Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- X (1933-1934)
- Issue
- X. Jahrgang Nr. 17
- Date
- 1933-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
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— 149 — »Wille und Schicksal". Ein Vortrag von Dr. Ludwig Freund, Berlin, im R.j.F. Iin Großen Suul des Oberen Museums verunstaltete die Stuttgarter Ortsgruppe des ..R e i di s l> u n d s j ü d i s di e r Frontsold at e n" um 18. November einen Ortsgru pp e iiabend, der einen außerordentlichen Besuch aus allen Kreisen unserer Gemeinde aufzuwei- -eil hatte. Viele hundert Menschen folgten mit gespannter Aufmerksamkeit den bedeutsamen Vusführungen des Buiidesgesdiäftsfiihrers Dr. Ludwig Freund. Berlin, der auch diesmal wieder ein inhaltlich und rhetorisch glänzendes Referat erstattete. Es war ein glücklicher Gedanke. mit diesem Vortrug, der die Arbeit des Rundes im Großen zeichnete, auch einen Ueberblick über die sportlichen Leistungen zu geben, auf die der Stuttgarter R.j.F. stolz sein darf. Ist es doch der Sportgruppcnleitung in wenigen Wochen gelungen, an tlic >00 männliche und weibliche Mitglieder zu werben und diese in straffer Disziplin zusammenzufassen. Der 1. Vorsitzende, Dr. Siegfried Mer/- buch er. begrüßte die Anwesenden und betonte, daß mit dieser Veranstaltung zweierlei beabsichtigt sei. nämlich: Die jüdische Oeffentlichkeit über Weg und Ziel des R.j.F. zu informieren, und dann einen Querschnitt durch seine Sportarbeit zu geben. Der Redner unterstrich nochmals, daß jeder, der gewillt sei, Disziplin zu halten. in der Sportgrup|>e willkommen sei. Er schloß mit einem Dankeswort an alle, die sich in den Dienst des R.j.F.-S|H>rts gestellt haben, insbesondere an II u g o I. ö w e n t h u I . der den größten Teil der Arbeit hervorragend geleistet nat. — Dr. Freund führte hernach etwa folgendes uns: )ie Judenfruge ist nur ein kleiner Ausschnitt ius der Gesamtproblematik unserer Zeit, an deren fernen Horizont sich im (Klinisch-philosophischen Aspekt Oswald Spenglers „Das Gespenst des Zusammenpralls asiatischer Urkruft mit dem Kulturphänomen Europas" abzeichnet. Hier muß der abwehrende Zusammenschluß aller europäischen Völker einsetzen. Den deutschen Juden geht es denn auch zuerst deshalb schlecht, weil es die Schicksale der Völker Europas voll teilt. Unter dem Akzent einer Ueberwindung der Klassengegensätze ist in Italien. Rußland und Deutschland eine tiefgehende Erneuerung des Volkes vor sich gegangen, nachdem die europäische Solidarität nicht verwirklicht werden konnte. Die nationale deutsche Revolution ging allerdings den Weg über die Ras senthese. und diese ist im wesentlichen auf die Juden im deutschen Lebensraum gerichtet. Immer kommt ein Schicksal unubweislich über Menschen und Gemeinschaften — aber, wo wirkliche Führer sind, lassen sich Wille und Entschlußkraft nicht uusschulten. Die deutschen. Juden lehnen es ab. zu allen diesen Fragen vom Gesichtspunkt der Zweckmäßigkeit aus Stellung zu nehmen. Keine Macht der Erde wird i h n e n ein a n d eres Gefühl als das I) e u t s ch g e f ii hl a u f z w Ingen k <> n n e n, Lud so wird es auch gerade jetzt sich zeigen, wer es mit seiner Liebe zu Deutschland wirklich ernst gemeint hat. In der Rassenfrage wird auf die Dauer die Praxis des Lebens — in erster Linie aber die Haltung und innere Würde der jüdischen Gemeinschaft entscheiden. Die Juden waren niemals Glückskinder der politischen Gesellschaft: sie haben aber nicht das Recht, jetzt die Hinte ins Korn zu werfen. Denn wenn sie DER J UWE LI E R O Z für oie GHANUKKA- LEUCHTER STUTTGART - KÖNIGSTR. 17 I N S I L B E R APARTE GOLD WÄREN - MODERNE UHREN - JUWELEN AUS DER EIGENEN FABRIK IN PFORZHEIM - BEACHTEN SIE' BITTE MEINE NEUEN SEHR NIEDEREN PREISE IN GROSS-SILBERWAREN a in auch Objekte sind, so wollen und dürfen sie sich den Willen auf die Gestaltung ihrer Geschicke in Deutschland nicht rauben lassen. Wenn wir Charakter bewiesen hüben, dann haben wir auch das Recht, etwas von unserer Umwelt zu verlangen. Im Hinblick auf unsere 12 000 gefallenen Brüder haben die Vertreter des R.j.F. als Exponenten des gesamten deutschen Judentums unbeschränktes Recht auf die Heimat verlangt. Auch der R.j.F. wurde von zuständiger Stelle aufgefordert, sein Gutachten zur Regelung der jüdischen Verhältnisse einzureichen. Und eines ist nun sicher: Ungeheuer viel hängt von unserem Willen ab. Wille der deutschen Juden ist aber: Wi r haben He i m a ts q n s pr 11 ch auf D e 111 s ch I u n d . wir bleiben in D e 11 t s di I a n d . wir verlangen Lebe 11 s r e ch t e in D e 111 s ch 1 a n d! Fines müssen wir vor allem daransetzen: den Klirensdiild unserer Gefallenen rein zu halten. Darüber hinaus hat der R.j.F. es sich zur Aufgabe gemacht, die Sache des gesamten deutschen Judentums zu vertreten. Hierfür wird der Rund immer mit allen Kräften einstellen. — Ohne auf viele interessante Details cinzugelicn. haben wir versucht, nur die große Linie des Freund sehen Referats zu zeichnen, das. oft von spontanem Beifall unterbrochen, stürmische Zustimmung fand. — Das gleiche Interesse fanden die ausgezeichneten Darbietungen der vielen Sportler und Sportlerinnen, die. ulle im blau-weißen Dreß, ein Bild von der sittlichen Arbeit des R.j.F. vermittelten. Da sali man zuerst eine Jungiiiüdchcngriippc (Leitung: Alice Bl och-Tank) mit Hechtsprüngen. Bockspriingcu iisw.. dann (Leitung: Dr. Siegfried Merzbucher). eine ungefähr gleichaltrige Jungcnsgruppe. die Freiübungen verführte. eine' reizende Kinderschar im bunten „Dirndl“-Kleid mit einem anmutigen Leigen, und eine Jungmännergruppe (Leitung: Ingo Löwenthal), die fabelhafte Pyramiden «teilte. Großen Beifall fand auch die unter gleichem Kommando stehende Mudehengruppe mit interessanten Freiübungen. Dann wurde Bo::en in drei Gewichtsklassen gezeigt, nach dem Rhythmus des Gongs sah man weiter mit Ballwürfen kombinierte gymnastische Hebungen junger Mädchen (Leitung: Ruth Lieb mann), und schließlich überaus exakte Freiübungen junger R.j.F.-Sportler unter dem Kommando Iugo Kau ff man ns. Mit kühnen Sprüngen und einer schönen Pyramide schloß diese Gruppe das reichhaltige Programm. — . 1 Nicht vergessen werden sollen auch die wackeren kleinen Hundharmonika-Spieler, derejn melodische Darbietungen herzlichen Beifall fanden. Dr. Siegfried Merzbacher dankte am S^ilusse dem Redner des Abends sowie allen Mitwjirkenden und forderte" die Anwesenden auf. alle— Kräfte den Bestrebungen des R.j.F. zu leihen. Rabbiner Dr. Joachim Prinz spricht .... T Zwei Veranstaltungen der Zionistischen Ortsgruppe. I. Lin Wort vorerst zur Persönlichkeit «lei Redners selbst: Jahrgang IWJ. gewachsen in dieser Zeit und zwingend unfgeriifen von diese!- Zeit, von ekstatischer Liebe zu seiner Gemeinschaft erfüllt, die ihn mit Inbrunst hört und zutiefst versteht. Fin Mensch und Redner unserer Epoche. STELLENANGEBOTE ZIMMERGESUCHE 3ta9A«0ert«i oder CeftrmAdtffrra mit Kenntnissen in Dtfafcbinmfcferrtbrn uni* Stenographie auf Büro QCfMtf&t« £*ffrr ten unter 1044 an die Gerneindertg. Jüdischer junger Herr §WgG4 mbblicttc» ettlafunO &erreu3ittttner »-glichst RUHe 3mtni» per 15. JV»rmhrr b,m. I. Januar. Offerten erbeten unter 1004 an die Gemeinde-Zeitung. 3BBBIt*rte* »G. leere# 3lwnw*r, msauchst mit T'rofion, per IS. Dezember QCf»<3t. Halbe Höhenlage bevorzugt. Offerten unter 0« 4013 an dir Gem. Ztg. j WOHN U N G S - G ESU CHE , 4 3lg»«gee-Ll>WG»«»W mit »ab, von kleiner ruhiger Familie auf!. April 1934 A» Wirte» WEGWgUlo Offerten unt/r E. 4043 an die Gemein de-Zeitung. Neuzeitliche 4 Zimmer-Wohnnng »UM I. 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