inirt da« Heute ki,,-!er^id»e heran«; /ur eigenen IV r- 1 in iiu. I ud ueim Itiiftrr allein auch ein e r; «teilen nu^. «n inii««fii wir in un« und k:mit-rit Hol/ allem «$n ..Br n ii odi!“!!.' h «siiemeu .1'!u<Xl'» eue" erimui. » lr > ui die . I' l u d> 1 a u «(der (, e in e i ti - e« «ihr keine XiifiiuBe.rdie auf einen ein- «iheii \ i-? züchten k.'imk, el»en«n ankampp .i'ii dir ..I I ii di t a ii;« d e in B a ii m" mt»* ieil W i.l«t«ian r«. d'^liu der ärmlich«!«’ di m «« . B: >r! :ll^te«t« Aii n di »nf/ ' II r daran al« der drauHen. ii der *Mii(ter«pradle er- »ndere die allere (»dneu « der /ei lin der i::r«hl finde! c hrti«owruijr rrn di i a ii « «I er ir.is e ii d e n ii e r a I i «» n e j»’\ I )enn jrrradc* eigenen \ er^anjrenheit i«t die u de« deni«di(*n Judentum« S» ■ Viif^aln v. a^. un« in der Welt i. \ ir. t * nit« n. ::i«er Jinh ritum zu j. wmit jiidi««hei I!sr< d nach «*iner f »ch r \ »• r«mh einer x n n f Ii < Bewahren und /u \ereirtharrn der i reiheil jet/t « e /ii machen. . . die u: tlan«di. ulidie Ijnfieii der let/fen .v i;1111 .]nrdt einen ATiah'ihnif I der Bindung al»- ■ w n i de. \ tj« d« m petiff rieten («hello \ oll/t»^ «iiii i .ii. «er /eit pan/ nai arlidi diti \ t rltindnnp: mit -ii und Idee end ««. wurde da« heutige Judenda« aa.il die piolh* W emif ul>er«tand. Die Miaii/ipal:*»n kam .:!« \n«diuik, def Staat«rni«on nei er«t n ti; inneren i i Ii«duvii Bechtfrrp; t>r. und der W rr\i«.Iikeit«»* h.dt der Ide«* /eijne > ii l‘M4 in sollen I idite. W ahr> nd alter die ideo- »pi«di. n « i n!!a-« n un«erer hiiip*rlidien I \i«ten/ am. r l*ii: .dp. r werden, waren wir nedi immer .rti**ier f«, r dien liBeralen Ideen l»i« der .int«-: ii.tr t "«» . if d .nii «eine <.. «, N/p;el»nnp »len \u«- d i.h «»aal. ':i «o hahen wir. «lesen \nfpral>e leidit w. - - - ii ..nn>e«d:i'.iitli.h"'«Be /eit überdauern .!t* ii. w i i . r /i: aru‘*u4t. w ie -sie (»e«et/luhkeiten •dt : I ii: >/i; rfi«ai auf« neue entwickelt werden }'W , •.« oeMnte I )i. Ilit^dihe.rp. die «t»/io- »u»«th.‘ -d ... r d. nt«(4ien Juden nieder liheaU e: l * - ii *■*».e itet u der .ili« n I man/ipatii'ii ul. . «.- «t i die ’Ber ii f«n m«. Ii ich tu np \orl>eni- :■! ... i .i. iddieredit t nnp. Dnnü eine •••i.:!' I». :t«- m i uiip ir:!i"i i.wir wenn amli ■ n * V ‘t i>« n.an PI«;t/ erringen wir ii—!. .1« in - lej Wertigkeit einer fm- - 154 — wertem? der verpangenen zweihundert Jahre deutsdijüdischen Seins Widerstand leisten. So schaffen wir die neue Kmanzipation, bevor die rechtliche verkündest wird. Jetzt sind wir ja als Kundige in der W e lt, und wollen nicht, daß sich ein Judentum neben der /eit entwickelt. Gegen moralische Herabsetzung gesichert in der Besinnung auf die Quellen unseres jüdischen Setfis. wollen wir getreu der historischen Aufgabe' des deutschen Judentums uns nicht durch Palästina \on der W elt zu rückziehen, sondern uns für «eine stete» Neuentwicklung und Neuprägung einset/en. Verrat an der deutsch-jüdischen Idee wäre e« abe r, zu glauben, hierzu müsse' man allein seine Substanz behaupten. In Wirklichkeit kann aber keiner einer au«wandernden Jugend einen Vorwurf machen, wenn er nicht selbst die ökonomische Sicherung dieser Jugend bis zum letzten versucht hat. Mit jeder Kin/elexistrnz, mag sie noch so klein sein, tragen wir die Steine für die neue Kmanzipation zusammen gleichgültig, ob w i r sie erleben oder nicht. Nötig ist aber auch das rechte Verständnis der J u ge n d für die Notwendigkeit der Bcnifstimschichtung ..Wenn alle. Frontkämpfer. ('.-V. und Jugend, aus solchem W dien und solcher Gläubigkeit heraus arbe iten, dann“, so schloß der Redner unter stürmischem Beifall. ..weiß ich nicht, was stärker wäre' als unser Will«', deutsches Judentum in Deutschland zu «ein.“ Nach einem weiteren künstlerischen Vortrag des Streichquartetts schloß Dr. Sichel mit einem warmen Dankeswort die' Kundgebung, die eine machtvolle Manifestation de utsch-jüdischen Zukunftswillens war. Auch au« Klm. wo Dr. Hirsch berg am 2V November. und aus Göppingen, wo er am 26. November über das gleiche Thema sprach, wird uns über den tiefen Kindnick be richtet, den seine Ausführungen auf die Hörerschaft machten, hi den uns vorliegenden Berichten wird insbesondere' der Mahnruf unterstrichen. den er an die jüdischen Arbeitgeber im Hinblick auf ihre Verantwortung für die jüdischen Arbc'it«liwen richtete. _ _ Chanukka-Feiern in Stadt und Land. I nicr aulIiTorcli'iitlHli jrroHer Hctciljfruiip l>rpintr »liiii in Sunlt mul Land diesmal das Chanukkufest. l eberall dokumentierte .idi - über den ueltansrüaulidien Rahmen der \eran-taltenden Organisationen hinaie. die starke, jremeinsdtaftsbildende Kraft die.es uinterliiben \\ eiliefesti-s. das auch heuer wieder bi. in. die einzelne Familie hinein wirkte und heim (dan/e der l.iditer die Herzen höher sddafren lieH. Den Heitren der grollen Verunstaltungen in -Stuttgart eröffnet!1 am" t: Dezember die S p o r t g r n p n e de» Reilh.blind, jüdischer Frontsoldaten, deren Mitglieder lind Freunde aus „all und fern sich in aIIIlerordentlich greller Zahl in den -Sälen des Oberen . Mii'cmms eingc fnnden hatten. Kin netter Beweis für die Zugkraft der R.j.F.-\eranstaltungen! Alles war gespannt auf da» Programm des Geselligen Abends — und die Frwarttinge» wurden nicht enttäuscht. Der X or»itzrnde der R".j.F.-Ortsgrup|>e. Rechtsanwalt \ I b e r t M .1 i ii z e r . entbot den Anwesenden ein herzliche» Willkommen und erinnerte in seiner An- Wanderer, wohin? \u» einem noch iin\erüffrnriiihten Roman nianuskript de» Frankierter Dichters A I - I ril \ il e r Ii n ch . der »ich anläßlich der t lianukka-Feier des IVrthold Auerbaih- \ereins wiederum als feinfühliger Dichter und Rezitator hewie». bringen wir mit freundlicher Genehmiguhg des Autor, das erste- Kapitel de» in Stuttgart spielenden Roman» zum Xorahdruek. Die Shriftleitung. w!■;el ' ' e : I.t. ei I >ro wiitklich nicht, e» w-ir kc i . - r Wille. I i »tand am lfen»tcr und »(haute .lllt el. i ■ I Ile \I. :i» to n der mittleren Stlidt gingen gemiichjlichen I f .tt. »ie kannten ke ine F(le. Fine Pferdebahn ti jipelte (Ilirch die wenig belebte stralle. die Leute* jin i bteii näht »iel (»ebrancb \oti ihr. nur die* \or-;»lädier »tiegen mit Körben hinein und ließen »ich!Man Kii!»ch -r umständlich helfen. Niemand »(halt, wenn die Pnu»e etwas lang war. Ibis der »(blätternde Wagen »ich wieder in Gang »etz|n-. Die Sprache war i schwer, wie die Rewegang der: Leute. e> sah alles j friedlich und behäbig au» Der Knabe hatte ein Wort gj'bört. das ihm \on; einem Spielkamerad zuge-worfert worden war. Yiel- [ leicht hatte der e» gar nicht so’böse gemeint, aber da» Wort ..Du J u d“ traf den Jhngen wie ein Hami nn-rschlag. Fr »tand betäubt iiikI rührte »ich nicht. iFr hatte »ich ans dem Spiel entfernt, und die Kameraden sahen ihm c - rw ändert nach. . I>er »chpinnt."; Die Buben lachten und setzten ihr Spiel fort. Paul stand tanh und stumm oben am Fenster und starrte \or sich hin Der Ton de» Wortes fraß sich in ihn hinein. Fr rill an dem kleinen Bau den er sich in der Stille in »einem Knahensinn errichtet hatte und in dem Gutgläubigkeit wohnte. . Pani!" Paul!" Der Knabe »ah auf die Straße und nahm die Bilder wahr, die sich gemächlich formten und lösten Frau Bechnungsrat trat in das Kolonialwarengeschäft ein. Die Glodce himmelte lind schwang eine Weile, bis sie zum Phlegma zu rüdeerstarrte. Die gutmütige Kauf inannsfran ließ warten, bis sic» sich zur Frage an- »ehicktc. w.i» gefällig sei. Sie lachte immerzu lind gab Paul wenn er kam. stets ein gutes Wort und ein paar Guct»lc. Der »teife Herr Ingenieur Bleile. der gegenüber wohnte und stet» den Zvlinder auf dein langen Kopf trug, »all herüber und war verwundert, daß der sonst »o zutrauliche Knabe nicht grüßte. Paul Ijatte ihn immer komisch gefunden und sich gefreut, wenn er den langen, feierlichen Sonderling dahcrstel/en sah. Paul grüßte nicht und lachte nicht im Innern. Da» Bild des Leben» hatte »ich durch ein einziges Wort verändert. Wie. wenn ein Strich durch eine kleine, feine, klare Zeichnung, die mit Liehe entworfen i»t. kratzte, war des Knaben Schau verwundet. ..Paul!" Paul!" Paul!" Jetzt aber — — Paule!” Die Mutter, der Bruder, die Schwester riefen. Ls war ja nichts geschehen. Kin Junge hatte ein Wort gesagt, er hatte es lachend gesagt-was war denn das? hin Wort ist nichts, und hin Wort ist ein Hebel, der ein Weltbild aus den Fugen hebt, wenn es in eine feine Träumerseele hineingebaut ist. Türen gingen. Paul stand irti kalten Zimmer und »uh auf die Straße. ..-Paul!" ..Paul"!“ Fr gab keine Antwort. Der kleine Otto rannte herbei. ..Paule, wo bischt? Worum bischt drvoglaufe?“ Paul zog sich hinter die Vorhänge zurück. Der junge gute Freund rannte die Treppen hinauf. Paul hatte das Gefühl, er müsse sich unsichtbar machen. Fr zog sich in sich zusammen. Jetzt durfte er nicht zu erreichen sein. Kr rannte durch die Glastüre und eilte treppaufwärts auf die „Bühne“, wie man in der Stadt, wo er geboren war, den Speicher nannte. Kr öffnete eine Mansarde und sah dort zum winzigen Fenster hinaus auf die Stadt, die sich friedlich und wohlig bis zu den Bergen streckte. Aus der nahen Schmiede klang Gehämmer. Wagen rollten knarrend über das holprige Pflaster. Kinderschreie klangen herauf. Die Straßen ordneten sich gutwillig und tappten die Bergwände empor, die Stiftskirche lugte aus dem Mittelpunkt der gemütlichen Stadt, Schloß und Anlagen hoben sich gegen Osten ab. Alleen und die Linien des Parks wiesen nach dem Fhißtal. es war alles geordnet und säuberlich. Die Glocken schwangen über dem Bild, Paul hatte immer starkes Heimatgefühl und empfand das Werk der Stattgart. Wir bitten unsere geschätzten Leser hierdurch nochmals dringend, daran zn denken, daß während der nächsten Tage der Postbote die Abonnementsgebühr für das erste Quartal 1939 (Januar—März) in der Höhe von RM. 1.25 kassieren wird. Sorgen Sie also dafür, daß der obige Betrag prompt bezahlt wird, damit die Zustellung der „Gemeindezeitung" keine Unterbrechung erleidet. Wenn Sie abwesend sein werden, dann beauftragen Sie bitte eine geeignete Person mit der Zahlung an den Postboten. Sie ersparen uns hierdurch viel zeitraubende Arbeit und sichern sich stets pünktliche Zustellung der „Gemeindezeitnng“. Der Verlag. spräche an die Helden der Mnkkabäer-Zeit. die einst Glauben und Vaterland mit tapferstem Opfermut verteidigt hatten und deren Geist mahne, nicht kampflos aufziigeheii. was einein wert und heilig sei. Der Redner dankte dann allen, die sich um das Zustandekommen der Veranstaltung gemüht, betonte, daß man durch diesen Abend insbesondere der Jugend. die auf so vieles verzichten müsse, eine kleine Freude bereiten wollte und gab dann einen L'cber- Idick über die sportlichen Krfolge des Jahres, wobei er gleichzeitig unter lebhaftem Beifall den leitenden Persönlichkeiten der Sportbewegung im R.j.F. und den erfolgreichen Sportlern namentlich dankte. 1L-A. Mainzer schloß mit dem Wunsche auf eine weitere gedeihliche Zusammenarbeit zum Wohle des Ganzen. Nun begann das Programm: Franz Ballin. der die Vortragsfolge humorvoll konferierte, stellte sich als Ansager vor und kündigte Karl Haas an. der. von Kapellmeister Max Brauer begleitet, sich als ein Meister des Xylophons und Vibraphons bewies.— (har.lotte M a s s e n b u r g sang, vollendet wie immer, mit eigener Begleitung schwermütige Lieder in ungarischer Sprache*, und We rner Kn h n brachte mit seinen Zauberkunststücken, hei denen ihm F I o - rette Levv assistierte, aus dem Staunen und Lachen gleichermaßen nicht heraus. — Ruth Lev v zeigte drei fabelhafte Tanzschöpfiingen (C'sardaz, Kaukasischer Tanz. Akrobatischer Tango), tänzerische Spitzenleistungen voll graziler Anmut und seelischer Beschw ingtheit. — Und Li sei Victor (Heilbronn) schließlich riß mit ihren ungemein ansprechend und tc‘ni|K-ramentvoll vorgetragenen lokalen Parodien auf den Sportbertieb im R.j.F. das Publikum zu Beifallsstürmen hin. in die ihr Vater. Hermann Wolf, als Dichter und Begleiter dieser lustigen Vereins- Intimitäten verdientermaßen einbezogen wurde. — Jede einzelne Nummer dieses kultivierten L’nterhaltungsprogralmns wurde stürmisch applaudiert. Ks war ein voller Frfolg wie der ganze Abend überhaupt. dessen zweitem Teil — dem Tanz — ebenso /(■gesprochen wurde wie der überaus reichhaltigen Gahenverlosung. * Auch hei der Makkabücr-Fcier des Sportklubs ..llakoah“ war der Große Saal des Oberen Museums bis auf das letzte Plätzchen besetzt. Die ..IIukoali" hatte ein großes Programm mit durchweg jiidi»cher Note vorbereitet, das sich schnell auf der von Kunstmaler Ignaz Kaufmann hervorragend gestalteten Bühne abrollte. Ueberlebensgroße stilisierte Makkahi-Sportgestalten schmückten den Biilinenraiini. und der blau-weiße Makkahi-Schild kiin- I.andschaft und der Menschenhände als ein Wunder. Fin Bill lief jetzt durch das Gebilde. Langsam kam eine Träne über das Antlitz des Knaben. Der Himmel wölbte sich gleichgültig über das geschändete Panorama. Seine Ruhe störte nichts. L'nd doch mußte da Gott irgendwo wohnen. Ob er das Wort wohl vernommen hatte? -1 Rauchfahnen wehten über die Dächer. Der Mittag lud /um Fssen. Die Bläser auf dem Kirchturm stimmten ihre Weise an uöd gingen von einer Richtung zur andern, um zu blasen, vom Schloßplatz kamen Slilitärmusiktöne und schmetterten zwischen den feierlichen Choral. Die Kinheit war gestört und Paul sinnierte über das wunderliche Gemisch. Kr stützte die Hand auf das Gesims und träumte vor sich hin. Nie zuvor wäre ihm das wunderliche Klingen und Gegenklingen aufgefallcn. Wenn ihn drunten, wo das Auge nur Ruhe aufnahm, die aufgescheuchte Stimmung gepeinigt hatte, hier oben beruhigte ihn der Widerstreit der Klänge, er wußte nicht warum- ..Paul.“ „Paule.“ „Paul.” Die Rufe kamen angstvoll von unten. ■ Die Töne vom Kirchturm schwiegen und die Musik vom Schloßplatz kam in Fetzen herauf zu dem Dachfenster. lustige Tänze, Wehmut antwortete in dem Kinderherzen, ein Schrei stieg zu den Lippen. Hinter Paul stapften Schritte, er hörte sie nicht, er beugte sich aus dem kleinen Fenster. Dort unten zogen seine Kameraden heim und plauderten, vielleicht über ihn und seine Seltsamkeiten. Das Wort schnitt wieder in sein Inneres. — Kr beugte sich über das Gesims —- Fine feste Faust griff nach ihm. sein Bruder zog ihn weg. Hinter ihm standen vier Menschen. Otto hatte ihn am Fenster gesehen und den Weg seiner Flucht erraten. Der gute Kleine war käsweiß. „Paul, was hascht denn, bischt denn verrückt?“ Der Knabe schwieg, die Schwester nahm ihn bei der Hand, der Kamerad schüttelte den Kopf und sah ihn an. Jetzt mußte er das Geheimnis erraten haben, er griff nach der anderen Hand des Jungen und hielt sie fest in der seinen. Unten im Wohnzimmer dampfte die Suppe, die Mutter schalt: ..Schrecklich ist der Bub.“ Paul nahm ein paar Löffel, weil der Vater mit guten, beunruhigten Augen zu ihm her sah. Paul sagte niemand, was ihm widerfahren war. —