Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- X (1933-1934)
- Issue
- X. Jahrgang Nr. 16
- Date
- 1933-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
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- 135 — AmA.!BekaHHtmaduutqe*i. Israel. Gemeindevorsteheramt Stuttgart. Ihren Austritt aus der Isr. Religionsgemeinschaft haben erklärt: Frau Rosalie Jakoby, ^eb. Löwenthal, Branddirektors-Witwre, hier, Hohenheimerstr. 54. Frau Else Baier geh. Ullmann, Kaufmanns- Ehefrau, hier, Militärstr. 127. Frau Elfriede Karmeinsky geh. Kohlmann, Schneiderin, hier, Forststr. I» a. Frau Sofie Grefiler geh. Heimann, Oberbahnmeisters. Witwe, hier, Hegelstr. 45. Zielsetzung. Von Ministerialrat Dr. Otto Hirsch. Der Vorsitzende des Ausschusses der Reichsvertretung der deutschen Juden und Präsident des Wiirtt. Oberrats, Ministerialrat Dr. Hirsch, veröffentlicht in der soeben erschienenen Nummer des Berliner Gemeindeblatts unter der Ueberschrilt Zielsetzung" einen Aufsatz über die Reichs Vertretung, dem wir folgendes entnehmen: Ins Leben getreten ist die neue Reichsvertre tung durch einen gemeinsamen \\ illensnkt sämtlicher jüdischen Landesverbände des Deutschen Reichs und der großen freien Organisationen des deutschen Judentums, nämlich des C'entralcereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, des Reidisbtindes jüdischer Frontsoldaten und der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Diese haben aus Anlaß einer von der Berliner Gcteinde einberufenen Zusammenkunft der deutelten Groflgetneinden beschlossen, die Gesamt leitung der deutschen Juden Herrn Rabbiner Dr. Baeck als Präsident und einem Ausschuß anzuvertrauen, der aus dem V ersitzenden des Vorstandes der Berliner Gemeinde. Herrn Direktor Heinrich S t a li I. den Herren Dr. Julius L. Seligsoli n und Dr. Siegfried Moses. Berlin. Herrn Dr. Franz Meyer. Breslau. Herrn Dr. Rudolf Culltnann. Köln. Herrn Rabbiner Dr. II o f f in n ii ii. F rank furt a. M.. und Herrn Dr. I. a n d e n b e r g e r . Nürnberg, besteht und von dem Verfasser dieses Aufsatzes geleitet wird. In einer sofort einberufenen Sitzung der Reichsvertretung der jüdischen Landesverbände Deutschlands, d. h. der Landesverbände von Preußen. Bayern. Sachsen. Württemberg. Baden. Hessen. Thüringen und den Hansestädten, übergab diese die Leitung der Geschäfte eben diesem neuen Präsidium und Ausschuß. Die Bildung eines Beirats wurde Vorbehalten, dem die Mitglieder der seitherigen Reichsvertretung als solche angehören sollen. Die Niederschrift über die Sitzung schließt mit dem Satz: ..Der Centralverein, der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, die Zionistische Aercinigung für Deutschland begrüßen diese Regelung und sagen der Reichsvertretung ihre volle Unterstützung und Mitarbeit zu: sie werden Verhandlungen mit Behörden, welche Gemeinschaftsaufgaben der deutschen Juden berühren, nur im Einvernehmen mit der Reichsvertretung führen." Dem hat sich nicht nur die Vertretung der Berliner Gemeinde, sondern auch die Vereinigung für das liberale Judentum angeschlossen. Es war von nicht geringer Bedeutung, daß die offiziellen und freien jüdischen Verbände Deutschlands sich zu solcher Einigung zusammenfanden. Nur auf dieser Vertrauensgrundlage erscheint es möglich, an die Bewältigung der schweren und verantwortungsvollen Aufgaben heranzutreten, die der Gesamtheit der deutschen Juden heute gestellt sind. Wie können sie erfüllt werden? Gewiß nicht durch Proklamationen, durch große Gesten — auch nicht durch Zeitungsartikel —, sondern nur durch ruhige, sachliche, loyale, durch jüdische Parteimeinungen und Parteistreitigkeiten unbeirrbare Arbeit. Ein gut Stück solcher Arbeit ist bereits geleistet worden. Auf dem Gebiet der Erziehung haben uns die Schulgesetze vor neue Aufgaben gestellt, die an sich vielleicht den Gemeinden zufallen, aber von einer Zentrale'geleitet und unterstützt werden müssen. Es handelt sich dabei nicht nur um die Bildung der Jugend, sondern auch der Erwachsenen. und nicht zuletzt um die Ausbildung der Lehrkräfte selbst. Dem von der Reichsvertretung eingesetzten Erziehungsausschuß Dem Andenken unserer \ Gefallenen. j ln wenigen Tagen wird auch in den Synagogen ' Württembergs aller Söhne unserer Gemeinschaft gedacht werden, die auf dem Felde der Ehre blieben und ihre Treue zu deutschem Volk und deutscher Erde mit dem Leben besiegelten. In einem ..Jiskaur“ werden ihre Namen feierlich verkündet werden — und wieder werden die Mütter, die Gattinnen, ylie Kinder ihre Häupter senken, wieder werden\ulte Wunden schmerzen. wenn jener Männer Namen erklingen, die heimatlichen Boden nicht mehr betreten durften. Zusammen mit ihren christlichen Kameraden ruhen unsere Brüder nun schon viele, viele Jahre in fremder Erde. Sie schlafen auf dem Grunde der Ozeane, in der Weite der sibirischen Taiga, unter den fruchtbaren Schollen Flanderns, im Sandmeer der Wüste, im steinigen Karst der Alpenlüntlcr. Die Jahreszeiten gehen über die stillen Gräber hinweg, in denen Hollen ruhen. Männer, die für ein hohes Ideal das eigene Leben einsetzten. Friedlich ruhen sie. Seite an Seite schlafen sie den Schlaf der Ewigkeit. Sie alle k ii in p f t e ii u ii d s t a r h e ii für D e u t s ch - 1 n n d. — Und diesmal gedenken wir unserer Toten mit besonders herbem Schmerz. Wir. die w ir Deutschland lieben, die wir mit deutschem Leben und deutschem Wesen uns innigst verbunden fühlen, wir spüren mehr denn je die ganze tragische Größe des soldatischen Opfertodes unserer Brüder. Aber wir wollen uns frei machen von jeder Verbitterung, und als aufrechte deutsche Juden den Weg weitergehen, den unsere Gefallenen ist die Bewältigung dieses schwierigen und wohl auf lange Zeit hiuqus wirkenden Problems unvertraut. Erwachsen somit auf dem Gebiet der Erziehung den Gemeinden neue und kostspielige Aufgaben. so ist die Erfüllung anderer durch den Rückgang des Steueraufkommens aufs äußerste gefährdet. Auf dem Gebiet der sozialen Fürsorge kommt ihnen in umfassender Weise die Tätigkeit des Z c n t r a I a u s s ch u s s e s für Hilfe ii n d A u f b a u*). der gleichfalls eine Abteilung der Reichsvertretung darstellt, zugute. Weit über die Gemeiiidetütigkeit hinaus reicht die Arbeit des Zentraluiisschusses auf dem Gebiete der Wirts di aftshilfe. der Berufsausbildung. der B e r u f s u in s ch i ch t u n g und der Fürsorge für Aus - und Rückwunderer. Diesem Ausschuß ist es in hervorragendem Maße gelungen, alle bisher auf diesen verschiedenen Gebieten tätigen Organisationen ohne Beeinträchtigung ihrer Selbständigkeit zu einheitlicher Wirksamkeit zusainnienzuiassen. Die sichtbarsten Wunden sind den deutschen Juden durch ihre Verdrängung aüs dem öffentlichen Dienst und aus den freien Berufen, aber auch durch die Beeinträchtigung ihrer wirtschaftlichen Betätigung als Selbständige wie als Arbeitnehmer gesdilagen worden. In klarer Erkenntnis der Schädigungen, die alle Eingriffe, die über den durch die Gesetze gezogenen Rahmen hinausgehen, für die Allgemeinheit besonders auch wegen der so notwendigen Arbeitsbeschaffung mit sich bringen, hat sich die Regierung wiederholt gegen sie ausgesprochen. Diese Auffassung allerorten zur Durchführung zu bringen, ist von besonderer Wichtigkeit. Im wirtschaftspolitischen Aussdiuß der Reichsvertretung vereinigen sich nicht nur die Organisationen. die diese schwierige Arbeit im einzelnen auf sich genommen haben, zu gemeinsamer Tätigkeit, sie werden unterstützt durch erste Sachkenner. Männer, die selbst auf verantwortungsvollem Posten in der Wirtschaft stehen. Üeber aller Einzelarbeit aber steht vor der Reichsvertretung das große Ziel: der Diffamierung der deutschen Judenheit ein Ende zu machen, ihrer Einordnung in den neuen Staat die Wege zu bahnen, ihre religiösen, kulturellen und wirtschaftlichen Existenzgrundlagen zu sichern. Eine solche Gesamtlösung kann nur mit Willen und Unterstützung der Reichsregierung und in gemeinschaftlicher Arbeit mit ihr gefunden werden. Der Beginn solcher gemeinschaftlicher Arbeit steht nient in unserer Hand. Soviel aber ist sicher, daß sie zum Ziele nur führen kann, wenn sie auf unserer Seite einheitlich vor- •) Er hat vor kurzem eine violfaHi beaditct«» Rmsdiiirc Uber seine Tätigkeit veröffentlicht. gewiesen: Ks ist der Weg der P f 9 i di t - e r f ii 11 u n g. der T re 11 e und der ii f e Ue. Dieses Streben klingt auch aus den schlichten Versen, die wir Wilhelm I.evi. einetn Mitglied des R.j.F.. verdanken. Sie zieren das Eingangstor des Soldatenfriodhofes zu Romagne (März 1916). für dessen würdigere Ausgestaltung auch die Thoraspenden des 2?. November verwendet werden. Wir lassen diese Inschriljt nachstehend folgen: ..Schlaft wohl Ihr tapFreu Helden. Von Kampf und Schmerz ruht aus. Ihr habt nun heinigefuiiden Ins ewige Vaterhaus. Kein Donhcr der Geschützte, Wird stören Eure Ruh. ln ihrem Mutterschoße. Die Erde deckt Euch zu. Wir aber, die hier droben Noch sind im Sonnenschein. Woll'n Euch ins Grab geloben. Woll n rechte Erben sein, ln Treue sorgsam pflegen Die Saat aus Eurer Hand. Euch aber wird es danken Allzeit das Vaterland.“ Auf dem Soldatenfriedhof von Romagne ruhen christliche und jüdische Krieger. Vor ihn?n und allen Toten des Weltkriegs neigt sich in F’lirfurcht Deutschlands Judenheit ... Hans Stei nheini. bereitet und zur gegebenen Stunde einheitlich unternommen wird. Der Träger solcher Arbeit ist in der Reichsvertretung vorhanden, iefolgschaft kann sie sich nicht erzwingen, sie ist aus freier Wahl aller Beteiligten entstanden. Sie appelliert an die Einsicht und das Ven ntwortungsbewußtsein aller, die an die Zukn ift des deutschen Judentums glauben und an i lr mit arbeiten wollen. Ein Verbrechen wäre es. die \utoritiit dieser Gesamtvertretung zu scheuchen. Eine jüdische Schule in Stuttgart? >> uher. Von Rechtsanwalt Dr. Hermann Merzb, I. Fast zur gleichen Zeit, zu der der Ui terausschuß des Erziehungsausschusses der Re disvertrelung zusamniengetreten ist. um sich besonders mit der Frage der Gründung ji discher Schulen zu befassen, beriet die Unterrichts-Abteilung des hiesigen Vorsteheramtes die Frage der Gründung einer Schule in S t u t"t g a r t. Mit Recht hat sich der Ausschuß der Reich vertre tung auf den Standpunkt gestellt, daß in der Regel die jüdische Gemeinde Träger der Schulen werden soll. Es muß aber anerkannt werden, daß die private Initiative, die hier eingesetzt hat. wertvolle Vorarbeit geleistet hnt. Die Schwierigkeiten für die private Durchführung einer Schulgründung erscheinen nir fast unüberwindlich. Andererseits darf sich lie Gemeinde keinesfalls ausschalten lassen für die Schaffung der Organisation, die sie dann mit fast unbedingter Sicherheit auf sich übernehm in muß ohne dann bei der Bildung und bei dem Ausbau zu Maßnahmen durchzuführen. So hat sich t uch die Unterrichtsabteilung der hiesigen Gemeinde für die Gründung einer Schule auf einen djurdiaus bejahenden Standpunkt gestellt. n. Die Frage, ob eine Schule überhaupt den ist. ist für das Gemeindeleben von verseller Bedeutung, daß die Entscheid!i gefällt werden kann auf Grund der eri Erwägungen und der Durchprüfung all sichtspunkte, die überhaupt in Frage können. Das Schulproblem ist das zentn blem sowohl für die Berufsumschichtub für das Verbleiben unserer Jugend — di den Bestand der Gemeinde überhaupt — eine etwaige Auswanderung. Es handelt unsere Jugend, unser kostbares Gut und Hoffnung. So war es auch durchaus sach tigstei ich di grünso uning nur istesten er Gekommen glc Pro g und mit für wie für sich um unsere gemäß. TtUfOH tnm&u/r taurrutm-n Continental KLEIN-SC II REIBM A S C H I N E ERZEUGNIS OEP WANDERER-WERKE A.-G. SCHÖNAU-CHEMNITZ Ttuk>M2iMe 'wodorlf±m ~,abtKumvsn-n