Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- X (1933-1934)
- Issue
- X. Jahrgang Nr. 23
- Date
- 1934-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
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— 211 — za Terofliditenden Schulleiters. Der Schulleiter gebe der Schale da* Gesicht Fachliche und sachliche Leistung der Lehrer dürften allein bei der Anstellung maßgebend sein. Es seien ungefähr 60 Meldungen eingelaufen. Nach ernster und sorgfältiger Prüfung stenen drei Herren als Schulleiter in engster Wahl. Mit dem Wunsche, daß das Werk gelingen, daß die jüdische Schule eine Herzenssache der Gemeinde, Mittelpunkt einer neu aufzubauenden Gemeinschaft werden möge, schloß Dr. Merzbacher seine mit großem Beifall aufgenommene Rede. Anstaltsdirektor Th. Rothschild (Eßlingen) begann seine Ausführungen mit der Feststellung, daß die Gründung einer jüdischen Schule kein Experiment sei. Er führte weiter aus: Jüdische Volksschulen gebe es seit 100 Jahren, sie seien der Ausdruck jüdischen Lebenswillens, jüdischer Gestaltungskraft. In Zeiten der Not sei es erste Aufgabe, für die Kinder zu sorgen. Die Kinder in der Schule seien die Bürgen für das Judentum. Das Ziel der Erziehung ist heute nicht der geistige Mensch, sondern der völkische Mensch. Die zukünftige Schule kann nicht mit der jetzigen Schule identifiziert werden. Wir können keine pädagogische Insel bilden. Auch wir müssen eine neue Schule haben. Wie will die jüdische Schule dem jüdischen Kind gerecht werden? Stoffbeschränkung sei geboten. Das Kind müsse eingeführt werden ins praktische und werktätige Leben. Konkrete Aufgaben müssen ihm estellt werden, man müsse dem Alltag gerecht weren. Das Kind müsse zur geduldigen Arbeit erzogen werden. Direktor Rothschild entwickelte nun ausführlich den Schulplan (siehe Nr. 20 der Gemeindezeitung) und legte die Möglichkeit des späteren Hebergangs in höhere Schulen dar. Es gelte, lebendige Glieder für unsere Gemeinschaft heranzubilden, dabei müßten Schule und Elternschaft eins sein. Wir wollen eine wesensjüdische Schule, vom Jüdischen her müsse Licht fallen auf alle Lehrfächer. Reibungslos müssen die Kinder in die deutsche Kultur ein geführt werden. Leidenschaftlich zu überliefern, leidenschaftlich zu lernen müsse die Devise der neuen Schule sein. Auch dieser tiefgründige Vortrag fand lebhaften Beifall. - Der Vorsitzende dankte noch beiden Rednern herzlich für ihre überaus wertvollen Darlegungen, wie für die Hingabe, mit der sie sich in den Dienst der großen Aufgabe gestellt haben. Die Besuaier konnten die Versammlung verlassen mit der Heberzeugung, daß die Schulfrage unter vollem Bewußtsein der damit übernommenen Verantwortung vom Vorsteheramt behandelt wird. Wir dürfen mit Zuverficht hoffen, daß damit ein Werk geschaffen wird, nicht nur für heute und morgen. sondern für die Dauer. Eindrücke einer Reise in Württemberg. Ein Bericht der Central-Verein-Zeitung von Ernst Behrendt, Berlin. Diesmal führte mich ein Auftrag des Central- Vereins in einen von der Neumark, Grenzmark und Pommern wesentlich verschiedenen deutschen Landesteil. Berge mit auch im Winter grünen Wäldern, Flüsse und Bäche, deren romantische Täler durch Städtchen und Dörfer mit altdeutschen, spitzgiebeligen Häusern führen, gewaltige Brücken, die den Anforderungen des modernsten Verkehrs' genügen, himmelragende Dome und Münster, deren wuchtige Ornamentik jeden Beschauer tief beeindruckt — das ist Württemberg, wo deutsche Juden in gleicher Liebe und Verbundenheit mit Heimat und Boden in schwerer Sorge das Schicksal zu verstehen suchen, das sie vom tätigen Aufbau des Vaterlandes ausschließt. Denn die württembergischen luden lieben ihre schöne Heimat besonders tief, und der Fremde braucht nur Der berühmte Geiger Stefan Frankel spielt am 8. März in der Stuttgarter Jüdischen Kunstgemeinschaft. die kleinste Gele genheit zu bieten, sofort werden ihm ausführlich die geschichtliche Entwicklung oder die geographischen Besonderheiten des Ortes genau erklärt. Ob es sich dabei im Bad Mergentheim um die Verbindung der Ordensritter mit Marienburg und der Kaiserstadt Wien handelt, ob es gilt, die Bauphasen des Himer Münsters oder die historisch bedeutsamen Erforschungen des Federsees bei Buchau zu erklären — immer fließt aus dem Gedächtnis dieser volksverbundenen deutschen Juden die Erzählung ihrer Heimat mit Stolz und Freude. Dieses schöne deutsche Land ist früher nicht überall gleichmäßig mit seinen Juden verfahren. In manchen Städten, z. B. im reichsfreien Ulm, haben die Juden mehrere hundert Jahre keine Wohnrechte besessen. Aber seit ungefähr 1820 sind die Juden gleichberechtigt eingebürgert, und seit dieser Zeit legen in zahlreichen Städten industrielle Unternehmungen Zeugnis von jüdischer Wirksamkeit ab und Juden zählten zu den hervorragendsten Bürgern dieser Städte. Im Unterland gegen Franken mit seiner stärkeren evangelischen Bevölkerung ist zwar bis zum heutigen Tag eine gewisse Spannung gesellschaftlicher Art zwischen Christen und Juden unverkennbar, im mehr katholischen Oberland fehlt sie bei aller Betonung religiöser Verschiedenheit fast völlig. Die in Süddeutschland überall sichtbarere Wohnkultur zeigt sich äußerlich im Bau der sich gut in die Landschaft einordnenden Häuser sowie in der Ausstattung der Wohnungen, überrascht den Besucher durch die Aufrechterhmtung traditioneller Gebräuche und. die liebevolle Betreuung alten Hausrats. Bei nicht wenigen jüdischen Familien gibt es schöne alte Gemälde, darunter viele Bilder der fränkischen oder schwäbischen Heimat. Die Berufswahl ist etwas anders gewesen als in Preußen, und bei aller Bevorzugung akademischer Berufe, die auch hier in starkem Maße erfolgte, stehen viele Juden doch auch seit Jahrzehnten mitten im schaffenden bürgerlichen Leben und haben in ihren Berufen volkswirtschaftlich wichtige Funktionen für die Gesamtheit erfüllt. Die schweren Prüfungen, die die letzten Monate den deutschen Juden auferlegt hat, haben hier eine Erstarkung ihrer deutsch-bewußten Haltung ausgelöst. Das verdient besondere Erwähnung. Infolgedessen spielt hier auch die Frage der Auswanderung keine große Rolle, obwohl besonders der Jugend die zukünftige Existenzgestaltung ernste Sorgen bereitet. Aber mit Zähigkeit halten die württembergischen »den auch an den äußeren Zeichen der Verbundenem mit dem Judentum fest und versuchen mit allen Opfern die Kultuseinrichtungen aufrechtzuerhalten. Der Durchschnittssatz der zu der Einkommensteuer erhobenen Gemeindesteuern beträgt ungefähr 45 Prozent. Synagogen in reicher Architektur und Ausmaßen, die die frühere Größe der Gemeinden am besten veranschaulichen, sind an fast allen Orten zu finden. Haben die Ausschlüsse aus Krieger- und Militärvereinen, aus Turn-, Sport- und Gesangvereinen auch die jüdischen Menschen, die z. T. seit Jahrzehnten treu zur Fahne gehalten hatten, schwer getroffen, so mögen anderseits wenige Ausnahmen vom Ausschluß nicht unerwähnt bleiben. So ist im Oberland ein jüdisches Gemeinderatsmitglied ebenso vom Innenministerium bestätigt worden wie ein Führer der Sanitätskolonne vom Roten Kreuz, der jahrzehntelang diese Ehrenstelle innehat. Wenn vom- Glockenturm der Synagoge von Buchau der Ton der mit einem Psalm in heiliger Sprache verzierten Glocke — der einzigen Svnagogenglocke in Europa — die Stunde anzeigt in der sidi die Gläubigen zum Gebet einzufinden haben, versammeln sich nier und an anderen Orten jüdische Menschen, deren Wünsche dem deutschen Vaterlande gelten, dem auch die württembergischen Juden in Kriegs- und Friedenszeiten in Treue gedient haben. ThuAeichten xius der Qetueutde SUtttQnrt. Stuttgart. Die Generalversammlung der hiesigen Ortsgruppe des „ R e i ch s b u n d s j ü d. Frontsoldaten“ fand am 10. Februar unter großer Beteiligung statt. Der Ortsgruppenvorsitzende, Dr. Siegfried Merzbacher, eröffnete die Versammlung mit dem Hinweis auf das nunmehr 15jährige Bestehen der Gesamtorganisation und gab dann einen prägnanten Ueberblidc über die gedanklichen Grundlagen des R.j.F. Diese einleitenden Ausführungen gipfelten in der Feststellung, daß die deutschen Juden, die im Weltkrieg ihre selbstverständliche soldatische Pflicht getan, in Deutschland Heimatrecht haben und es auch weiterhin beanspruchen. — Der Redner ging hierauf auf die lokale Wirksamkeit des Frontbundets näher ein, die, wie er betonte, nie eine jüdisch-politische im Sinne der Bekämpfung anderer jüdischer Organisationen war. Man habe, so fuhr der Vorsitzende fort, auch keine Eingriffe in die Gemeindearbeit vorgenommen und sich — bei voller Aufrechterhaltung der deutsch-jüdischen Grundhaltung des Bundes — auch nicht mit der jüdischen Schulfrage in Stuttgart auseinandergesetzt Wenn in den Reihen des R.J.F. in dieser Frage auch gegenteilige Auffassungen bestünden, so müsse man doch die große gedankliche Linie des Schulwerks ins Auge fassen und durch positive Mitarbeit dafür Sorge tragen, daß die neue Schule im richtigen Geiste — als d e u t s ch e Schule — geführt werde. Einen breiten Raum in den folgenden Darlegungen nahm die Sportfrage ein. Auch hier betonte Dr. Merzbacher, daß es dem R.j.F. nur auf positive Arbeit ankomme, an der jeder teilnehmen könne, dem es auf Disziplin und Kameradschaft ankomme. Auch die übrigen, dem Bunde zwangsläufig zugefallenen großen Aufgaben r ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Zum .71 schenkt man sich I ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ Süßigkeiten! Die passenden Geschenke finden Sie In Jeder Preislage bei Wilhelm Jacoblnskl Haus feiner Schokoladen-Erzeugnisse I 8ohloft ■ b«lm 8ohlo6etra6e 68 Dralaok Telefon Pottilffla am Poetplatz ♦ ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ I IIOOU M nfi« 17 I >etplatz I ISPQliSlSBlOlt Haarfärbew / Bleichen / Deuerwrtlen, TH. EDTfcf Damen frieaur, KOelgetr. 88», Tal. 28328 Ttlodeenc JjweHdeAocaticH JeppUhe £äufee_ DioandedieH. 'Moietstoftt ZkAotatUm&stoffc L. dCie. 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