Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IX (1932-1933)
- Issue
- 20 (18.1.1933)
- Date
- 1933-01-18
- Page
- [Seite] (sequence 3)
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Dhpnmift CHdiMsdilas, kalte FOBe, nUtUlUUf Wedueljanxoeaaiwerd., Katarrhe, Neuralgie, beseitigt sicher die von zahlreichen Aerzteu und der Urtskrankeukasse verordneie KavSMr-Mathode. hfewiliMmrn Ifawcca» stuttoari iiiimllrri-TT« rm (VBJNCl y BoüMmitiaS« » der kausalen Zusammenhänge und gegenseitigen Bedingtheit aller materiellen und geistigen Lebenserscneinungen bewußt ist. Und wenn es weiter noch eines Beweises für den kompletten Irrsinn jener dorm des Antisemitismus beüürlte, der jedem Juden aus sogenannten Kassegründen das Keuit oder gar die rühigkeit zur Erlassung und Vertretung der geistigen und kulturellen Werte deutschen \ olksiums absprechen zu können sich erdreistet, die Kersonluhneit und das Leben dieses im IN Orden Berlins geborenen Mannes, dessen Stammbaum nach Polen auf eine Keihe jüdischer Gelehrter und Rabbiner zurückweist, hatte ihn erbracht. IVicht nur war sein eigener Vater wie irgend ein rasseechter deutscher Proletarier erst Klempner, dann Lokomotivführer, und die Lebenstuhrung der vielköpfigen Familie entsprach in jeder Hinsicht diesem Milieu. Auch die ganze geistige Lntwicklung Eduard Bernsteins wurde von den ersten Anfängen im Knabenalter, in dem er seine geistige INahrung den W erken von Willibald Alexis, Adalbert von Cliamisso und anderen dieser Art entnahm, bis zu den Jahren, in denen die Philosophie Immanuel Kants und der Idealismus Friedrich Schillers zum unveräulierlichen Bestandteil seiner W eitanschauung wurden, ebenso wie später während der ganzen Dauer seiner fast sechzigjährigen Teilnahme am öffentlichen Leben der Leit, fast ausschlielilich von den im Humanismus wurzelnden deutschen Kultur- und Bildungsgütern beeinflußt, die seinem eigenen geistigen Schaffen das Gepräge gegeben haben. Wie sehr dieser „Jude" sein deutsches Vaterland geliebt und an ihm gehangen hat, das weiß jeder, der ihm gegenübertrat, als es den Bemühungen seiner freunde, vor allein Ignaz Auers, endlich gelungen war, die Zurücknahme des gegen ihn wegen seiner Tätigkeit als Redakteur am „Sozialdemokrat" erlassenen Steckbriefs zu erwirken und ihm die Rückkehr nach Deutschland zu ermöglichen. Diesem Mann ist das deutsche Vaterland, das ihn durch die Strafe einer mehr als zwanzigjährigen Verbannung auliergewöhnlich schlecht behandelt hat, sogar zu ganz besonderem Dank verpflichtet; denn er hat mehr als irgend ein anderer durch die persönliche Stellung, die er in den Erörterungen der Sozialdemokratie über ihr Verhältnis zur gesellschaftlichen Entwicklung der Gegenwart einnahm, und durch den starken Einfluß, den er infolge der überzeugenden Kraft seiner Ideen auf die politisch-taktischen Entscheidungen der Sozialdemokratie ausübte, dip deutsche Arbeiterschaft stärker an den Staat herangeführt, als dies nach ihrer Knebelung durch das Ausnahmegesetz jemals in Aussicht genommen werden konnte. Die Entwicklung des Lebens Eduard Bernsteins 'eigt uns einen Selfmademan im besten Sinne des Worts. Als Kind schon empfing er starke Anregungen aus der politisch-geistigen Atmosphäre, in der sein Onkel Aron Bernstein, Redakteur an der Berliner „Volkszeitung" und ein Mann der Traditionen des Jahres 1848, wirkte. Als Lehrling in einem Bankgeschäft hat der körperlich schwächliche Knabe seinen Hunger nach Wissen und Erkenntnis in den späten Abendstunden stillen müssen. Er verschlang alle in seinen Bereich gelangenden Bücher und verdarb sich dabei schon damals seine Augen, weil er. um die Ausgaben für Licht zu sparen, am offenen Fenster bei Mondschein las, ela es ihm am Tage an Zeit dafür fehlte. Zum Manne gereift, wurde er bald tätiger Gesinnungsgenosse der führenden Persönlichkeiten in der deutschen Arbeiterbewegung wie August Bebel, Ignaz Auer, Wilhelm Liebknecht, Heinrich Dietz, deren hohes Vertrauen zu seiner charaktervollen Persönlichkeit nach dem Erlaß des Ausnahmegesetzes gegen die Sozialdemokratie in der Hebertragung der Redaktion des geheimen Organes der Partei zum Ausdruck kam. Von diesem erst in Zürich, dann in London gelegenen Kampfplatz aus erwarb er -ich die persönliche Freundschaft und geistige Kameradschaft bedeutender Zeitgenossen auch außerdeutscher Länder wie Victor Adler und Engelbert Pernerstorfer in Oesterreich, Gabriel Deville und Jean Jaur&s in Frankreich, Emil Vandervelde in Belgien, Troelstra und van Kol in Holland, Axelrod und Plechanow in Rußland. Macdonald, Keir Hardie und Bernard Shaw in England, vor allem aber von Friedrich Engels, dem in London lebenden Kampf- und Zeitgenossen von Karl Marx. In dem intimen Verkehr mit Engels empfing Bernstein die stärksten Impulse für sein späteres, für die Entwicklung der Sozialdemokratie so entscheidend gewordenes Eingreifen in deren Haltung zur Politik, das ihm den Namen des Vaters des „Revisionismus“ verschaffte. In dieser Periode seines Lebens zeigte sich an ihm, daß er keineswegs allein zur Kategorie der „Theoretiker“ gehörte, der man ihn bis dahin - 219 - stets zugezählt hatte, sondern daß sich aus seiner theoretischen Grundhaltung heraus auch eine ganz eminente Begabung für die Erfordernisse der politischen Praxis herausgebildet hatte. Die gleichen Wesenszüge, ydie dem Auftreten Eduard Bernsteins im Kampfe der politischen Parteien und in seiner geisüg-wissenschattlichen Arbeit das Gepräge gaben, die übrigens keineswegs einseitig aut das Gebiet der VolKswirtschaft beschränkt war, sondern sich mit einer bei einem Parteimann seltenen Vielseitigkeit auf fast alle W issensgebiete, wie auch auf Dichtung und Kunst erstreckte, bestimmten auch sein mcnsdiliches Verhalten im Umgänge mit allen ihm nahestehenden oder persönlich befreundeten Menschen. Beine echte Herzensgüte und seine schrankenlose Lneigennützigkeit ließen ihn zum Berater der unendlich vielen Menschen werden, die seinen langen Lebensweg gekreuzt haben. Auch ich selbst, der ihm nicht nur auf Grund eines äußeren Yerwandtsdiaftsverhältnisses, sondern einer sehr früh schon gegenseitig empfundenen Gemeinsamkeit der Lehensauftassung persönlich nahe stand, kann davon Zeugnis abiegen. Schon in der Zeit seines Londoner Exils durfte ich seinen wertvollen Rat empfangen, als ich den kühnen Entschluß faßte, mich hauptberuflich als Journalist in den Dienst der sozialdemokratischen Sache zu stellen, der ich vorher nur als freier Mitarbeiter am „Vorwärts“, der „Neuen Zeit", der „Gleichheit" gedient hatte. Seitdem bat er seine rege Anteilnahme an meiner Entwicklung und persönlichen Lebensgestaltung in so zahlreichen f ällen bekundet, daß cs nicht möglich ist, erschöpfend darüber zu berichten. Aber eines an mich gerichteten Briefes möchte ich jetzt, nachdem Abschied von ihm für immer genommen werden mußte, Erwähnung tun und ihn im Wortlaut hier wiedergeben, nicht weil er gerade an midi persönlich gerichtet war, sondern weil er mir nach Stil und Inhalt ein charakteristisches Denkmal fÜB Eduard Bernsteins ganze liebenswürdige und liebenswerte Persönlichkeit zu sein scheint. Den Anlaß zu diesem Brief gab die Vollendung meines eigenen sechzigsten Lebensjahres. Er lautet: Berlin-Schöneberg, 25. Juli 1950. Mein lieber Berthold! Du wirst also nun wirklich 60 Jahre alt? Ich möchte es kaum glauben. Denn wenn auch zurückgelegte 60 Jahre nach meinen Begriffen den Menschen noch nicht dem Register der Alten überweisen, gibt es doch auch bei Menschen, die es noch nicht so weit gebracht haben, Unterschiede der Erscheinung, und als ich Dich das letzte Mal sah, warst Du im Aeußeren und im Benehmen so frisch, daß ich Dir unmöglich das Zeugnis des römischen Senators hätte ausstellen mögen. Und daß Dir diese Frische noch recht lange erhalten bleiben möge, ist der Wunsch, mit dem ich diesen Brief zu Deinem morgigen Geburtstag beginnen möchte, lieber Berthold. Mögest Du noch lange so frisch bleiben, noch recht lange Dich der geistigen Leistungsfähigkeit erfreuen. ÖÜIO U.VaSTuiflGEn BEREIFUNG UULCANe- < \ Fabrik tur / , f uiureiien-neuqumr:tri r:j ■ STUTTGART Heckarstr.iQOfl - Tel. aooiB la. Reilen-Rcparjluren — ansaui aegetanrener Reiten über die Du jetzt, wo Du 60 Jahre alt geworden, gebietest. Du begehst den Tag als ein Kämpfer, der mitten im politischen Kampf unserer Partei sich betätigt, als Schriftsteller, als Redner in Volksversammlungen und als Vertreter in der Gesetzgebung und Verwaltung. Das ist um so mehr ein Glück, lieber Junge, als Du in diesen Betätigungen ein Ansehen bei den Genossen Dir erworben hast, das nicht vielen zuteil wird. Das darfst Du Dir an diesem Tage mit gutem Gewissen sagen, und Dich in dem Glücksempfinden zu bestärken, das Dich infolgedessen erfüllen wird, ist der Z \y e ck und W u n s ch dieser Zeilen. Möge der Tag ein Fesf-tingetrübter Freude für Dich und die Deinen sein! Von mir kann ich Dir wenig schreiben, lieber Berthold. Gesundheitlich habe ich wenig zu klagen. Meine inneren Organe benehmen sich so anständig, wie man es sich in meinem Alter nur wünschen kann, und meine Muskulatur ist noch leistungsfähig genug, um mir ein so häufiges Umhertreiben auf den Straßen und in den Parks von Schöneberg zu ermöglichen, wie der faule Petrus es zuläßt. Mit herzlichsten Grüßen an Dich, Deine liebe Frau und Eure Kinder in Liebe und Treue Euer alter Onkel "Ede. Dieser Brief, den der damals schon mehr als Achtzigjährige mit klarer und fester Hand geschrieben hat, hat mich an jenem Tage mehr als alle anderen Glückwünsche erfreut, weil er nicht nur ein Beweis wahrhaft freundschaftlicher Gesinnung, sondern auch der bis ins hohe Alter bewahrten geistigen Frische und Spannkraft seines Verfassers war. Er war zugleich Ausdruck einer Reife und Abgeklärtheit, wie sie nur von Menschen erlangt zu werden pflegt, die ihren Lebensweg aus eigener Kraft zu gestalten vermochten. Auf diesem Lebenswege erreichte er jenen Zustand einer kontemplativen Lebensbetrachtung, in der sich der Elan der Jugend nicht aufhebt, wie viele glauben, sondern in Wahrheit erst auslebt So ist er ein leuchtendes Vorbild für alle gewesen, die in Charakterstärke und Herzensgüte die wertvollsten menschlichen Tugenden erblicken und ihre Betätigung insbesondere von denen erwarten, die im öffentlichen Leben der Zeit als Führer Geltung, erlangen wollen. 50 Jahre Tübinger Synagoge. Eine Morgenfeier. Am 25. Dezember v. Js. versammelten sich die Mitglieder der Gemeinde Tübingen-Reutlingen und ihrer Filialgemeinden in der renovierten und verschönerten Synagoge in Tübingen zur Abhaltung einer religiösen Morgenfeier, die dem Gedenken an die Einweihung dieses Gotteshauses vor 50 Jahren gewidmet war. Unter den Erschienenen befanden sich der Präsident der Isr. Landesversammlung, Rechtsanwalt Dr. 8. Hayum, Tübingen, als deren Vertreter, und Bezirksr^bbiner Dr. Schweizer, Horb, als Vertreter des Isr. Oberrats. Nach einem Violinsolo des Tübinger Geigers Nuding, dem Vortrag eines Von Religionsoberlehrer Wochenmark verfaßten sinnvollen Prologs „Das Haus Gottes“ durch Frl. Ilse Löwenstein. und dem von Siegfried Löwenstein dirigierten Chorgesang „Wie lieblich ist deine Wohnung, o Herr“ wurde das Hallel im Wechselgesang gebetet, woran sich die Thoraverlesung änschlon. In der darauffolgenden Festpredigt kennzeichnete Oberlehrer Wochenmark Wesen, Zweck und Bedeutung der Andachtsstätten des Judentums entsprechend ihren Bezeichnungen als „Haus Gottes“, „Haus des Gebetes“ und „Haus der Versammlung“ mit eindrucksvollen Worten. Er erinnerte sodann daran, mit welchem Eifer und mit welcher Opferwilligkeit vor 50 Jahren die kleine Gemeinde Tübingen, die nicht viel mehr als 20 jüdische Familien zählte, die Errichtung ihrer Synagoge betrieb, nachdem die Muttergemeinde Wankheim bis auf eine Familie zusammengeschrumpft und die dortige Synagoge baufällig geworden war. Er hob namentlich das Verdienst des Aeltesten der Tübinger Gemeinde, Gustav Hirsch, hervor, dessen tatkräftiger Ausdauer die Tübinger Synagoge hauptsächlich ihre Entstehung zu verdanken hat Er würdigte auch die treue Mithilfe, welche er bei seinen damaligen Gemeindemitgliedern fand, von denen außer G. Hirsch Adolf Dessauer, Simon Degginger, Salomon Spiro und die Frauen Fanny Liebmann. Johanna Katz, Johanna Hilb und Luise Spiro noch unter den Lebenden weilen. Der Redner hob auch die Opferwilligkeit der gegenwärtigen Gemeinde Tübingen-Reutlingen hervor, welche trotz der schweren Zeit beträchtliche Mittel für die Instandsetzung der seit 50 Jahren bestehenden Synagoge aufgebracht und durch Einzelstiftungen von Kultgegenständen die innere Ausstattung der Synagoge vervollkommnet hat. Oberlehrer Wochenmark dankte dann der Gemeinde für ihre Opferwilligkeit und dem Isr. O b e r r a t für seine Unterstützung des Erneuerungswerks. Besonders hob er die vorbildliche treue Sorgfalt hervor, mit welcher der Isr. F rauenverein seit seinem Bestehen um die Ausstattung der hiesigen Synagoge sich müht, und der zum Jubiläumsfeste einen neuen Vorhang für die heilige Lade gestiftet hat. Nach einem für die Gemeinde und das Gotteshaus gesprochenen Gebet wurde der verstorbenen Rabbiner, Vorsteher und Einzelmitglieder der Gemeinde Tübingen-Reutlingen in einer Seelenfeier gedacht. Nach dem Chorlied „Der Mensch lebt und bestehet nur eine kleine Zeit“ bestieg Bezirksrabbiner Dr. Schweizer, Horb, die Kanzel und schilderte seine bisherige Wirksamkeit als Rabbiner in der Gemeinde Tübingen, der er zum Jubelfeste seine Glückwünsche ausf Mcktm9f Frm <*«. «cAflW/fiptoft ' »*kmt i?•/••, 4m tickt (*r*agt4l gegen Kopfschmerzen, Zahnschmerzen, Rhemas, Hexenschuß, Orippe, Erkaltung. ‘‘SSsiÜmsS: la Mfadua n «PL M Fl o. USRM. In «Hm JSmMml