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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1933-02-16 · 22 (16.2.1933) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IX (1932-1933)
Issue
22 (16.2.1933)
Date
1933-02-16
Page
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> mihI. Die schmerzliche Folge ist. doli audi die dringlichsten uud bescheidensten Bedürfnisse der Ortsarmen nur unzureichend befriedigt werden können, eine Folge, welche die S|>ender -sicher nicht beabsichtigt hatten. F ür die \\ iuternotkilfe haben in Stuttgart insgesamt von 2IMXJ Steuerzahlern etwa 400 Beitrage geleistet. SO Prozent der Steuerzahler haben also überhaupt n i ch t zur E i f üIIu u g der ernsten t h r e n uu f g a b e n der Fürsorge b e i g e t r a g e t). Zugegeben dal! infolge der wirtschaftlichen .Nöte die Hälfte der Gemeinde keine uulierordcntlichen Spenden fiir die Armen leisten kan», so haben doch 30'! der Steuerzahler, also Wie), unter ihnen recht ciefe. die über ein ausreichendes Auskommen «erlügen, die. I.i füllung ihrer LiebespfliHit gegenüber den Ortsurmen ganz verabsäumt, \ndererseits muh dankbar anerkannt werden, dal! gerade (»emeindegenossen mit Ix-sclieidenem i.inkommen \ ei hältuismäilig grolle Spenden dei \\ internothilfe /.iigeführi haben Fine offene Aussprache über diese Angelegenheit erscheint gegenüber den Gerüchten, welche über die Ortsfürsorge im L inlauf sind, dringlich geboten. Die \\ ohlfahrtshilfe der Gemeinde ist \ erfassungsgc-miil! be-dirünkt. Sie darf nicht mehr als ein Zehntel ihres Steuereinganges für hin sorgezwecke aufwenden. Die f ür-orge bleibt also im bisherigen AusmaH auf die Spenden der Gcmeintlrgenossc» angewiesen. Wohititu nach aidic'li. Spenden fiir allgemeine Zwecke in I hren! Aber über 'ie darf die erii'le Doppcdmahnung nicht > ergessen w erden: ..V\ o h I t u n b c g i n n l d a h r i in " und ..Die \ r ui e n d e inrs ( ) r t e s ha l> c n ein \ >> r i e ch I \ o i de n f i e in d e n." Aus den QemetiuLen WücUem&etqs. Stuttgart. Sitzung des Vorstehera m t e s a m M o n lag. den 6. F e h r u a r. Der Vorsitzende. Oskar Rothschild, eröffne tc die Sitzung mit einem Grnlle an die Ileiden neilgewählten Mitglieder des Kollegiums und teilte dann mit. daß er dem wiedergenesenen Präsidenten des Oberrates. Ministerialrat Dr. Hirsch, im Namen des \ orsteheramtes Glückw iinsche ausgesprochen. Er berichtete hieraut das Krgebnis der am 29. Januar stattgefundenen Wahl zum \ cirsteheramte und schritt, da die Kinspruchfrist gegen die Wahl abgelaufen, zur Einführung und \ erpflichtung der beiden neugewählten Mitglieder Felix Sontheim er. und Rechtsanwalt Dr. Hermann M e r / b a ch e r. Während der sodann stattlinclenden Wahl des \orsitzenden des Vorsteheramtes und seines Stellvertreters übernahm Art h.u r Essinger als Alterspräsident den Vorsitz. Er dankte dem scheidenden Vorsitzenden in eindrucksvollen Worten fiir »eine treue und -erfolgreiche Führung der Amtsgfschiilte des \orsteheramtes und leitete hierauf zur Wahlhandlung über. Dr. Tänzer schlug Rechtsanwalt Dr. Flegenheimer zur Wahl zum Vorsitzenden vor. ein Vorschlag, den F r i e d r i ch L. K i e f e unterstützte. Sanitätsrat Dr. Ries be dauerte, daß Oskar Rothschild eine Wiederwahl abgelehnt, die er trotzdem im Interesse der Kontinuität der Geschäftsführung lebhaft empfahl. Gleichzeitig machte er eine Reihe von Vorschlägen, welche die Anteilnahme der Mitglieder des \ orsteheramtes an dessen Arbeiten Xu fördern imstande wären. Dr. Flegenlieimer lehnte jede Erklärung vor der Wahl ab. Nachdem Rothschild nochmals definitiv eine Wiederwahl abgelehnt, wurde Dr. Flegenheimer durch Zuruf zum Vorsitzenden der Gemeinde gewählt. Zum stellvertretenden Vorsitzenden schlug Dr. Tänzer Carl Lev i vor. der ebenfalls durch Zuruf gewählt wurde". Dr. Flegenheimer übernahm den Vorsitz mit Dank für seine Wahl und versprach eine" streng objektive Geschäftsführung. Auch er dankte dem bisherigen Vorsitzenden fiir die "-große", der Gemeinde geleistete Arbeit und rühmte* seine Verdienste um die Erhaltung und Festigung der Gemeinde. Er ent- Der zweite Vortrag des Spinoza-Kurses findet nicht am 20. Februar sondern am 21. Februar im Kleinen Saal des * Gustav Siegle > Hauses statt. Jüd. Frauenbund Jüd. Lehrhaus MdZZGIl-Bestellungen^ nimmt entgegen Be Krämer, Synagogenverwalter SchelllngstraBe 19 / Fernsprecher 21206 — 242 — wickelte kein Programm, sondern wies auf seine neunjährige* Mitarbeit im Vorsteheramt hin. Er wolle sein Amt so führen, daß sich alle Gemeindegenossen in der Gemeinde wohl fühlen. Für eine weitgehende Mitarbe it seiner Kollegen im Vorsteheramt würde er besonders dankbar sein. Mit ihnen gemeinsam wolle er alles Gute in der Religionsgemeinde fördern zur Ehre der jüdischen Gemeinde Stuttgart und zum Segen für alle ihre Einrichtungen. Das Kollegium nahm seine Erklärungen mit lebhaften Bezeugungen des Beifalls entgegen. — Es wurde hieraul zur Bildung der Abteilungen des > orsteheramtes geschritten. Den Kleinen Rat werden außer dem Vorsitzenden Arthur Essinger. Carl Levi. Oberrechnungsrat Meyer und Dr. Tänzer bilden. Die Finanzabteilung setzt sich aus Carl Levi. Dr. Tänzer, Friedrich L. Kiele. Oberrechnungsrat Meyer. Oskar Rothschild und Ludwig Stern zusammen. Die F r i e d h o f s k o in tu i s s i o n bilden Dr. Hommel. Dr. Merz.bacher. Dr. Ries. Felix Sonthrimcr und mit beratender Stimme der Gemeindepfleger. In die l n t c* r r i ch t s a b t e i I u n g werden der Stadtrabbiner. Dr. Hommel. Dr. Merz.bacher und Oberrechnungsrat Meyer gewählt. Die Gottesd i e n s I - und R i t u a I a b t e i I u n g setzt sich aus dem Stadtrabbiner. Arthur Essinger. Dr. .Merzbacher. Oberrechnungsrat Meyer und Felix Sontheimer zusammen. Es wird beiden Abteilungen Ireigestellt. Rabbiner Dr. A u e r I) a ch mit beratender Stimme hinzuziizielieii. Die B ii Hi e r c" i a b t e i I u n g bilden der Stadtrabbiner. Dr. Hommel und Dr. Ries. Zu Delegierten des Vorsteheramtes im Arbeitsausschuß des Fürsorgeamtes werde n Friedrich L. Kiele, Oberrechnungsrat Mever und Dr. Ries und als ihre Stellvertreter Ludwig Stern. Oskar Rothschild und Felix Sontheimer gewählt. Die Wohlfahrt s a b t e i I ii n g setzt sich aus dem Stadtrahbiner. Friedrich L. Kiele. Oberrechnungsrat Mever. Dr. Ries. Oskar Rothschild. Felix Sontheimer. Ludwig Stern und dem Gemeindepfleger mit beratender Stimme zusammen. Die Abteilung zur Förderung der Jugend bilden Dr. Tänzer. Ludwig Stern und Dr. Merzbacher. Der Steucrbeschwerdeauss ch u ß soll aus dem Vorsitzenden, dem Vorsitzenden der Finanzabteilung und einem von dieser Abteilung im Benehmen mit dem Vorsitzenden zu bestimmenden Mitgliedc der Finanzabteilung bestehen. Im Auftrag der Finanzabteilung behandelte hierauf Carl Levi die Frage des Steuerbeschlusses. Er teilte mit. daß für die Landes Umlage 4.4? % von der einlachen Einkommensteuer und von der dreifachen Vermögensteuer veranlagt würden. Oskar Rothschild ging auf die Einzelheiten der Landesumlagefragen näher ein und billigte den Vorschlag, den die Finanzabteilung der Landesversammlung unterbreiten wird. Dr. Tänzer empfahl im Einvernehmen mit Carl Levi die Annahme des folgenden Antrages des Vorsteheramtes an die Landesversanunlung: „Das Vorsteheramt möge beschließen, die Landesversammlung zu ersuchen, den Oberrat zu veranlassen, die Landesumlage fortlaufend jeweils am 10. des ersten Monats eines Kalendervierteljahres in Höhe eines Viertels der Landesumlage des letzten Steuerbescheides solange zu erheben, bis der neue Steuerbescheid zugegangen ist. Das Vorsteheramt hält eine entsprechende Maßnahme für die Gemeindeumlage für wünschenswert und beschließt deren Einführung, sobald di« Landes Versammlung dem obigen Antrag entsprochen hat. Mit der Durchführung dieses Beschlusses wird die Finanzabteilung beauftragt.“ Der Antrag wurde angenommen. Carl Levi kam dann in eingehender Darlegung zu dem Antrag, eine 3 prozentige Gemeindesteuer aus dem einfachen Steuereinkommen und der einfachen Vermögensteuer fiir das Jahr 1932—33 zu erheben. Er stellte dar, daß in diesem Steuerjahre 133 830 Mark Ausgaben Einnahmen in Höhe von 33 200 Mark gegenüherständen. so daß ein Abmangel von 100 630 Mark zu decken wäre. Zur Erleichterung der Steuerzahler sollen ein Ueberschuß in Höhe von 13 400 Mark und Reserven in Höhe von 23 000 Mark verwendet werden, so daß noch 60 230 Mark durch Steuern einzuziehen wären. Da mit einem Steuerausfall zu rechnen, sollen 70 303 Mark Steuern ausgeschrieben werden. Das Kollegium beschloß demzufolge den von der Finanzabteilung vorgeschlagenen Steuersatz. Mit einer Mitteilung über eine Reihe vorgeschlacener Ersparnisseim Synagogenchorbetrieb schloß die Versammlung. * Nachwort der Redaktion: Wir beglückwünschen die Gemeinde zur Wahl ihres neuen Vorsitzenden, der durch seine freundschaftlichen Beziehungen zu dem verewigten Prä siebenten des Isr. Oberrats, Reg.-Rat Dr. N ö r d - limger, seit vielen Jahren mit den Aufgaben unJLJJedürfnissen unserer Religionsgemeinschaft aütsD|este vertraut ist. Seit neun Jahren gehört '’B^Plegenheijiier dem Vorsteheramt an una hat sich in dieser Zeit durch se ine strenge Neutralität und stete Arbeitsfreude die besondere Wertschätzung des Kollegiums erworben. Durch seine juristische Sadikenntnis und seine große Vertrautheit mit jüdischen Fragen ist Dr. Flegenheimer wie wenige geeignet, die Leitung der Gemeinde Stuttgart zu übernehmen. Möge ihm Goiiesdiensizeiten für die Uraelllfsdie Gemeinde Heflbronn. 16. -17. Februar Werktagsgottesdienst 7.00 Ubr morgs. 6.15 Ubr abends 17. Februar Freitag 5.30 Ubr abends 18. Februar Sabbatb 9.00 Ubr morgs. 3.00 Ubr nachm. 6.20 Ubr abends 19. Februar Sonntag 7.45 Ubr morgs. 19.-24. Februar Werktagsgottesdienst 7.00 Ubr morgs. 6.15 Ubr abends 23. Februar Jom Kippur Koton 12 30 Ubr mittags 24. Februar Freitag 5.45 Ubr abends 25. Februar Sabbatb Neumondsverkündigung 9.00 Ubr morgs. 3.00 Ubr nacbm. 6.30 Ubr abends 26. Februar Sonntag 7.45 Ubr morgs. 26. Februar bis 3. März Werktagsgottesdienst 7.00 Ubr morgs. 6.15 Ubr abends eine lange*. Amtsdauc-r zum Segen der Gemeinde Stuttgart beschicken sein! Leber die überaus verdienstvolle Tätigkeit de* bisherigen Vorsitzenden, Oskar Roths ch i I «I. wird in nächster Nummer ein würdigender Rückblick gegeben. Stuttgart, j u g c* ii d I ä g e r in S ii «I vc c s t - ii c* ii t s ch I ii ii il. Vom 23. Dezember bis I. Januar fand ein gemeinsames jiigendlager statt, das vom llc-chaluz für die Jiigcndhiiiide Brith llaolim. kadimah. I laschoiner-Hazair Südwestdeutschlands veranstaltet wurde. Der Brith llaolim war mit Gruppen aus Frankfurt. Mannheim. Stuttgart. Nürnberg-Fürth vertreten, der llasdiomer lla/air Mannheim und Kadimahner ans- Frank fort und Karlsruhe beteiligten sich. Leber die ferientage waren mehr als 120 junge jüdische Menschen zusammen. Die Organisation des Lagers war vorzüglich und ermöglichte ein intensives ideologisches Arbeiten und ein frohes Zusammensein au den Abenden. Die Arbeit der ersten zwei läge erhielt ihre Richtung durch Referate von Fritz LiHitenstein (Merkas Hcthaluz). Nach einer laugen und sehr lebhaften Aussprache konnte LiHitenstein in seinem sehr wirkungsvollen Schlußwort die schicksalhafte Bedeutung der chal ii zischen Forderung an die jüdische Jugend überzeugend zeigen. Fine Aussprache über konkrete Hadischurulifragen vereinigte einen großen Kreis persönlich Interessierter. Hierbei wies Lichtenstein auf die notwendige Umstellung des Einzelnen hin. gal) eine Lebersicht über die wichtigsten Berufe, übet Dauer und Gang der Ausbildung. Es stellte sich heraus, daß in Süd Westdeutschland eine große Anzahl junger jüdischer Menschen in der nächsten Zeit mit der \ erw irklidiiing ihres Zionismus durch \orhereitung für Palästinä beginnen v« ird. In Form einer ..Rouiicl-Table-Konferenz“ wurde zur Araber-Politik Stellung genommen. Verschiedene Chawerim batten sich vorbereitet, den Standpunkt jeder der beteiligten Parteien (Mandatsregieriing. Fellachen, arabische Nationalbewegung. Jewisli Agency. Revisionismus, palästinensische Arbeiterschaft. Allgemeine Zionisten usw.» zu erläutern. Diese Form fand sehr viel Anklang. LiHitenstein informierte ausführlich und zusammen hängend über die* arabische Bevölkerung Palästinas und versuchte die Haltung der allgemeinen Arbeiter-Organisation zur Araberfrage aus der soziologischen und kulturelle n Situation des arabischen Volkes zu begründen Die beiden ersten Abende* wurden mit Chaiiiikuh-Neschafiin sollr anregend ausgefüllt. Hebräische und deutsche Lieder. Sp rech eher. Rcz.tr tationen. Instrumental verträgt* verstärkten das Gefüllt der Zusammengehörigkeit und des Vorhandenseins der Beteiligten. Ganz unabhängig von der Bundeszugehörigkcit der Einzelnen hot das Lager ein geschlossenes und harmonische*- Bild. Stuttgart. B e r t Ii o I d A u e r b u di - \ e r - ein. Am 7. Februar sprach Redinung.srat Julius W i ß m a n ii über die im Dezember v. Js. in Frankfurt a. M. stattgefundenen Delegiert e n t a g ii n g des „V c r b a n d s der jüd i - s Hi e n J ti g e n d v e r e i ii e D t* u t s ch I a n d s" und eröff liefe mit diesem \ ortrag das neue Geschäftsjahr des B.A.Y. Der Referent berichtete eingehend über den Verlauf der Tagung und brachte die Gedankengänge der anläßlich der Versammlung gehaltenen Referate von Dr. Eduard Strauß. Erankfurt a. M.. und Dr. Paul Epstein, Mannheim, den Anwesenden in vorzüglicher Weise nahe.

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