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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1933-01-01 · X. Jahrgang Nr. 13 · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
X (1933-1934)
Issue
X. Jahrgang Nr. 13
Date
1933-01-01
Page
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— 108 — Weil liliik du»«’ ilin-1 I rgebnissc I Ic-ule aber zeig »tür»ii»chon Nac mich 1’ „Kcten t?»cim Kajc-ineth Leji« i tii'ii GoMorrii clengolclc-r in allen (jüdischen Niederlassungen der Welt, um palästinensischen Bollen ztim „ypver.ikißc-rliihc-ii Figi-njum des jüdischen \olkes" /n c» •werben. Oft halten Menschen von geringejn Weitblick die-e Sumjm'ltätigkeit belächelt und se zitj bagatellisieren versucht, •igt es sich. gerade angesichts der Nachfrage von Juden aller Lander lästinahodenj wie richtig der Weg des sruc-l" gewesen ist. wie er immerhin Raunt für 48 blühende Dörfer geschaffen, weite flachen assaniert und aufgeforstet und auch /ur Milderung det städtischen Bodenknappheit Bedeutsames geleistet hat. \ ielleicht nuifi tnatj erst selbst einmal in palästinensischen Stadteniauf der Wohnungssuche, in palästinensischen Dörfern auf der Jagd nach einem Stück Ackerlind Pflan/ung'land gewesen sein, um ans eigener Erfahrung das zu würdigen, ecuder KKL geschaffen hat — und was er noch /um W ohlckünftige!) Zehntaii'eiide von Einwanderern weiterhin betwirken 1 \ on der Judenheit de Mittel für die recht/eitige neuen Bodenreservmi Rillig ~e-|e Punkt - De It vc nrilei ei noch nicht könnte, wenn ihm r ganzen freie ausreichende Vorbereitung von in f re/ Israel zur \ erfü- I )ies jst ja de r springende KM. n nI* den Boden kaufen. gleich gebraucht wird und .11: ^.. l.dier noch billig i'tj und nicht erst dann, wenn In ich die a 11 ueinei iici Nachfrage die- Boelenpreise t u Gegend schon hochgetrieben der bei i effeiuh d I Die W iiliscbe lind Bedil Richtung I im-steil' /aldieiche Mensch > ch .1 I I I i ch . Ilesoll beteiligen wollen. >ii der kkl wenigsten von ihnen auf seine W a d i < h a w a r i t telllieerkil'te /w i'efl l’flan/ung'boden in gütigen einräunieu w icklung der --iedl dernteils trifft mau Vnsiedltiii" deutscher Juden. \oclmi.d' i't hier 4u da» Problem der An»iedl uig deutscher Judiln. die ihre bisherige f\isieii/ veiloieu. in F[alästiiia aii/nkniipfen. Ihre ni"c gehen nach doppelter befinden »ich unter ihnen i. die sich I a n d w i r t - ler» in der Oraiigenkultiir. sind glücklich darüber, dal? . einer bestimmten Anzahl - neuesten frw erbung. dem h- I erritoriiim lander Miten lel-Aviv und Haifa) fibpacht zu solchen Berlin kann, die eine günstigefairste Ihn gewährleisten. Animier den deutsch-jüdischen I inwnudererii eine ^tunliche Reihe derer an. die besondere Uualifikntiniien für städtische- Berufe in sitzen, naiin'iitlicfij ul» l nlc-niehnic-r der Mittel- und klein i;n d u » t r i e. al» hochbegabte kaufmännischemidi technische- Angestellte und al» gründlich ge»jhiilte f’aeha rbeiter. Ihnen ko in tu t es zugute, cfal? der kkl. im (>ebiete von Haifa, demnächst die modernste Hafenstadt de> ganzen östlichen Mittelmoerbechen». eine weit ioiau»»chaueiiile Bodenpolitik betrieben hat. durch denjl rwerb eines riesigen Landkomplexes an der I I laifa-Bueht. In günstigster Jage sind hier "ntiJMt Dunum Boden rechtzeitig, lein Zugriff der Bodenspekulation entzogen und al» ^1 sitz de-' kkl. einer volkswirtschaftlich und sozial gesunden \ e)rwc-ndiing gesichert worden. flächewird für industrielle ecke und für landw irt'ihaftvejriiüiiftigen Sitzen verpachtet ich wird Haifa hier einen park erhalten, da ein breiter Industrieviertel und Wohn- -rünflHche" resc-rv ic-rt ist. Rückblick und Folgerung. Je ein 1 )ritlel di Zwecke, für W ohnz liehe Zwecke ZII werden, und zugl wundervollen "stad >treifc ii zwischen v iertc I; 'Halten die Jude-» der ganzen freie dem kKL das Zw öl ffache anjSpenden zur \ c-rfügung gestellt. gelege/fflich hlso anstatt eines Penny einen .-Schilling in die ..Bliiue Büchse" eilige werfen und Mili damit hestimijit auch nicht wehe getan, so gäbe c-s in Palästina heilte keine Boden-Not. so würden gegenwärtig noch ZehnttaU'eiicle heimatlos gewordener Brlidc-r und Schwestern auf dem Boden des frez Israels nach dem Sy Stern von Wadi ( h.iwarith lind Haifa-Bucht anzusiedeln »ein und nicht denl aufreibenden kämpfe gegen die Ausxv irkungen einer nnkoiitrnllif rbun-n Bodeii'pc-.kiilation überlassen bleiben. Darf der deutsche Zionist, der vor neun Jahic-ii Palästina al» J]onrist bereiste, der heute hier »eine ständige; Heimat sucht und unter dem finit licke eigener Erlebnisse diese- Zeilen schreibt, die Hoffnung ,iu»»prechen. dal? auch andere, die noch eltauüen in der Welt in gesicherten \erbultni'sen wohnen, gleich ihm die iiiic-rmt-ßlichiltc-df Utting der kkl.-Arbeit für das jüdische Siedlung'werh c-ini-ehen und ihre Spenden künftig etwa» bereitwilliger und höher geben? Wer frez Israel aufbatieii hilft, der baut schließlich auch für sich selbst. Niemand in der Welt ist gänzlich davor »idp-r. dal? auch an ihn einmal die unerbittliche Realität palästinensischer Wohnung'- und Sic-dlungsfragen hc rautritt und ihn am eigenen Leibe) empfinden lässt, was c-s bedeuten würde, wenn der kkl in solchen Zeiten jüdischer Not »eine Aktivität vervielfachen konnte....! Empfehlt dU „Qemewdezeituttq." weitet! Palästinas junge Generation. Vom palästinensischen Kinderdorf Ben-Schemen. Das Auto biegt vor der glatten großen \erhehrsstraße Jerusalem—Jaffa ab. An der Station von l.udd vorbei, an der arabischen Stadt gleichen Namens, kommt man in uralte Olivenpflanzungen. die sich grau und silbern gegen eine gelbliche Landschaft abheben. Weiter hinauf an einem leichten Hügel liegen die Häuser von Ben-Schemc-ii .c ingelrettet in Rasen lind Bäumen. Be n-Schemen spielte schon in den Anfängen der zionistischen Kolonisation eine Rolle. Hier wurde die erste- .Modellfarm unter Wilkatiskv. dem jetzigen Le iter der landwirtschaftlichen Versuchsstation in Rechowoth. geschaffen. Hier liegt eine alte Arbeitersiedlung. Hierhin kam vor sic-lien Jahren Dr. Siegfried Lehm a ii ii mit einer Gruppe von Kindern aus einem Heim in kow uo und begann mit dem Aufbau eines k i nde rtln rfcs. Im Lauftdieser sieben Jab re ist hier eine gewaltige Arbeit geleistet worden. Schritt für Schritt, mit »ehr bescheidt-nen Mitteln, mit Ausnutzung aller Möglichkeiten wurde eine kind.-r- »iedlung aufgebaiit. die ständig wuchs, immer mehr Insassen beherbvrgte und sich sehr bald in Palästina und im Auslande Achtung lind Aufmerksamkeit erwarb. Im Laufe dieser Jahre hat -ich Ben-Schemen nicht nur vergrößert, es hat -ich entwickelt, immer neue- \ ersuche gemacht, »ich den wechselnden Bedingungen angepaßt, »ich niemit dem begnügt, was da war. Fs wurde nie ..fertig", 'fand immer vor neuen Aufgaben und man bat die Empfindung. daß es nicht sobald sjcb zufrieden ge ben, sich nicht auf eine Arbeit der Routine einlassen. sondern mit immer neuem Interessean seinem Aufbau Weiterarbeiten vvird. Ben-Schemen begann mit Waisenkindern, danach Palästina gebracht wurden. Aber sehr bald' kamen zu diesen ersten Gruppen Zöglinge aus den verschiedensten kreisen des Landes und Auslandes, neben russischen und |K>lnisihc-n fanden »ich deutsche, amerikanische-, se-pharelisehe. kurdische Kinder ein. Aus den mannigfaltigen Teilen des jüdischen Volke», die in Palästina zu - »ammenkommen. nahm Beil-Schemen seine Mitglieder. bildete einen kleinen Schmelztiegel für -ich. bildete aus den sehr verschiedenartigen Bausteinen eine kindergemeinsihuft. Das Dorf i»t ein Lander/iehtingsliciin und mehr al» da». Fs enthält einen Kindergarten, gibt die Ausbildung einer normalen \ olksschule, faßt die Kinder über vierzehn Jahre, die mit diesem Unterricht fertig sind, in einer Jugendgemeinscha’ft zusammen: hier beginnt dieeigentliche landw irtschaftliche Ausbildung, die Hund in Hand mit einer Fortbildung in allgemeine n Fächern geht. Bi»her umfaßte dieser höhere Lehrgang zwei Jahre, vvird aber jetzt auf drei ausgedehnt werden, weil c-s sich gezeigt hat. daß die Krzit-hung und Ausbildung sowohl fachlich wie bildungsinäßig mit sechszc-hn Jahren in keiner Weise als abgeschlossen gelten kann. Lnterricht. Arbeit und Leben im Dorfe sind aufs eng-te miteinander verknüpft. Das 'Leben auf dem Lande, der große landwirtschaftliche Betrieb. die Besorgung des riesigen Haushalts bilden die- Grundlage, auf denen sich das Interesse der Kinder, ihre Fragen, ihr Unterricht und ihr soziales Leben aiifbaut. Frziehung und LTiterricht. wachsen ans den s>>ezie»en Lebensbedingungc-n hervor, bedingen sie und werden von ihnen bedingt. Der große W o h n komplex, an den sich die landw irtsihaftlichrn Behörden und die Wirtschaftsgebäude schließen, liegt auf einer kleinen Anhöhe. Fr hat — für Palästina etwas seltenes — Schatten durch die großen eingewachsenen Bäume, die noch aus den Pflanzungen der Musterfarin stammen. Unter diesen Nadelbäiimen. unter Johannisbrot- und Maulbeerbäumen liegen die einzelnen Häuser verstreut. Lm Massenaii'iimmlangen zu vermeiden und eine organische Gliederung' zu gewährleisten, werden Gebäude für kleine Gruppen hergestellt, wo ein Schlafraum. ein Ffisaal und eine Küche nebeneinanderliegen. Die Kleinen sind besonders imtergebracht. in speziell uusgestatteten Räumen. und jede Gruppe hat ihre eigene- Hausmutter. die die Sorge für die Kinder übernimmt und eine Anzahl Kinder zu einer Art Familie ziisaniinenfafit.-Um einen riesigen Hof liegen die Sihtilzimmer. daran anschließend die Werkstätten. Tischlerei. Schlosserei, einemechanische Wäscherei. Magazine und Schuppen. An diese schließen sich die zum Dorf gehörigen Böden, die Gemüsefelder und AocKer. Fin Stück vom Dorfe entfernt, am Wege nach Tel-Awiw. legt jetzt- Ben-Schemen eine große Orangenpflanzung an. die. nicht nur eine beträchtliche Finnahme für spätere Jahre erwarten läßt, sondert» auch die Möglichkeit gibt, die Kinder im Pflänzlings wesen auszubilden, was für Palästina von großer Wichtigkeit ist. Das Leben für die Kinder in Ben-Schemen ist eine Misihungvon Arbeit undLernen. Wobei die beiden Dinge ineinander übergehen und einander stark beeinflussen, fn einer Klasse der Neun- und Zehnjährigen wird gerade der Milchertrag der Kühe berechnet und die Frgebnisse in Diagrammen niedergelegt. Diese Art von Rechenaufgaben hat wenig Theoretisches, weil die Kinder genau wissen, um welche Kühe es sich handelt, was man von jeder erwartet und was ein „guter“ Milchertrag bedeutet. Die Jugc-ndgruppen hören einen Vortrug über Düngungsinethoden. in einer kleinen Klasse beschäftigt man sich mit der Bevölkerung Palästinas und ihrer Zusammensetzung. Von diesen Kernpunkten ans. Ben-Schemen, seinem Boden, seinen Tieren. Pflanzen, seinen Werkstätten lind Häusern. der Arbeitersiedlung daneben und den arabischen Dörfern ringsum, breitet sich die Erziehung und das Interesse der Kinder auf die Siedlung der Juden, auf das Land selbst und Ln die Ferne. Fs wird versucht, einen Zusammenhang herzustellcn mit den Ereignissen und Kämpfen der großen Welt, einer weiten Aktualität. die sich an die enge Vielfältigkeit Ben-Schemens anschließt. Das Dorf zieht für die Bildung seiner Pfleglinge nicht nur die Arbeit und den Unterricht, sondern auch ein bunt gestaltetes Milieu heran. Fs wird versucht, einen Kontakt zu schaffen mit den mannigfaltigen Interessen und Kulturen der modernen Welt. In den Zimmern und Fßsälen hängen gute Stiche und Drucke, c-s wird Musik getrieben. Kurse und Vorträge über manche rlei Themen gehalten, c-s wird gesungen, getanzt. Theater gespielt, es werden Feste gefeiert. Im Bewässc-riingsresc-rvoir wird geschwommen und seit Jahren plant inan in der Nähe dieses Bassins einen Siiortplatz. Das Leben soll so mannigfaltig und vie lfältig wie möglich sein. Neben den festen Gebäuden stellen Zelt e. Fs ist sehr wenig Platz in Beil-Scheinen. Schon immer waren die Anforderungen, die an die Anstalt gestellt wurden, sehr groß und c-s war nicht leicht, die Mittel für die Erhaltung uiifzubringt-n. Heute ist der Andrang in das Dorf gewaltig. In der letzten Zeit mußten Dutzende von neuen Kindern, vor allem aus I) e ii t s ch I a n d . aufgc-nommc-n werden. Der Betrieb wuchs. Fs blieb nichts übrig, als die größeren Kinder, die seffon eilige wähnt und heimisch sind, zu einem lc-il in Zelten nntc-rzubringfcn. um Platz für neue zu schaffen. Die Zeltgruppen wetteifern miteinander in der Herrichtung dieser Wohnstätten. Es wird ein fc-ster Fliesenfußboden gelegt und jede Gruppedenkt sich etwas besonderes für ihren Zeltgarten aus. schmückt ihn mit Steinen. Pflanzen und allerlei Zierat. Im übrigen richtet man sich ein. wie man kann: in den Fßsälen sitzt man dichtgedrängt, in eien Schulzimmern ist der Raum knapp. Man hofft, jetzt mit der Herstellung neuer Gebäude zu beginnen, alles ist zu erweitern. Die große Trage ist die Beschaffung der nötigen Mittel. Die Eingliederung der d e u t s di cn Kinder in Ben-Schemen ist keineswegs leicht. Es sind freilich darunter* gezählte, die gut hebräisch können, die über Palästina Bescheid wissen und sich dadurch den Lebergang sehr erleichtern. Die meisten aber sind wie in eine ganz neue Welt versetzt. Sie 'müssen zuerst einmal eine neue Sprache lernen, haben keinen Zugang zu dem Leben im Dorf, brauchen Hilfe und Führung. um sich zurechtzufinclen. Und nicht nur die Sprache gilt es zu verstehen, sondern auch den Geist Palästinas, jüdische Begriffe und Inhalte, den „Stil" von Ben-Schemen, seine Liebhabereien und Ideale. Die Mitarbeiter des Dorfes gehen mit Vorsicht an diese große Arbeit. Man will nichts überstürzen, um nichts zu verderben. Die neuen Kinder werden erst langsam in die allgemeinen Gruppen übergeleitet, nachdem sie sich etwas eingelebt haben, sie lernen in Gruppen und in Finzelstunden hebräisch, sie werden erst nach und nach zur Arbeit herangezogen. Vielfach handelt c-s sich um Kinder aus „gutbürgerlichen" Familien, die an Bedienung gewöhnt sind, nicht fähig, selbst für sich zu sorgen, die sich an Mitarbeit und einfache Verhältnisse erst gewöhnen müssen und daher an die Geduld und Zeit der Mitarbeiter große Anforderungen stellen. Fs scheint jedoch, daß die Kinder mit der ihnen eigenen Elastizität nach den erste n Schwierigkeiten bald die Bitnation erfassen, daß sie iuich sehr viel Anziehendes in diesem Leben finden. Freilich sind die Reaktionen individuell ganz verschieden. Ben-Schemen ist einer der Versuche — fraglos einer der interessantesten —. die jüdische Erziehung in Palästina von Grund auf anztipacken. Es geht von der Erkenntnis aus. daß die Erziehung auf das Land und seine speziellen Bedürfnisse zugeschnitten sein muß. Fs bringt die Kinder in die Arbeit, in die palästinensische Landschaft hinein, bereitet sie für Berufe vor, die das Land braucht, versucht ihnen neben diesen praktischen Dingen eine Vorstellung von der Welt und einen Zusammenhang mit größeren Horizonten zu geben. Die Menschen, die diese Arbeit tragen, stolpern natürlich immer von neuem über alle möglichen Schwierigkeiten. Neben Geldkomplikationen' und Organisationsfragen häufen sich die pädagogischen Schwierigkeiten.

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