Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- X (1933-1934)
- Issue
- X. Jahrgang Nr. 1
- Date
- 1933-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
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ba in DAS) HAU5 - IR JUWELEN. GOLD-u ■''i.F.Er^VAREN. fSESLECKE, jjHRE'. MODESCHMUCK Stuttgart / Königstr. 17 t*r mul m-nifHr! Jt’iiluJuM'. «Irr du traurig, er kfHiintt* und irilr Pa-ciiafmidr! (,< \wirti?t*n J.tlirc" fcirrn wir hirr da" I« "k aber /um k'>rtiim‘nd< n Jultrr im I andi* Nrarl"' (»vfreMiu.titiui'ii Juli n**i friert» w ir «*" ti«»<b al> /um k'Ui.inrudrii J*ilirr al" Sohne der Freiheit Ein Feldpostbrief aus der österreichischen Armee. Wir veröffentlichen nachstehend einen Feldpostbrief lies Kadetten (\izefeldveehell Isidor Ansübel, einem Sohne unsere^ Gemeindemitglieds K. Ausiibel. der in einem österreichischen Regiment diente. Der Schreiber war von Beruf Lehrer und rückte ein halbes Jahr nach seiner Entlassung aus dem Lehrerseminar! ein. Seine Briefe sind voll Religiosität und behandeln seine Kriegserlebni-Se in schöner anmutiger , Stilistik. > Das Sehowuäus-Fest hat Isidor Ausiibel nicht mehr erlebt. Er fiel in Wolhvnien. IV. April 1916. Meine Lieb n! Dubeiden ersten IYssachtage sind vorüber. .Ruhig kenn ich hinznfügen. daß ich G. s. D. >y* ganz gut verbracht habe, besser als ich es mir am läge des Abmarsches \orgestellt habe. Es kommt iintncT anders, als man denkt. leb habe immer davor gebangt, daß um die Zeit der Feiertage Verschiebungen Vorkommen könnten. Aus meinen Briefen i*t Euch stets der Wunsch entgegen geklungen, in den alten Positionen den Prs-.jch federn zu dürfen. Aber ..Ausübels Pech" wollte es mders. Er IIInUte mit seinem ganzen!Vs..,eh;Uf die Wanderschaft gehen, ein neues Heim -ich suchend. Ich will nun kurz meine Er!>-b»i--e s, it dem Abmärsche schildern. \in Schabl'»1- Hagodaiil wrließen » ir morgens iniseie alten Stellungen. E< ~tand uns ein Marsch v>n gti km bevor, ke ine Kleinigkeit bei solch iiii-rt'üblem Hundewetter und diesem Wegen. .Glücklich am Ziele andelangt. muHte e in Halbb.it oüoii. d. h zwei K'lmpagnien. infolge Platzmangels einen anderen] *)rt aufstichen. der 6 km etith rnter lag. Schon 'winkten uns die ersten!! ~. r un-eres neuen Quartiere' entgegen, als plötzlich ein Meldereiter mit e iner Hiobspost ang.'pr.-ngt kommt: F m k e li r r n und im W .1 |.:> - ii cl 1 i ch dieser S t r a II c ii I) c r - nachten! Das war schon zu viel für einmal. — 6 - Aber Befehl ist Befehl! Der Soldat muH gehorchen. Alle Energie zusammenraffend, begannen die Füße, von neuem ihren Dienst zu versehen. Wir fanden alte Unterstände im Walde vor. es waren russische. Sie waren dermaßen schmutzig und verl.... daß es die Mannschaft vorzog. trotz der schlechten Witterung im Freien unter den Zelten zu übernachten. Nicht weit davon stand eine Blockhütte, scheinbar für die russischen Offiziere errichtet, die etwas sauberer war. Wir ließen sie herrichten. auskehren, und wenn auch die Fenster fehlten, und der Wind durdt verschiedene andere Löcher hindurch pfeifen und blasen konnte — wir waren recht froh damit. Eine Menageschule voll schwarzen Kaffees ließ einden Aerger des Tages vergessen. Wir schwatzten und sangen, bis allmählich einer nach dem ande rn zu schnarchen begann, von Müdigkeit übermannt. Erst am andern Morgen spürten wir. daß die harten Pritschen und die Knochen sich nicht am besten vertragen. Es war aber zu spät. Geschehen ist geschehen und ist nicht mehr zu ändern. Ein Narr ist derjenige, der sich über etwas Vergangenes aufregt. Mit dem Morgenkaffee schluckten vc-ir den letzten Rest unseres Aergers hinunter. Bald darauf war alles wieder auf dein Marsche zu dem am vorhergehenden Tage zuerst erwähnten Ziele. Es regnete in Strömen, als wir nach eineinhalbstündigem Marsche dort anlangten. Die Rüstung wurde abgelegt. Zelte aufgeschlagen, der Mannschaft eine Stunde Rast gegeben, währe nd welcher vom Kompagnie- und Zugkommandanten der Bauplan ausgearbeitet wurde. Fünf Sechstel der Mannschaft mußten Holz zum Bauplatz tragen, der Rest beginnt an der Deckung des Kompagniestandes zu arbeiten, der noch am selben läge soweit hergestellt sein muß. daß man darin übernachten kann. Die Zugskoinmandanten schliefen auch dort. Das war am Sonntag. Chomez war ich nicht baudek. *) ..Morgen aber beginnt schon Pessach. Du mußt für dich eine eigene Wohnung bis dahin haben. Mit den andern ist es unmöglich, am Pessach zu wohnen!“ Das sagte ich zu mir selbst. Mit Erlaubnis meines Kompagniekommandanten begann ich atn Erew Pessadh mit zwölf Leuten zu bauen. Ich spornte den Eifer meiner Kameraden durch einige Zigaretten an. und gegen 7 Uhr war ich Hausherr. Zwar fehlten noch Türe. Fenster. Fußboden. Tisch und Stuhl, aber ich war mein eigner Herr. Und ich habe dem lieben Gott dafür aus freudigem Herzen gedankt. Mit mehreren Juden betete ich Maariv. Der Seder hat nicht so lange gedauert wie bei Euch zu Hause. Angelehnt konnte man auch nicht arba Kausaus **) trinken. Aber an e twas -.pürteii wir keinen Mangel, empfanden es sogar im Ueberflufi: ..Mora« r“. Es war mir bitter zu Gemütc*. \ oll Wehmut dachte ich an die- -choiien. poosievollen Sedernächte von zu Hause. Traurig stimmtemich der Anblick der Männer, die um mich herumstanden. Es waren *1 .Chomrz baudek sein* beim man das Absuchen der Wohnräume am Pessacb Vortflue narb .Gesäuertem“, also während der Pi-ssacbtage zum Genuß verbotenen Nahrungsmitteln. Die Red. “*) Die von der Haggada vorgeschriebenen vier Bedier Wein. Die Red. BanlfilCMllffll lar HypoMekenmkehr Blchird Iibw Kowiw.-O»». _STUTTGART FRIEDRICHSTRASSE 4 TELEPHON Nr, 20000 Fünfundvierzigjährige darunter. Alle waren wir von dem Wunsche beseelt, daß der Allmächtige uns bald Frieden bringen möge. — Ich gab ihnen Mazzos. sie tranken vom Kidelusch. Mehr konnte ich ihnen nicht bieten. Tee. Honig, Kaffee habe ich bis heute noch nicht erhalten. Des Morgens trinke ich Sliwowitz (Zwetschgenwasser) — gibt ja bekanntlich auch Wärme — und esse Schokolade dazu. Mittags verzehre ich das Rauchfleisch mit Mazzos und am Schlüsse wieder Sliwowitz. Es geht ganz gut; wo ein Wille ist. ist auch ein Weg. meine Lieben. Die verschiedenen Becher, Eßbestecke. Gläser sind da. In einem Packer! war das Fleisch schon verdorben, das übrige war ganz gut erhalten. Ich habe mir ganz frische Kochgeschirre vom Train ausgeliehen, die ich leider noch nicht benützen konnte, da ich nichts zum Kochen habe. Vielleicht kommen die Sachen noch morgen. Die Hauptsachen: Mazzos und Rauchfleisch habe ich genug. Am t. Tag Jomtof ist meine „Villa“ fertiggestellt worden. Der Tisch war zürn 2. Sederabend mit einer sauberen Decke, fabriziert aus einem Schneemantel, bekleidet. Der Wein reichte leider nicht mehr für arba Kaussaus. Trotzdem waren wir schon etwas besser gelaunt. Natürlich haben wir „Seflrob gezählt“. Voll tiefster Andacht, aus sehnsuchtsvollem Geinüte erklang am Schluse unser ..Lesdionoh habooh bij’ruscholojim“. Damit schließe ich auch für heute. Es ist bereits 11 Uhr. Empfanget nochmals herzinnigsten Dank für alle Eure Mühen und seid herzlichst gegrüßt und geküßt von Eurem Isidor. Die Melodien der drei Wallfahrtsfeste. Von Hans Samnel, Essen. Der Abendgottesdienst. Die Melodien der drei Wallfahrtsfeste bauen sich auf der Grundlage der Sabbath-Meloclicn auf. die einen freudigeren und festlicheren Aufschwung nehmen und dadurch zum Teil wesentlich verändert werden. Dazu kommen zahlreiche Neukompositionen für einzelne Kernstücke des Gottesdienstes und die besonderen Melodien für die Einschaltungen und die auf das fest bezüglichen Gebete. Doch kann nicht durchweg von einem einheitlichen Stiininuiigscharukter der Festtags-Melodik gesprochen werden. Dem Inhalt vieler Pin tim entsprechend, in denen gleichermaßen idyllische und liebliche* Erzählungen wie Lehr- und Heldengedichte einen breiten Raum entnehmen, wechselt auch die musikalische Ausdrncksform stetig. Anmutige, pastoralartig klin- WIR SORGEN FÜR IHR AUTO! Ein gepflegter Kraftwagen spart Zeit, Geld und gibt Ihnen Sicherheit! AUTO-REIFEN Trinkner iiiiiiiimiiiiiiitiiiuaimiiiiiiiiiuiiiiuiiiiiii Reinsburgetr. 45 - Telefon 63227 auch Nachtschaltor 'gbn Alles für Ihr Auto durch unsere Inserenten / Geben Sie denselben den Vorzug! KÜHLERFABRIK LÄNGERER » REICH A.G. Hackstraße 25 - 29 / Fernsprecher 40441 Automobilkfihler / Verdiromung Reparaturen lachgemäß, schnell und billig DIPLOM-INGENIEUR T. 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