Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- XI (1934-1935)
- Issue
- 3 (1.5.1934)
- Date
- 1934-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
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gewählt. Krau Bergmann eröffnete die Versammlung mit der Begrüßung der Vertreter der verschiedenen Behörden. Dann folgte der Tätigkeitsbericht des J.F.ß. für das vergangene Jahr. Frau Bergmann erwähnte die Errichtung der jüdischen Haushaltungsschule. für die der Bund werbend sich bemüht ebenso die Gründung der Nothilfe, der der Bund, trotz seiner geringen Mittel, eine kleine finanzielle Hilfe bot. Die Fachberaterinnen der Nothilfe hielten auf vielen kleinen Plätzen Vorträge über Stellenvermittlung. Berufsaussichten und Umschichtung, wofür das roßte Bedürfnis und Interesse vorhanden war. Die erichtc der einzelnen Vereine, die Frau Bergmann zusammengefaflt darbot. erzählten von fleißiger diaritativer Arbeit, von Nähstuben. Erholungsfürsorge, Reisekasse usw. Frau Lucie Levis Bericht über den Stadtverband brachte ausführliche Darlegungen über Sammlungen, Verteilung von Stoffen. Kleidern. Wäsche, deren Anfertigung durch jüdische Schneider und Schneiderinnen, die Kleiderhilfe, über Kurte für Nähen und Ausbessern, Maschinenschreiben und Stenographie usw. Frau Hattv Rothschilds Kassenbericht zeigte die in allen Vereinen beklagten Abmängel. Frau Weil dankte in warmen schönen Worten für das ihr bezeugte Vertrauen; sie will mit Frau Bergmann zusammen die Arbeit übernehmen und sie fördern. Es folgten dann die einzelnen Referate.. Frau Idu Marx, Cannstatt, sprach über „Jüdische Schul- und Erziehungsfragen“ unter besonderer Berücksichtigung der jüdischen Schule in Stuttgart, deren Kommission sie angehört. Sie betonte die Notwendigkeit der jüdischen Schule für unsere Kinder, wenn wir sie tu geraden, aufrechten Menschen erziehen wollen. — Frau Dr. med. Lotte Bär. Künzelsau« sprach als eine Frau aus einer kleinen Gemeinde über „Frauenarbeit in kleinen Gemeinden“ und gab ein erschütterndes Bild von der wirtschaftlichen und seelischen Not der Landgemeinden. Es pibt meist keine Möglichkeit der Zusammenkunft, einige Frauen, gerade in Künzelsau und Oehringen, bemühen sich, wenigstens die Jugend zu Wanderungen oder zu einer Art von Bundesleben zusammenzusailieflen: aber es fehlt meist an der genügenden Zahl von Teilnehmern für einen Jtigendbund. Der Bericht klang aus in einen Ruf nach verständnisvoller Hilfe. — Frau Anny Hirsch, Ulm, sprach über die Reisekasse, die ja auch in Stuttgart im Umlauf ist. über Erholungsfürsorge, die die Verschickung der Erholungsbedürftigen und die Vermittlung von guter Unterkunft übernimmt. Leider konnten im letzten Jahr nicht alle Wünsche befriedigt werden, da zu Gunsten der Nothilfe keine Sammlung getätigt wurde. Baldige Anmeldung für die kommenden Monate ist erwünscht. Ein Reichsuusschufi für Jugendwanderer hat sich gebildet, der einen Listenaustausch für Jugendherbergen in die Wege leiten will; Adressenangaben für Uebernachtungsmöglichkeiten in Württemberg sollen gesammelt werden. — Fräulein Thea W’aitzfelder sprach als Beamtin der Jüd. Wohlfahrtspflege über ihre Tätigkeit, über den großen Umfang, den ihre Fürsorgearbeit im letzten Jahr angenommen hat, über die Betreuung der Auswanderer, über die Gründung einer Darlehenskasse. Die Zusammenarbeit mit der interkonfessionellen freien Wohlfahrtspflege beschränkte sich auf das Winterhilfswerk, dessen Gaben in Geld, Brennmaterial und Lebensmitteln in Zusam- - 27 - menarbeit mit dem jüd. Fürsorgeamt auch Juden zueteilt wurden. — Mit dem Thema „Einreihung der erufstätigen Frauen in den Jüd. Frauenbund"' begründete Fräulein Thekla Kaufmann, Fach- Deraterin der Nothilfe, den geplanten Eintritt der berufstätigen Frauen in den Jüd. Frauenbund. Die Gleichschaltung der weiblichen Berufsverbünde und damit die Entfernung der Nichtarierinnen aus ihren Berufsorganisationen hat die berufstätige Jüdin heimatlos gemacht. Eine neue Gemeinschaft muß gefunden werden. Dies hat der Jüd. Frauenbund erkannt und hat dieser Gruppe eine Heimstätte in seiner Mitte bereitet. Die Rednerin besprach, was diese Frauen von ihrer Eingliederung erwarten: Gemeinsamkeit. neue geistige Heimat — und was sie mitzubringen hoffen: Arbeitswillen, Berufs- und Lebenserfahrung, geistige Disziplin und Fähigkeit zur Einordnung. — Fräulein Ilse Wolf. Berufsberaterin der Nothilfe, berichtete in einem feinen Vortrag über „Berufs- und Umschichtungsfragen“. Sie forderte auf zur Ergreifung des hau: wirtschaftlichen Berufs. Auch eine innerliche Einstellung hiezu muß sich vollziehen, bei der Frau als Mutter, die ihrer Tochter die Achtung für diesen Beruf zu übermitteln hat, und bei der Frau als Arbeitgeberin, die sich mit Geduld, Takt und Achtung vor der fremden Persönlichkeit (die nicht in wahllos gewährtem Familienanschluß besteht) auf das jüdische junge Mädchen einstellen muß. Schon in der Kinderstube muß die praktische Erziehung, besonders auch die der Jungens, beginnen, und es muß darauf hingewiesen werden, daß nicht die Kopfarbeit den Vorzug vor der Handarbeit verdient. Bei der Berufsberatung der Töchter sollten die Eltern sich nicht, wie es vielfach geschieht, zurückhalten; der Einfluß der männlichen Jugend in den Bünden ist auf die weibliche Jugend in bezug auf die Berufswahl größer, als er durch die Sachkenntnis und Erfahrung dieser Jugendlichen verantwortet werden kann. — Frau Bergmann sprach noch über die „Blätter“, den Kalender, die Beitragsfrage, Pfundsammlung und schließlich über die Versicherung „Familienschutz“. Nach den Referaten hatten die Frauen Gelegenheit zur Aussprache. Wie sehr diese Tagung einem Bedürfnis entgegen kam. zeigte der überaus zahlreiche Besuch aus allen Teilen des Landes. Viele Stuttgarter Frauen und auswärtige Delegierte aus 1? Gemeinden füllten den Saal. Sicherlich hat die Tagung ihren Zweck erfüllt, allen 'üdischen Frauen neue Anregungen und neue Schafensfreude mitzugeben. Zur 3. Veranstaltung der Stuttgarter Jüd. Kunstgemeinsdiaft. Dr. Emmy Joseph, Franz Oppenheimer and Kapellmeister Max Sinzheimer als Gäste. Zu einem Ereignis ganz besonderer künstlerischer Prägung gestaltete sich der von der Stuttgarter Jüdischen Kunstgemeinschaft am 18. April veranstaltete Melodramen- und Arienabend, für den man hervorragende Kräfte gewonnen hatte. Der Große Saal des Gustav Siegle-Ha.uses war wieder bis auf den letzten Platz besetzt — ein erneuter Beweis dafür, daß die Veranstaltungen der Kunstgemein- Schwflbische Bank AG. Stuttgart, Königstraße ISA, Salamanderbau Telefon 28344/45, 27437 Die Bank f S r~~A n 1 a g e nad Vermögensverwaltung schaft weit über den itreis der Abonnenten hinaus ihre Anziehungskraft äusüben. Der Abend insofern sehr bemerkenswert, als er in glücklicherPaarung mit dem immer dankbaren Vortragsgebiet der Arie mit einer verhältnismäßig wenig bekannten Kunstgattung bekannt machte — dem Melodram. Diese im besonderen von Rousseau im 18. Jahrhundert eingeführte Weise der dramatischen Aufführung, bei der Musik zur Deklamation tritt, vermag außereordentlich starke Eindrücke zu vermitteln. Als besonders dankenswert darf es nun bezeichnet werden, daß die Vortragsfolge des Abends gewissermaßen einen historischen Ueberblidc über die Entwicklung der melodramatischen Darstellung gab. Sie führte vom Monolog des Pygmalion (Text von J. J. Rousseau, Komposition von Georg BendaL-iiber Balladen von Hebbel mit begleitender Musik von R. Schumann zu zeitgenössischen Schöpfungen wie dem Naturzyklus „Kreislauf der Nacht“ von Bialik. einem hervorragenden, von M. Sinzheimer musikalisch untermalten , Werk. Wir erwähnen noch die Richard Strauß sehe Darstellung des bekannten Uhland sehen Gedichts „Das Schloß am Meer“, das als Typus des Konzertmelodrams mit selbständig sinfonisierender Begleitung in der Erläuterung zum Programm bezeichnet wurde. Aufs stärkste fesselnder Sprecher von gewaltigem stimmlichem Ausmaß war der frühere Spielleiter am Königsberger Schauspielhaus, Franz Oppenheimer. Ganz großartig, wie er als Pygmalion dem gemessenen antiken Stil, und als Rezitator der Hebbel’schen Balladen für Deklamation dem dramatisch-düsteren Stimmungsgehalt insbesondere im „Heideknaben“ gerecht wurde. Höhepunkt war zweifellos aber der schon erwähnte Naturzyklus des hebräischen Dichters Bialik. zu dem Sinzheimer eine geistvolle Musik geschrieben hat. Höhepunkt auch deshalb, weil eine jüdische Hörerschaft besonders in der heutigen Zeit von einer Dichtung angesprochen werden muß, die über den stofflichen Gegenstand hinaus in seelische Bezirke vorstößt, wo s o 1 di e' künstlerische Nahrung unbedingt verlangt wird. Aus dieser Feststellung ergeben sich unseres Erachtens auch zwingende Forderungen an die Programmgestaltung kommender Veranstaltungen der Kunstgemeinschaft. — Kapellmeister Max Sinzheimer „begleitete“, wenft man bei der rezitatorisch-musikalisch geschlossenen Kunstform des Melodrams überhaupt so sagen darf, den Sprecher in ganz hervorragender Weise. Wort und Ton einten sich zu stärkster dramatischer Wirkung und rissen die Hörerschaft immer wieder zu Beifallsstürmen bin. die auch Max Sinzheimer als Komponisten galten. Des weiteren vermittelte der Abend die Bekanntschaft mit einer Sängerin, deren Können als außergewöhnlich bezeichnet werden darf, mit der Koloratursopranistin Dr. Emmy Joseph, Mannheim. Hier fällt es dem Rezensenten nicht leicht, zu sagen, was an dieser wahrhaft brillanten Stimme beson- Tflodeate JjmemdekoeaäoH i HeppicAe £äufer_ tDioattd&ckeH. Ulöletstoffe XkkocaäoM&stofle LKnilsheimerdCie. Calwerstraße 28 STUTTGART KAUFT BEI UNSEREN INSERENTEN QRAB'DENKMXLER liefern in jeder gewünschten Ausführung und Steinarf zu billigsten Preisen fix und fertig versetzt MARMORWERKE OFFENAU OFFENAU */n. INH.; MOSES REIS SÖHNE - HEILBRONN KINDIRVBRSICHIRUNO ALTIRSSCHUTZ durch lAXUlIENSCHinz QomeJnnOtzloor Verein fOr HlnlertollebaoenfOreoroe der Mitglieder | öd laohur Oamaindan e. V. 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