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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1933-01-01 · X. Jahrgang Nr. 3 · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
X (1933-1934)
Issue
X. Jahrgang Nr. 3
Date
1933-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
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BaakfCMkiü >r HypoflickHTCTkcfir TTTTtTojuTt FRIEDRICHSTRASSE 4 -TELEPHON Nr. 20000 hältnismäßigc große Leistung ist kulturell und psychologisch eben durch ihre Abwehrstellung zu begreifen. Mit dein geschichtlich und sachlich aber völlig unberechtigten Sdilugwort von der gesonderten jüdischen Russe sollte im Interesse der geschichtlichen Wahrhaftigkeit Schluß gemacht werden. Aus Jakob Wassermanns Bekenninisbuch „Mein Weg als Deutscher und Jude". Der berühmte Dichter wurde am 10. März d. Js. 60 Jahre alt. Wie ich zu schreiben begann. Die untere Schicht der bürgerlichen Welt, in der ich aufwuchs. hegte gegen den jungen Mann, der Dichter werden wollte, eine Meinung, die aus ..Fliegende Blätter-“Stimmung und mittelalterlicher Komödiantenscheu gemischt war. Mein Vater hatte einmal in einem thüringischen Hotel mit Karl Gutzkow an derselben Tafel gespeist: es war die große literarische Reminiszenz seines Lebens, und er pflegte bisweilen seufzend zu mir zu sagen: „Das war ein Mann! Profund gebildet! So viel kann ich dich nicht lernen lassen, und deshalb wirst du es auch zu nichts bringen, also laß ab. dein Unglück zu wollen!" Im Alter von viefzehn Jahren ging ich eines Morgens auf die Redaktion des „Fiirther Tugeblattes“ und übergab einem Herrn, der liulbschluminernd an einem Schreibtisch saß. ein Manuskript: er nahin es mürrisch, ohne nach dem Wie und Was zu fragen, und einige Wochen später erschien mein Eluborat: es enthielt mehr Druckfehler als Worte, erregte den Spott meiner Schulgenossen, die Verwunderung einiger halbwüchsiger Mädchen, denen ich gern gefallen wollte, und das Frstuuneu meines Vaters, das sich freilich rasch in Betrübnis und Aerger verwandelte. als mich der Schuldirektor wegen unbefugter Publikation in einem öffentlichen Blatt zu zehn Stunden Karzer verurteilte. Auf eigentümliche Weise ist der Trieb. Geschichten zu erzählen, in mir geweckt worden. Ich schlief mit einem um mehrere Jahre jüngeren Bruder in derselben Kammer, und die Lust am Schwatzen wie auch die Aussicht auf Belohnungen machten ihn zum Spion: er verriet den Fitem meine heimlichen Streifzüge in den Wald, meine Beschäftigung mit Indianerbüchern und me in Verseschrciben. Da geriet ich auf das Mittel der Scherazade: ich erzählte ihm erfundene Romane in abendlichen Fortsetzungen: je spannender die Begebenheiten wurden, desto erwartungsvoller war er natürlich gestimmt, und desto weniger hatte ich eine Angeberei zu befürchten. '. . . Bis zum Jahre 1900 war mein Leben zu abenteuerlich und unbürgerlich, als daß ich hier den Versuch eines Berichtes wagen möchte. Die /eit der leiblichen Not dauerte bis zum Sommer 1894. wo ich. durch die zufällige Lektüre eines Inserats zu einem verzweifelten Brief angefeuert, bei Frust v. W o I z. o g e n Unterkunft und belohnte Tätigkeit fand. Ich darf sagen, daß mir in ihm der erste Mann begegnete, der sich in selbstloser Weise meiner annahm, und ich danke ihm nicht bloß ein energisches Eingreifen in meine Existenz, die verwildert war. und in der ich die Einsamkeit mit ihren schrecklichen Folgen erfahren hatte, sondern auch ein kräftigendes Vertrauen, das er meinen Arbeiten schenkte, und das mir ebenfalls neu war. Mein jfidisdies Publikum. Wenn mir die Frape gestellt würde: bei welchen Männern und brauen hast du am meisten Verständnis, Ermunterung. Echo und Anhängerschaft gefunden, so müßte ich antworten: bei jüdischen Männern uhd Frauen. Wenn man an irgendeinen Dichter oder Künstler nichtjüdischen Ursprungs dieselbe Frage richten würde, so müßte, in der Mehrzahl der Fälle, dieselbe Antwort erfolgen. Ich habe die Probe gemacht: ich habe midi bei vielen Leuten von Rang erkundigt; meine Vermutung, die schon halbe Gewißheit ohnehin war, ist jedesmal bestätigt worden. Und wer die Lebensläufe der Neuerer und Schöpfer des neunzehnten Jahrhunderts erforscht, sei es in Briefen, in gelegentlichen, freilich öft sehr versteckten Aeußerungen. sei es im Urteil, nämlich im erstgeborenen Urteil der Zeitgenossen, oder in den den Formern und Trägern der öffentlichen Meinung, wird es auch dort bestätigt finden. Juden waren Entdecker, Empfänger, Verkündiger, Biographen, waren und sind die Karyatiden fast jeden großen Ruhms. In meinem persönlichen Fall gibt es allerdings - 31 - eine Erschwernis und eine recht eigentümliche. Der Jude kann sich kaum entsdiließen, an dic schöpferischc Fähigkeit eines Juden zu glauben. Mit abnehmendem Grad der Bildung wird daraus die unverhohlene zynische Skepsis. Hier liegt wahrscheinlich ein Atavismus zugrunde, die vom Zeitengedächtnis aufbewahrte Gewöhnung des Dichtbeieinander von Haus und Mensch: Verkettetsein und Zueinunderverurteiltsein: ein rohes Ichkenne dich äußert sich so, du machst mir nichts vor. ich weiß zu viel von dir. ich verstehe mich auch auf die Handgriffe. Doch spüre ich auch einen profunden Demokratismus darin, der Jahrtausende zurückweist auf die natürliche Gleichheit bei Nomadenvölkern, wo keiner sich über Schweigen und warten. Schweigen und warten und kommen die harten Tage der Prüfung, Tage voll Leid. Schweigen und schauen in tiefem Vertrauen auf eine freudvoll’re, schönere Zeit. Schweigen und harren und kommen die Scharen größerer Leiden — aus Menschenschuld. Nicht rechten, noch hassen, Gott in sich erfassen und haben Geduld. R. A. den andern erhebt. Die Juden tragen gegen ihre großen Männer stets ein unausgesprochenes Gebot: du sollst dich nicht über uns erheben, denn vor Gott sind wir alle gleich. Nun hat sich das bildernde, gestultenhildeude Element bei den Juden niemals frei entfalten können: die wahrhaft schöpferische Gabe ist verhältnismäßig sehr selten. Manche leugnen sie überhaupt: sie würden kein Beispiel gelten lassen. auch wenn man sie zuvor über den Begriff des schöpferischen mit ihnen einigte*. Die Sehnsucht nach dem Schöpferischen steckt aber in den Juden tiefer als in jeder ande rn .Menschengattung: Sehnsucht nach dem Schöpfer: sie erklärt sich aus dem jüdische» Gottesgefühl, aus der Gottesfurcht sozusagen, und es wäre zu untersuchen. wie und inwiefern Furcht und Sehnsucht gepaart ist oder Sehnsucht die Furcht bedingt. ln zahlreichen Ab- und Xwischcnurteu sah ich Sehnsucht sich verkünde», verlarvt und verkleidet oft: lächerlich oft und bizarr: lügenhaft und selbsterniedrigend. Eine ergötzliche Figur war mir ein junger Wiener Jude, elegant, von gedämpftem Ehrgeiz, ein wenig melancholisch, ein wenig Künstler, ein wenig Schwindler: den hatte die Vorsehung selbst blond und blauäugig geschaffen, aber siehe da. er glaubte nicht an seine Bloqdheit und Blauäugigkeit: er hielt sie im Innersten für gefälscht, und da er in beständiger Angst lebte, auch andere könnten an der Echtheit zweifeln, ging er über das deutsche Ideal noch einen Schritt hinaus und wurde Anglomune. und zwar von strengster Observanz. Aber was hüben die Larven mit den Wesen zu tun? Ohne die Hingabe und den untrüglichen Enthusiasmus des modernen Juden wäre es um das Kunstverstehen und -empfangen der letzten fünfzig Jahre kümmerlich bestellt gewesen. Juden waren bereit: Juden hatten das Ohr. das lauschte, das Auge, das sichtete: sie waren befähigt, dus Geheimnis zu entdecken, das Wunderbare zu fassen, das Unerkannte zu erkennen. ba in DAS HAUS FÜR JUWELEN. GOLDu. SILEERWAREN, BESTECKE. UHREN, MODESCHMUCK Stuttgart / 17 Aus diu Gemeinden V)ürtUM&ecqs. Stuttgart. Der 1 s r. Männer vor ein für Krankenpflege und L e i ch e n b e s t a t - tun; e. V. hielt am 15. April seine 58. gut besuchte Generalversammlung ul». Der Vorsitzende. Leopold I.evi. durfte in seiner Begrüßungsansprache das segensreiche Wirken des Vereins betonen: konnte doch allen an die C'hewru gestellten Ansprüchen in weitgehender Weise Genüge getan werden. Besonderen Dank zollte der Redner allen Herren, die sich in so aufopfe rnder Weise zur Abstattung von Krankenbesuchen und zur Vornahme der l.eichen- Waschungen zur Verfügung stellten. Audi diese heiligen Aufgaben wurden in Tijeue erfüllt. Zu einer erhebenden Traiierkundgebung gestaltete sich die Verlesung der Namen aller im letzten Jahre verschiedenen Gcmäindemitglicder. Mit besonders ehrenden Worten gedächte dabei der Vorsitzende des Treuesten der Treuen, Adolf Kohn. dessen rührende Anhänglichkeit an den Verein ihm ein dauerndes Gedenken sichert. Für den Dispositionsfonds sprach .dessen Vorsitzender. Louis Hirsch, für den Kranken - Unterstützungsverein dessen Vorstand. Adolf Kops, herzliche Dankesworto für die Stete Hilfsbereitschaft des .Männervereins. Den Kassen- und Betriebsbericht erstattete der Kassier Max Osterberg. Wir möchten aus diesem Bericht nur erwähnen, daß u. a. für Unterstützungen an Vereine und Einzelempfänger 4628 RM. verausgabt wurden. Kassenrevisor Josef Burgheim er stellte die korrekte Kassenführung fest und dankte in wurmen Worten dem Kassier für seine mühevolle Arbeitsleistung. Dein Kassier wurde Entlastung erteilt. Eine* sich anschließende Aussprache über Veroinsangelegenheiten stand auf beachtenswerter Höhe*. Jeder einzelne der zahlreichen Redner fand treffe nde Worte, die Zeugnis ablegten von dem alle Herzen erfüllenden Streben. Gutes zu wirken, und hilfreich den Notleidenden beizustehen. Dein Abschuß, insbesondere dem Vorsitzenden. wurden noch durch Adolf Kops für ihre hingebungsvolle Tätigkeit herzliche Dunkcswortc* gewidmet. Stuttgart. Veranstaltungen. In den nächsten Tagen finden verschiedene General- und Mitgliederversammlungen unserer Wohltiitigkeitsvereine statt, auf die wir hiermit nochmals besonders aufmerksam machen. Die Ordentliche* Mitglieder-Versammlung des ,.J ii d i s ch e n S ch westcr n h e i m s" w ird am 5(1. April, vormittags II Uhr. im Sclmesternheim abgehalten. Ebenfalls für den 50. April ist die Kl. Generalversammlung des ..I s r. K r a n k c* n - JL » t c* r - s t ii t z u ii g s v e r e i n s“ ungesetzt, dii) vormittags 11 Uhr im Gemeindehaus stattfindyt. Die Mitglieder^ ersammlung des „I sir. I. a fiel e s - A s \ I - und Unterstütz u n'g svereins“, die für den 50. April angeselzt war. findet nicht statt. Der neue Termin wird noch bekunntgc'geben. (Siehe auch Seite 50 dieser Nummer.) Stuttgart. B c* r t h o 1 d A u e r b u ch - V e r c* i n. Der R AA. nimmt Anfang Mai seine Tätigkeit Cannstatt' baugeschAft Carl Nenner Ernst Sdiuler Bauddosserei CANNSTATT - Umbau - Reparaturen loMrata 52. TaMn 51121 Gas und tt^ifer Sanitäre Anlagen Zentralheizungen Bauflazthnerei Kauft ' nmaoiiinituHuiflu bei unseren Inserenten! Das PachnachlH tflr alle Ommnlwaran u. Artikel zur Kranlcaapllaga la Caans tatt* Sdüllerstr. 14 TapaiUraialilar Tcdutraac 82 Teletaa 9«IM Eint. u.feinste PoIztermöbel Dekorationen z Vorhänge ifarlUlndler Ihren neuen Hut kaufen Sie am vorteilhaftesten bei B. HÄHNLE-KLINK Marktstrasse IO RICHARD SCHNEIDER BAHNMOFST RASSE 17 HERREN-FRISEUR Alle ebtsdtlägigen Artikel aus det Kannen~Drogerle Kräuterhaus EMIL BRENNER, Seelbergstr. 2 ——— Mitglied das Rabattsparvereins Stuttgart-

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