Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IX (1932-1933)
- Issue
- 17 (1.12.1932)
- Date
- 1932-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4904101-5442797-5443263--3730-4907559- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
- XIV - essierten Publikum. In geistvoll-sympathischer Weise zeigte die Referentin die Anschauungen der Individualpsychologie auf und stellte die Methodik der Adler’schen Geisteslehre, die den Menschen stets aus dem Kollektiv „Körper, Seele. ■ Verstand“ zu begreifen sucht, an einem sehr instruktiven Fall dar. In einem eine lebhafte Aussprache beschließenden Schlußwort ging die durch starken Beifall bedankte Referentin noch auf Finzelfragen näher ein. Stuttgart. In Abänderung des offiziellen Programms findet die traditionelle Chanukka- Feier des Berthold Auerbach-Vereins am 10. Dezember statt. Der Nerein bietet wieder ein künstlerisch hochstehendes Programm und wird auch durch eine Tombola für beste Unterhaltung Sorge tragen. — In der ersten Dezemberhälfte sprechen im B.AA. Dr med Paul Bon e m und Rabbiner I)r. Auerbadi über interessante Themen. (Siehe Anzeige Seite 180.) , Stuttgart. Die Delegiertentagung des ..I an des verbands der jüdischen Jugend v e r e i n e Württembergs“ fand am | Jo. November im Oberen Museum statt: sie stand >li. » sinal im Zeichen des Referats und sollte in öfter Linie die Delegierten der einzelnen Bünde i über zentrale Probleme der Gegenwart unterrichten. Nach einer Begrüßung der Anwesenden , durch den Vorsitzenden. Rechnungsrat Julius : Willmann. ergriff Rechtsanwalt Dr. W alter ' F i n s t e i n das Wort zu einem sehr klaren und > fein abwägenden ortrag über „R a d i k a 1 i-! s i e r u n g der J u g e n d“. Es ist bemerkenswert. daß der Redner feststellte, es könne von J einer umfassenden ..Radikalisierung“ nicht ge- ' s,>r-,ihen werden. Diese ..Radikalisierung“ sei vielmehr oft der natürliche Impuls der Jugend. | sich in höherem Grade als die Alten den_ Zeitströmungen in die Arme zu werfen. Sehr interi e--ant wuren auch Einsteins Ausführungen zum geistigen Profil der jüdischen Jugend.! Hierauf sprach Staatsrat Dr. J. Steinberg, Berlin über ..Sozialismus und Juden- I tu m '. Steinberg ging von der Feststellung aus.! daß der -Sozialismus als große historische VS elt- : anschatiiing. zusammengebrochen sei und wies j dann der Judenheit aus ihrer dreifachen Schicksalsnot als Mi-nsdirn. arbeitende Meni seiten und jüdische Menschen — einen fest | umri'scnen historischen Entwicklungsanspruch auf Betätigung im Bereich der sozialistischen I Idee zu. gleichzeitig eine Forderung auf aufj bauend.' sozialistische Mitarbeit, die ihre ethischen I Kraftquellen in dem spezifisch jüdischen Gerichtetsein auf den ..aulom habbo" hat. Diese Forderung wurde dann in äußerst geistvoller Weise dahin erweitert, daß Steinberg diesen ..jüdischen“ Sozialismus als den Ausgangspunkt einer großen sozialistischen Neuorientierung kennzeichnet.. die auf die ..geuloh“ — im Gegensatz zirr alten -ozialistischen ..zedokoh" hinzielt. Träger dieser Entwicklung soll in Westeuropa eine jüdisch sozialistische Partei sein. Höchst bemerkenswert waren auch Steinbergs Ausführungen über die Stellung der Juden im Sowjetstaat. Nach einer Pause schritt man zu einer lebhaften Diskussion über die beiden mit großem Beifall aufgenomnienen Referate: sie wurde durch ein ausgezeichnetes Schlußwort Steinbergs beendet. - Nach einem Referat von EdgarGer- -•<n. Frankfurt a. M.. über das Thema ..Wo steht die j ü d i s ch e Jugend?“ erstattete ZIGARRENHAUS Herrn. Hohler ir. Tübingerstraße 12 empfiehlt das Gute und Beste Telefon 25566 Schreibmaschinen Königstraße Nr. 1 (Marstall) Wißmann den Geschäftsbericht und Redakteur Hans Stern heim den Kassenbericht. Im Anschluß hieran wurde noch äußerst lebhaft über Verbandsfragen diskutiert, wobei die Frage der Verbands-. N e u t r a 1 i t ä t“ von verschiedenen Seiten kritisch beleuchtet wurde. — Die sich anschließenden Wahlen ergaben die Wiederwahl des l. Vorsitzenden; da Sternheim — der bisherige Kassier — eine solche nicht mehr annahm, wurde für dieses Amt Ernst Heilbronner bestimmt. Außer Ilse Sommer als Schriftführerin gehören nunmehr dem Ausschuß noch . Lehrer Spier. Haigerloch, Moritz Nowyt a r g e r . Eßlingen, und Paul Scheuer, Heilbronn. als Beisitzer an. Stuttgart Als zweite Sonderveranstaltung des . V ereins jüdisches Lehrhaus“ fand am 2u. November ein Vortrag von Staatsrat Dr. J. S t c» i n b e r g. Berlin, über „D ie Lage und die Aussichten der Juden und des Judentums in Polen“ statt. Einleitend legte der Redner dar, daß sielt jede Situation organisch aus der Vergangenheit entwickelt und entwarf dann von der. Lage, der Juden in Polen t-iu zum größten Teile trübes Bild. Ohne Vermögen. ohne Arbeit vegetieren in Polen viele jüdische Kleinbetriebe. Behördliche Anordnungen. die fortschrittlich erscheinen, werden den Juden zum Fluch. Charakteristisch für Polen ist; der antisemitische Boykott. Das jücli- , sehe Proletariat spielt gar keine Rolle. Und trotzdem — in vielen Fällen triumphiert der Geist über die Materie: Es ist wunderbar, welch tiefe Religiosität die jüdischen Massen beseelt. — Erschreckend aber ist ihre Armut. Es ist keine Einzelerscheinung. daß jüdische Eltern ihre Kinder aussetzen in der Hoffnung, daß sich irgend jemand ihrer annimmt und sie vor dem Hungertode rettet. Dr. Steinberg, der seine Ausführungen mit warmherzigem Mitgefühl machte, sprach seinen Hörern tief zu Herzen. Der ihm von Ministerialrat Dr. Otto Hirsch ausgesprochene Dank wurde durch lebhaften Beifall unterstrichen. Stuttgart. Fn einer Mitgliederversammlung der Stuttgarter Ortsgruppe des „Vereinszur Abwehr des Antisemitismus“ erstattete der verdiente Vorsitzende. Stadtpfarrer a. D. Lamparter. am IT. November einen allgemeinen Bericht und gab seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß auch die gebildeten Stände Damenwäsche in jed. Preislage fetet <JCittde$t$ucQ$au naben Ptanetartum Tilade Stemhatdt LHldünger WÄidtc- Speilal-HiHs Stuttgart, Gymnasiumstraße 31B Bettwäsche z Tischwäsche z Leibwäsche etc. Complette Brautausstattungen jedem Wunsche entsprechend. für antisemitische Bestrebungen immer noch gewonnen werden. Um so mehr sei Aufklärung dringend notwendig. Der Vorsitzende teilte dann mit. daß gleichsam als Antwort auf ein an dieser Stelle schon kritisch beleuchtetes, im Rahmen des „Evangelischen Volksbundes“ gehaltenes Referat ein aufklärendes Flugblatt an sämtliche Schullehrer und Geistliche des Landes gesandt worden sei. das weitgehende Beachtung gefunden habe. Das Hauptreferat des Abends hielt Rechtsanwalt Dr. Gunzenhauser über ,.D e r antisemitische Wirtschaftsboykot t“. Die klaren Ausführungen des Redners zeugten von einer gründlichen Durchdringung des Stoffes. Der Referent hielt sich streng ah die durch Verfassung und Gesetz gegebenen Grundlagen. Er legte dar, daß sich die NSDAP, eine selbständige Boykottabteilung geschaffen habe, von der aus der wirtschaftliche Vernichtungskampf gegen die Juden geführt werde. Im übrigen ist zwischen politischem und wirtschaftlichem Boykott zu unterscheiden. Gegen gemeingefährliche Haltung ist Boykott berechtigt — strafbar aber macht sich, wer aus selbstsüchtigen Motiven einem Dritten bewußte Schädigungen zufügt. Hierher gehört auch der gesellschaftlidie, auf rassischen Gründen beruhende Boykott. Durch den Boykott wird eine große Anzahl von Rechtsgütern verletzt. Als Rechtsmittel kommen Anklage bei der Staatsanwaltschaft, Privatklage, einstweilige Verfügungen usw. in Frage. Ein Sondergebiet stellt die Kollektivbeleidigung dar. Der Redner bezeichnte die Ergebnisse der letzten Boykott-Prozesse als befriedigend. In der richterlichen Beurteilung des Boykotts ist in letzter Zeit ein anerkennenswerter Wandel eingetreten. Bezeichnend ist. daß unter den vielen einschlägigen Urteilen kein einziges württembergisches zu verzeichnen ist. An den mit großem Beifall, aufgenommenen ausgezeichneten Vortrag schloß sich eine Aussprache an. in der Sanitätsrat Dr. Ries und Landtagsabgeordneter Johannes Fischer das Wort ergriffen. Der allgemeine Eindruck der ersammlung war, daß der „Abwehrverein“ unter seiner vorbildlichen Leitung nach wie vor nach Kräften bemüht ist, für Aufklärung. Recht und F rieden zu wirken. M. O. Stuttgart. Die Chanukkamesse, welche die Frauen Vereinigung der Stuttgart-Loge in diesem Jahre zum zweiten Male veranstaltete, hat sich bereits als soziales Hilfs- Universal” Kronensfrafte 13, Telefon 26409 übernimmt die Reinigung von , Qtosdocfierii und ganzen Wohnungen- Erste Referenzen: Zuverlässige Arbeitskräfte mit langjähriger Tätigkeit sorgt für sfuegelhlantie Jacketthöden und Jxeppett durch neuzeitliche Maschinen Erste Stuttgarter Holzfnftboden-Sdilclfcrel, Karl Finck ln kQhlnn Jahreszeit schützen Sie Ihre Gesundheit am besten in der feingestrickten reinwollenen Weich und elastisch schmiegt sie sich eng an den Körper an. Sie ist angenehm im Tragen und verleiht dem Kleid einen tadellosen Sitz. Form Ruth wi« Abbildung, Qr66e 3 Form Ria mit Isitgsn Batnan, QrUs 3 RM rm.525 540 Neuartige Sehrfttveretirfcung Qr66te HaKberfcett Reiche Farbenauswahl Versand nach auswirts Preisliste umsonst Bleyfe-Spezialbaiis Stuttgart Urne Brldic 1 (liehst i KMfstrato) SAUER Holl-and Seiden-Wisdierei Kaulisdi Sophien strasse Ecke TQbingerstr.21 wäscht Kleider von R.-M. 2.— an _ (Kostenlose ü W&sdiberatung) Karl Holler MMaM / m V. Rlsr Sophlenstr. 32, pari. empfiehlt sidi Im Amfertifea v. Neaarbelten ■ad Uwladenuigea sowie Reparatarea toi Golda. Sllborwaren Trauringe / Beitecke JEDER EINMAL ZUR FUSS- / KONTROLLE / Kostenlos u. unverbindlich werden Ihre Füße im May-Fußspiegel-Apparof von SUPINATOR- Spezialisten kontrolliert u. die Ursachen IhrerFußbeschwerden festgestellt. Rat und Auskunft kostenlos durch Herrn Jacoby im Schuhhaus Wolf KCnlgstr. 29 I Ecke Schulstr. | JUteoCe für jeden unserer Leser: Jjmmet bei den Firmen kaufen, die sich in der Qememdes Zeitung empfehlen.