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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1934-07-01 · 7 (1.7.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
XI (1934-1935)
Issue
7 (1.7.1934)
Date
1934-07-01
Page
[Seite] (sequence 5)
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Sprachunterricht- und jüdischer Zielsetzung dartut. Aber dieses Schulwerk hat nur für größere Städte Gültigkeit, für Gemeinden, die kräftig genug sind, ein solches Schulwerk zu finanzieren. Dürfen d i e vergessen werden, die in kleinen Städten und Städtchen ohne die Hilfe von Schule und Lehrer sind? * * Als unsere Väter in die Verbannung gegangen waren, als die Zerstreuung ihr Wissen um das Schrifttum, um Gesetz und Lehre gefährdete, standen fromme Männer auf. die als Pfleger köstlichen Gutes leben wollten. Sie nahmen Bündel und Stab und wunderten, wunderten von Stadt zu Dorf, von einsamer Siedlung zu dichtgedrängtem Ghetto und suchten die jüdischen Menschen auf. die nach ihrer! Lehre hungerten. Sie waren nicht immer Hochgelehrte, sie hatten nicht einmal immer die Zeit zum ..Lernen'*. Schlichte, gerade Menschen, von Gottesliebe und frommem Willen erfüllt, gingen da zu anderen, saßen mit ihnen um Sabbathtisdi und vergalten die Gastfreundschaft der Armen wie der Reichen mit dem gleichen Lohn: sie erzählten. Sie wußten weise Sprüche der großen Lehrer, sie wußten stille kleine Geschichten von großer Not und göttlicher Hilfe, von Sünde und Umkehr, von Nächstenliebe und rechtem Weg. Sie sangen Psalmen und sprachen Gebete mit ihren Brüdern, sie wußten für die Hausfrau ein gutes Wörtchen, und für die Kinder brachten sie die Lehre und die Gebote unseres Volks in farbiger, lebendiger Märchenform, daß die Kleinen lernten ohne es zu merken. Sie kamen aus den kräftigen Gemeinden und brachten den Schwachen von ihrer Kraft. Der „Dar sch an“ war der helle, murmelnde Bach, der auch die Fernsten nicht irre daran werden ließ. ob. die geliebte, heilige Quelle des Judentums noch frisch und unverändert sprudelte. Tut uns heute nicht wieder der ..Darschan“' not? Fragt die Menschen in den kleinen Orten und Städten. Die wissen die Antwort darauf. # Wer eine Meinung vertritt, muß sich auf Finwände efaßt machen. Die Jugendbünde werden sagen, aß sie bis in die kleinsten Dörfer hinein ihre Ideen getragen haben, daß sie nach Kräften alle jungen jüdisaien Menschen erfassen wollten. Die Religionslehrer werden sagen, daß gerade in unserer Gegend fast jede kleine Gemeinde ihren eigenen Lehrer hat. und daß der Mann seine Pflicht tut. Eltern werden kommen und betonen, daß die beste jüdische Erziehung die des Hauses und seiner Bräuche, des häuslichen Festes, der väterlichen und mütterlichen Mahnung sei. Und wer könnte dem widersprechen? Aber: Die Jugendbünde werden mir zugeben, daß die Arbeit in sehr vielen ihrer Ortsgruppen nicht gerade blühte, und die Lehrer werden aus der Erfahrung zubilligen, daß ihr Kollege in der kleinen Landgemeinde meistens über seine Lehrtätigkeit hinaus noch mit vielen anderen kultlichen Tätigkeiten belastet, fast immer sogar überlastet ist. Den Eltern aber, die mit schönem Stolz auf die edelste ihrer Aufgaben weisen, müssen wir traurig und beschämt eingestehen, daß . sehr viele jüdische Eltern gar nicht mehr in der Lage sind, ihren Kindern solche Lehren und Hilfen zu geben, daß ihr Haus den Bräuchen und ihre Herzen dem Volk entfremdet waren, daß sie jetzt erst sehnsüchtig heimverlangen und selbst der gleichen Lehre und des Halts bedürftig sind wie ihre Kinder. Und dann: wir Menschen sind darin wohl alle gleich, daß wir lieber von einem Fremden und Anderen uns belehren lassen, daß der Reiz einer Persönlichkeit, die uns neu ist, stärker das Ersehnte zu vermitteln vermag als ein Wohlbekannter, der immer unter uns ist. Es scheint wirklich beim ..Darschan“ bleiben zu sollen! * In jeder großen jüdischen Gemeinde gibt es viele junge Menschen, Lehrer, rednerisch Begabte. Männer und Frauen, jüdische Menschen mit einem hellen Willen zu unserem Weg und unserem Schicksal, mit einer heißen Liebe zu allem wurzelhaft Jüdischen, die bereit wären, auf den Ruf zu antworten, wenn er an sie ergeht Für die Erwachsenen gibt es schon lange etwas Aehnliches. Die „Gesellschaft für die Interessen des orthodoxen Judentums" schickt zu jedem Schabbos ihre Helfer hinaus zu den einzelnen jüdischen Familien in einem Dorf oder Städtchen. Wenn in den großen jüdischen Gemeinden eine Stelle geschaffen würde, an die sich jüdische Menschen kleiner Orte wenden könnten und die dorthin für einen Schabbos oder auch für irgend einen Werktag einen „Darschan“ vermitteln könnte, so ließe sich eine solche Hilfsaktion ohne große Mittel und ohne ernste Schwierigkeiten gestalten. Kleine Gemeinden können die geringen Kosten der Fahrtvergütung leicht aufbringen. und gastfreundlich mit einem Nachtlager und einem Abendessen sind unsere Juden auf dem Lande von jeher gewesen. Aber auch eine kleine Verdienstmöglichkeit für Arbeitslose oder aus dem Beruf Geschleuderte wäre hier zu finden, wo über diese geringen Leistungen hinaus eine bescheidene Vergütung gewährt werden kann. Amtl. Bekanntmachungen. Israelitisches Gemeindevorsteher amt Stuttgart. Ihren Austritt aus der Israel. Religionsgemeinschaft haben erklärt: Frau Johanna Metzger geh. Philipps Kaufmanns-Wwe„ Silberburgstr. 2*. Frau Emilie Müller geh. Nathan, Architekten-Ehefrau, Wernhaldenstr.lt. — 59 - Die Lösung der Aufgabe liegt auf der Huud. Der ..Darschan“ sitzt mit seinen Gastgebern am Tisch: er läßt sich fragen und gibt Antwort: an ihm liegt es. die Antwort so zu gestalten, daß sie nicht nur für die gegenwärtige Not gilt, von der der Fragende immer ansgehen wird, sondern daß er seine Zuhörer in die lebendige t erbindung mit dem geschichtlichen jüdischen Schicksal, seinem Sinn und seiner Weisung bringt, wie der „Darschan \on einst. Er wird die Augen der Kinder, vor allem der Kinder auf sieh gerichtet sehen, er wird den Kindern den Weg leichter machen können, wenn er ihnen, die das Abgesondertsein in der Schule erleiden, jüdisches Selbstbewußtsein weckt. Das kann er leicht: er muß nur Kenntnis und Verständnis für jüdische Geschichte, jüdische Feste, jüdische Sittlichkeit, für die großen sozialen Lehren der Thora bringen, er braucht kein Gelehrter. kein Weise r und kein Großer in Israel zu sein abe,r ein „Darschan" muß er sein können, ein Erzähler und Wecker, einer der die Herzen heiß zu machen versteht. Er muß ein kräftiger Mensch sein und ein Jude mit einem liebevollen Dazugehören. * Wir haben starke Jugendbünde, wir haben vortreffliche Gemeinschaften, die jüdisches Wissen und jüdische Tradition pflegen, wir haben Lehrer und Leitet — das verpflichtet. Moses kündete es schon: „Nicht aufhören wird der Dürftige im Innern des I-andes: darum gebiete ich dir: auftun sollst du deine Hand deinem Bruder.“ Und der Hunger der Seele tut nicht weniger weh als anderer Hunger. Dr. Martha Wertheimer. Der Württ. Landesverband für Isr. Wohlfahrtspflege (L.LW.) im Jahr 1933. Die nachfolgenden Ausführungen sind auszugsweise einem Tätigkeitsbericht des L.I.W. für das Jahr 1913 entnommen. — Sie sind ein überzeugender Beweis für die ebenso umfangreiche wie rharitativ bedeutsame Arbeit unserer jüdischen Landes-Wohlfahrtspflege. Die Schriftleitung. Der Umschwung des Jahres 1933 hat mit der Veränderung der Verhältnisse nicht nur eine Steigerung der Anforderungen, sondern auch eine gewisse Veränderung der Aufgaben des L.LW. mit sich gebracht. In den früheren Jahren und auch noch im Jahre 1932 bestand der Personen kreis, der sich an uns um Hilfe wandte, zum überwiegenden Teil aus alten, kranken oder sonst im Erwerb behinderten Personen: heute jedoch müssen leider auch jüngere, arbeitsfähige und arbeitswillige Menschen uns in Anspruch nehmen, da sie ihren seitherigen Verdienst nicht oder nur in geringem Umfang finden können oder ihre Stellung verloren haben. Die Hilfsquellen von seiten Angehöriger oder Nachbarn fließen aus denselben Gründen spärlicher oder sind gänzlich versiegt, so daß auch dies vielfach der Grund für die Inanspruchnahme unserer Stelle geworden ist. Aus allen diesen Gründen hat die Tätigkeit des L.I.W. in außergewöhnlichem Maße zngenommen. und zwar haben sich nicht nur die Gesuche um pekuniäre Hilfe sehr gemehrt, sondern es haben auch häufig Rat- und Auskunftsuchende bei uns vorgesprochen, sei es betr. Auswanderungsfragen. Arbeitsmöglichkeiten usw. Es war infolgedessen eine dringende Notwendigkeit, daß für die Auskunftstätigkeit und Arbeitsvermittlung eine eigene Stelle dem L.I.W. bzw. der Jüdischen Nothilfe in Württemberg angeschlossen wurde. Ueber die Tätigkeit dieser „Arbeitsvermittlung. Berufsberatung und Auskunftsstelle der Jüdischen Nothilfe in Württemberg“, die sich außer den sich schon aus dem Titel ergebenden Arbeitsgebieten auch mit der Auskunftserteilung in allen Auswanderungsfragen befaßt, kann aber hier nicht ausführlicher berichtet werden: es sei jedoch der Hinweis gestattet, daß sie selbstverständlich in engster Fühlungnahme mit der Geschäftsstelle des L.LW. arbeitet. Eine andere, heute ganz besonders wertvolle aber schon seit vielen Jahren erstrebte Einrichtung ist die dem L.I.W. angeschlossene Darlehenskasse, die das Ziel hat. durch Gewährung von Darlehen nach geschäftsmäßigen Grundsätzen zur Erhaltung oder Neugründung von Existenzen beizutragen. Die Darlehenskasse hat eine merkbare Lücke in der jüdischen Wohlfahrtspflege Württembergs ausgefüllt. Die Tätigkeit des L.LW. hat sich im Berichtsjahr auf >22 Familien und Einzelpersonen erstreckt: wenn man clagegenhält. daß 1932 nur 60 Unterstützungsfälle Vorlagen, die Zahl also auf das Doppelte angewachsen ist, so hat man ein .Bild von der rein quantitativen Zunahme unserer Arbeit. In regelmäßiger Unterstützung" standen 60 Petenten, während die anderen Familien nur gelegentlich Zuwendungen erhielten.* Bei einer sehr erheblichen Anzahl von Fällen handelt es sich also um keine vorübergehende, rasch zu beseitigende Notlage. sondern um einen lange andauernden l erdienstausfall be/w. Rückgang, wenn nicht gar um aussichtslose Erwerbslosigkeit. So sind auch die Ausgaben des L.I.W. entsprechend der außergewöhnlichen Inanspruchnahme in starkem Maße angewachsen, und zwar um fast das Dreifache gegenüber dem Vorjahr:“* die Steigerung der Ausgaben von ca. 640 Mk. monatlich im ersten Vierteljahr auf das Fünffache im vierten Vierteljahr beweist am klarsten die Zunahme der an uns herantretenden Anforderungen. Dabei ist zu berücksichtigen, daß die neu hinzu gekommenen Arbeitsgebiete, die Hilfe für Aus- und Rückwanderer, noch keine Summen erforderte. die wesentlich ins Gewicht fallen, du bis jetzt anscheinend der größere Strom der Auswanderer aus den Großstädten und nicht vom Lande herkommt. Dagegen hat die Förderung der in Berufsumschichtung stehenden Jugendlichen bereits mehr als den zehnten Teil erfordert, zu dem allerdings auch die Zentralstelle für jüdische Wirtschaftshilfe. Berlin, ihren Anteil lieisteuerte. ' *■ Eine große Hilfe, die nicht in Zahlen zu erfassen ist. konnten wir vielen der von uns Betreuten du durch angedeihen lassen, daft wir sie mit Kleidung^ und Wäschestücken aller Art versorgten. Besonders reichliche Sachspenden aus den verschiedensten Landesteilen, besonders auch aus Stuttgart, setzten uns hierzu in Stand. Die "W anderfürsorge, übet die der Vollständigkeit halber auch berichtet werden soll, erforderte 1933 wesentlich geringere Beträge als in dem Vorjahr. im ganzen kaum 3000 RM„ da die Frequenz bedeutend zurückging. Es sprachen 342 Durchwanderer vor. von denen eine weitaus größere Zahl als früher deutscher Staatsangehörigkeit, waren. Der Zuzug aus den östlichen Ländern hat so gut wie ganz aufgehört, sowohl was Reisen nach, als auch durch Deutschland betrifft. Ueber die Einnahmen des L.I.W. ist zu sagen, daß sie sich in der Hauptsache aus den Beitragszahlungen unserer Mitglieder, der Vereine und Gemeinden, aus dem Beitrag des Isr. Oberrats für die Jahre 1932/33 und 1933/34 und aus den Zuweisungen aus Mitteln der Jüdischen Nothilfe zusammensetzen. Daß Die bildenden Künstler in der Kunstgemeinsdiaft. Zur Kunstausstellung vom 11.—23. Juli. Die Stuttgarter Jüdische Kunstgemeinschaft hat nun auch die bildende Kunst in ihr Programm einbezogen und wird einy Ausstellung von Werken jüdischer württembergischer Maler, Bildhauer und Kunstgewerbler eröffnen. Wie auf musikalischem Gebiet eine Gemeinde von Ausübenden und Empfangenden entstanden ist. soll auch Aehnliches für die bildende Kunst geschaffen werden. Ausgegliedert aus dem Leben kann Kunst nicht gedeihen; sie braucht Augen und Ohren der Mitverstehenden, ohne Resonanz müßte sie verdorren, wie die Blume stirbt, dbr Sonne. Wind und Regen fehlen. Unsere Gemeinde, wie die württembergischen Juden überhaupt, nahmen in glücklicheren Tagen an allem Kunstschaffen starken Anteil. Der Widerhall, den das Musizieren der Kunstgemeinschaft fand, wird sich auch gegenüber dem Schaffen der bildenden Künstler zeigen. Für die Ausstellung hat die Stuttgart-Loge ihre neu umgebauten Räume in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt. In den großen hellen Sälen werden die Werke unserer Künstler würdig zur Geltung kommen. Man wird manche Perle finden. Das bescheiden bemessene Eintrittsgeld wird zur Erwerbung von Werken benützt, die nach Beendigung der Ausstellung wiederum an die Besitzer von Eintrittskarten verlost werden. So hat jeder Besucher die Aussicht, unverhofft zu einem Kunstwerk zu gelangen. Kommen Sie zum CkBlcsdicnstzctlcn G KURAUFENTHALT für die Synagoge in Heilbrcmn. Schlußtermin für Annahme von Inseraten fOr die nächste Ausgabe vom 16. Juli 1934 Maat REXINGEN im Schwarxvrmld I Jüd. Arzt und 2 rituelle Gasthäuser am Platze. Weitere Pensionen und Näheres zu erfragen vom isr. V«rsfckcraml flcUX» 6. Juli Freitagabend 6.45 Uhr Sabbatbmorgen 8.30 Ubr (Neumondsverkündigung) Sabbatbnacbmittag 3.15 Ubr Sabbatbausgang 9 00 Uhr Sonntagfrüh 7.45 Ubr (Scbiwo osor betamus) an den Wochentagen: _morgens 6.30 Ubr abends 6.00 Ubr ParlTh o*«HI das renommierte Hans IQr das jQdtscbe Publikum Jeden Einkauf 13. Juli Freitagabend 6.45 Ubr Sabbatbmorgen 6.30 Ubr Sabbatbnacbmittag 3.15 Ubr Sabbatbausgang 5.50 Ubr Sonnt^gfrüb 7.45 Ubr an den Wochentagen: morgens 6.30 Ubr abends 6.00 Ubr 10. Juli 1934 ■mmta lillim Höchst« Leistung bet billigsten Preisen unseren Inserentenl Frl. Ruth Lepman, Fischerstr.2. R o t h s ch i 1 d.

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