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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1934-06-01 · 5 (1.6.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
XI (1934-1935)
Issue
5 (1.6.1934)
Date
1934-06-01
Page
[Seite] (sequence 5)
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- 43 - t monate erwies sidi die Lieferung neuen Materials als notwendig. Kontinente, die bisher wenig oder garnidit aufgesucht wurden, Kolonien in weiter Ferne wurden mehr als vorher Ziele der Auswanderung. Oktober 1933 wurde ein neues Korrespondenzblatt veröffentlicht, das Berichte Uber zweiundsechzig Länder enthielt. Außer amtlichen Bekanntmachungen. Auskünften von Konsulaten und Berichten auswärtiger Komitees wurden auch Briefe von .Auswanderern verwertet, es wurden lebendige Schilderungen persönlicher Erfahrungen, die aus zahlreichen Ländern eingegangen waren, wiedergegeben. Ergänzende Informationen über wirtschaftliche Möglichkeiten, Einreisebedingungen, Bestimmungen für Ausübung von Berufen — u. a. für Aerzte — w urden in Zirkularen gegeben. Die Förderung durch die Gesellschaften, mit denen der Hilfsverein seit langem zusammenarbeitet — vor allem ICA und HICEM und ihre Zweigkomitees — kamen ihm bei der Emigrationsarbeit besonders zustatten. Der Hilfsverein steht heute mit über 200 Komitees, Gemeinden, Vertrauensleuten und Korrespondenten außerhalb Deutschlands in allen Erdteilen in Verbindung. In dem Bericht ist ein Ueberblidc über die Hindernisse gegeben, die sich einer Niederlassung von Einwanderern in den wichtigsten Ländern entgegenstellen, und andererseits wird auf Grund reichhaltigen Materials auf die Möglichkeiten hingewiesen, die sich für Auswanderer in kontinentalen wie überseeischen Ländern geboten haben und zur Zeit noch bieten. Eine zuverlässige Statistik der Auswanderer, die sich im Laufe des Jahres 1933 an den Hilfsverein um Rat wandten, zu geben, war nicht möglich, da in einer großen Anzahl Fälle kein Nachweis vorliegt, ob und wann die Auswanderung unternommen worden ist. Von denen, die die finanzielle Hilfe des Hilfsvcyeins in Anspruch nahmen, wandten sich 5940 zunächst nach den Nachbarstaaten Deutschlands und nach anderen europäischeh Ländern, ln den Monaten April bis September ging noch der weitaus größte Teil der Auswanderer nach dem europäischen Ausland. Zu ihnen zählen auch diejenigen, die zwecks beruflicher Ausbildung von den hierfür zuständigen Organisationen, vor allem vom Hechaluz, ausgesucht und zum Teil mit Unterstützung des Hilfsvereins auf die in Frage kommenden Güter und Betriebe in Frankreich. Lettland, Litauen. Dänemark, Jugoslawien und der Tschechoslowakei geschickt wurden. Von Oktober ab eröffnen sich Möglichkeiten in Uebersee in weiterem Ausmaß. Es ist bemerkenswert, daß in den Monaten Oktober bis Dezember fast 25 % überseeische Reiseziele hatten. Im Dezember verschob sich das Verhältnis noch weiter; es gingen 40 % de* vom Hilfsverein unterstützten Auswanderer nach Uebersee. Eine nicht unbeträchtliche Zahl derer, die in europäischen Ländern ausreisten, ist von den ausländischen Komitees nach Uebersee. besonders nach Südamerika und Südafrika. weiterbefördert worden, nachdem alle Versuche, für sie in Europa Existenzmöglichkeiten zu schaffen, fehlgeschlagen waren. Wie in früheren Jahren war der Hilfsverein auch im Jahre 1933 Auswanderern, die aus dem Osten kamen oder dorthin zurückkehrten, auf ihrem Wege durch Deutschland behilflich. Es passierten den Schlesischen Bahnhof in Berlin (wo die Bahnhofsbehörden dem Hilfsverein einen besonderen Auswanderersaal zur Verfügung gestellt haben) 13 550 Aus- und Rückwanderer (hiervon 2724 Nichtjuden in geschlossenen Transporten, die von Schiffsgesellschaften in Polen. Litauen usw. zusammengestellt wurden), und zwar 6213 Männer, 4878 Frauen, 2459 Kinder. Der Bahnhofsdienst des Hilfsvereins nahm sich der Chaluzimtransporte aus dem Osten bei ihrer Durchreise nach Palästina an. Es wurden Zuschüsse gewährt für Bahn- bzw. Schiffskarten, Visen, Zehrgelder, Kosten für Transporte von Gepäck. Maschinen und Instrumenten insgesamt in Höhe von 327 000 Mk. Das Ukruinewaisen-Fürsorgewerk erforderte noch Aufwendungen für junge Leute, die nach europäischen und Ueberseeländern gefahren sind, wie für solche, die noch ausgebildet werden. Dem Kinderdorf Ben-Schemen in Palästina wandte der Hilfsverein nach wie vor Interesse zu. Er hat es insbesondere in dem Bestreben, aus Deutschland auswandernde Kinder aufzunehmen, gefördert. Die vor kurzem errichteten Häuser der Kwuzah Akiba in Zweierlei Wesen Don mnrtfn Daher Der tüötfäie Mensch von heute Ist der Innerllch nnsgesetzteste Mensch nuferer Welt. Die Spannungen ixe Zeitalters hohen sich diesen Dankt ersehen, am an ihm ihre Kraft ja messen. Sie wollen erfahren, oh der Mensch ihnen noch ja widerstehen vermag, and erproben flch am faden, wird er standhailen 7 wird er in Stücke gehen? Sie wollen durch sein Schicksal erfahren, was es am den Menschen ist. Sie machen Derfnche mit dem faden, ste versuchen ihn. Besteht cr's? .... Etwas ist geschehen. Statt des einen Wesens, an dem die Spannungen des Zeitalters stch ansiasfen wollten, stad zwei zu schauen, — ein zerfallendes and ein nnhezwingtiches. Eins, das Sicht nusgibt wie ein phosphoreszierender Sumpf, und eins, das Sicht ansgibt wie der (Drtan. ftber dieses steht für fenes ein. Dieses sagt von jenem: Das hin ich. Es streckt flch über es hin, es deckt es, es duldet, was zu dulden ist. Und wenn eure Drohe bestanden sein wird, Spannungen des Zeitalters, werden nicht mehr zwei da fein, sondern einer, der Überwinder. Ben-Schemen, die zur Aufnahme dieser Kinder bestimmt sind, tragen den Namen des unvergeßlichen Präsidenten des Hilfsvereins, Dr. James Simon. Für das Kinderheim „Aliuwuh" in Bdrlin. das sechzig seiner Zöglinge nach Haifa übersiedeln läßt, und die musterhaft geleitete Hebräische Realschule in Haifa wurden Bewilligungen aus dem James Simon- Fonds beim Hilfsverein vollzogen. — Studenten, die unmittelbar vor Abschluß ihres Studiums standen, wurden Beihilfen von mehreren tausend Mark gewährt. In dem Bericht wird der Zusammenarbeit mit dem Zentralausschuß der Deutschen Juden für Hilfe und Aufbau, der Jewish Colonization Association, dem Joint Distribution Committee, der Hiccin (Hias-Icn- Emigdirect). der Anglo-Hicem und zahlreichen anderen Komitees gedacht. Der Hilfsverein ist, wie in dem Bericht hervorgehoben wird, von der Reichsstelle für das Auswanderungswesen als gemeinnützige Auskunftsstelle für t'üdische Durchwanderung und Auswanderung anerannt. Er ist der Reichsstelle ebenso wie den dieser unterstehenden größeren Auswanderungsberatungsstellen in Berlin und im Reiche für die wertvollen Informationen zu besonderem Dank verpflichtet. Die Publikationen der Reichsstelle waren bei der Ausarbeitung der Korrespondenzblätter von großem Wert. Die Reichs- und Lundesbehörden kennen die Arbeit des Hilfsvereins seit Jahren: dieser hat bei seiner im Interesse der Allgemeinheit durchgeführten Tätigkeit stets volles Verständnis bei ihnen gefunden. Der Bericht schließt folgendermaßen: „Der Hilfsverein der Deutschen Juden muß an seine Mitglieder und Freunde den dringenden Appell richten, ihn bei der Durchführung seiner Arbeit auch im Jahre 1934 in tatkräftiger Weise zu unterstützen, in der Erkenntnis, daß in so schwerer Zeit j e d e r zu großen Opfern im Interesse des Einzelnen wie in dem der Gesamtheit, mit der seine eigenen Intereessen aufs engste verknüpft sind, bereit sein muß. Möge dieser Ruf nach Hilfe, der an die weitesten Kreise der Judenheit in Deutschland, lauch an alle diejenigen, die dem Hilfsverein noch nicht als Mitglieder beigetreten sind, ergeht, nicht üiigehört verhallen. Die Bemessung des Beitrages bleibt den Mitgliedern überlassen. Postscheckkonto des Hilfsvereins: Berlin Nr. 33 126. Der Hilfsverein erwartet, daß die Reihen derer, die sein Liebeswerk freudig unterstützen, sich dichter schließen, und daß ihm Förderung zuteil wird, damit er seine Tätigkeit auf sozialem und kulturellem Gebiete, wie in den letzten Jahrzehnten, mit Erfolg weiterführen und das Schicksal der Menschen erleichtern kann, denen kein anderer Ausweg bleibt als iu die Fremde zu gehen.“ ,_ Warum Zionismus? Von Pani Tänzer. Es war die Tradition der ersten neun Zionistenkongresse, daß Max Nordau. der Mitarbeiter Theodor Hcrzls. immer die einleitenden Hauptreferate hielt, iu welchen er die Lage der Juden in der Welt behandelte. Seine Rede äuf dem ersten Kongreß im Jahre 1897 beginnt mit der Feststellung, daß überall da, wo Juden in einigermaßen großer Zahl unter den Völkern wohnen. Judennot herrscht. Theodor Herzl selbst beginnt sein Buch über den Judenstuat mit der nämlichen Feststellung, und die Schriftsteller des russischen Zionismus (Pinsker, Lilienblum u. andere) haben schon vor Herzl die Judennot als eine besondere Not erkannt. Deshalb lautet die erste Antwort auf die Frage dieser Abhandlung: Weil der Zionismus die wirkliche Ursache der Judennot erkannt hat. Der Zionismus will e inen M eg zur Beseitigung dieser Judennot. also zur Losung der Juden frage, zeigen: D e n W e g der \ o I k I i ch e n und nationalen Gestaltung d e r j ii cf i s ch e n Zukunft in E r e z Israel. Die jüdische Heimstätte _ mit allen damit zusammenhängenden Folgen soll diesem Ziel dienen Dieser Weg ist der Weg der konstruktiven jüdischen Tat. Der Weg. der sich zwangs- läufig aus der Erkenntnis_iler wahren Ursachen der jüdischen Not ergibt, und der sich nicht auf Mittel beschränkt, die bestenfalls Augenblickslösungen herbeizuführen vermögen, aber nie eine Endlösung durstellen können: denn ihnen fehlt die Erkenntnis der wahren Ursache jüdischen Schicksals, sie sind nur ein Palliativmittel, aber kein Mittel zur Heilung de r Krankheit. Und das ist die zweite Antwort: weil der Zionismus einen konstruktiven Weg zur Beseh tigung der Judennot zeigt. Und ein Drittes: Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Judenland, hat es Herzl einmal bezeichnet. Bewußtes erlebtes Judentum wollen wir es nennen. Nicht Mußjudentum, nicht Dreitagejudentum, nicht das Judentum, das seinen Bekennern erst die anderen zum Bewußtsein bringen mußten Nein, stolzes Judesein, freudiges und offenes Bekenntnis zum jüdischen Volk, kurz: Jüdisches Selbstbewußtsein. Die Juden sind aus dem deutschen Volkskörper eliminiert, eii^e Tatsache, die man nicht mehr ernstlich bestreitet» kann. Sie sind wohl deutsche Staatsbürger. Das ersetzt aber die Zugehörigkeit, zu einem Volk nicht. Eliminiert aus dem einen Volk und keinem anderen Volk zugehörig? Und das ist das \ iertc: Der Zionismus bejaht das jüdische Volk und gibt seinen Menschen dadurch eine Volksgemeinschaft, aus der sie nie ausgestoßen werden können. Aus dem Leben des jüdischen Volkes auf eigenem Boden in Palästina ergibt sich für die dort lebenden Juden die Möglichkeit natürlicher beruflicher Gestaltung: Jede handwerkliche, jede bäuerliche Arbeit findet ihre Betätigungsmöglichkeit ohne Einschfifnkung. 65 *£ der berufstätigen Menschen in Tcl-Aviv. der rein jüdischen Stadt, waren nach einer Zählung des Jahres 1927 Handarbeiter. Und noch ein weiteres: Juden auf jüdischem Boden sind in jeder Beziehung freie Menschen. Und wenn es einmal notwendig sein wird, den jüdischen Boden gegen arabische Angriffe^- - zu verteidigen, dann werden dies die jüdischen Menschen freudig und gerne, mit der Waffe in der Hand tun: kämpfen sie doch für ihren eigenen Boden. Und das ist das Fünfte: Der Zionismus hat dem jüdi- VERMIETUNGEN! m\qt 6 Zlmmer-Wo-mm-, mH reicht. 3«DrhSr. so«»iß. RSHe Bah,* tz»f, Theater rafe Aatage,. sehr Gerl,miß. im r. frisch gerichtet. a»f I. 2»ll )» wiwMiWt ttMihMift Dmch Sckf. 40761. Ihre Kleinanzeige In die Gemeinde- Zeitung I STELLENGESUCHE (TftffUff» *rtt Führerschein sacht Vrschüftigaag gleich vUllgCl VUIM ,H4Jrt.O|f.iirt. H.6Mi.b Ge».-3tg Das LchrllnDsheim bittet um Oberlauung folgender gebrauchter Gegenstände: 1 Wtndemaschinc, 1 Wisdiesell, WatrhkOrbc, Waathznber, Aathenrimer, Matratzen Meldungen erbeten an die scndffecr^nü icr IM. teffeine Shüffturf, ■•sptlilsfr. 34, i«. ns ts Fördert die jüdischen Vereine! W Ausfdieidungsfpiel um die Deuifdie Fußballmeifterfehaft im Reichsbund jüdifdier Frontsoldaten Sonntag, den 3. Juni 1934, Kolping-Sportplatz in Degerloch (Linie 10, Halteftelle Ruhebank), 15.30 Uhr Württemberg — Baden R.J.F. Stuttgart gegen R.j.F. Mannheim 14X)0 bis 1530 Uhr fpielen die II. Mannfdtaften. beider Vereine. — Wir laden alle Gemeindemitglieder hierzu ein. Sportgruppe des Eintrittt Mitglieder gegen Ausweh RM. —.30, Nidit- , mitglleder Rtl. -JO, Jugendliche unter 14 Jahren RM. -.20 *• jtUttQ&It A

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