Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- XI (1934-1935)
- Issue
- 4 (16.5.1934)
- Date
- 1934-05-16
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- [Seite] (sequence 4)
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34 — Als dann die große Welle der Einwanderung sich über das [.and ergoß. war das erste Gefühl, von dem fast der pesumte Jischuw ergriffen wurde, das einer Verwunderung und Enttäuschung: schien doch auf den ersten Blick das kulturelle Gesamtniveau der neuen Einwanderung weniger hoch, als man geglaubt hatte Mit der großen Welle waren sehr viele gekommen, die es unter normalen Umständen niemals nach Palästina gezogen hätte: Menschen, die in der Kriegs- und Nachkriegszeit Arbeit. .Streben und -Ideale verloren hatten und sich hier ein leichteres. ungebundeneres I eben versprachen: Juden aus östlichen [.andern, die bei ihrem Zuge durch Deutschland und andere Länder ihre östliche Kultur eingebüßt und eine westliche noch ni^ht dafür eingetauscht hatten: Leute, die 'ich schon vorher in der Gesrlisihufttnicht hatten behaupten können und gern die Gelegenheit zur Auswanderung ergriffen. Es k.nie ii auib allzu bürgerliche Existenzen Zionisten ued \ oht/ionisten welche die Zeit, in der man sich noch canz eine r Idee anschließen kann, hatten verstreichen lassen und in der Gewöhnung an ihr behagliches Leben erstarrt und cri'jiicMt waren. i )u-e Kreise, von ih-nt r: eoi I eil inzwischen w jeder fortgezogen ist. ein anderer teil auch vom Geist des I andes alltniihli-.il bind i - oi-l umgeformt wird, entzogen zeitweilig, den, m-ck des Jischuw das Bild derjenigen. die w : r k 1 I als 1 rrtrc’tr r des d 1-nt - ch C; J i -t e;. t II m s gelten können, je klarer aber i!ii —ältlich hervor!ritt, desto mehr befestigt -ii! a L-.huw da' Bewußtsein, daß das Land von dh - » ■- -iii-ii Moment wirklich etwas zu erhoffen i ,! N e inige Stellen an der Peripherie unser. - i >i : - seien anfue/eigt an denen sich der I t infinit ,, „in l inw. nderer bere it' erweist und 'iiherb-b ihrer tieferen L invv urzelung im Lande .iiüiiii G r fühlbar werden wird. I - t dt darauf hingewiesen worden teils mit ii i ' rn i ade-l. teil' mit leichter Ironie . daß die f. i 'i.ehe Leistung in Palästina nicht immer ge- "iid c-rnst geiiommcm wird. Der Maurer, der nicht bauen w ersteht, dc-r I ischler. Glasc-r. .Schuhmacher. .!< r kein -..Kachniami" ist. der Lehrer. Landwirt und >11gehörige eine» akademi'd.en Berufes, der seine \rheit. mit der geringen Zuverlässigkeit des DiIlettanten erledigt, sind bekannte Erscheinungen. Diese berufliche Lnziilänglichkeit läßt sich nicht nur mit dem Mangel an \ii'bildungsmöglichkeiten erklären. linier dem der osteuropäische und palästinensische Jude zu leiden hatte: es scheint vielmehr mitunter. daß der östliche Jude das Ziel seines Streitens an eine v -n der konkreten Leistung entfernte Stelle verlegt ir d die Leistung fast ein wenig verachtet. Sicher i't. daß der deutsche Jude nicht nur der jäh auseiner Laufbahn geworfene anerkannte Wis- > senschaftler' der seine Möglichkeiten einer gründlichen \ii'iiilditng ausgenutzt hat. die Qualität des < \nfl>.uns in mancher Weise günstig beeinflussen w ird. I )em \ r z t Ingenieur. Anwalt aus Deiitschlat.il bringt man schon jetzt im Lande großes \ rir.oien entgegen, das noch dadurch erhöht wird, dal! nett ejngow änderte Wissenschaftler sich gleich nach ihrer Ankunft den w i s » e n s ch a f t I i dt e n ’ <. e ' c 1 I ' <h .t f t e n des Landes anschlosscn und auf diese bevor noch ihre' eigene' materielle Existenz gesichert i't belebend wirken. Aehnlnhes Vertrauen bringt man auch dem aus fJi-utschliiml kommenden Handwerker entgegen. Der Begriff der ..Handwerkseilre" ist noch wenig ans- - -bildet in einem Lande, in dem allzu lange die i .nnelle Arbeit als Gebiet der ain wenigstem ent- : k c-I tc ■ :i orientalischen Bevölkerung angesehen ■' de. Die Einwanderung, gründlich ansgebildetc r i .ndw rkc-r. die neben ihrer manuellen Gosch ich - chkcui auch einen gebildeten Geschmack und vereiiierte I landwerkssitten mitbringen, wird allgemein -in Gewinn für das Land betrachtet. i*ii eil ( . e s ch ä f t s 1 e b e n machen sich bereits .i 'itive bigen'chaften der deutschen Juden geltend. ' d t alle geschäftlichen Unternehmungen, die im et/ti Ti Jahr on deutschen Juden begonnen wurden, tu dreien einen Gewinn für das Land: viele* der neu J i n-efiihrti n Waren sind für die gegenwärtige Ent 1 w i klang ■!>■' I andes überflüssig, v ielleicht sogar schädlich und w is-noch bedenklicher ist — nehmen kei! Nück'i'tit auf die Notwendigkeit, die junge* ein heimische Industrie* zu fördern. Aber ande rerseits beginnt ein erhebliche r Teil der Kaufleute aus Deutschland mit hochwertigen Waren, geschmackvoll angeordneten Auslagen und vor allem mit einem Knnden- ' dienst in so zivilisierten Formen, wie man sie bisher i o Lande nicht kannte, den Ehrgeiz der Kaufleute an/urrgeu und das Ansehen des gesamten Kauf .i.innsstandes zu helien. Martin Buber über „Der ehrfürchtige Mensch". Im Rahmen der vom Jüdischen Lehrhaus veranstalteten Vortragsreihe mit dem Thema „Werdendes Judentum" sprach am 29. April Prof. Dr. Martin Buber über ..Der e Ii r f ii r ch t i g e Mens ch“. Ein großer und geistig aufgeschlossener Kreis lauschte den Ausführungen des Redners, die wieder so ganz die Prägung Buber scher Wort- und Gedankengestaltung trugen. Auch diesmal gehörte schon eine gewisse Einstellung auf die teils sehr schwierige Dar stellungsform dazu, um Buber ganz zu verstehen. Die Schlußfolgerungen aber, die Martin Buber nach einer weitgespannten Definition des Begriffs „Ehrfurcht" für das Judentum und die* innere* menschliche Haltung jedes Juden als Forderung zog. wurden in ihrer geistigen Tiefe und . Jüdisch-existenziellen Bedeutsamkeit sicherlich von allen Hörern als wahrhaft sittliche Imperative konzipiert. Schon in seinen einleitenden Worten betonte Martin Buber. daß wirkliche Menschheitselemente in das werdende Judentum eirigehen müßten und zu ihnen gehöre wesentlich der Begriff des „ehrfürchtigen Menschen“. Auf die ..Ehrfurcht" komme es an. wenn man vollständig Mensch sein wolle*. Dann setzte sich der Redner ausführlich mit den Begriffen „Furcht“ und „Ehrfurcht“ auseinander, wobei er die diesbezügliche Auffassung Goethes in höchst geistvoller Weise untersuchte und ihr seine eigene Betrachtung entgegensetzte. Buber sieht in der Ehrfurcht im Gegensatz zu Goethe, der sie als ..Haltung“ kennzeichnet, die unmittelbare Beziehung des Wesens zur Wesensgotthaftigkeit. Ganz ausgezeichnet nun wie Btilier von hier ausgehend die Beziehung des Menschen zum Geistigen als Ungebundenen, zu Erde. Schicksal und Tod als Gebundenem, und zur tnitmcitschlichen Verbundenheit vom Aspekt der Ehrfurcht aüs kennzeichnete. Hier zeigte er. wie die Analyse der Dinge nicht tiefer in die Zusammenhänge führt, wie das ..Scheinhafte“ meist für das ..Wahrhaftige“ genommen wird und von der geistigen Wirklichkeit wegführt. So glaubt man. das Werden zu kennen — entfernt sich aber im gleichen Augenblick we it von der wahren Erkenntnis. Ehrfurcht vor dem Menschen liegt nicht in der Duldsamkeit, sondern in der letzten Anerkenntnis der menschlichen Existenz überhaupt. Vom heutigen Judentum meinte Buber. daß es-sich mit allen Dingen bekannt gemacht habe*— letztlich aber nur mit ihrem Schein. Aber mankann, so Iwmerkte er. diese „Geläufigkeit“, die sogar schon in der „Geläufigkeit des Geheimnisses“ au ft ritt, von der jüdischen Geschichte her verstebc-n. Einen Aufstieg gibt es für uns aber nur durch Umkehr zur Ehrfurcht, die der Beitrag des Menschen zur Schöpfung ist. Die Anwesenden dankten dem Redner, den Stadtrabbiner Dr. Rieger herzlich willkommen geheißen hatte, mit lebhaftem Beifall. Außerordentliche Mitglieder- Versammlung des Isr. Frauenvereins. Der geplante Zusammenschluß des Israel. Frauenvereins mit dem Studtverband des Jiid. h ratienbunds machte eine außerordentliche Mitgliede rversammlung für den Erauenverein notwendig, die am 2. Mai in den Räumen des Lehrhanses stattfand. Frau Rosa Wolf begrüßte, die Anwesenden, worauf Frau Minna H i r s ch in klaren Ausführungen die Gründe für den gepinnten Zusammenschluß darlegte. Infolge 'der veränderten Zeitverhältni«se war schon vor Jahresfrist der Wunsch nach einheitlicher jüdischer Frauenarbeit laut geworden. Man wollte kein Nebeneinander. keine Zersplitterung der Kräfte, vielmehr wollte der Erauenverein alle Frauen sammeln und zu gemeinsamer sozialer Arbeit verbinden. Auch den Behörden gegenüber wollte man Vereinfachung im Vereinsleben schaffen. Durch die Delegiertentagung ’cles Jüd. Frauenbunds wurde der Wunsch zum Zusammenschluß aufs neue an den Frauenverein herangetragen. Wollten und sollten doch die berufstätigen Frauen, die ihre bisherigen Berufsorganisationen verlassen mußten. Rückhalt, am Frauenbund finden. Der Zusammenschluß von zwei Organisationen, die bis dahin umfassende Ausschüsse besaßen, verlangte eine großzügige Bereitstellung der Aemter durch ihre bisherigen Inhaberinnen. Die Arbeit soll in Kommissionen eingeteiit werden, in denen alle Frauen, die bereits tätig waren oder jetzt mitarbeiten wollen. Betriebskapital schaffe ich Ihnen «durch Blaxug Ihrer Forderugea auch ausgeklagter. Inkasso- DAblAn Martenstr. 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