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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1934-12-01 · 17 (1.12.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
XI (1934-1935)
Issue
17 (1.12.1934)
Date
1934-12-01
Page
[Seite] (sequence 3)
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— 141 - Das Wunder des Uchtes. Von Hans Sternheim. Und wieder werden, wenn der Sabboth von morgen uns verlassen haben wird, wenn der Blick in eine neue Woche mit allen ihren kleinen und großen Mühsalen fällt. .. wieder werden die Chanukkalichter brennen. — So glimmen sie schon seit langer, langer Zeit, die freundlichen Sendlinge jüdischen Brauchtums und Gesetzes. Oie kleinen Flammen strahlten den Brüdern ins Dunkel mittelalterlichen Schicksals, sie flammten in den Ghettis der großen östfidien Städte und in den schmalen Judengassen des Westens — jahrhundertelang immer Symbol für das Wunder, „das Gott getan unseren Vätern in früheren Tagen zu eben dieser Zeit". Große dunkle Judenaugen, in denen das Leid der Rastlosigkeit, die Bitternis um das ewig aufs neue zu erkämpfende bißchen Geborgensein sich paarten mit dem Hoffnungsschimmer einer besseren Zukunft — Kinder- und Eltemaugen suchten im gemeinsamen Schicksalserlebnis die Chanukkaleuchten der Verheißung, und auch in die armseligste Stube zog in dieser Stunde der Geist Gottes ein und hob irgendwie seine Kinder über die Kümmernisse der Erdenwanderung hinaus. Leise zitterten die kleinen Lichter im Atem der Makkabäer, die in diesen Nächten sich aus ihren Heldengrüften erhoben, das Schwert noch an der Seite und die Flammen heiligen Streites um jüdische Art und jüdisches Bekenntnis noch im Blick. Im Gleichmaß heldischen Schreitens zogen sie aus dem Lande der Väter hinein in die große werdende Welt, und wo ein Lichtlein eine jüdische Stätte kündete, da schritten die Söhne des Priesters Mathatias über die Schwelle, hin zu ihren Brüdern und Schwestern, denen die Jahrhunderte schmerzlicher Heimatsuche Herzen und Arme schwach gemacht ... Da ging es wie mächtiger Hügelschlag durch die Seelen der Verbannten. Ein Sdtofarruf aus den Tagen der Vorzeit schreckte sie auf aus der Mutlosigkeit des geduldeten, von hoffender Zuversicht kaum erhellten Judendaseins — unsichtbare Hände machte» ihre gebeugten Rücken gerade und ihre Herzen stark für den neuen Tag des Beginnens .... Leise, wie er gekommen, ging Juda Mokka bi mit seinen Brüdern hinaus, hinaus in die Winternacht, die uralte Sterne erhellten, und der Wind trug den ehernen Klang seiner schimmernden Wehr in die Ferne. Zurück aber ließen die Helden der Makkabäer-Zeit neue jüdische Menschen. Mit der alten Segensgebärde legten sie den Kindern die zitternden Hände auf die jungen Häupter — und aus dem Schein der Chanukkalichter strömte ihnen mit überirdischer Allgewalt ein Hoffen zu, groß und stark, wie aus leidvoller Dämmernis plötzlich das Gotteswunder erblüht. Und dann mischten sich die brüchigen Stimmen der Greise mit den kraftvollen Stimmen der Jungen . . . jüdischer Mütter Blick ging innig über die kleine Familiengemeinde, und durch den zum Gotteshaus gewordenen Raum schwang sich die liebe, alte Chanukka-Weise . . . Das Wunder war gekommen: in sich selbst hatten die Verbannten aufs neue die Heimat gefunden .. . * Und wieder werden morgen die Lichter brennen, mit heiligem Ernst werden wir sie entzünden und nach heiliger Satzung die alten Segenssprüche sagen, so wie die Juden in aller Welt. In schwerer Zeit setzen wir Abend für Abend eine Leuchte zur anderen, bis das Lichterband vollendet ist. Wir werden unseren Kindern vom Oelkrüglein erzählen, das, so gering an Inhalt, den Leuchter des Tempels doch acht Tage nährte, wir werden ihnen sagen wer Juda Makkabi war und sie stolz machen auf das Geschlecht der Juden, Stolz — und Demut wollen wir ihnen lernen in dieser schweren Zeit der Wende. Nur aus der Kraft der Seele wächst die große lpt1 Drum laßt' uns zurüdckehren und einig seinl Zurückkehren zu der inneren Freiheit, die das rechte Wunder dieses Menschendaseins ist, und einig sein in dem Bewußtsein eines gemeinsamen Schicksals, das — wie alles auf der Welt — seinen göttlichen Sinn hat. In diesem Geiste wollen wir morgen das erste lichtlif'n entzünden ... ts ist Chanukka! Gedenke auch der Armen I Fototkizz* von Ignaz Ziagtar CHAN.UKKA i AusecuiäMtes Volk. Ein Volk von Prieftem follfi du fein Und fegnend deine Hände breiten. Du follfi dem Hodigebenedeiien Die Erftlingsfrucht des Feldes weihn. Ein Volk von Sängern follfi du fein Und deiner Väter Siege künden; Sollft hoch am Berg die Feuer zünden Und fing' mit Harfen und Schalmei ’n. Ein Volk von Juden follfi du fein : Stolz, flock und treu wie deine Ahnen. Im Winde flattern deine Fahnen, Jung-Juda! Halt fie hoch und rein! HUGO ZUCKERMANN. Der Didtier Hugo Zacket mann flarb am 23. Dezember 1014 an den Folgen einer fdiweren Kriegsverwundang. Das Trendeldien. Gedanken zum Chanukka-Feste. l ief ilriinten in einer Schublude, im die inun fast dus ganze Jahr hindurch nicht kommt, liegt j„ einer Schachtel mit den übrig gebliebenen Chunukkakerzen vom letzten Fest ein bescheidener kleiner Zeuge jener Fröhlichkeit, die mit der leuchtenden Menoralj die Menschen im jüdischen Haus zu spielsüchtigen Kindern werden läßt. Das T r e n d e I ch e n schlaft da einen langen Juhresschluf. geduldig und getrost: und erst wenn man sich so um den 22. oder 21. Kislew herum seiner erinnert, liegt es wieder mit seinen vier Würfelflüchen, seinem Drehköpfchen und dem Tauzfülichen auf dem Tisch, unter spielerischen Händen. die sich darin versuchen müssen, ob sie das Trendelchen noch zum Tanzen bringen können. Mit leisem Surren gleitet es über das Holz, schwirrt hierhin und dahin, tanzt weg und kommt wieder, und zuletzt legt sich's ein bißchen torkelig auf eine Seite hin. um mit seinen Zeichen zu bestimmen, was es an Pech oder an Gutem beschert. Ks zeigt sein ..Hei", sein ...\un". sein ..Schin". sein ..Gimel“ — sagt „halb" oder ..nichts", verlangt das Zusetzen oder spendet großmütig das Ganze. l eise surrt das Trendelchen und hat eine Stimme für uns. Wenn die Lichter der Meuorah brennen, wenn ganz. Israel die Heldentage der Vergangenheit, die Weihe der heiligen Stätte feiert, sagt ein Kinderspielzeug auf dem Tisch, mahnend, fordernd, tröstend: „Nichts —" oder „setze ein!", oder „Halb?“ oder „Ganz!" ...\ i c h t s —" Nichts von allem, was den anderen Völkern Erbe ist. hat Israel in den Zeiten besessen. Nicht Länder und Kronen, nicht Macht und Meere, keinen Ruhm und kein Eigentum. Israel hatte keine wogenden Kornfelder, keine tragenden Weinberge mehr — nur unendliches Wandern, unendliches Heimweh. Es hatte Schmach und Schunde. Nichts, nichts, nichts von allem, was die Völker der Erde preisen und ihre Werte nennen. „S e t z e ei n!" Aber es hat einen Ruf. wie jenen ersten an Abraham. es hat ein Geheiß, wie jenes erste un Moscheh. „Geh!“ hieß der Befehl, der sie ins Ungewisse schickte, und hinter dein Ruf dröhnte das „Setze ein!“ Setze dich selbst ein auf diesem Weg. den Gott dich schickt, setze dich ein mit deinem ganzen Herzen, deinem ganzen Wesen, deiner ganzen Kruft. Setze ein, was dir als einziges und eigenes Erbe geworden ist: statt des Ruhms und der Macht, der Ehre und des Siegs — setze deinen Dienst ein und die hohe Lehre der Menschlichkeit und Sittlichkeit, die dich zu ihm befähigt und bereitet. Setze deinen Glauben an dich selbst ein, an deinen Weg und sein Ziel, deine Hoffnung setze ein und das Brennen deines Entschlusses. ' „Halb?" Denn das geht für dich nicht an. daß du dich mit Halbem begnügst oder daß du dich selbst in Hälften spaltest, sei s in Liebe oder in Haß. Ueberall, wo Israel in der Welt sein Herz teilte, wo es zwischen jüdischem Dasein und Schicksal und verlockender Umwelt, schwanke, traf es die Not. die es aus Schwanken und Begehren wieder zu sich selbst zurückrief, zu seiner Lehre und seinem Wesen. Seit den Tagen der Richter und der Künder war es so. bis in unsere. Zeit. Nicht halb sein und Halbes tun. sondern weit -ein und Versöhnung zwischen jüdischem Schicksal und Dasein mit der Umwelt finden. Das ist die Aufgabe: die Klarheit, nicht der Kompromiß. „G u n z!" Einssein und Klarsein — vom eigenen Gesetz wissen und in die Welt hineinwuchsen wie gute Saat: die vermag nach den Kräften jeder Scholle wachsen, in die sie geworfen ist — darauf kommt es an. Die w ir die- Einheit Gottes bekennen und die L’nbedingtlieit seiner Gegenwart, die wir im Menschen das Bild solcher Einheit erhoffen und bereiten, wir glaubet! un das Ganz- und Einig-Sein. wir suchen solche Einheit in uns selbst zu formen: in unserer Gemeinschaft und mit ihr leben wir durch die Dauer der Zeiten dein Frieden zu, der diese Ganzheit in allen, mit allen ist. Nichts halb — ganz — ist da noch Wahl und Frage? Setz dich ein! Martha Wertheimer. Chanukkatage der Kindheit. Von Oberlehrer Th. Rothschild, Eßlingen. Die Winter waren lang und schneereich in unserem Tale. Eisige Kälte hielt lange Zeit un und schlug alles Leben in der Natur in harte Fesseln. Wir nützten die Zeit so gut als möglich. Jede schulfreie Stunde konnte man uns mit unseren einfachen Schlitten an den zahlreichen Bergabhängen sehen. Mit Blitzesschnelle fuhren wir talwärts. Das war ein Leben! Wir hätten mit keinem König tauschen mögen. Am gefahrvollsten war das Fahren im Dorfe selbst. Die Anwohner der Bergstraßen sahen es nicht gerne, wenn wir mit Unseren Schlitten und Schlittschuhen zu ihnen he ran fkunien. Sie mußten dus Wasser auf dein Kopf vom Fluß unten in ihre- Häuser tragen und konnten zu dieser mühevollen Arbeit die schlüpfrigen und glatten Straßen nicht brauchen, .die unsere Fahrten erzeugten. Wehe uns, wenn so ein handfester BJürger uns bei solchen unerlaubten Fahrten erwischen konnte. Und mitten in diesen kalten W inter ltineip fiel dann dus Chunukkufcst. Es w arf seine Schütten Schon Wochen voraus. Wir fertigten uns. so gut w ir es eben mit unseren Bubenhänden konnten, kleine Geldbeutelchen. Sie mußten oben zum Znziehen eingerichtet sein. Denn sobald das Fest se"tbst erschien, erhielten wir von Eltern und Verwandten Chunukkageld. Es waren ganz geringe Gaben, die kaum je einmal die Höheeiner Mark erreichten. Aber sie machten uns froh und stolz, und keiner hätte es gewagt, während des Festes selbst den wertvollen Betrag, der meist in Kupfermünzen bestund, durch Ausgaben zu verringern. Der Eingang des Festes wurde in der Synagoge gefeiert. Da fehlte keiner von uns. Und es leuchtete und glühte in unseren Kinderherzen, wenn oben unter dem Vorbeterpulte die Kerzen aufstrahlten. Dann aber ging s erwartungsvoll nach Hause. Dort durften wir selbst die Lichtlein zünden. De: Großvater, der unten im Hanse wohnte, hatte ein „Chanukkaeisen', auf dein die Lichtlein mit Oel gespeist wurden. Klein und zittrig leuchteten sie auf DAS ZEICHEN FÜR KLEIDUNG OBER DEM DURCHSCHNITT HERRENANZClGE - SPORTANZOQE . MÄNTEL GL ASS & WELS DAS HAUS FÜR DEN HERRN - STUTTGART-N - MITTNACHTBAU

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