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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1934-04-01 · 1 (1.4.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
XI (1934-1935)
Issue
1 (1.4.1934)
Date
1934-04-01
Page
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- 3 - 2)as!Budi det Jicaft.... Haggada Du, Du altes, liebes Bach, von früher Kindheit an der Seele fo vertraut — Du führfl zurück uns zu~den alten Wegen und ISßt uns atmen Gottes Wanderfegeh als Israel ein neues Dafein fleh gebaut .. . . Haggada Du, Du altes liebes Buch, " mit Deinen Bildern aus der Frühzeit Tagen, gib' Herzenskrafl aufs neue uns zur Fajfrt, mach' flark den Sinn und ftolz auf Judenart — in Deinem Geifle gibt es kein Verzagen! Wenn fidt die Sedemacht zur Erde fenki, dann weiß der Menfeh, der ftumm das Sdddcfal trug, daß Gott mit ihm durch Finftemiffe fchreitei, daß feine Planung alle Dinge leitet — i Haggada Du, Du altes, liebes Buch! HANS STERNHEIM. Der Jüngste am Sederabend FototkJzz* von Ignaz Zlaglar, Stuttgart Zum 10jährigen Bestehen der „Gemeindezeitung“. Am 1. April d. Js. besteht die „Gemeinde-Zeitung" zehn Jahre. So sei es uns an der Schwelle des 11. Jahrgangs, der mit der vorliegenden Nummer begonnen wird, ein kurzer Rück- und Ausblick verstattet. Als wir vor Jahren an die Gründung unseres Blattes herangingen, da war es für uns erster Grundsatz, eine jüdische Zeitung zu schaffen, von der man in Wahrheit sagen kann, daß sie ein Blatt der Gemeinde ist. Dieser journalistischen Richtlinie sind wir — wir glauben, es feststellen zu dürfen — treu geblieben, insbesondere in einer Zeit, da die Gemeinde wieder viel mehr als früher in den Mittelpunkt des jüdischen Seins gerückt ist. Schon in den Anfangstagen unseres Blattes war es unser Bestreben, allen Richtungen innerhalb der württembergischen Judenheit zu dienen. Wir gingen dabei von der besonders heute nicht mehr zu bestreitenden Erkenntnis aus, daß eine „Gemeind e '-Zeitung sich keiner jüdisch-politischen Richtung verschreiben darf, wenn sie ihre ureigenste Aufgabe, ein wirkliches Bindeglied zwischen den Gemeinden und ihren Menschen zu sein, nicht von vornherein gefährden will. Für eines aber haben wir uns immer eingesetzt, und dafür wollen wir auch weiter freudig arbeiten: für die Schaffung einer aufrechten und verantwortungsbewußten Gemeinschaft aller jüdischen Brüder und Schwestern. Wir wüßten auch in dieser Zeit des gemeinsamen Schicksals kein edleres Ziel, als uns einzusetzen für den inneren Frieden in den Gemeinden und für die Ausgleichung der weltanschaulichen Gegensätze, weil wir zutiefst von der Ueberzeugung durchdrungen sind, daß nur ein einiges Judentum vor der Geschichte wird bestehen können. Ein herzliches Dankeswort noch an alle, die uns im vergangenen Jahrzehnt geholfen haben, unser Blatt zu dem zu machen, was wir auch in Zukunft erstreben: zu einem treuen Spiegelbild des jüdischen Lebens im Sdnffabenlande. Dank auch allen, die unserer „Gemeinde-Zeitung" die besonders heute so nötige Förderung zuteil werden ließen. Kehrt ein lirlrei Gast muh landein Fc-rnsc-in Ix-i uns ein. dann uuistürmc-n ihn unsere Kragen. Wir wollen wissen, was ihm begegnet, seitdem er ans fern gewesen, was er inzwischen von uns erfahren und über unser .Schicksal denkt. Kin solcher (last, der alljährlich in den Frühlingstagen bei „ns einkehrt, ist das l’esuchfest. Alljährlich griillen ihn unsere Fragen. Sie sind diesmal brennender und dringender als sonst. Schicksalsfragen. Krügen an Gott. Ks scheint lins so. als ob der alte Gast uns ein Wegweiser der Zeit, ein Lehrmeister des Seienden und ein Deuter des Kommenden sein kann. Wer die Biht-Ierzählung vom Auszug aus Lcgvpten mit hellen Augen liest, der vermilit vorerst in ihr die führende Hand im Geschehen. Wohl wirkt Gott zahlreiche Wunder, aber sie bleiben lauge wirkungslos. Der Gläubige wartet, (lall der Mlmächtige sich unbesiegbar ofTcnburt. Lud doch gibt es weilige Kibelcrzühluiigen, die so sichtbar den Weg und das Walten der Gottheit zeigen. Aber die Pesucherzählung offenbart nicht nur das Wesen, sondern auch den Weg Gottes in der [Geschichte. Das W andt-rschicksul Israels beginnt I mit dem Satze: ..Als Pharao das Volk entlifli. führte Gott es nicht die Straße durch das Land der Philister.! obgleich sie die nächste war. sondern Gott führte sie um auf dem Weg durch die W iiste entlang dem Sthilfmeer (2. Blich Mose 15. 17. INI.” Wie mögen die Aegypter und wahrscheinlich noch mehr die Israeliten Kritik an diesem Umwege geübt haben! Die alten Bücher wissen sogar von einem Statt, mesteil zu erzählen, der diese Umleitung nicht begriff und auf eigene- Kaust den Kinfull nach Kanaan wagte und dabei uiitergegangen ist. Ks ging ihm wie den Helden von ( liorma. als Gottes Botschaft ergangen, eluß Israel vierzig Jahrein der W iistewandern sollte, .daß erst das ganze Geschlecht der Auswanderer hiiigestorben sein sollte, bevor Israel das Land der Lerheillung betrat — sie stürmten gegen Gottes Willen, wollten ertrotzen, was Gott verboten, und erlitten die schwerste Niederlage (4. Buch Mose 14. 44. 45). Das Pesachfest spricht so gleichsam mit dem Gotte-swort au Jesaja: ..Nicht sind meine Gedanken wie euere Gedanken und nicht euere w ege meine- Wege, sondern so weit sich die- Himmel über die hrelei erheben. so himmelhoch sind meine W ege über c-cirep Wegen, so weltenweit sind meine Gedunkelt von Zehn Jahre oft nicht leichter Arbeit liegen hinter uns — und vor uns liegen neue, schwierige Aufgaben. Wir werden sie lösen, wenn unsere Lesergemeinde uns die Treue hält, so wie wir treu und gewissenhaft im Dienste der Gemeinschaft arbeiten wollen. Hierzu möge Gott seinen Segen schenken! Verlag und Schriftleitung der „Gemeinde-Zeitun g". c-urc-n Gc-dunkcn (Jesaja 55. so." Das ist die immer neue Gotü-shotsthnft des l-c-stc-s an Israel: Schaut Gottes W e g e u u d 1er n e t weises LL a r - ten. f r o in tu e s G I a u h cn. Sicher haben w ir alle schon oft Israel innerlich gegrollt, das so viel Wunderbares in Ae-gvpteu und während der Wüstenwuude-rzeit erlebt hat und doch bei jeder Prüfung so schmählich versagte und verzeigte, l ud doch gleichen heute I lunderttiiusc-nde im deutschen Israel den Kleingläubigen der Bibeltage. Siczweifeln au flottes NVelj: Wir ärgern uns oft übe, die L „geduld der Kinder, die den Krwach-euei, vorlaut ins Wort fallen, weil »ie zu wissen glauben, was »ie sagen wollen. Man möchte den vorschnellen Kindern unserer Zeit Zurufen: Fallt doch dem redenden Gotte nicht ins Wort! Die Gegenwart is( sicher eine harte Geduldsprobe. allzu hart für eine Zeit, in der Geduld eine seltene l ugend geworden ist. Gott schreibt gleichsam den Weg , der Welten auf die- Blatter der Weltgeschichte-. Noch ist kein Daniel erschienen, dierJaminc-nschrift der Gottheit zu e nträtseln. Aber midi schreibt er. noch hat er nicht den Punkt an das Kntle des Satzes gesetzt. Wir möchten im Buche des W eit gesthehens wie in einem Krtlenbuche lesen. Liier wir können nur buchstabie ren: wir sind nur Schulkinder im Lehr- und l.c-sc-bnchi- Gottes. Wir sehen einzelne Buchstaben, lesen einzelne Wortedas Satzgefüge aber bleibt uns unverständlich, bis Gott zu Finde geschrieben hat. W ir glauben, das Linmalei»- der Weltgeschichte zu kennen. Liier die LL eltgeschichte i»t kein Kethenexempel aus der Kinderfibel. Sie ist das Findergebnis einer höheren LLeisheit. Gott steht gleichsam am Webstuhl der Zeit und webt ihr vv untierreiches Gewebe. Jetzt schauen wir nur die Bückseite. die \orderseite wird uns erst die Zukunft zeigen. Wir können die Wege- Gottes nicht fassen. Der Weg ist zu steil, die Strulhzu steinig, der Aufstieg zu zögernd. Ja. wenn es nach uns ginge-! LL ir wollten Gott schon den rechten LL eg weisen. LVir murren beim Wandern: Der LL eg ist falsch, die Straße nach Kanaan geht durch dis Land der Philister. LL ir gleichen den Ungeduldigen von ( liorma. die ihren Lehe-reifer bitter gebüßt haben, und sollten doch die rechte Demut haben, diefromm betet: Ich weiß nicht Weg und Steg, laß mich nicht irren bei meinet» Schreiten (Psalm 11*>. 10).. Der LL eg geht anders, als wir ihn gedacht. ..LL ehrlich, du, bist ein Gott der Rätsel (Jesaja 45. 15).“ Wir brauchen heute mehr als je einen Mose, der uns zuruft: „Wartet und schauet den Weg der Gottheit (2. Buch Mose 14. 15).“ Allein durch Gottvertrauen können wir unst-rn Glauben bewähren (Jesaja 50, 15). Wir sind"irrende Menschen. K r n u r weiß d e n r e ch teil Weg! Stadtrabbiner Dp. Rieger. „Festlicher Freitagabend.“ Ls war seltsam für mich, als ich vor einiger Zeit von Freunden die Kiuladuug erhielt, den Freitagabend in ihrem Kreise zu verbringen. Ich dachte zurück. Bilder fielen mir ein aus Kindertagen. Ls war in einer kleinen Stadt in der Pfalz. Meine- Großmutter, es war eine richtige Großmutter, wie man sie im Bilderbuch findet, mit L Itve eibleinhäubchen iilier dem graugescheitelten Haar, betete allein für sich in dem großen, hellen Raum, wo der lisch gedeckt war. weiß und zic-rdelos streng. Der Suhhuthlelichter Stand auf diesem Strengen, weißen Tisch. Meine Mutter war dagegen, daß man den Freitagabend hielt, mein Later dafür. F>ste Kintlereindriithe waren es. vergessen bis heute. Jetzt erwacht w ieder diese Stimmung, die se Abende in dem großen, e insamen Familienhuus. wo nur die Großmutter — ..Vlaria“. ja sichieß Maria ihren Sabbath hielt. Ich wurde- ..neu“ erzogen. Ohne jede Bindung an religiöse Dinge. Auch meine Sthulkameradjnnen waren au» dem gleichen Milieu wieich. Ks yvjir modern nicht in die Sv nirgoge zu gehen. Nur mein L ater tat es. Lr hatte noch diese Bindung 'an die Mutter bewahrt. Ganz deutlich erinnere ich mich an jene trübe- Stimmung im Klternhaus an den Feiertagen. Ich höre jetzt noch deutlich den Satz: ..Later macht ein Gesicht, weil die Mutter es nicht haben will, daß er in die Sv nagoge ge ht.“ Icf* stund ein weni^f“verloren dazwischen. Aber meine Mutter zog sich dann sehr elegant au. und trotz des ..Gesichtes" von Papa wurdegut gegessen. Nudelsuppe und Geflügel gab es. F.'s war Fe iertag Und nun stand ich wieder, nach so langen Jahren, in einem Haus, wo Subbathlcuchter Brannten. Ich war verlegen. Ich hatte mich entfernt vofTulledein. es eigentlich nur schemenhaft kc-nnc-ngelernt. Was lag nicht alles zw ischen dieser Zeit von damals mid der von heute. Zeitkämpfe. ßt-rufskampfc! Hatte man je Zeit gefunden. au solche Dinge überhaupt nur zu denket, < LL in ein Ki-ulenschlag hat Menschen wie uns die Umwicklung von heute getrofTc-nr LL'ohin? Das alles ging durch me,neu Kopf, als ich in der kultivierten Wohnung, vordem gedeckten Tisch meiner Freunde stand. Die beiden Männer, der Herr des Hauses und sein Bruder, trugen die kjeinc-n. sch warten Kappen ans Seide: dieschöne, tic-fschwarze Krau hatte den F hre» platz am Tisch, und sie sah wundervoll aus mit ihren, gescheitelten Hau, und dem einfachen, »chwurzc-n Kleid, dem schmalen, spanisch-edle,l Gesicht. Uc-bc-j der Anrichtehing ein altes juden|mrträt. Holländische Malerei, ein Lorfahrcdieses Hauses. Lite Leuchter standen zu beiden Seiten e|es Bildes, auf dem duuL^ len Holz der Anrichte. Füll r-Ingel Stand „och in diesem Zimmer. Ith war ganz vv ach. konntealles genau Schaut Gottes Wege! Die Predigt des Pesodifestes 5694. ERES Der Mantel Ober der Mode Mk. 69.- 75.- 85.- 110.- «!

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