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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1933-01-01 · X. Jahrgang Nr. 13 · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
X (1933-1934)
Issue
X. Jahrgang Nr. 13
Date
1933-01-01
Page
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FOTOGRAF LAZI < Stuttgart / Diamarshalda 48 Linie 10 Bubenbad / Telefon Nr. 29083 i Es gibt ja keine feststehenden Richtlinien, keine genauen Pläne, an die man sich halten kann. \'les muß ausprobiert und neu gelernt werden. Dennoch hat in sieben Jahren von Arbeit, Ver- •uchen. großen Mühen und Erfolgen Ben-Scheinen die Grundlinien eines Landerziehungshei- — 109 — mes herausgebildet, das den jüdischen und palästinensischen Bedürfnissen angepaßt ist. Diese Erfahrungen sind heute, wo das jüdische Schulnetz erweitert werden muß, von entscheidender Bedeutung. Ben-Schemen ist der Typus der landwirtschaftlichen Erziehungsanstalt, wie wir ihn brauchen. Schon heute ist für viele Eltern in Deutschland das Bewußtsein, daß sie ihre Kinder hier unterbringen können, eine große Beruhigung. Man sollte daher Ben-Schemen die Möglichkeit geben, den Anforderungen. , die an das Dorf gestellt werden, und die täglich wachsen, in vollem Umfange nachzukommen und bei Neugründungen, die nötig sein werden, nach diesem Vorbild sich richten. (Aus dem Augustheft der Zeitschrift „Unser Werk".) Aus den Gemeinden des Landes. Stuttgart. Der große Saal des Oberen Museums war bis auf den letzten Platz besetzt, als Dr. Paul Tänzer den Vortragsabend der Ziou.stischen Ortsgruppe Stuttgart am 17. September einleitete und dein Referenten. I)r. l'Llias Auerbach aus Haifa, zu seinem Vortrag über „Palästina und das Schicks a I der d e ii t s ch e n J ii <1 e n" das Wort erteilte*. Vorweggcnominen sei. daß die Ausführungen Dr. Auerbachs zweifellos die besten waren, die man bisher in Stuttgart über Palästina und seinen Problem kreis hörte. Zu den Hunderten aufs stärkste gefesselten Hörern sprach ein Mann, der nach jeder Richtung dazu prädestiiii rt ist, für Erez Israel zu werben, der die Lichtiten des Problems klar aufzeigt — aber auch lie Schatten nicht verdeckt. Nicht enden wollender Beifall wurde dem Redner gespendet, der auch auf verschiedene Anfragen prägnant und überzeugend antwortete. Die Z. O. G. Stuttgart hat mit diesem Abend wiederum bewiesen, daß Palästina insbesondere auch für die deutschen Juden keine Utopie sondern eine Realität von höchster Bedeutung ist. — Dr. Auerbach gab einleitend einen allgemeinen Ueberblick über den Stand der deutschen Auswanderung. Bis zum Oktober ds. Js.. so schätzte der Redner, werden 70—80 000 Juden Deutschland verbissen haben. Zehntausend hiervon sind nach Palästina gegangen — und diese allein a i b e n eine Heimat gefunden. Dieser Vuswunderungsprozeß ist unaufhaltsam. Dr. Auerbach nahm an. daß in 5 Jahren nur noch 200 000 Juden in Deutschland leben werden. Von den zwischenzeitlich ausgew änderten werden sich 20« 000 in der Welt zerstreuen t-aber I00 00O werden in Palästina ein neues Leben beginnen. Wieviel Juden kann Erez Israel eigentlich aufnehmen?. so fragte der Redner weiter. Unter Berücksichtigung der natürlichen Wachstumsziffer der Bevölkerung ist nach Auerbachs Meinung für 2 Millionen Juden noch Platz. Aber diese Menscnen müssen schon vor ihrer Einwanderung die Größe der sich in Palästina entwickelnden Bewegung erkannt haben, es müssen geistig und seelisch vorbereitete Menschen der Arbeit sein. Ganz besonders interessante Ausführungen machte der Redner auch über die Bode n frage, indem er den Nutzeffekt der jüdischen Intensiv Wirtschaft mit der Primitivität der arabischen Agrarwirtschaft verglich. Tausende von Dunum arabischen Bodens werden für jüdische Siedler frei werden, weil der Fellache auf Bruchteilen seines jetzigen Grundbesitzes die gleichen Erträgnisse erwirtschaftet — wenn er vom jüdischen Bauer die modernen landwirtschaftlichen Methoden erlernt. Die hohe Prosperität Palästinas wird auch für die Zukunft dauern — allein 7 Millionen Pfund warten in den palästinensischen Banken auf Anlage. 1940 wird es in Palästina 400000 Juden und 900 000 Araber geben. Aber die Jahre bis dahin werden für den Aufbau entscheidend sein. Palästina wird ein Land der Juden und der Araber we rden ein Staat, in dem beide Bevölkerungsgruppen friedlich neben- und miteinander leben werden. Beide Nationen sind auf Solidarität angewiesen — und ein neuer Begriff von „Nationalismus“ wird von ihnen aus in die Welt gehen. Der Segen und die Ehre dieser Zusammenarbeit werden Beispiel für die Völker der Erde sein. Aber an uns liegt es. das Schicksal des jüdischen Volkes zu gestalten. Wenn wir wollen, ist es kein Märchen. — Wir wissen, daß wir nur einen kleinen Bruchteil der bedeutsamen und begeisternden Ausführungen des Redners wiedergegeben haben. Aber wir wissen: Besser als es der Chronist vermag, wirkt heute die lebendige Idee, die getragen wird von einein neuen jüdischen Lebenswillen. Auch in Stuttgart und im ganzen Lande setzt «ich der Palästinagedanke durch. Eine Gemeinschaft fängt an. sich auf sich selbst zu besinnen. Stuttgart. Das J ii d i s ch e L e h r h a u s eröffnet!* am 24. September seine diesjährige Winterarbeit mit einem geistvollen Vortrag von Prof. Martin ßuber über .. Jüdische G e - s ch i ch t e und w i r.“. Der Vorsitzende des Lehrhauses, Ministerialrat Dr. 11 i r s ch. begrüßte die \ersumiiiliing. Buber lag es fern, in seinen Ausführungen einen Abriß der jüdischen Geschichte zu geben. Er wollte vielmehr das Verhältnis des jüdischen Menschen zu seiner Geschichte und zur Geschichte überhaupt kennzeichnen. Das Verhältnis der Juden zu ihrer Geschichte unterscheidet sich wesentlich von dein anderer Völker. Wir sind an unsere Geschichte gebunden, indem das Kollektivgedächtnis Israels in uns lebt. ..Wir sind aus Aegypten gezogen“, „wir hüben am Sinai gestanden“. Wir holen das Geschehen aus dem Gedächtnis hervor und ..erinnern“ uns daran. Das geschichtliche Geschehen erleben wir Juden nicht in einzelnen Begebenheiten, sondern schauen es in seiner Ganzheit, und das Vergangene wird Wirklichkeit. Gegenwärtigkeit. Dabei wissen wir. daß unsere Geschichte* einen höheren Sinn hat. Nicht so, daß der Mensch dem weltgeschichtlichen Geschehen Deutung gibt, sondern daß sich ihm der Sinn vom Unbedingten her auftut Jüdische Geschichte ist Gesehenen zwischen Gott und den Menschen. An Hund der beiden Schöpfungsberichte in der Bibel erkennen wir. wie Gott sich auf zweierlei Wegen kundgibt: durch das Geheimnis der Natur und durch das Geheimnis der Geschichte. Dieses Geheimnis der Geschichte ist der Glaube an das Walten der göttlichen Macht im Geschehen. Aber auch die Menschen haben eine Funktion in der Geschichte: sie sind Mitwirkende. Partner der Schöpfungsgeschichte. So ist die jüdische Geschichte ein Zwiegespräch zwischen Gott und den Menschen. Anrede und Entgegnung. Unsere Geschichte ist unser Glaube. Neben der Weltgeschichte der Geschichtsschreiber steht die verborgene. Diese von clen Geschichtskundigen oft nicht verzeichnete Geschichte ist sinnvolle*, ist biblische Geschichte. Die Gebeugten. die Verfolgten in unserer jüdischen Geschichte sind die Erwählten, Gottes Werk zu tun. Leiden um Gottes willen gehört zum Sinn unserer Geschichte. Der Glaube an die Appellation (den Anruf Gottes als des Richters) ist unser Geschichtsglaube. Die jüdische Geschichte hat Ursprung und Ziel. Das Gottesreich auf Erden ist ihr Anfang, und ihr Ziel ist das Königtum Gottes die Uebereinstimmung Gottes mit der Menschheit: denn der Plan Gottes ist auf die Mitarbeit der Menschen angewiesen. Auch unser Exil und unser heutiges Erleben ist Weg zum Ziel, Läuterung, die uns zugeinutet wird. Unsere jüdische Jugend in Deutschland müssen wir durch die jüdische Geschichte zum Glauben an clen Sinn des Geschehens erziehen. Wir müssen sie zu hörenden Menschen erziehen, „die Gott hören“, zum Glauben und Erkennen der verborgenen Geschichte, zum Vertrauen auf die Zielhaftigkeit des Weltgeschehens. g Stuttgart. Staatsminister der Justiz und Reichsjustizkommissar I)r. Frank hat an die Generalstaatsanwälte an den Bayerischen Oberlundesgerichten eine Anordnung erlassen, die die Rechtsanwälte und ihren Beruf vor ungesetzlichen Eingriffen schützt. Der Erlaß betont, daß in gleicher Weise auch der nichtarische Anwalt, dessen Zulassung aufrechterhalten worden ist, schon im Interesse der Rechtssicherheit und der arischen Anwaltsangestellten den Schutz des Staates für eine ungestörte Ausübung des Berufes beanspruchen könne. Die Generalstaatsanwälte werden daher angewiesen, ein besonderes Augenmerk darauf zu lenken, daß der Anwalt in der Ausübung seines Berufs weder gehindert. bedroht oder .sonst beinflußt, noch wegen pflichtgemäßer Berufshandlungen von irgendeiner Seite zur Verantwortung gezogen werde. Uebergriffe dieser Art. woher sie auch kommen mögen, sollen rücksichtslos und unnachsichtig verfolgt werden. Diese Anordnung des Justizministeriums gibt insbesondere dem jüdischen Klienten jede denkbare Gewähr, daß seine Sache auch von dem jüdischen Anwalt nachdrücklich und wirksam durchgeführt werden kann. BUkfCMhWar HnMdKkcaTcrkcfer Mdwrd toBW Kiwi 11—. STUTTGART FRIEDRICHSTRASSE 4 TELEPHON Nr. SSOSO Stuttgart. In Kürze nimmt der Verein J il - dischcs Leh rhaüs mit behördlicher Genehmigung seine Arbeit wieder in erweitertem Unfung auf. Die Bestrebungen des Lehrhauses müssen insbesondere heute von allen, denen an einem aufrechten und gesinnungsvollen Judentum gelegen ist, dankbar begrüßt werden. Neben. Anfänger-, Mittel- und F’ortgeschrilten^n- Kurseii in Neuhebräisch finden heuer Lehrgädge über Palästinakunde, biblisches Schrifttum und jüdische Geschichte statt. Weitere Sprachkurse werden gegebenenfalls eingerichtet. — Eine > on vielen Musikfreunden freudig begrüßte Neueinrichtung ist sicherlich die Schaffung von Si iggruppen sowie eines Instrumentalkreises. — Sicherlich wird die Arbeit des Lehrhauses — sein neues eigenes Heim befindet sich in 1er Schloßstraßc* 12 A. >. St. — von weiten Kreisen der Gemeinde getragen werden. Den genauen. Lehrplan finden unsere* Leser Seite 107 dieser Nummer. Stuttgart. Der B e r t h o I d A u e r b a ch - V :• re i n wiril in Kürze seine Arbeit in c ollem Umfange wieder atifuehincn. Zur Einleitung seiner, Tätigkeit findet am 10. Oktober eine M i t g I der Versammlung statt, zu der die \ erc* Icitung auf Seite 107 dieser Nummer einlädt Stuttgart. Der weit über die Grenzen uns Landes hinaus bekannte Hotelier Albert M h e i in e r w urde uin 2A. Se ptember aus Leben gerufen. Das plötzliche Hinscheiden A\ lieimers. der in allen Kreisen der Bevölkeni res st- ' lern estung viele freunde* zählte und seine bekannte Gaststätte bis zu seinem Tode mit Fleiß und Umsicht geführt hatte, wird allgemein bedauert. Weite Kreise werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Stuttgart. Man schreibt uns: Es werden zu zeit Verhandlungen gepßogen. um die Ueberfüh iing flach Zu ([ugendlicher im Alter von E5 bis 18 Jahren ’aliistina zur lluchscharnh durchzuführen diesem Zweck ist es erforderlich, zu wissen, welche Eltern bereit sind, ihre Kinder zur I nchscharuh nach Palästina zu schicken, ferner wieweit diese Eltern in der Lage* sind, die U iterkunft in Palästina finanziell zu sichern. Die Ausbildung dauert zwei Jahre. Der monatliche Mindestzuschul! beträgt £ >.—. Interessenten werden gebeten, sich bis s nitestens 5. Oktober I9AA an Rechtsanwalt Dr. 1 zer. Stuttgart. Mittnachtbuu. \ . Stock. Telejphon 290 02. zu wenden. Ei enst- (J)berren- Buttenhausen. Anläßlich seines 2?jähr. D: Jubiläums hat die Gemeinde Buttenhausen leh rer Berlinger einen silbernen becher mit Inschrift überreicht. Göppingen. Nach schwerem Krankenlagei ver schied am 19. September Salomon O t : e n - h e i in e r kurz vor Vollendung seines (fi. Lebensjahres. Eine überaus große Trauerversnnmlung erwies dem Entschlafenen die letzte Ehre. ' In ihm verliert die Gemeinde eines ihrer Festen Mitglieder. 16 Iahre lang — davon 4 Jäh e als Vorsitzender — gehörte Ottenheimer den Ist*. Vorsteheramt an. Auch als Mitglied der Isi. Landest ersammlung stand er vorbildlich im Dienste unserer Gemeinschaft. Weite Kreise trauern um diesen trefflichen Mann, der allzeit ein gesinnungsvoller Jude und ein treuer Berater aller war. die sich an ihn wandten. Sein Andenken wird unvergessen bleiben! Göppingen. Der Keren Kajemeth Lej- Israel hatte für den 16. September zu einem Vortrag über das Thema „Jüdischer Boden für jüdische Jugend“ eingeladen. Nach einleitenden Worten des hiesigen Aertrauensmannes des KKL. Heinrich Frankfurter, ergriff Dr. P o m e r a n z - Frankfurt a. M„ das Wort. Nach einer Schilderung der ideoloi rischen Grundlagen des Zionismus kam der Redl er auf die Aufbauarbeit in Palästina zu sprechen und betonte, daß deren endgültiger Erfolg in der Hauptsache von der opferwilligen Mitarbeit der Juden im Guluth abhänge. Das ausgezeichnete Referat fand den dankbaren Beifall eine überaus großen Hörerschaft. Nach einem Appell von Heinrich Frankfurter, den KKL nach Kräften zu fördern, beantwortete Dr. Pomeranz Reihe schriftlicher Anfragen. Haigerloch. Nach Beendigung der Schilferien hat hier ein Kurs in Neu hebräisch begonnen. der von Lehrer Spier geleitet w ird. Neben diesem für Jugendliche und Erw achsene b> istimmten Lehrgang ist ein Kurs für die Schuljugend eingerichtet worden. An beiden Kursen lehmen A4 Personen teil. . Haigerloch. In diesem Jahre kann unse *e Synagoge auf ein tAOjähriges Bestehen zu rück blicken. — Als die Gemeinde im Jahre 1780 ir die in

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