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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1933-01-01 · X. Jahrgang Nr. 7 · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
X (1933-1934)
Issue
X. Jahrgang Nr. 7
Date
1933-01-01
Page
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Der Plan, die Juden als eine religiöse oder religiös-politische (inderheit zu behandeln, ist scheinbar fallen gelassen worden. Aber die eigentliche Absicht der Regierung ist bisher nicht ausgesprochen worden. Das mag der Grund sein, daß zurzeit von Berufenen und Unberufenen die Lösung der Judenfrage in Deutschland behandelt wird. Als einer der ersten hat sich zu dieser Frage der deutschnationale Reichstagsabgeordnete Professor Freiherr von Freylagh-Loringh o v e n geäußert. Er betrachtet die Juden als Fremdvolk, dem Kulturautonomie zur Ordnung und Verwaltung seiner kulturellen Angelegenheiten wie Kirche, Schule und Wohlfahrtswesen unter staatlicher Aufsicht auf dem Wege der Selbstverwaltung mit den entsprechenden staatlichen Zuschüssen eingeräumt werden soll. Die Juden würden dem deutschen Leben fernzubleien haben. Vielleicht könne man aber soweit gehen, ihnen zu erlauben, entsprechend ihrer evölkerungszahl öffentliche Aemter zu bekleiden. Ihre Stellung wäre dann die einer Minderheit, „wenngleich wir an die einzelnen Bestimmungen der sogenannten Minderheitsschutzverträge nicht gebunden wären und auch der Kontrolle des Völkerbundes nicht unterstünden“. Unabhängig von diesem Vorschlag ist die im 38. Heft der Nationalsozialistischen Monatshefte veröffentlichte Lösung des Sachverständigen für Rassenforschung beim Reichsministerium des Inneren Dr. Achim Gerdce. Er erklärt zunächst den Plan, die Juden in einen Verband unter einem Judenvogt zusammenzuschließen, für grundfalsch. Durch einen solchen Zusammenschluß erhalten die Juden für alle Ewigkeit eine gesetzliche Verankerung in Deutschland, eine Vertretung ihrer Wünsche und eine Regelung „für ihre geheimen Querverbindungen“, und man erweckt zumindest den Eindruck, daß es sich um eine nationale Minderheit handelt, die völkerrechtlichen Schutz außerhalb Deutschlands suchen kann und finden wird. Es wäre politischer Wahnsinn, die innerdeutsche Regelung der Judenfrage mit außerpolitischen Fragen zu ver-?nicken. Es kommt vielmehr darauf an, die uden von Deutschland zu lösen. Staatlich geregelt werden kann und darf nur ihr planmäßiger Ausmarsch, ihre Abwanderung. Darum muß in Deutschland jeder organisatorische Zusammenhalt der Juden zerschlagen "werden. Bleiben darf den Juden lediglich die Synagoge und der Rabbi. „Greifen wir dann die Pläne der Zionisten auf und versuchen wir eine internationale Regelung zur Schaffung einer Heimstätte für die Juden zu erreichen, dann können wir die Judenfrage nicht nur für Deutschland, sondern für Europa und die Welt lösen.“ Eine planmäßige Aussiedlung ist die sich bietende Möglichkeit. Die Juden dürfen in Deutschland nur staatenlose Fremdlinge bleiben „und keine gesetzliche, rechtliche Dauerstellung beziehen“. Ungefähr auf der gleichen Linie bewegt sich der Vorschlag des Reichstagsabgeordneten Dr. von Leers. des Verfassers der Kampfschrift „Juden raus!“' Auch er befürchtet, daß die Zusammenfassung der Juden eine Rechte fordernde Minderheit innerhalb des Staates schaffen wird. Es kommt ihm darauf an, eine Form zu finden, bei der man das Judentum zur Bildung eines wirklichen Volkes und zur Loslösung von dem nicht jüdischen Volke veranlaßt. Es ist also „der Auszug des Judentums zur Bildung eines eigenen Volkes zu organisieren“. Dies sei eine Lösung des Problems in anständiger Form. Voraussetzung sei die Bereitstellung eines ausreichenden außereuropäischen Siedlungsgebietes in gesunder Lage, Ein Holländer habe dafür Madagaskar vorgeschlagen. Vielleicht könnte auch an klimatisch geeignete afrikanische oder südamerikanische Gebiete gedacht werden. Die großen westeuropäischen Kolonialmächte täten das einzig Richtige, wenn sie durch Bereitstellung eines solchen Siedlungsgebietes Europa vom jüdischen Problem entlasteten und den Juden die Volkswerdung ermöglichten. Diese drei Vorschläge verlangen eine ernste Kritik. Der Plan der Gewährung einer Kulturautonomie, wie sie Minderheiten in fremden Staaten zugestandpn wird, setzt voraus, daß diese Minderheiten den Willen haben, in ihrem Volkstum zu verbleiben. Die überwiegende Anzahl der deutschen Juden lehnt aber gerade die Zugehörigkeit zum jüdischen Volkstum ab und bekennt sich uneingeschränkt zum deutschen Volke. Zwischen der Judenfrage in Deutschland und der Lage der deutschen Minderheiten im Auslande besteht also keine Analogie. Diese deutschen Minderheiten fordern Schutz gegen die Assimilation. Die Mehrzahl der deutschen Juden aber hat den Willen, sich völkisch zu assimilieren und nur ihr Religionsbekenntnis beizubehalten. Max Hildebert Boehm richtet deshalb in einem Aufsatz „Minderheiten. Judenfrage und das neue Deutschland“ im 17. Heft des Ringes an die deutschen Juden die Gretchenfrage: „Könnt und wollt ihr euch als eine Volksgruppe eigenen Stammes und eigener Art vom deutschen Volke trennen? Sucht ihr tragbare Formen, um im Deutschen Reiche euerem vom unsrigen verschiedenen Volkstum artgerecht und traditionsgetreu leben zu können?“ Die Mehrzahl der deutschen Juden wird auf diese Frage unbedingt verneinend antworten. Der Begriff eines jüdischen Volkstums ist dieser Mehrzahl ein Kunstgebilde, dem alle Naturwüchsigkeit abgeht. Aber ganz abgesehen von dieser fehlenden Voraussetzung ist auch die Rechtsstellung der deutschen Juden bisher nicht die der Minderheiten gewesen; Diese Minderheiten haben ein völkerrechtlich und vertraglich gesichertes Recht auf völlige bürgerliche Gleichstellung, auf uneinfeschrankten Schutz ihres Lebens und ihrer Freieit, auf den Genuß der gleichen politischen bürgerlichen Rechte. Sie haben insbesondere das Anrecht, eigene Wohlfahrtseinrichtungen, Schulen und Erziehungsanstalten zu schaffen und das Recht auf freie Betätigung ihrer Religion. Der Minderheitenschutzvertrag im deutsch-polnischen Abkommen über Oberschlesien vom 15. Mai 1922 fordert und gewährt z. B. volle staatsbürgerliche Gleichheit als erstes Grundrecht des Minderheitenrechtes. Es ist daher voll zu begreifen, daß von nationalsozialistischer sudetendeutscher Seite besorgt darauf hingewiesen wird, daß die derzeitige Behandlung der jüdischen Minderheiten in Deutschland auf die Behandlung der deutschen Minderheiten in den europäischen Ländern zurückwirken muß. In allen diesen Vorschlägen können die deutschen Juden einen gangbaren Weg zur Lösung der Judenfrage nicht erkennen. Zur letzten Volks«, Berufs« und Betriebszahlung. Die „Bayerische Israelitische Gemeindezeitung“ veröffentlicht den nachstehenden Beitrag in ihrer letzten Nummer. Die heute als geradezu tragisch zu ) bezeichnende wirtschaftliche Schichtung ' und Ueberalterung der deutschen Judenheit wird in diesem Artikel nochmals mit eindrucksvollen Worten gekennzeichnet. Die Schriftleitung. Die diesjährige Bestandsaufnahme dgr Bevölkerung und der Wirtschaft im deutschen Reichsgebiet wird über die Zahl, Altersgliederung und eruflidieZusammensetzung der Juden au Beginn eines von der letzten Epoche grundverschiedenen Zeitabschnittes Aufschluß geben. Noch Einmal wird in aller Schärfe die uns längst bekannte besondere Struktur des jüdischen-Volksteils sichtbar werden: ihre Vergreisung, ihre Ansammlung in den großen Städten, ihr unausgesetztes Einströmen in den Handel uhd in die freien Berufe. Unzählige Male sind in diesen Blät- .tern und in der übrigen jüdischen Presse die eigentümliche und gefahrdrohende Schichtung der deutschen Juden und deren zwangsläufige Ursachen beschrieben worden. Wir haben alle in den letzten drei Monaten erlebt, wie diesem unaufhaltsamen Zusammendrängen in wenigen Berufen mit den Machtmitteln des Staates auf gesetzlichem Weg und durch wirksame Beeinflussung der öffentlichen Meinung Halt geboten wurde, ohne daß den deutschen Juden Platz für neue Berufe geschaffen wurde. Die Zahlen des Jahres 1933 werden für die Regierenden die Grundlage einschneidender Verwaltungsmaßnahmen abgeben, im Rahmen der schon geschaffenen Gesetze über die Schulen, die Beamten, Rechtsanwälte, Aerzte und andere Berufskreise. Von der Gesamtbevölkerung der 43 deutschen Großstädte waren unter 100 Einwohnern 2.25 Juden (München: 1,48; Nürnberg: 2,19; Augsburg: 0,73: Berlin: 4.29; Breslau: 4,17: Frankfurt a. M.: 6,28; Köln: 2,3; Hamburg: 1,83), während der Anteil der Juden für ganz Deutschland (564 379 Juden im Jahre 1925) nur 0,9 Prozent betrug. Die neuen Zahlen des Jahres 1933 werden zeigen, wie sich die bekannten Tendenzen-der jüdischCTi Bevölkerungs- und Berufsgliederung verstärkt haben. Die Zahlen vom 16. Juni 1933 werden an einer Wende des historischen Schicksals unserer Gemeinschaft ein ungewöhnlich deutliches .Augenblicksbild der deutsch-jüdischen Gruppefesthalten. Eine wahrhaft historische Aufnahme mit tragischen Zügen, worin die nachfolgenden Generationen unseres Stammes noch oft sehr gründlich und nachdenklich lesen werden, ein Bild, in das sie sich vertiefen werden, nicht nur wegen des Schulbeispieles, das es bietet, um zu lernen, wie ein edles, hochstrebendes Volk ohne Schuld die Berufsu. Erwerbsart seiner Kinder verhängnisvoll wählen mußte! Denn nicht nur die Berufsgliederung und örtliche Verteilung der deutschen Juden war, wie man längst ohne Möglichlüee -tum 7floheCn speicht, denkt -an MOBEL-MAY säui

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