Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- X (1933-1934)
- Issue
- X. Jahrgang Nr. 15
- Date
- 1933-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
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1 - 125 - Schwäbische Bank AG. Stuttgart, Königstraße 19 A, Salamanderbau Telefon 28344/45, 27437 Die Bank für Anlage und Vermögensverwaltung Aus dem Beridit über die bisherigen Arbeiten rgub sich, duli der Erzichungsaussdiuß un etwu >0 gröiiere jüdisdie Gemeinden Deutsdilauds, in lenen bisher keine jüdisdien Sdiuieinridituiigen iiestanden haben, wegen Gründung jüdisclic-r v olkssdiuleu und an etwa 40 Gemeinden, die aereits jüdisdie Volksschulen haben, wegen des Vusbaus dieser Schulen und der Ausgestaltung iles Unterrichts in der den besonderen Bedürfnissen der jüdischen Jugend entsprechenden '.‘.eise herangetreten ist. Line grolle Zahl dieser ( -meiudeii hat bereits in grundsätzlich zustimcudem Sinne geantwortet. Der Aussdiuß wird iie Verhandlungen mit den einzelnen Gemeinde» mit größtem Aachdruck weiterführen, insbesondere wird bereits für die nächste Zeit eine Vn/ahl von V ertrügen und \ ersuininlungeu in ■ len einzelnen Gemeinden geplant, in denen die I Ilei »schalt auf die .Notwendigkeit der Schal fang jüdischer Schulen hingewiesen und in denen die den jeweiligen lokalen V erhültuissen > atsprechende dorm für die Neugründung bei.iien werden soll. Schon auf Grund der bisherigen Verhuudluiigeu dürfte die Schaffung von acht bis zehn neuen jüdischen Volksschulen zu erwarten sein. Dabei soll die Gründung von Zwergschulen aus pädagogischen und finanziellen Gründen vermieden werden. Vielmehr soll eine Anzahl von Schulen zu Bezirksschulen für größere Landesgebiete ausgestaltet werden. Die hierbei sich ergebenden Fragen der geeigneten Unterbringung auswärtiger Schulkinder wird der Frauenbund in i erbindung mit den zum feil bestehenden jüdi- - lien Jugcuderziehungscinricktungen behandeln. Der Ausschuß empfahl grundsätzlich die Schaflang von hinheitsschulen für alle Bichtungen. wobei entsprechend den lokalen Verhältnissen gegebenenfalls eine 1 eilung des Religionsunterrichts eiutreteu soll. Lr sprach sich ferner dafür aus. daß in der Regel die jüdische Gemeinde Träger der Schulen werden soll. Im übrigen wird der Ausschuß sowohl hinsichtlich der Finanzierung als auch der Durchführung einer großzügigen Propaganda für das jüdische Schulwerk in ständiger enger Zusammenarbeit mit dem Elteriihilfswerk der deutschen Juden Vorgehen. Schließlich wurde in der Sitzung über die Unterstützung einiger zu jüdischen Landschul heimen ausgestalteten Schulheime beraten. Die Werbearbeit des RJF für die deutsche Wirtschaft. Die literarische Abteilung des Leipziger Messeamtes bringt in folgender, im Linvernehmeu mit dem Leipziger Polizeipräsidium der Tagespresse zugeleiteten Notiz seine Anerkennung für die vom lleichsbubd jüdischer Frontsoldaten im Interesse der deutschen Volkswirtschaft entfalle >e Tätigkeit zum Ausdruck. ./ur diesjährigen Leipziger Herbstmesse verunstaltete der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten eine außerordentlich stark besuchte Kundgebung für in- und ausländische jüdische Messe bcMicher. die unter dem Motto ..Der W iederaufbnuwiJle der deutschen Juden in der deutschen Wirtschaft“ stand. Dr. Fraenkel. Berlin, Geschäftsführer des Reichsbundes, wies in einer Ansprache auf den Willen der Reichsregierung hin. daß in dem Kampf gegen die furchtbare Geißel der Arbeitslosigkeit keine Hand zurückgewiesen werden dürfe, die bereit sei, am Bau eines neuen großen Deutschland niitzuschaffen. Die jüdischen Frontsoldaten, die 1914 bis 1918 Schulter an Schulter mit ihren nichtjüdischen Kameraden für Deutschland gekämpft und geblutet hätten, würden sich auch heute in selbstverständlicher Pflichterfüllung an Deutschlands wirtschaftlichem Wiederaufbau beteiligen, wobei für sie das Wort des Reichskanzlers Adolf Hitler maßgebend sei. wonach in der Wirtschaft nur das Könne» ausschlaggebend sein dürfe. Die Erfahrungen, der Juden in vielen Zweigen der Wirt schalt und ebenso ihre für die deutsche Ausfuhrwirtschaft nicht zu entbehrenden universellen Beziehungen seien im Interesse des deutschen Volkes restlos einzusetzen. Dieser Einsatz werde in der Erkenntnis geleistet, daß die Erträgnisse solcher Arbeit nicht nur in den Dienst der eigenen Bache, sondern in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen sind. Die Bereitschaft zu solcher Haltung habe die deutsche Judenschuft schon bewiesen; den „paar elenden Lumpen und Schiebern der Nachkriegszeit" stehe die große Zahl edler Stifter und Kulturförderer unter den deutschen Juden gegenüber. Dr. Fraenkel schloß seine mit großem Beifall aufgeuommeuen Ausführungen mit einem Bekenntnis zum deutschen Vaterlande. Danach, erklärte der Syndikus des Leipziger Messeamtes, Rechtsanwalt Dr. Niedenführ, unter Hinweis auf die Notwendigkeit des deutschen Exports, daß die Leipziger Messe nach wie vor international bleibe. Er dankte Herrn Dr. Fraenkel für seine Ausführungen, die nach seiner Meinung wert gewesen wären, durch Rundfunk von der ganzen Welt vernommen zu werden, du dadurch angesichts der unsinnigen Greuel- und Boykottmeldungen im gesamten Ausland dem deutschen Volk ein großer Dienst erwiesen worden wäre." Helft heimkehren] Von Dr. Martha Wertheimer, Frankfurt a. M. *) „Oeßne uns das Tor sur Zeit, da das Tor gesdilossen wird, denn der Tag hat sidt gewandt." In der letzten Stunde des Tags, der Israel neu au seinen V ater, seinen König bindet, der die harte Kruste des Ichs um die Herzen aufreißt und Versöhnung schenkt, steigt der Bittruf auf, der in diesem Jahre mit einer Bedeutung in unsere Ohren dröhnt, die er vorher nicht gehabt hat. „Oelfue uns das Tor!“ Und schwer und müde schleppt die Erkenntnis der Not sich hinter dieser Bitte her: ..... denn der Tug hat sich gew andt" Unser Tag hat sich gewandt, lieber die Sorglose» ist Augst gekommen, über die Gleichgültigen die Geißel des Genieinschaftsschicksals. über die Selbstsicheren die Ungewißheit. Gemessen an der Zahl der Juden in Deutschland waren cs zu viele, die mit dem 1. April 1933 auf einmal ohne Wurzeln da standen, weil sie nicht mehr aus dem deutschen Boden wachsen durften. Sie hatten die Heimat verloren; sie fielen um von dem Schlug oder schwankten zum mindesten, fanden keine Nahrung mehr für ihre Seelen, welkten . . . Heimatlose Stauden mitten unter uns, verstummt, gequält, ärmer als Bettler, weil sie das Bitten und das T rugen noch nicht wagten. Der Tag hatte sich fürchterlich gewandt, und alle Tore sdiienen geschlossen. Da sprach ihre Sehnsucht in den leeren Raum, den sie um sich meinten, sprach dem Notruf nach die gleichen Worte, die ganz Israel am Versöhnungstag seinem Gott und König hinaufruft: „Oelfue! Oeffne uns das Tor. um die Zeit, da das Tor geschlossen wird!“ Und zu dem starken Glück der bitteren Tage gehörte es für die V ielen, daß der Raum nicht leer war. Die Sehnsucht der jüdischen Menschen in Deutschland, die sich kaum noch zugehörig gefühlt. die oft ihr Judentum verleugnet hatten, die von den alten geschichtlichen Bindungen, dem ewigen Schicksal ihres Volkes und seinen Gesetzen der Wiederkehr nichts wußten, von den Eltern her schon nichts mehr wußten, ruft jetzt nach diesen Worten, sucht zunächst vom Rationalen her Kenntnisse in jüdischer Geschichte. tastet sich an die heilige Sprache heran, braucht die Gemeinschaft, findet zögernd, über findet doch den Weg in die Synagogen und erhofft sich vor allem wieder das Geschenk, das das jüdische Haus zu geben vermag: den festlichen Tisch, den häuslichen Segensspruch, die fromme Feier in der Familie, die von der j üdischen F rau gestaltet und getragen wird. Das macht uns alle, die wir von diesen Werten des Judentums wissen, zu Verpflichteten! Wir, deren Hände sich an jedem Freitagabend über die Sabbathkerzen strecken und den Sabbath in seinem Goldlicht über unserem weißen lisch willkommen heißen, dieses Fest der unverwelklidien und unverlierbaren Freiheit, wir. die wir Salz und Brot auf unseren Tisch stellen, damit jede Mahlzeit ihren Segen empfange, wir werden augerufen, dieses Glück nicht für uns allein zu behalten. Wir sollen lehren. Indem ich's wie einen Aufruf an die Unseren niederschreibe, kommt mir ein kleines Ge- *) Aus: »Blätter des JQdisdien Frauenbundes fQr Frauen arbelt und Frauenbewegung." Ulodecne JjmeHdekocaüc^i! + Jeppicfie £äu(ec tPitKutdecken_ Tllö&elstoffe DeAoeaUoHSStoffe r Ä Calweratraße 28 STUTTGAR1 rue ateu. /u Udien ier den llL. tknd ilt schellen zurück, das in den Maitugen für m|ick zur Wegweisung wurde. Eine junge Frau, die erst seit ein paar Wochen wieder wußte, daß sie Jüdin sei, war gekommen und hatte sich Rat geholt. Nun standen wir auf dem Vorplatz, wollten Abschied nehmen '— da hebt sie die H< u.l und legt sie schüchtern'unter die Mesussah an der Wohnzimmertüre: „Gehört das auch iuzu?“ Und ein Weilchen später, als ich ihr da|ou gesagt hatte: ..Das ist schön — o. das ist schön. Glauben Sie. daß ich das auch haben darf?“ Die schüchterne Hand und die schlichte Frage — Wegweisung für uns! Denn die Hein losen, die heimkehren wollen, diese Mensch die sich wieder zu ihrem jüdisdien Blpt. ihrer jüdisdien Geschichte, ihrem, unserem j sehen Schicksal hinfinden wollen, haben ei dumpfen Kampf zu bestehen; sie ringen mit Scham, daß sie nichts von sich selbst und Ihren gewußt haben; sie scheuen davor zur soviel Unwissen zu bekennen. Und Scheu Scham treten oft genug in ihrer negativen F auf: als Abwehr, als trotz, als eine Feindse keit, die sich als gekränkte Unschuld, als eine Art jüdischer Antisemitismus darstellt. Sie ah ien zwar, daß sie Helfer unter uns finden könreu. Aber wenn ihnen die Helfer nicht entgegeukomiiien. wenn sie stehen und warten, oder wenn sie gar gründlich versagen, sobald sie angesprocien werden — was dann? Und es gibt genug, die helfen könnten versagen. Nicht, daß es ihnen am guten Wi fehlt oder daß sie nicht zu antworten verst den. Sie sind durchaus bereit, die Sehnsüchte an häuslicher Feier teilnehmen zu lassen; geben durchaus gerne Auskünfte über jüdis Dinge. Aber — sie sind —•. nun sie sind m cherlei. Zunächst einmal häufig schlechte Pi agogeu: sie überfüttern ihren „Zögling“: möchten in die hungernde Seele gleich auf mal all das Gute schütten, das sie zu vergef» haben, möchten mit einem Schlage zeigen, reich, wie überreich das Judentum an ethisch sozialen, kultlichen, festlichen Werten ist schüchtert ein. Das muß dem heimkehrenfl Menschen das Gefühl geben: „Da lebst du nicht mehr hinein; das packst du nicht; mußt du lassen." Und das Paradoxe wird w daß ein Hungernder nicht satt wird, weil Tafel zu reich bestellt war. Schlimmer aber sind jene 11 o ch m ü t i g die in der Sicherheit ihrer,Kenntnisse, il Frömmigkeit, ihrer Echtheit in einen ü b legenen Ton fallen und sich eitel in ih Reichtum, in ihrer Besitzerkraft spreizen, kann nicht nur mit materiellen Dingen prahl Fis gibt auch ein Protzentum der ..Herzensgü es gibt eine Eitelkeit der Rechtsch f e n h e i t. mit der man einem anderen M sehen grausam weh tun kann. VV ic soll ein ehender die Kraft des jüdischen Wesens, Heiligkeit unseres Schicksals verstehen lern wenn er aus unseren Worten zu spüren kommt: ..Nicht wahr — jetzt — jetzt sind Ihnen gut genug?" Auch wenn es nicht ge wird — so taktlos ist ja wohl kein Mensel es darf auch nicht gespürt, es darf nicht im pntiind en liujeu sie die aud - sie chin eu wie en. Jas en dich das?hr. die n, rer r - •em an en. tc“. feu- ‘ Suche en. bewir Fugt Maß Anfertigung ln unserer Maß*Abteilung finden Sie die neuesten Stoffe für Herbst und Winter Mk. 125.— 140.— 160.- IMelSSMffit lVCIß Stuttgart UUCiMuäifyiBvU* ^..+B