Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- X (1933-1934)
- Issue
- X. Jahrgang Nr. 16
- Date
- 1933-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
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- I 41 - Aus den Gemeinden des Landes. Stuttgart. Sitzung des Vorsteheramts vom 7. November 1953. Hauptge|enstand der Tagesordnung bildete ein Dringlichkeitsantrag Dr. Merzbachers betr. das Jiid. Lehrhaus. An der sehr regen Aussprache beteiligten sich außer dem Antragsteller unter dem Vorsitz von Sanitätsrat Dr. Ries, Arthur Cssinger, Oberrechnungsrat Max Meyer, Stadtrabbiner Dr. Riege r., Oskar Rothschild. Direktor Karl Adler entsprach dem an ihn als geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Lehrhauses gerichteten Ersuchen, zu den von dem Antragsteller gemachten Ausführungen Stellung zu nehmen. Der Antrag Dr. Merzbachers wurde hierauf abgelehnt, doch dürfte die gründliche Aussprache wesentlich zur Beseitigung vorhandener Unstimmigkeiten und Mißverständnisse beitragen. Ein vorliegendes Gesuch von privater Seite, die Veranstaltung eines Konzerts in der Synagoge zu gestatten, wurde abgelehnt Nach Bekanntgabe eingelaufener Zuschriften schloß der Vorsitzende die Sitzung. Stuttgart. Reichsbund jüd. Frontsoldaten Am 18. November veranstaltet die Ortsgruppe des R.j.F. einen Ortsgruppenabend. in dessen Mittelpunkt ein Vortrag von Dr. Ludwig Freund. Berlin, über ,.W i 11 e und Schicksal“ stehen wird. Dieses Referat stellt einen Bericht über die Vorgänge und Verhandlungen der letzten Monate dar. Wohl den meisten unserer Leser ist Dr. Freund aus seinen geistvollen Aufsätzen im ..Schild“ bekannt. Besondere Sympathien hat er sich aber in Stuttgart durch sein hervorragendes Referat im Rahmen ,1er vom R.j.F. im Dezember letzten Jahres verunstalteten großen Kundgebung unter dem Motto „Vaterland und deutsches Judentum" erworben. Den Eindruck, den wir von seiner Persönlichkeit und seinem Vortrug gewannen, faßten wir damals an dieser Stelle mit folgenden Worten zusammen: „Hinter diesen Ausführungen steht ein ganzer, aufrechter Mann, ein pflichtbewußter Kämpfer, für sein Vaterland — ein mannhafter Streiter für die Ehre der deutschen Judenheit.“ Am gleichen Abend wird auch die S|K>rtgruppe des R.j.F. einen Querschnitt durch ihr Training geben. Der Abend, zu dem die ganze Stuttgarter Gemeinde eingeladen ist (siehe Anzeige Seite 137). verspricht also ein ganz besonderes Ereignis zu werden. Wir verweisen auch auf die Ankündigung der .Sportgruppe (Seite 137), die. wie wir hören, von Tug zu Tag wächst. Sie zählt heute schon über 400 Mitglieder, die in strammer Sportdisziplin zusamniengefaßt sind. Die Sportgruppe ist wegen des großen Andrangs genötigt, in Kürze eine Aufnahmesperre eintreten zu lassen. Stuttgart. Ein Ereignis ganz besonderer Art steht der Jüdischen Gemeinde Stuttgart bevor. Rabbiner Dr. Joachim Prinz, einer der bedeutendsten Kanzelredner der Jüdischen Gemeinde Berlin, spricht am Sonntag, den 19. November, in einer zionistischen Morgenfeier für die jüdische Jugend des Landes und ihre Freunde, und am Abend in einer großen Abendveranstaltung. Um auch den auswärtigen Besudhern Gelegenheit zu geben, an der Abendveranstaltung teilzunehmen und noch die Abendzüge zu erreichen, ist der Beginn auf 19 Uhr pünktlich festgesetzt. Beide Veranstaltungen werden einen Höhepunkt öffentlicher jüdischer Veranstaltungen dieses Winters bilden. Es ist deshalb mit einem außergewöhnlichen Besuche derselben zu rechnen Leber eine gleichartige Veranstaltung mit Dr. Prinz in Leipzig berichtet die Jüdische Rundschau: „Die über 1200köpfige Zuhörerschaft folgte dem Redner mit gespanntester Aufmerksamkeit. Seine mitreißenden Ausführungen lösten schon während der Rede dauernd spontane Beifallskundgebungen aus. Der Beifall steigerte sich am Schluß zu einer gewaltigen, minutenlang dauernden Ovation, die nicht nur dem formvollendeten Vortrage, sondern vor allem der Person des Redners selbst galt.“ (Näheres siehe Anzeige Seite 139.) Stuttgart. Der Sportklub „Hakoah“ nimmt nach längerer Pause seine Tätigkeit unter neuen Bedingungen wieder auf. Nach mehreren orbesprechungen wurde auf einer Mitgliederversammlung am 29 Oktober der Beschluß gefaßt, dem Deutschen Makkabikreis beizutreten. Die „Hakoah“ stellt sich damit auf den Boden des Baseler Programms in dem Willen, die sportliche Ausbildung in den Dienst einer bewußt jüdischen Haltung und der zionistischen Idee zu stellen. Neben weitgehender sportlicher Betätigung, in enger Fühlung mit aen anderen süddeutschen Makkabi-Vereinen, wird die ..Hakoah“ sich für die jüdisch-kulturelle Bildung ihrer Mitglieder und die Förderung der Berufsumschichtung und Wanderung im Sinne des Programms des Deutschen Makkabikreises einsetzen. Den Vorsitz hat Walter Tiefenthal übernommen. Der Verein wird unter der neuen Leitung eine rege Werbetätigkeit entfalten. Bereits in der konstituierenden Versammlung konnten zehn neue aktive Mitglieder gewonnen werden. (Siehe Anzeige Seite'138.) Stuttgart. Die Ortsgruppe Stuttgart der Zionistischen Vereinigung für Deuts ch- Iaud veröffentlidit auf Seite 137 dieser Nummer kurze Informationen für Palästinainteressenten. die in unserer Zeitung laufend erteilt werden sollen. Stuttgart. Jüdisches Lehr haus. Im Kreise seiner Bestrebungen kann das Lehrhaus nicht uu der Erziehung zur Selbsttätigkeit in den praktischen. mehr handwerklichen Gebieten vorbei- S.'hen. deren Pßege heute besonders wichtig ist. es halb werden Kurse in Wer kurbeit für Kinder und Erwachsene eingerichtet. Jedermann ist w illkoinmcn; handwerkliche Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Wcrkabcndc finden unter Leitung von Hermann F c ch e n b a ch statt. Durch Basteln aller Art, insbesondere einfachste .Schreinerarbeiten. durch Schriftzeichnen. Modellieren. Buchbinden usw. soll Freude' an praktischer Tätigkeit mit Gegenständen des täglichen Lebens und Sinn für eine auf Zweckmäßigkeit wie auf Schönheit gerichtete Gestaltung geweckt und gepflegt werden. Ähnlichen Zielen dient eine ß a s t e I g r u p p e für Kinder. Sie soll zu sinnvoller Beschäftigung des Kindes „mit Kopf. Herz und rührigen Händen“ führen und will mit der Zeit alle Gebiete kindlichen Gestaltens einbeziehen. Leitung: Anna G i n s b e r g. Geplant ist bei genügender Teilnahme ein Kinderkurs in Neuhebräisch unter Leitung von Dipl.-Ing. Oskar P 1 u w n e r. Im Anschluß an den Kursus von lda Marx: „Ein Jahrtausend jüdischer Geschichte in Spanien" zeigt Landgerichtsdirektor a. D. Lud w i g Stern demnächst Lichtbilder spanischer Städte. Der Sing- und Instrumentalkreis umfaßt bereits über 100 Teilnehmer. In Bildung begriffen ist ein hebräischer Sprechchor. Die erste künstlerische Veranstaltung, die auch stilistische Darbietungen enthalten wird, findet unter Leitung von Direktor Karl Adler am 19. Dezember statt. Neuaufnahmen in den Sing- und Instriimentalkreis sind erst hernach wieder möglich. (Alles.Nähere siehe Anzeige Seite 138) „ Stuttgart. Der Stadt verband des Jüd. Frauenbundes richtet auch dieses Jahr wieder Nähkurse ein. die sicher von vielen Frauen und Mädchen sehr begrüßt werden. Ein Kurs für solche, die schon Nähkenntnisse besitzen, soll den Teilnehmerinnen zeigen, wie man aus älteren, unbrauchbar gewordenen Kleidungsstücken wieder eine brauchbare Garderobe fertigt. Selbstverständlich können auch neue Stoffe verarbeitet werden. Ein anderer Kurs — beide Lehrgänge werden von erfahrenen Fachkräften geleitet — soll denjenigen, die noch wenig bewandert sind. Gelegenheit geben, au leichteren Stücken ihre Kenntnisse im Nähen zu erweitern. (Siehe Anzeige Seite 138.) Stuttgart. Wir weisen auf die geselligen Nachmittage hin, die der Israel. F rauen verein alle 14 Tage veranstaltet. Der Frauenverein hofft und wünscht, daß diese gemütlichen Nachmittage. die Dienstag. 21. November, beginnen, freudigen Anklang und starken Zuspruch finden. (Siehe Anzeige Seite 138.) Buchau. Am diesjährigen Laubhüttenfest hatte Lehrer Einstein mit seinen Schülern eine Sukkoth gebaut. Vierzig Jahre lang war in der Gemeinde eine Laubhütte nicht mehr gesehen worden. Wie sehr dieselbe freudig begrüßt wurde*, bewies der überaus starke Besuch durch die ganze Gemeinde. Mit gespendetem Kuchen und Obst konnten die Kinder stetig bewirtet werden. Wir Juden... Besinnung — Rückblick — Zukijnft. Die Juden waren schlechthin das Volk der Religion. Kaum einer von den religiös wirksamer Bestandteilen der Frömmigkeit europäischer Menschen ist nicht aus dem Judentum gekommen. Wer den jüdischen Gehalt einer Epoche wjssen will, soll fragen, was sie unter Hoffnung verstand. War ihnen die Hoffnung Erfüllung ihres persönlichen Wohlbefindens, der Karriere und des j Gewinns, dann wird man wissen, daß es eine jüßisch unfruchtbare Epoche war, eine Epoche des I Abstiegs. War ihnen aber die eigene Hoffnung Erfüllung der Sehnsüchte ihres Volkes, dann höben schöpferische, volle Juden diese Hoffnung genabt. *! Wir Juden rufen' unsere Brüder. Wie Jokeph stehen wir auf weitem Felde. Wie er suchen auch wir unsere Brüder. Die alte Deutung will wissen, daß der Mann, den Joseph nach den Brüdern fragte, der Moschiach gewesen sei. Wir hoffen, es würde auch uns — bei dem Ruf nach unseren Brüdern — der Moschiach begegnen. Aber er kann uns nur begegnen, wenn unser Ruf gehört wird. Aus dsm nsusstsn BucHs (Erich Rs'ss V#cljg) von Rsbbinsr Dr. Joachim Prirz, B-rhn, dsr in w inigsn T« an in Stutig«*i np'schtn wird. Buchau. Am 29. Oktober wurde Oberlehrer Marx im 62. Lebensjahre zu Grabe getragen. Die große Beteiligung aus allen Kreisen clei Be 'kerung bewies die Anteilnahme und die Beliebtheit. die man dem Verstorbenen entgegenbrachte. 33 Jahre lang hat er als Lehrer und Vorsänger der Israelitischen Gemeinde in vorbildlicher Meise gewirkt. In allen Nachrufen kam die Wertschätzung und die Hochachtung vor der Persönlichkeit des Dahingeschiedenen zum Ausdruck. Nachdem Rabbiner ■ Dr. S ch 1 e s i n - ge r auf Wunsch des-Verstorbenen nur ein Gebcl gesprochen hatte, sprachen Herr Vi-erfel der als Vorstand der Gemeinde. Lehrer Einstein als Lehrer der Schule. Studienrat Grimm für die Lehrerschaft Buchaus. Direktor R o th - schild für den Israel. Lehrerverein undlerr Blaser- Kappel für die Altersgenossen. Das Andenken des Verewigten wird nie erlös, hen. Eßlingen. Josef Starapolski hat am 28. Oktober zum letztenmale vorgebetet und sich nach 30jähriger verdienstvoller Tätigkeit zur Ruhe gesetzt. Nach Beendigung des Gottesdienstes wurce er vom Gemeindevorstand durch eine Ansprache und Geschenke reich geehrt. Heilbronn. Im Sonthcimer I.andes-Asyl (und am 29. Oktober eine eindrucksvolle Gedenk Hier für den verstorbenen stellvertretenden Vorstand des Asyl-Vereins. Isuk Israel, statt, zu der sich der gesamte Vorstand, sämtlich,: Insassen und viele Freunde des Verstorbenen eingelunden hatten. Rabbiner Dr. Beerm inn schilderte mit schönen Worten die Verdie nste des trefflichen Mannes, der in aufopfernder Pflichterfüllung von Gründung der Anstalt an das Asyl mitbetreute. Wie sehr ihm sein Wi-ken Lebensaufgabe geworden war. bewies auch die Bekanntgabe einer hochherzigen Stiftung für das Asyl. Heilbronn. Unser allzeit gc-schätzlcs Gemeinde ■nitglied Haimon Faller wurde vor ku zem im Alter von 86 Jahren zu Grabe getragen, Mit ihm ist ein Mann aus dem Leben gegangen, der. von Jugend auf an strenge PfiichterfülTunf gewöhnt. sich bis in sein hohes Alter eine seltene Energie und Schaffenskraft bewahrt hatte Bis zu seinem 83. Lebensjahre besuchte Faller tag- £uduUgsBucg. V Engeo Schwarz Dampfwaschanstalt und Bageigeschäft Obere Reithaoutr. 8 'Telefon 804 S.A. 3804 Elektro- und Radiohaus OTTO LOCHMANN Secilr. 77. beim HohensoUemplats / Telefon 3760 lDcs flr latfta ui DcldrlMfe Im irucr ftvwaU MMlimlalfem X BeinCart 4 len Holzu. Kohtenhandl Ludwigsbu AHaanau*. 30 / Farnapr. '! ier jng 2 — Scyboih BOrobedarl Schreibmaschinen Bahnfeofstr. 37 b. Pranck- ' itrg / Talafoa Nr.3SH Das nächste Ausflugszie Ludwigsburj 1: i