Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- XI (1934-1935)
- Issue
- 11 (1.9.1934)
- Date
- 1934-09-01
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- [Seite] (sequence 4)
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— 86 - Zum Neubau der Jüdischen Schule in Stuttgart. -1 'Unseren werten £esem entbieten wir zum Jahreswechsel unsere herzlichsten Wünsche, die wir mit der Bitte verbinden, der „Gemeindezeitung" auch im kommenden Jahre die Treue zu wahren. — Verlag und Schriftleiiung der „GemeindezeUung“ Vom jüd. Religionsunterricht. \ on Dr. Emil (Inlclschmidt. Stuttgart. Die folgenden Nu-fiilir *!-!*» biviehen sich uni die I atsachc*. dnfl ein: null jiicINchc* Kltern in I leiitNildnnd gibt. r Kinder \nin Iteligion«- nnterridit fernli.i :* \ns der \l.inrn ■ I i.keit de- Schulunterrichts hebt sich uleine - tere Gruppe* die ele*r ..Gesinn ii n g - f a di; lieraii': De n I - ch . G e > ih i dl t e . It e I ig i <■ i i;.i\alente. ilirppolw e-rtige* Fächer sozusagen. c - di .i Schülern Iiülcl gehallt, bald als Mittc-Ip : I re> Sihnllebeii' glühend Itejaht. Das ist /um .! der I Iberstufe der fall (an die im folgend! ■ imer in erster Linie* ^gedacht ist», auf der daei. utlidie We-en dieser Fächer heraustritt, «ii ei der Hibeler/iihliing zur Prophetenlektiire. um dei ')iiaihiibiing zur (iediihliiiterprelation. von der > -^i /um gesihiihtihhen (Querschnitt und Aufrill und -um ge-(hiiht'|>hilo-o|ihi'(hen Krggßnis geht kur/. ' III nußt-rlichc-n I )etud /ur prin/ipTellen aiifriittelnden I Mge-tellung. I ritt in allen fächern sonst der Lehrer hinter die Sache zurück (jeder Lehrer wird die \iifinerk-,unken -einer Knabenklasse haben, wenn er den \iifbau eines \utoerklärt), so entscheidet hier über den Wert de- Unterrichts nur die ganz subjektive Fähigkeit def.rziehers. mit/ureilfen. aus eigener I rfiilltheit heraus zu begeistern, den tiefsten I rn-i der Schüler durch eigenen Frust zu erzwingen. Nuf die •spitze* getrieben i-t das alles im Religionsunterricht. Wenn in Geschichte und Literatur der Stoff. Lreigni'-e. Dokumente, das Kunstwerk dein interessierten Schüler über die Oede und Seoletilosigkeit der Darbietung hinweghilft. so rettet im Religionsunterricht nichts cor dem Bankerott, wenn der I ihrer nicht a II - -ein r in eigenen Frleben das religiöse Suchen seiner Schüler zu leiten versieht. Hier ist l’eberinittliing sachlicher Kenntnisse Nebensache, hier herrscht entweder stärkster Koni.-kt oder es wird dem religiösen Leben gefährlich geschadet. >o läßt sich die Problematik des Religionsunterrichts theoretisch so einfach, in Wirklichkeit ungeheuer schwer durch die Forderung losen Religio-u Persönlichkeiten als Lehrer. ..zu denen der Jugendliche mit seinem Suchen und -eitler verschlossenen Seelunbfiite verstehenden Zugang“ finden kann. * \ber v-o/ii überhaupt ein lic-ond f rer l titerricht in Religionf Religiöses Leben 'teckt doch in jedem wahrhaft ernsten Inn. Jede frage, die wir zu Lude denken, führt ins l eberirdische. Non jedem Punk' auf dem wir stehen, ist nur ein Schritt bis zum Nlitteljunkt der Welt'" (Rathenau). In jedem I .ich laßt -ah chm religiösen Bedürfnis Genüge tun. In der I elv. it-le s.i:r. itunig der Nmalie Dietrich heißt e-: ..Naht i ec dem Nuge und Ohr. deine* Seele muß emit i!iiLurciitigem Belten vernehmen, was die Natur imoffenbare» will. (i. gib dich ihrem Zauber hin. -ie macht enh reich und glücklich. Achte* darauf, daß du bei.ihi: ii woeh-elnden Frseheinuugen zunächst das (, -He und .las Nilgemeine ins Auge fassest! Deine 'eele muh -ich weiten ... Fr machte sie aufiiu ri -am auf die geheimen Kräfte, die in den Pflanzen erborgen -iml. er -agte ihr. wie in wunderbar /..Dir NNei-e ein ..Gut und Böse" angedeutet wird. I : zeigte. >c ie für den. der zii lauschen versteht, in dl. - in Reich ein unerschöpflicher Born an Gleich ni-sen und leisen Hindeutiinffen an das menschliche I ob* n /u finden sei." I nnötig zu zeigen, wie erst reiht *11 anderen Stunden, in denen unmittelbar vom Nlen-ihi n. von seiner Qriille und Schwäche, von seinem Hingen und seiner I ragik die Rede ist. ans Nl'solute gerührt werden kann. Wenn wir also einen Lutreicht voran—etzen. der mit der ..Finstellung im Fndliiheii nach allen Seiten“ geht, um ins Unendliche zu schreiten, wozu noch einmal eine abgesonderte Lnterwei-ung in Religion? NNi r brau ch e n diese* Unterweisung. Gewiß! NI an vertiefe den Unterricht in jedem Stoffgebiet Das nebenstehende .Modellfoto zeigt die llauptan-iiht der seit Beginn dieses Monats im Bau befindlichen Schule der Stuttgarter Israelitischen Gemeinde. Der Bau wird auf dem zum Gemeindehaus in der Hospitalstraße gehörigen Hofgrundstück errichtet, nachdem man nach vielen Versuchen auf anderen Grundstücken zur Krkenntnis gekommen ist, daß die jetzt zur Ausführung bestimmte Lösung die zweckmäßigste ist. Betritt man den Hof des Gemeindehauses durch die* Toreinfahrt in der Hospitalstraße, so wird sich um den geräumigen Schulhof der dreistöckige Bau erheben, der sich an die beiden Niachbargrenzen anlegt und dadurch eine möglichst große Hoffläche freiläßt. Diese Lösung führte zu einer Stellung im W inkc'l. die den Vorteil hat. daß dunkle*, enge Flure* vermieden, dafür aber eine lichtdurchflutete Trcppenhalle in jedem Geschoß geschaffen wurde, die bei schlechte m Wetter einen einwandfreien Aufenthalt für nie Kinder biete t. Im F r d g e s ch o ß Iren ritt man durch einen Windfang die Fingangshalle. von der aus der große Schulsaal erreicht wird. Dieser führt mit zwei großen Fenstertüren und drei großen Fenstern direkt auf den Schulhof, so daß er dadurch seinem Zwecke als Turnsaal besonders gerecht wird. Als Schul- und Festsaal sow ie für sonstige Veranstaltungen hat dieser etwa ISO Personen Irequem fassende Raum ein bühnenartiges Podium. Dient der Saal dann w ieder als Turnraum. so können die gesamten Stühle durch eine Durchgabe in den Keller gegeben werden. Im Erdgeschoß befindet sich weiter eine kleinere Klasse. Im Unte rgeschoß ist dann in erster Linie die neue Heizung für Schule und Synagoge mit dem nötigen Kohlenraum untergebracht. Ferner befinden sich hier mit großen Fenstern die Umkleide- und Duschräume, für Knaben und Mädchen getrennt, sowie die nötigen Aborte. Im ersten Obe r g c* s ch o 11 liegen an der großen Trcppenhalle. deren Fenster direkt auf den Hof führen. zwei große Klassenräume, deren jeder etwa 48 Schüler aufnehmen kann. Der einen Klasse ist eine zum Wesentlichen hin. man suche das Unendliche auf allen Seiten! Aber man vergesse nicht: nicht jede Richtung, nicht jeder Weg führt gleich schnell zum Ziel. Vielleicht gibt es einen bestimmten Weg. der oft und mit Erfolg begangen ist. Der also vor anderen den Vorzug verdient, der anderen gegenüber nicht einfach gleichwertig ist. den man einem andern zuliebe nicht ungestraft ignorieren darf! Ohne Bild gesprochen: Es gibt eben doch eine Stoffmasse. die das religiöse Bewußtsein, wenn es geweckt, geleitet ist. unmittelbar anspricht: die religiösen Erfahrungen der Jahrtausende, niedergelegt in unsterblichen Dokumenten, vor allem in der Bibel, den Niederschlag frommen Lebens und Empfindens in Gebet und Dogma, in Ritus und Kultus. Religionsgeschichte. deren Sinn ein ewiges Bemühen um Glück und Erlösung, eine endlose Variation des Themas: 1 ch lasse d i ch n i ch t. du hast m i ch denn gesegnet! Wem es wirklich um diese Dinge zu tun ist. der kann sich nicht zufriede ngeben damit, daß dieser Stoff gelegentlich hier und dort im Unterricht berührt wird, daß er einer Generation von Schülern in dem Ausmaß lind der Auswahl überliefert — oder nicht überliefe rt — wird, wie der Zufall cs will. Gut und begrüßenswert, wenn der ganze Unterricht unter derselben Idee steht, wenn von einem Fach zum andern die Fäden laufen, aber das allein genügt nicht. Wir brauchen die Religionsstunde, um den stofflichen Zusammenhang wahren, um die spezifische Stimmung dieses Unterrichts in den Dienst der Gemeinschaftsbildung, ja der Gemeindebildung stellen zu können, um der Wichtigkeit und Weitschichtigkeit der religiösen Tradition gerecht zu werden. Noch ein ernsthafter Ein wand: Ist nicht gerade das R e I i g i ii s e ein Gebiet unbedingter Selbstbestimmung? Sollte man Kinder nicht unbeeinflußt heranwachsen lassen, bis sie geistig mündig sind, und ihnen dann Entscheidung und Verantwortung überlassen für ihr Bekenntnis zu einer bestimmten religiösen Gemeinschaft? Die Frage ist oft erörtert worden, hier soll nur kurz darauf eingegangen werden. Fine längst vergangene Epoche* glaubte an Weltbürgertum jenseits nationaler Grenzen, an eine allgemein-menschliche Religion jenseits konfessioneller Besonderheiten: Gedankengänge, die aus hoher, wenn auch einseitiger Geistigkeit stammen. Daß sie sich als weltfremd erwiesen haben, bedarf keiner besonderen Erwähnung. Aber sie sind auch geschichtsfremd, sie verkennen, daß die zeitlichen Einrichtungen — Fa- Tqrrasse vorgelagert, die für den Unterricht mitbenutzt werden kann. Im zweiten Obergeschoß befindet sich an der Treppenhalle eine weitere große und eine kleine Klasse. Weiter sind hier oben ein großes Lehrerzimmer mit Waschraum untergebracht, das man durch einen Flurraum, in dem die Lehrmittelschränke aufgestellt sind, erreicht. Dieser Flur ist durch eine Tür von der Treppenhalle getrennt. In beiden oberen Stockwerken sind außerdem die notwendigen Wasdi- und Aborträume. In unserer Abbildung sehen wir den Bau etwa von der Ecke Gemeindehaus und Synagogenumgang. In der Mitte ist der Haupteingang, rechts sind die beiden Türen zum großen Saal mit der darüberliegenden Terrasse. Die ganze.Front ist in Fenster aufgelöst, die durch zweckmäßige Aufteilung Kippflügel oben und unten — eine einwandfreie Belüftung der Klassen ermöglichen. Links schließt sich der Bau an den Nottreppenbau der Synagoge an. Dort befindet sicli auch die feuerpolizeilich erforderliche Durchfahrt. Der von Reg-Baumeister B 1 o ch entworfene und geleitete Bau wird voraussichtlich Anfang des Monats Oktober im Rohbau fertiggestellt sein, so daß mit einer Inbetriebnahme zu Anfang des kommenden Jahres gerechnet werden kann. milie. Staat. Glaubensgemeinschaft — ihre bestimmte ädagogisdie. soziologische, historische und religiöse edeutiing haben. Es ist derselbe Rationalismus, aus dem auch der obige Einwand stammt. Nicht nur. daß wir uns der Tatsache einfach nicht entziehen können, daß jeder Mensch in bestimmte Bindungen hineingeboren wird, der religiöse Mensch wird es auch nicht als Zufall hinnehmen. daß er als Deutscher, als Jude, als Araber zur Welt kommt, daß er vom ersten Atemzug an der jüdischen, christlichen, mohammedanischen Glaubenswelt angehört. Er sieht darin vielmehr ein Schicksal, d. h. Sinn und Bestimmung. Und dieser Sinn verlangt Bejahung. Frömmigkeit ist nichts anderes als Jasagen zum Willen Gottes. Gewiß soll der geistig Erwachsene prüfen, worauf sein Bekenntnis beruht — auf einem solchen bewußten Gehorsam oder auf Gewohnheit. Wie diese Prüfung auch ausfailen möge, ob sie zum Festhalten oder zum Losreisen führt, sie ist nur dem möglich, der seiner Gemeinschaft als ganzer Mensch, wissend um ihr Wesen, ihre Geschichte, ihre Seele, zugehörig gewesen. weil er nur dann zu entscheiden befugt und befähigt ist. Was bisher gesagt worden ist über den jüdischen Religionsunterricht gilt mehr oder weniger auch für jede andere Konfession. Trotzdem ist die Situation nicht dieselbe. Theoretisch wäre es denkbar, daß der junge Christ die Geschichte und Lehre seiner Religion im Rahmen einer abendländischen Kulturkunde dargeboten bekommt. Christentum und europäische Kultur sind für den geschichtlichen Blick nicht zu trennen. Ihre Träger sind dieselben Menschen. Wer zum einen gehört, gehört eben dadurch zum andern. Sein geistiges Bürgerrecht kann er nie verlieren. Für den jungen Juden liegt es ganz anders. Rathenau konnte 1919 noch in seiner Streitschrift vom Glauben aussprechen: „Ich will den christlichen Staat, denn auf seinem Boden sind wir und mit uns die gesamte abendländische Welt der Gedanken und Gefühle erwachsen.“ Er glaubte sich als Glied und Träger dieser Welt betrachten zu dürfen. Wir sehen heute hesser. Selbstverständlich sind auch wir Erben Beethrfvens. Lcssings. Kants, wie ja umgekehrt die moderne Kultur wichtige Bestandteile dem alten Judentum entlehnt hat. Aber die geistige Heimat, aus der wir nicht vertrieben werden können, die uns nicht streitig gemacht werden kann, ist das Judentum. weil wir wirklich seine Glieder und Träger ßofiesdlenslzelfen für-die Synagoge in Heilbronn 31. flug. Freitagabend 6.43 Ubr Sabbatbmorgen 8.30 Ubr Sabbatbnachmittag 3.15 Ubr Sabbatbausgang 7.13 Ubr Sonntagfrüb Selicbos 7.00 Ubr an den Wochentagen: morgens 6.30 Ubr - abends, 6.00 Ubr 7. Sept. Freitagabend 6.30 Ubr Sabbatbmorgen 8.30 Ubr Sabbatbnachmittag 3.15 Ubr Sabbatbausgang 7.10 Ubr Sonntagfrüb 7.00 Ubr abends Rosch Haschono Predigt 6.00 Ubr Montagftüb Predigt 7-30 Ubr nachmittag 3.00 Ubr abends 6.00 Ubr Dienstagfrfib 7-30 Ubr nachmittag 3.00 Ubr Festausgang 7.00 Ubr an den Wochentagen: morgens 6.30 Ubr abends 6.00 Ubr 14. Sept. Freitagabend 6.00 Ubr Sabbatbmorgen 8.30 Ubr Sabbatbnachmittag 3.15 Ubr Sabbatbausgang 6.50 Ubr Sonntagfrüb 7.00 Ubr an den Wochentagen: morgens 6.30 Ubr abends 6.00 Ubr Dienstag nachmittag 3.00 Ubr abends Versöbnungs* fest, Predigt 6.30 Ubr Mittwoch früh Predigt 8.00 Ubr Seelenfeier Predigt 4.45 Ubr Festausgang 6.45 Ubr fRosy Sonlheimer-PrinsS Liederu. Oratortensangerln Qesangipadagogln i W^W i. hdiaMi 1 erteilt Gesangsunterricht Stuttgart-N / HegetitraBe 25 Fernsprecher 20100 J Empfahl« altbekannten Dr. Custodia editen bulgarisdten Knoblauchsafft Proben gratis. C. WOl* Sadisenliausen (Nordb.) ERWIN BENIGNUS MALERWERKSTÄTTE Traasparaata LawcMsdalMar Plakat« Stuttgart-W, Rotabühlstr. 45, Tal. 64829 Kauft bei unseren Inserenten I