Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IX (1932-1933)
- Issue
- 17 (1.12.1932)
- Date
- 1932-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 31)
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Kaettalanlaee [■ Wertpapiere, Fdataliflypafliekca, Sparkaalca i'BaHkamtmaHtUtc Siegmtmd Wat maaan. tiiwi—smn. um- «s»44/4i Palästinas sdiien nur nodi von diesem einzigen stubenden Gewitter durchbebt, als ginge die Weissagung uralter Worte in Erfüllung, als stampften die Maschinen, ächzten die Menschen, knatterte das zersplitternde Gestein: ..Was strömst du Jordan zurück? Was hüpft ihr Berge wie Widder, Ihr Hügel wie junge Lämmer? Vor dem Herrn erbebe, Erde! Erbeb vor Jakobs Gott!“ Das ganze verwunschene Jordantal zitterte von den Schlägen der rastlosen Arbeit unter dem fremden goldblauen Himmel wieder. Fahrt durch Ostgalizien. Aus einem Tagebuch von Otto Abeies. Stanislauer Jagend. Vielleicht ein Zufall: Aber ich habe nirgends im Lande so schöne frische jüdische Jugend gesehen, wie in Stanislau. So weit es nur anging, trachtete ich täglich zur Zeit der Vormittagspause am jüdischen Schulgebäude vorüberzukommen, um von der Straße aus durch den Gartenzaun die Kinder zu sehen und die Halbwüchsigen. Es waren herrliche Junitage, und wie das Wunder der Baumblüte im verwahrlosten ruinenhaften Boryslaw, wirkte diese Pracht der heranwachsenden Generation. die sich mitten im traurigsten wirtschaftlichen Elend entfaltet. Die frohe, lebensvolle Promenade der Mädchen und Jünglinge am Sabbath draußen im städtischen Park, allabendlich der Korso im Zentrum, der.Anblick der jungen Menschen in den Versammlungen — tatsächlich eine Augenweide. Die Krüppelparade vor dem Haus der jüdischen Gemeinde, dieser Aufzug der Bettler und Petenten, die wachsbleichen, in sich zusammengesunkenen Gestalten von der Straßenbörse — und diese kernige, rassige Jugend: Zwei Welten. Ich habe auch nirgends so zahlreiche direkte Beziehungen zu Palästina gefunden, wie bei den Stanislauern. In so viele Stuben ich auch eintrat, fast keine Familie, die nicht Kinder oder weitere Angehörige im Emek. in der Orangenzone, in den palästinensischen Städten hätte. Erinnerungen ... Mein sei. Onkel — der Doktor! Von Alfred Auerbach, Frankfurt a. M. Ich hatte einen Onkel, der war Arzt in einer rheinischen Stadt. Er war der elfte Sohn in der Familie, und da man Mitte des vorigen Jahrhunderts in den besseren jüdischen Kreisen darauf hielt, daß wenigstens einer einen gelehrten Beruf ergreife, wurde er Mediziner. Er ließ sich in der Kleinstadt nieder und hatte Landkundschaft. An Markttagen hatte er am meisten zu tun. Da kamen die Bauern aus allen Dörfern der Umgebung und brachten ihre Leiden mit. die sie möglichst rasch noch am gleichen Tage loswerden wollten. Und auf diese Wünsche hatte sich der Mann als Spezialist eingestellt. Da er viel trockenen Humor hatte, liebten ihn die Bauern und hatten Zutrauen zu dem .Herre Doktor“. Er arbeitete, wie seinerzeit der junge Schiller, reichlich mit Abführmitteln, und die Bauern erkannten in den Wirtschaften nach dem Markt sofort die Leute, die bei dem „Herre Doktor“ gewesen waren; im „Ochsen“ standen die Leute Schlange, bis sie an die Reihe kommen konnten. Aber eben das machte den Doktor populär. Er behauptete, die bösen Säfte müßten heraus, und das leuchtete den Bauern, weil cs so einfach und natürlich klang, vollkommen ein. Er machte manchmal Witze auf den Rezeptzetteln und schrieb einem bei einer besonders scharfen Dosis „Massel und B röche“ darunter. Der Apotheker schickte sofort einen Jungen zu dem Herrn Doktor und ließ ihm sagen. Massel und Brodle habe er nicht vorrätig; ob das ein neues Medikament wäre und wo man das herbeziehe. Der Doktor freute sich ungeheuer und ließ zurücksagen, das sei die beste Arznei und es sei sehr schade, daß sie anscheinend noch nicht in den Handel gekommen sei. Der Apotheker wußte, daß der Doktor ein wunderlicher Kauz war und schüttelte nur den Kopf. Die Arznei ist bis heute noch nicht verkäuflich worden. Der Doktor hatte noch eine Spezialität — er zog Zähne. Dazu hatte er aber keine Instrumente, sondern ein einfaches Verfahren: er band einen Faden um den Zahn des Patienten, knüpfte den Bindfaden an die Türklinke und hieß nun den armen Bauern springen. Die Weheschreie drangen bis auf den Marktfdatz; aber eben dies vermehrte noch die Popularität des Arztes. Denn die Bauern, die drau- - XIX - flen warteten, freuten sich mächtig über die Hilfeschreie der soeben in „Behandlung“ befindlichen und empfahlen den tüchtigen Arzt ihren besten Freunden. Es kam vor, daß der falsche Zahn an der Kordel hängen blieb. Das machte dem Doktor aber nichts aus, er wetterte mit der Grobheit, die ebenfalls zu seiner Beliebtheit und dem Ruf seiner Tüchtigkeit gehörte: „Sei froh, daß er raus is. dann können dir nur noch die andern weh tun!“ Er war der richtige Mann für das Volk, und als er starb, fehlten nur wenige von den Patienten. die sich an den frappanten Zahnlücken als Schicksalsgemeinschaft erkannten; aber sie sprachen von dem „guten Doktor“, weinten und sagten, so was käme nicht wieder. So ein ärztliches Original ist auch nicht wiedergekommen. Aus xUc Sportbewegung. Heilbronn. Am 12. November hielt der Tischtennis-Club „B 1 a u - W e i ß" sein zweijähriges Stiftungsfest ab. das unter Anteilnahme vieler Gäste einen äußerst harmonischen Verlauf nahm. Aus allen Teilen des Landes kamen Gratulanten. Der T.T.C. Schwäb. Hall, der neue T.T.C. „Hakoah“, Stuttgart, und der Jugendbund ...Montefiore“, Heilbronn, sandten offizielle Vertreter. Nach der Begrüßung durch den Vorstand wurden die besten Spieler des Vereins geehrt. Eine zum Teil von Clubmitgliedern besetzte Kapelle spielte zum Tanz. Der gemütliche Abend fand größten Beifall, _ Ulm. Eine schöne Ehrung erhielt Walter V o 11 w e i 1 e r — Sohn des Ulmer Viehhändlers Samson Vollweiler - in der angesehenen Münchner Sportzeitung „Der F u ß b a 11“. Diese Zeitung stellt den jungen jüdischen Sportsmann ihrem Leserkreis in einem ganzseitigen Bilde vor und versieht dasselbe mit folgendem Kommentar: ..Vollweiler, Ulm: Mittelstürmer des Ulmer F.V.94, 20 Jahre ult. Kaufmann. Eigene Zucht von Ulm 94. Die interessanteste Spielererscheinung des Jahres in der Gruppe Südbayern. Spielt „sein“ System, verachtet Schema und Schablone. Erinnert in stets zweckmäßigem Spiel, unbeirrbarem Drang nach vorn und Blitzschuß aus jeder Lage und Entfernung an Gottfried Fuchs vom K.F.V. der Vorkriegszeit. Mit diesem hat er auch die Statur und das lebendigpßffige Auge gemeinsam. Ein echter Schwabe!“ Vollweiler, der infolge einer Beinverletzung einige Wochen nicht antreten konnte, spielte unlängst wieder als erfolgreicher Sturmfünrer beim Bezirksliga-Spiel gegen „Jahn“-Regensburg und erzielte das ausgleichende Tor. — Bemerkenswert ist auch, daß Vollweiler vor einiger Zeit zum erstenmal beim Leipziger Bundespokalspiel gegen Mitteldeutschland repräsentativ - unter hoher Anerkennung der gesamten Sportpresse als Mittelstürmer herausgestellt wurde. —— -+ Stuttgarter Ausstellungen. Ein Gang durch die Ausstellung „Metall und Glas“ der W.M.F. In einer Zeit schwerer wirtschaftlicher Nöte versucht die W ü r ttembergi sch e Metallwarenfabrik, Geislingen, durch eine großzügig und geschmackvoll gestaltete Ausstellung ihrer Spezialfabrikate aus „M etall und G 1 a s“ das Interesse weiter Kreise zu wecken. Man gewinnt bei einer Besichtigung dieser Ausstellung, die bis zum 31. Dezember a. Js. (im Ausstellungsgebäude in der Kanzleistrafie) dauert, eine Fülle tiefer Eindrücke. Die W M F. hat sich große Mühe gegeben, um das Neueste, Praktischste und dabei auch Schönste in „Metall und Glas“ in geschmackvoller Auslese zu zeigen: man muß sagen, daß es ein ästhetischer Genuß ist. diese Ausstellung zu besichtigen. Bereits am Eingang beginnt die Schau mit der Außenbeleuchtung und den Leuchtbuchstaben, die ebenfalls in das Fabrikationsgebiet der W M F. gehören. Beim Eintreten in die Erdgeschoßräume kann man zunächst die Galvanoplastik, die mit einer Lehrschau verbunden ist, kennet» lernen und bewundern. Der Laie bekommt bei einer näheren Betrachtung dieser Lehrschau ein anschauliches. Bild des Produktionsganges dieser Werkkunst. Er sieht, wie kompliziert und schwierig die einzelnen technischen Prozesse sind und welch große Tltm a.T>. Albert Cramer, Ulm lk Knaftllrbcrci ■. dm. WasdMMfall Platzgasse 15 / Fernruf 2981 Annahmestelle: ■ede MalMBB. MeaJerstratc 14 parterre Adolph Moos ::sä- Wischi. 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