Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IX (1932-1933)
- Issue
- 24 (16.3.1933)
- Date
- 1933-03-16
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4904101-5442797-5443286--3828-4907651- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
PAUIBRENNER STUTTGART Nikolausstraße Nr. 15-19 Fernsprecher 40657 Rohbauarbeiten Schreiner- und Glaserarbelten geht eigentlich bei euch der ganze Streit? Versteht man denn nicht, was ihr meint? Ihr meint nicht so sehr die Hagguda. wie die Klöße. Territorium ist bei euch doch nur eine Ausrede: die Hauptsache ist doch bei euch die Sache mit „Netto Kasse“, die Kontribution! Und sobald von Kontribution die Rede ist. zu wem kommt man mit einer Anleihe-? /u mir. das heißt zu Rothschild. Also, wißt ihr was? Da. du Engländer mit den langen Beinen und den Kastenhäusern, hast du eine Milliarde! Da. du närrischer Türke mit der roten Mütze, eine Milliarde-! Da Tante Röschen, auch eine Milliarde! Selbstredend, wenn Gott euch hilft, werdet ihr mit Zinsen zurückzahlen, beileibe keine hohen Zinsen, vier oder fünf jährlich. ich will an euch nicht reich werden. Versteht ihr jetzt? Sowohl habe ich ein Geschäft gemacht, als auch Menschen hören auf. einander zu töten wie Ochsen, für nichts und wieder nichts. Und sobald es einmal aus ist mit den Kriegen, nun. wozu braucht man dann noch Waffen und Militär, mit allen siebzehn Sachen und dem ganzen Trara? Zu neunundneunzig Teufeln damit! Und sobald es einmal aus ist mit den Waffen, mit dem Militär und dem Trara, ist es doch aus mit dem Haß und dem Neid, aus mit dem Türken, aus mit dem Engländer, aus mit dem Franzosen, aus mit dem Zigeuner, aus — nicht zusammengenannt — mit dem Juden. Die ganze Welt bekommt dann ein ganz anderes Gesicht. wie es im Sdiriftvers bei uns geschrieben steht: ..Wehojo“ — und es wird sein — „bajom huhu“ — wenn der Messias kommen wird ... Ja und vielleicht ... wenn ich Rothschild wäre, kann sein, daß ich dann gar das Geld abschaffe? Aus mit dem Geld! hassen wir uns doch nicht zum Narren halten! Was ist denn Geld? Geld ist doch eigentlich nur eine Bescheinigung, eine eingebildete Sache. Man hat ein Stückchen Papier genommen, ein Bild angebracht und darauf geschrieben: „Drei Rubel Silber“. Geld, sage ich euch, ist nichts anderes als ein böser Trieb, so ein Gelüst, eines von den größten Gelüsten. Etwas was alle wollen und was keiner hat ... Aber wenn nun überhaupt gar keine Spur Geld mehr auf der Welt wäre, dann hätte doch der böse Trieb nichts mehr zu tun und das Gelüst wäre kein Gelüst mehr. Versteht ihr oder nicht? Und weiter, fragt sich doch: Wo würden dann die Juden Geld auf Schabbos hernehmen? Die Antwort ist: wo soll ich denn jetzt Geld auf Schabbos hernehmen? (Uebertragung aus dem Jiddischen von Eugen Mayer.) Dr. Heinrich Wolf 60 Jahre. Rechtsanwalt Dr. Heinrich Wolf ist am s. März 60 Jahre alt geworden. Wolf, der in Schwöb. Hall geboren wurde und dort das Gymnasium besuchte, kam als junger Referendar nach Stuttgart und hat am Gemeindeleben dauernd den regsten Anteil genommen. Er war dreimal Präsident der Stuttgart- Loge. fast 20 Jahre hat er das Amt eines Schriftführers im Jü dis dien Schwesternheim Stuttgart versehen, jahrelang war er Vorsitzender der Ortsgruppe Stuttgart des C e utralvereins; Wolf ist heute noch Vorstand des „V ereins zur Förderung des Handwerks und des Gartenbaus unter — 267 — den Israeliten Württembergs" und gehört der Landesversammliing der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs seit deren Bestehen an. In allen diesen Stellungen hat Heinrich Wolf stets in der gleichen Weise gearbeitet: ruhig, gleichmäßig, ohne Betonung seine r Person, stets auf das Wohl der Gesamtheit und den Ausgleich der Gegensätze bedacht; immer war er bestrebt, auch den Vertretern anderer Ansichten gerecht zu werden und die alte Weisheit im Auge zu behalten, daß die Wahrheit nicht bei denen zu finden ist. welche radikale Ansichten verfechten, sondern daß sie in der Mitte liegt. Seine bekannte, vorbildliche Ruhe in Verhandlungen kam ihm als Vertreter der schwäbischen Logen beim Generalkomitee der Bne-Brith-Logen in Berlin viele Jahre zu statten. In der verfassungebenden Landesversammlung der württembergischen Juden hat er sich große Verdienste um die Gestaltung der Verfassung erworben und bei den alljährlichen Verband- WENNBERG JUWELIER Könlgrtraße Nr. 40 Modeschmuck Bestecke — Juwelen - Gold - Tafelgeräte Billigste Preise Umarbeitungen Reparaturen langen des Finanzausschusses ist er unentbehrlich Des gleichen Ansehens wie in der Religiousgemeinde erfreut sich Heinrich Wolf bei seinen Standesgenossen und in der Richterschaft. Er ist ein wahrer Anwalt des Rechts, vorbildlich in der Berufsausiihiing und geschätzt von allen, die ihn kennen. Möge er noch \ iele Jahre zu seiner eigenen und unser aller Freude im Kreis seiner Familie und zum Segen unserer Gemeinschaft in Gesundrheit tätig sein! Aus den Gemeinden des Landes. Stuttgart. Sitzung des Vorsteheramtes am Mittwoch, den 8. März 1933. Zu Beginn der Sitzung wird Mitteilung über eine Grabunterhaltungsstiftnng und eine Jahrtagsstiftung gemacht, die beide angenommen werden. Eine Mitteilung des Oberrates über die Durchführung des Notwerkes der deutschen Jugend wird dahin erledigt, daß die Angelegenheit vom Jugendring und vom Fürsorgeamt gemeinsam bearbeitet werden sollen. In den Verwaltungsrat der Arthur Essinger-Stiftung werden die bisherigen Mitglieder und Sanitätsrat Dr. Jt i e s gewählt. In Abwesenheit des Stadtrabbiners erstattet Oberrechnungsrat Meyer den Bericht der Gottesdienstabteilung, deren Antrag auf Aufhebung der beschränkten Mitwirkung des Chors bei den Gottesdiensten vom Vorstehramt abgelehnt wird. Ueber die Einfügung des Namens eines Kriegsgefallenen auf der Gedächtnistafel in der Synagoge sollen weitere Prüfungen vorgenommen werden. Für die Zusammenkunft der Synagogenchöre des Landes in Göppingen wird ein Zuschuß von 30 Mk. bewilligt Ebenso soll Oberlehrer Adler dem Probegottesdienst in Frankfurt anwohnen, in welchem die Kompositionen Schalits zum Vortrag gebracht werden. Im Auftrag der Finanzabteilung berichtet Karl L e v i Uber einige Sicherungsmaßnahmen und baulichen Veränderungen in der Synagoge., Er berichtet über die inzwischen vorgenommene Prüfung des Etats der Israelitischen Religionsgesellsdiaft. Er schlägt vor, ihr 4000 Mk. als Beitrag zu gewähren, solange sie keinen Lehrer neben ihrem Rabbiner hat, und 6000 Mk. zu bewilligen, sobald sie einen Lehrer angestellt hat Oberrechnungsrat Meyer hat den Voranschlag der Religionsgesellschaft geprüft und tritt dafür ein, daß 3000 Mk. Beitrag bewilligt werden sollen. Der Antrag des Vorsitzenden, zur Zeit 4800 Mk. Zuschuß zu gewähren, wird angenommen. In einer nichtöffentlichen Aussprache über die Bedürfnisse des Jugendheimes wird der Antrag der Jugendabteilung angenommen, außer der Miete die Kosten für die Erhaltung des Jugendheimes bis zu 2000 Mk. für dreizehn Monate, zu übernehmen. Ein Antrag Dr. Tänzers, die Stelle eines Jugendpflegers für die jüdische Gemeinde zu schaffen, wurde angenonnnen. — Das Datum des Synagogenkonzerts, das der Jüdische Frauenbund vorbereitet hat, soll vorerst hinausgeschoben werden. Stuttgart. Am I. März sprach Rechtsanw alt Dr. Martin Grünberg in einem gut besuchten Ausspracheabend der „Zionistischen Arbeitsgemeinschaft“ über „Soziologie der a k t u-e Men Situation der Juden in D e ii t s ch 1 a n d“. Die wertvollen Ausführungen des Referenten, die ein treffendes Bild der wirtschaftlichen Situation und geistigen Haltung der deutschen Juden vermittelten, fanden hohe Anerkennung und lebhaften Beifall des aufmerksamen Zuhörerkreises. Mit besonderer Eindringlichkeit betonte der Redner die Notwendigkeit, dabei mitzuwirken. daß aufrechte jüdische Haltung sich wieder Geltung und Eingang verschaffe. Eine Grundvoraussetzung dafür, so führte der Redner weiter aus. sei die palästinensische Siedlungsarbeit. Der Vortrag fand durch rege Diskussion eine interessante Erweiterung. Stuttgart. Die Ordeiitl. Generalversammlung der hiesigen Ortsgruppe des „R eichsbu n d s j ii d . Frontsoldaten“ fand am >. März statt und hatte einen guten Besuch aufzuweisen. Durch diese Tagung wurde der Wille des R.j.F.. auch nach der Neuorientierung de r politischen Verhältnisse unentwegt am Aufbau des deutschen Vaterlands mitzuarbeiteu und im Geiste aufrechter Kameradschaft für die gerechte Würdigung der staatsbürgerlichen Leistung de r deutschen Juden sich einzusetzen. nachdriicklidist dokumentiert. — Der Vorsitzende. Dr. S. Merzbacher. eröffnete die Versammlung und gedachte des verstorbenen Vorsitzenden des Landesverbands. Dr. Franz Hirsch. Ulm.«zu dessen Ehren sich die Anwesenden von ihren Sitzen erhoben. Er gab dann einen Ueberblick über Weg und Ziel der Bundesurheit. die in den letzten Monaten ganz im Zeichen der Aufklärung durch große Versammlungen stand. Der Redner würdigte die Erfolge dieser Arbeit und betonte*, daß der R.j.F. nach w ie vor auf dem Boden strengster parteipolitischer Neutralität stehen und den Kameradschaftsgedanken nach innen und außen pflegen werde. Dr. Merzbacher beschäftigte sich dann mit der neu gegründeten Sportabteilung des R.j.F.. zeigte die Bedeutung des auch vom Frontbund geförderten Siedlungsgedankeh auf und dankte seinen Mitarbeitern für die tatkräftige Durchführung der Bnndesarbeit. — Hiernach erstattete Moritz Linduuf r den Kassenbericht, dessen Ergebnis als günstig bezeichnet werden darf, besonders im Hinblick auf die gesteigerte Tätigkeit der Ortsgruppe, die zurzeit 231 Mitglieder zählt. — Bei den Wahlen KOSCHER F0R PESSACH Unentbehrlich heute wie vor 30 Jahren! nos nffD TOMOR Mandelmilch-Pflanzenmargarine enthält keine tierischen Fette. Sie ist fleischig wie milchig verwendbar und unter Fleisch ein köstlicher Brotaufstrich. Mit PALMIN koscher werden die Speisen auch für den empfindlichen Magen bekömmlich. Es ist beim Kochen und Braten von großer Ausgiebigkeit! TOMOR PALMIN 106 TPK 6-111 KOSCHER