Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IX (1932-1933)
- Issue
- 23 (1.3.1933)
- Date
- 1933-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
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- 253 - ■ »i Au» dem Bilderwerk de» Israelitischen Oberrats „Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg*- Aus dem >»n uns seinerzeit eingehend gewürdigten aungezeichneten Werk veröffentlichen wir heute eine Innenansicht der im Jahre 1799 erbauten DUnabacher Synagoge, die ein Zeugnis für die liebevolle Sorgfalt ist. mit der unsere früher so bedeutenden l-andgemeinden ihre Gottes, häuser ausstatteten. i noij (hsl r l>as zweite Bild zeigt den Grundstein der im Jahre 1804 erbauten Sy na goge in Jebenhausen (je*1* ■» «>ne Wand der Synagoge Göppingen ringe mauert). Vufo.ha».» Ihflr und der Referent. Der vorgesch lagern* Steuerheschluß wird dann angenommen. Die Eingabe des Vorsteheraiutes Stuttgart über die Steuervoraus/ahlung für das Rediuungsjahr 1933/34 wird, nachdem der Referent auf den Paragraph 26 des Württcmbergischen Kirdiengesetzes hingewiesen, dein Oberrat zur Erwägung und Berücksichtigung zugewiesen. Ohne Aussprache wird die beantragte Aenderung der Stolgebührenordnung angenommen und die Ermächtigung zur Erhöhung der im Paragraph 14 der Dienstordnung für die Rabbiner und Religionslehrer festgesetzten Pflichtstundenzahl um Ve gegeben. Nachdem Dr. Dump für den Rechnungsprüfungsausschuß über die Rechnung der Zentralkasse für das Jahr 29/30 berichtet. wird dem Oberrat die beantragte Entlastung für die Führung der Zentralkasse erteilt. Gleichzeitig wird mitgeteilt, daß der Verfassungsausschuß sich konstituiert und Dr. Wolf zum Vorsitzenden gewählt habe. Der Präsident Dr. H a y u m schließt die Tagung, indem er auf die erfreuliche innere Geschlossenheit der wUrttembemsdien Judeuheit hinweist und sie zu stolzem Eintreten und Beharren in der Treue zum Judentum ermahnt, mit Dankesworten an den Oberrat, den Referenten des Finanzausschusses und alle Mitglieder der Landesversammlung. Adler-Mergentheim dankt dem Präsidium für die gewandte und streng sachliche Leitung der Landesversammlung. Aus der Ansprache des Präsidenten des Isr. Oberrats, Ministerialrat Dr. Hirsch: % „Es ist eine ernste Stunde, Ln der die diesjährigen Beratungen der Isr. Landesversammlung stattfinden. Ich denke nicht nur an die wirtschaftliche Not, die auf unserem Vaterlande, auf jedem Einzelnen von uns und damit auf unserer Gemeinschaft lastet. Ich denke vor allem daran, daß in der Reichsregierung eine Partei maßgebend geworden ist. die fanatischen Judenhaß gepredied hat. Demgegenüber vertrauen wir darauf, daß die Führer dieser Partei, nun sie in die Verantwortung berufen sind, sich einer doppelten Erkenntnis nicht verschließen werden: der Erkenntnis, daß die Wiederbelebung des Religiösen in unserem deutschen Volke und die dringend notwendige Hebung unserer privaten und öffentlichen Moral unvereinbar sind mit dem kämpf gegen diejenigen, die am Sinai das Gntteswort und die Grundlage aller Moral empfangen haben. Und die weitere Erkenntnis ist die, daß heute und in aller Ewigkeit ein Staatswesen nur dauern kann, wenn es das übt. was schon unserem Stammvater Abraham geboten worden ist. nämlich Recht und Gerechtigkeit. Vertrauen dürfen wir auch auf die ruhigen und gefestigten Verhältnisse in unserem engeren Heimatland, in dem unsere Religionsgemeinschaft nun seit mehr als einem Jahrhundert, wahrlich nicht zum Schaden des Staates, Gleichberechtigung neben den christlichen Kirchen genießt. Iiu Vordergrund der Beratungen der Isr. Landesversammlung stehen wirtschaftliche. stehen Steuerfragen. Der Oberrat hat unter den gegenwärtigen Verhältnissen es als besondere Pflicht betrachtet, die Belastung der Glaubensgenossen durch Kirchensteuern so niedrig als irgend möglich zu halten. Ich gebrauche absichtlich die Mehrzahl „Kirchensteuern“, denn es wäre offensichtlich falsch, wollten wir unser Augenmerk nur auf die Landesumlage richten und nicht auch an die Ortsumlagesiitze denken. Die w irtschaft liehe Entwicklung der hinter uns liegenden hundert Jahre hat dazu geführt, daß die Landgemeinden mehr und mehr ihre leistungsfähigsten Mitglieder in die Stadt, insbesondere nach Stuttgart, vefloren haben, tm vergangenen Jahre ist nun aber in einer großen Reihe von Landgemeinden ein erschreckend starker Rückgang in den Einkommensverhältnissen und vielfach ein vollkommener Vermögensverlust eingetreten, so daß diese Gemeinden die verbleibenden Steuerpflichtigen in ganz außerordentlichem Maße zur Deckung des Abmangels im Gemeindehaushalt hcruuziehen müssen. Hier gilt es, einen Ausgleich zu schaffen. Während wir alle übrigen Posten des Voranschlags der Zentralkasse gesenkt haben, schlagen wir Ihnen deshalb eine namhafte Erhöhung der für Beiträge an leistungsschwache Gemeinden bestimmten Summe vor. Es liegt auf der Hand, daß damit in gewissem Umfange eine Mehrbelastung der Mitglieder der größeren Gemeinden, insbesondere Stuttgarts. verbunden ist. Ich darf dankbar anerkennen — und die Kleingemeinden haben Anlaß, dasselbe zu tun — daß oei den ernsten Beratungen. die innerhalb und außerhalb des Oberrats hierüber stattgefuuden haben, gerade auch die Vertreter Stuttgarts sich zu diesem Ausgleich bereit erklärt naben. Gewiß hat die Religionsgemeinde Stuttgart eine erfreulich niedrige Ortsumlage. Sie ist aber nicht nur auf die im Vergleich mit den meisten anderen Gemeinden verhältnismäßig günstige wirtschaftliche Entwicklung. sondern — das darf an dieser Stelle ausgesprochen werden auch auf die vorsichtige und solide Finunzgebarung des Vorsteheramts zurückzuführen. Aus der Ihnen überreichten Zusammenstellung der Finanz Verhältnisse der jüdischen Groß gemeinden in Deutschland bitte ich zu entnehmen. daß es keine größere Gemeinde in Deutsch, land gibt, deren Finanzlage günstiger und deren Steuerbelastung durch Landes- und-Ortsumlage zusammen geringer wäre als in Stuttgart: Entsprechendes gilt, wenn der Oberrat in die Lage versetzt wird, leistungsschwachen Gemeinden Beiträge in der beantragten Höhe'zukommen zu lassen, bei einem Vergleich unserer ^mittleren und kleinen Gemeinden mit denjenigen der meisten anderen deutschen Länder. Die andere Ausnahme, in der wir eine Erhöhung eines Etatpostens eintreten lassen mußten, hängt mit der ersten zusammen. Sie betrifft die Unterstützung des „Landesverbands für israelitische Wohlfahrtspflege“. Wir haben uns bisher auf dringende Empfehlungen an die Gemeinden beschränkt, diese wichtige Organisation zu fördern, die übrigens ausschließ’Jdi Bedürftigen außerhalb Stuttgarts zugute kommt. Wir wollten an der alten Tradition festhalten, Landessteuermittel nicht zu charitativen Zwecken zu verwenden. Jetzt aber ist die Not gerade auch in den Landgemeinden so groß geworden, daß die freiwilligen Beiträge der Gemeinden an den L.I.W. nicht entfernt ausreichen, um seinen Bedarf zu decken. Es liegt Ihnen hierüber eine eingehend begründete Eingabe des L.I.W. wegen einer namhaften Unterstützung vor. Diesen Gründen konnte sich der Oberrat nicht verschließen. Er schlägt Ihnen deshalb vor, in Anbetracht der gegenwärtigen Notzeit und nur über ihre Dauer von jener Tradition abzuweichen und dem Oberrat zur Weitergabe an den L.I.W. einen Betrag von 3000 RM. über das Erstklassige Vermögensanlagen Revisionen / Regelung von Erbschaftsangelegenhelten Hausverwaltung Hoercher & Co. e.m.b.H. Stuttgart / Mittnachtbau / KOnlastrafia 46 / Farnsprachar 24166 JUeines Hadioham * Stuttgart Kronenstr. 4, Fernsprecher 28238 Dipl.-Ing. P. Ritter und Ing. R. 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