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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1932-12-16 · 18 (16.12.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IX (1932-1933)
Issue
18 (16.12.1932)
Date
1932-12-16
Page
[Seite] (sequence 5)
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Dr. med. Gustav Feldmann zum 60. Geburtstag. Am 13. Dezember vollendete Dr. Gustav F e 1 d m a n n sein 60. Lebensjahr, und in Stadt und Land gedachten viele mit herzlichen Wünschen des trefflichen Mannes in dankbarer Anerkennung, die er sich durch sein Wirken als Arzt, als Deutscher und als Jude in reichem Muße erworben hat. Dieses vielfältige, selbstlose und unermüdliche Wirken hat den einheitlichen Wurzelstock und die lebendige Triebkraft in dem menschlichen Wesen des Jubilars, als dessen Kern jene Treue gegen sich selbst erscheint, von der ein schönes Snakespeare-Wort sagt, daß aus ihr die Treue gegen alle anderen folge. Dr. Feldmann ist im Jahre 1898 aus Bayern nach Stuttgart gekommen und hat im Bürgerspital seine letzte Ausbildung erhalten, ehe er sich als selbständiger Arzt für innere und Nervenkrankheiten niederließ. Die Beherrschung der medizinischen Wissenschaften, der Blick des erkennenden und die Zuverlässigkeit des behandelnden Arztes und die Hingabe an seine Kranken verschafften ihm bald eine treue und wachsende Patientenschaft. Die Standesorganisationen haben sich neben seinen ärztlichen Eigenschaften und Erfahrungen seine außerordentlichen Kenntnisse und Fähigkeiten auf wirtschaftlichem Gebiet nicht entgehen lassen und ihn immer wieder an wichtige Stellen berufen. Charakteristisch' aber für ihn ist es und ein Vorbild für die junge Generation sollte es sein, daß er als junger, eben erst in die selbständige Berufsarbeit eingetretener Mann im Jahre 1899 die Stelle des Vertrauensmanns der damals kaum zehn Mitglieder zählenden Ortsgruppe Stuttgart des „Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ übernahm und nicht nur diese in wenigen Jahren auf eine beachtliche Höhe brachte, sondern durch unermüdliche Arbeit auf dem Lande zum Landesverband Württemberg erweiterte, der heute als einer der regsamsten und bestverwalteten in ganz Deutschland anerkannt ist. Seit 26 Jahren führt Feldmann nun den Vorsitz im Landesausschuß; er ist aber auch sein völlig ehrenamtlicher Syndikus, der auch nicht einen Arbeitstag versäumt, auf dem nun schon seit 1919 bestehenden Büro des Centralvereins zu erscheinen und die Fülle der dort zusammenlaufenden Arbeit zu erledigen. Entscheidend aber ist die Art dieser Erledigung, die charakterisiert wird durch die peinlichste Genauigkeit, die vollkommenste Sachlichkeit und vor allem durch die Erkenntnis dessen, was der deutschen Judenheit und dem Judentum not tut. Die Vereinigung deutscher und jüdischer Gesinnung war ihm nie ein Problem, sondern eine in seinem innersten Wesen begründete Selbstverständlichkeit. Fest im deutschen Boden wurzelnd, abhold jedem innerjüdischen Streit, hat er es immer verstanden, auch dem Gegner gerecht zu werden und Gegensätze in einer höheren Einheit zur Lösung zu bringen. Am schönsten wohl hat sich jene Wesenseinheit gezeigt und bewähren dürfen, als Feldmann im Jahre 1914 an der Spitze der Schwestern des im Jahr 1903 im wesentlichen dank seiner Initiative gegründeten „Jüdischen Schwesternheims Stuttgart“ freiwillig zu jahrelangem Kriegsdienst ins Feld zog. Was er im Kriege, aber auch vorher und nachher, als es galt, mühsam wieder aufzubauen, bis 1923 als Vorstand dieser so wohltätigen Organisation geleistet hat, ist noch heute unvergessen. Was so auch dem Fernerstehenden als Treue gegen den ärztlichen Lebensberuf, gegen den angestammten jüdischen Glauben und die geliebte deutsche Heimat entgegentritt, kennen seine Freunde als die Treue, die er ihnen wahrt und die im tiefsten Grunde die Treue gegen das eigene Wesen ist. Mit der Gemeinde Stuttgart — 197 — und der israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs, die ihn stolz zu den ihren zählen, wünschen sie, daß diese Treue ihnen noch lange erhalten bleiben möge. Dr. O. H. Vaterland und deutsches Judentum. Eine Kundgebung des R.J.F., Ortsgruppe Stuttgart Das Parkett des Großen Festsaals der Liederhalle ist bis auf den letzten Platz gefüllt, und auch die Ränge des riesigen Riaumes sind gut besetzt. Heber 2000 in der weitaus überwiegenden Mehrzahl nichtjüdische Hörer haben sich auf Einladung der Stuttgarter Ortsgruppe des „Reichsbunds jüdischer Frontsoldaten“ eingefunden, um einen Vortrag von Dr. Ludwig Freund, Berlin, Mitglied der Bundesleitung des R.j.F., zu hören. Unter den Gästen befinden sich Oberbürgermeister Dr. Lautenschlager, Stadtkommandant Oberst Ritter von Molo, Polizeipräsident K 1 a i b e r, Polizeioberst G a i s s e r. zahlreiche Offiziere der Reichswehr, der Polizei und der alten Armee — unter ihnen die Generäle von Teichmann, von Ziegesar, Klotz und zahlreiche Offiziere höchsten Ranges — Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden, Vertreter der Kriegsteilnehmerverbände und viele andere prominente Persönlichkeiten. Rechtsanwalt Dr. M. Strauß, der Vorsitzende des Landesverbands des R.j.F., begrüßt die Versammlung und legt dar, daß der R.j.F., der es sich zur Aufgabe gemacht habe, vom Boden der Kameradschaft aus für die Anerkennung der Rechte des deutschen Judentums zu wirken, diesen Abend im Interessegegenseitiger Verständigung veranstaltet habe. Ein besonders herzliches Willkommen entbietet der Redner den Frauen, deren sorgende Liebe während schwerer Kriegslage nie vergessen werde. Mit eindrucksvollen M orten gedenkt Dr. Strauß dann der Toten des Weltkriegs. „Solange die Männer leben, die selbst im Feuer standen, solange die Mütter leben, die ihre Söhne verloren — solange wird jener gedacht werden, die ihr Leben für die Heimat hingaben.“ Das letzte Wort verklingt ... und nun setzt die Orgel mit dem ergreifenden Soldatenlied vom guten Kameraden ein; 2000 Menschen widmen stehend den gefallenen Söhnen der Nation eine Minute ehrenden Gedenkens. — Möge, so schließt dann Dr. Strauß, Haß und Hader zwischen Parteien, Ständen und Konfessionen verschwinden, damit ein einiges Deutschland ersteht. Rechtsanwalt Dr. S. Merzbacher, der Vorsitzende derR j.F.-Ortsgruppe, dankt dem Landesverbandsvorsitzenden und begrüßt namens der Ortsgruppe, als der Veranstalterin des Abends, die Anwesenden. Insbesondere heißt er den Redner des Abends. Dr. Ludwig F reund. willkommen und betont, daß Dr. Freund sein Thema — „Vaterland und deutsches Judent u m“ — streng unpolitisch behandeln werde. Von lebhaftem Beifall begrüßt tritt Dr. Freund nun an das Rednerpult. Wir nehmen die Beurteilung seiner Rede vorweg: Dr. Freund deutete sein Thema in meisterhafter Weise aus; er verstand es, historische Entwicklungen sowie soziologische und geistige Zusammenhänge in so gründlicher, disziplinierter und vornehmer Weise darzustellen, daß sich niemand dem Eindruck seiner Worte entziehen konnte. Oft wurden seine Ausführungen von spontanem Beifall unterbrochen. Stärkster Eindruck dieser Rede: hinter diesen Ausführungen steht ein anzer, aufrechter Mann, ein pflichtewußter Kämpfer für sein Vaterland — ein mannhafter Streiter für die Ehre der deutschen Judenheit. Pater Funk hat's erraten. „Wu kriegen wir zu Weihnachten. Vati?" „Bauch." „Woher denn?“ „Aus England, aus Italien, aus ganz Europa." „Ach. dann weiß ich schon, also doch Radio, aber hoffentlich einen Siemens 46." Daß dieses Rundfunkgerät etwas Besonderes ist hat Peter Funk schon vom kaoiobJuKllcT er Jahren. Siemens Rundfunkgeräte werden Ihnen ferne in Fachgeschäften vor* geffthrt. Dr. Freund untersucht einleitend den Begriff „Vaterland". Vaterland, so führt er aus, ist der Inbegriff des gemeinsamen Schicksals, dem die ganze Nation unterworfen ist. der Inbegriff der Sprache, Güter, Werte und Traditionen, die in Jahrhunderten erarbeitet und erkämpft wur-, den. Krönung des vaterländischen Gemeinschafts-* fefühls aber ist die Kameradschaft, jener in ^riegsnot gewachsene F rontgeist, der Einstehen heißt — einer für den anderen! Heber > die „Volkszugehörigkeit“ gibt es zwar § heute nur noch Theorien. Aber über hllen Theorien steht entscheidend die „Blutstheorie“ — der Einsatz des eigenen Lebens vor dem i Feinde. „Wer in Notstunden des Vater! landes sein Blut geopfert, kann nicht aus der Volksgemeinschaft ausgeschlossen werden.“ Die deutschen! Juden haben ihr volles Opfer gebracht. Von 330 000 deutschen Juden haben 96000 im Weltkrieg unter den Fahnen gestanden, 12 000 haben für Deutschland ihr Leben hingegeben. Ein Zeuge für dieses Kriegsopfer ist das vom R.j.F auf Grund amtlichen Materials herausgegebene Gefallenen-Gedenkbudi. — Was ist denn nun wirklich „V o 1 k“? — so fragt der Redner. Es ist mehr als Rasse, Stamm und Sippe — es ist_eine immer lebendige Einheit una Größe, geformt durch Schicksal, Milieu, Triumph und Verzweiflung. Aber der Jude hat nicht teilgenommen an dieser volklichen Entwicklung — und weil er sich „äußerlich“ nicht amalgamierte, so hat er sich nach den Behauptungen seiner Gegner auch „innerlich“ nicht in das Volk eingegliedert. Aber; wenn dies so wäre — hat man dies alles dem deutschen Juden überhaupt verstattet? — Mit dieser Frage entwirft Dr. Freund nun ein weitgespanntes historisches Bild des jüdischen Schicksals, beginnend mit dem Untergang des jüdischen > Volkes und endend mit dem Gleichl>ere<htigun£sgesetz vom Jahre 1871. Er schildert die Einaeutschungsperiode vor den Kreuzzügen, den religiösen Fanatismus des Mittelalters, der dem Juden die Menschenwürde nahm und ihn zum unproduktiven Händler degradierte — seine Ghettonot ... all das Bittere, was seine orgaijI Die neuesten RaiüO'GenUe stwfl. intUusifer hkrikei führen wir Ihnen bereitwillig*! Im eigenen Heim kostenio« u. ohne Jeden Kaufzwang vor. lat Watet ZtHtnailtlcltirai! Kupfer t Co., stuttgarUN. OartoastraWo IW / Penupredar 11019 Nemraidwrel Elicnmain »Iittnmttkmmm». (Mfutriße 103 jtmmmimtfiiimii' .TUtwmiiMinminiiiitiinir SpezUügefiMfl/ar St&rkw&fthe Beste Bedienung, billigste Preise Abholung ». Zustellung kostenlos Iw—rl—i bringt Onflin l~| , Schlafzlmmerbllder Spiegel, f , staub- und rauchfrei, gut und billig bei der bekannten Firma Chc.JbüMec' Sophienstraße 33 im Hause von Herrn Arthur Essinger Alles Ißr Musik u. Badlo Verlangen Sie Gratiszusendung meines 40 Seiten starken, illustrierten RsdlO-Kataleg«l. 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